Erdbebenschwarm

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Als Erdbebenschwarm oder Schwarmbeben wird in der Geophysik eine bestimmte Form von Erdbebenserien bezeichnet. Dabei treten in bestimmten Regionen der Erdkruste mehrere Erdbeben innerhalb eines begrenzten Zeitraums auf. Die Beben haben meist eine ähnliche Stärke und ihre Häufung kann mehrere Tage bis etwa 1 Jahr andauern.

Charakteristisch ist häufig ein langsames zeitliches An- und Abklingen der seismischen Aktivität, das keiner bekannten Gesetzmäßigkeit unterliegt. Da die Magnituden der Erdbeben eines Erdbebenschwarmes sich nur wenig unterscheiden, kann keine Einteilung der Seismizität in Vor-, Haupt- und Nachbeben vorgenommen werden.

Die Bezeichnung Erdbebenschwarm wurde erstmals 1899 von Josef Knett in einer Abhandlung über eine Anhäufung von mehr als 100 makroseismisch wahrgenommenen Erdbeben in der Region Vogtland / Westböhmen verwendet, die sich im Jahre 1824 innerhalb von fünf Wochen ereigneten. Stärkere Beben in der Region gab es 1897, 1903, 1908, 1936 und 1962, 1985 und 2000. Im Winter 1985/86 war das bisher stärkste gemessene Erdbeben im Vogtland / Böhmen, das eine Magnitude von 4,6 auf der Richterskala erreichte.[1] Ähnliche Werte wies die jüngste Bebenserie im Jahr 2014 auf, für die Magnituden von 4,2 bis 4,6 angegeben werden. Das Epizentrum dieses Bebens war Nahe der tschechischen Stadt Nový Kostel in 8,5 Kilometer Tiefe.[2]

Erdbebenschwärme treten weltweit hauptsächlich in vulkanisch aktiven Regionen auf. Man vermutet deshalb, dass sie durch die Bewegung von Fluiden in der Erdkruste verursacht werden. Auch künstliche verursachte Schwärme von Mikroerdbeben wurden z. B. bei der Erdölförderung und Druckversuchen in tiefen Bohrlöchern beobachtet.

In Deutschland gibt es Erdbebenschwärme z. B. im Vogtland und am Hochstaufen bei Bad Reichenhall. In letzterem Gebiet hat sich gezeigt, dass es nach Starkregen zu Erdbebenschwärmen kommt. [3]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bebenschwärme im Gebiet von Novy Kostel (Tschechische Republik), umwelt.sachsen.de, Abgerufen am 3. Juni 2014
  2. Stärkstes Erdbeben seit 1985, Mitteldeutsche Zeitung, 1. Juni 2014.
  3. Wenn es in Bayern Erdbeben regnet - Niederschlag kann seismische Instabilität auslösen, Uni München, 2. November 2006