Erdbebenlicht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Erdbebenlichter oder Erdbebenleuchten werden seltene, meist bläuliche manchmal aber auch infrarote[1] Leuchterscheinungen bezeichnet, die vor, während und gelegentlich auch nach Erdbeben auftreten.[2][3] Solche Erscheinungen wurden schon in der Antike vom römischen Schriftsteller Seneca beschrieben.[1] Sie sind nicht auf die unmittelbare Nähe des Epizentrums beschränkt, sondern können auch in hunderten Kilometern Entfernung beobachtet werden.[4] Die Existenz des Phänomens galt lange Zeit als umstritten.[5][6]

Beobachtungen[Bearbeiten]

Auswahl an Erdbeben bei denen diese Lichter beobachtet wurden:

Erforschung[Bearbeiten]

Für die Ursache der Erdbebenlichter gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Ende der 1990er Jahren wurde diskutiert, ob piezoelektrische Aufladungen in den Quarzbestandteilen der Gesteinsschichten nahe der Erdoberfläche, die durch den hohen Druck tektonischer Bewegungen hervorgerufen werden, ein Auslöser für entsprechende elektrische Entladungen sein könnten.[16]

Ein weiterer Erklärungsversuch zielt auf örtliche Unstetigkeiten im Magnetfeld der Erde oder in der Ionosphäre, die dann unter Umständen als Rekombinationsleuchten beziehungsweise als erdoberflächennahe Aurora sichtbar werden könnten.[17]

Im Januar 2014 konnten Forscher des Quebec Ministry of Natural Resources ein Muster hinter den Beobachtungen feststellen: 95 % der weltweiten seismischen Aktivitäten finden entlang der Grenzen zwischen zwei tektonischen Platten statt. 85 % der Erdbeben mit Erdbebenlichtern gehören jedoch zu den restlichen 5 %, die innerhalb von tektonischen Platten stattfinden. Ebenso konnte im Labor nachgewiesen werden, dass negativ geladene Sauerstoffionen, die durch hohen Druck aus den Peroxiden in bestimmten Gesteinsarten herausgelöst werden können, ein leuchtendes Plasma erzeugen.[18][19]

Ferner könnte aus der Erdkruste austretendes Radon die Atmosphäre bereits Tage vor einem Erdbeben stark ionisieren.[20][21]

In Küstennähe wird auch Sonolumineszenz im Meerwasser als Ursache diskutiert.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Gerald Traufetter: Blitze aus dem Boden, Der Spiegel, 13. Oktober 2003, abgerufen am 1. September 2014
  2. a b Erdbebenlichter. Abgerufen am 1. September 2014.
  3. Ein Leuchten kündigt Erdbeben an. Abgerufen am 12. September 2010.
  4. Mysteriöse Lichter kündigen manche Erdbeben an. Abgerufen am 6. Januar 2014.
  5. Mysteriöse Lichter kündigen manche Erdbeben an
  6. Bizarre Earthquake Lights Finally Explained
  7. Hutton (1888). "The Earthquake in the Aimuri".Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868-1961 21: 269–353.
  8. Lane, F. W. The Elements Rage (David & Charles 1966), pp. 175–6
  9. November 29, 1975 Kalapana Earthquake
  10. Light in the Sky (Luz) during Earthquake in Lima - Peru
  11. Glowing lights around an earthquake’s epicentre
  12. Fidani, C. (2010). "The earthquake lights (EQL) of the 6 April 2009 Aquila earthquake, in Central Italy". Natural Hazards and Earth System Science 10 (5): 967–78.doi:10.5194/nhess-10-967-2010
  13. Fidani, C. (March 2012). "Statistical and spectral properties of the L'Aquila EQL in 2009"Bollettino di Geofisica Teorica ed Applicata
  14. Some Bay Area Residents Report Mysterious Flashes In The Sky During Napa Quake
  15. Earthquake lights Santa Rosa, 24.Aug 2014
  16. Shunji Takaki, Motoji Ikeya: A Dark Discharge Model of Earthquake Lightning. In: Japanese Journal of Applied Physics. 37, 1998, S. 5016–20. doi:10.1143/JJAP.37.5016.
  17. Restless Earth - May Give Advance Notice of Large Earthquakes, Pressemitteilung NASA, 7. Dezember 2001, abgerufen am 31. August 2014
  18. DOI:10.1785/0220130059
  19. Bizarre Earthquake Lights Finally Explained
  20. Atmosphere Above Japan Heated Rapidly Before M9 Earthquake
  21. Atmosphere-Ionosphere Response to the M9 Tohoku Earthquake Revealed by Joined Satellite and Ground Observations. Preliminary results