Erdbrand
Erdbrand oder Erdfeuer werden Brände genannt, die durch die Entzündung von Lagerstätten brennbaren Materials entstehen. Typisch für Erdbrände ist, dass der begrenzende Faktor nicht wie bei sonst bekannten Formen von Großbränden die Menge an Brennmaterial, sondern der verfügbare Sauerstoff ist. Es handelt sich daher häufig um Schwelbrände.
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Formen [Bearbeiten]
Brände in Kohleflözen werden Kohlebrände oder Flözbrände genannt. Allgemeiner werden Brände, die bei oder in Zusammenhang mit dem Abbau von Lagerstätten entstehen, Minenbrände oder Minenfeuer genannt. Handelt es sich um Lagerstätten von Erdöl oder Erdgas, so spricht man von Ölfeuern bzw. Bohrlochbränden.
Erdbrände können aber auch durch Selbstentzündung ganz unabhängig von menschlichem Bergbau entstehen und unter Umstände über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg brennen. Ein bekanntes Beispiel aus Deutschland ist der Planitzer Erdbrand, der 1476 durch Selbstentzündung entstand und erst 1490 gelöscht wurde. Ein anderes ist der sogenannte Brennende Berg, ein seit über 200 Jahren brennendes Steinkohleflöz, das 1770 den eigens angereisten Bergrat und Dichter Johann Wolfgang von Goethe beeindrucken konnte: … ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen.[1]
Ein weitere Form von Erdbränden sind Torffeuer. Bekannt sind in diesem Zusammenhang die großen Torffeuer in Indonesien, durch die ungeheure Mengen von Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen und den Treibhauseffekt verstärken. 1997/1998 hatten die Feuer eine Ausdehnung von zehn Millionen Hektar und hüllten Indonesien und Teile Südostasiens zehn Monate lang in dunklen Rauch ein.
Eine sehr ungewöhnliche Form eines Erdbrandes, wenn man es so nennen kann, fand in einer Uranlagerstätte bei Oklo im afrikanischen Gabun statt. Dort kam es während des Proterozoikums über 500.000 Jahre hinweg durch eine natürlich entstandene hohe Urankonzentration zu einer Kettenreaktion, weshalb man vom „Naturreaktor Oklo“ spricht.
Erdbrände und Kultorte [Bearbeiten]
Erdbrände waren im Altertum häufig mit Kultorten verbunden, wobei es sich meist um Kulte chthonischer Gottheiten handelte. Ein berühmtes Beispiel ist Olympos im kleinasiatischen Lykien mit dem Kult des Hephaistos, in dessen Nähe sich der Berg Chimaira mit seinen bis heute brennenden Naturgasvorkommen befindet.
In Arkadien befand sich Pausanias zufolge zwischen Trapezous und Basilis eine Ort namens Bathos („Tiefe“, „Abgrund“), eine Schlucht, in der ein Erdfeuer brannte. In dieser Schlucht würden alle zwei Jahre die Mysterien der Großen Göttinnen gefeiert.[2]
Ein weiteres Beispiel für einen Kultort mit hinduistisch-zoroastrischem Hintergrund ist der Feuertempel von Baku, in dem eine durch ein Erdgasvorkommen gespeiste ewige Flamme brannte.
Erdbrände als Thema in der Literatur [Bearbeiten]
Erdbrände sind in der neueren (deutschsprachigen) Literatur wiederholt Thema gewesen, so etwa in Dorothee Elmigers 2010 veröffentlichten Debütroman "Einladung an die Waghalsigen", wo es bereits im Klappentext heißt: "In den Stollen eines Kohlereviers ist vor Jahrzehnten ein Feuer ausgebrochen - und noch immer lodern unter Tage die Flammen."[3] Auch bei dem Schriftsteller Francis Nenik spielt - in seinem Roman "xo" - ein Erdbrand eine zentrale Rolle. Der Erdbrand wird hier einerseits als eine unterirdisch wütende Kraft beschrieben, gleichzeitig aber auch seine Nutzbarmachung über der Erde (z.B. Pflanzhäuser, die auf dem warmen Boden errichtet werden) vorgeführt.[4]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Goethe: Dichtung und Wahrheit. Zweiter Teil. Zehntes Buch. 1812. In: Hamburger Ausgabe 1948ff, Bd. 9, S. 420. „Klunse“ ist ein altertümliches Wort für „Spalte“.
- ↑ Pausanias Beschreibung Griechenlands 8.29.1
- ↑ Dorothee Elmiger: Einladung an die Waghalsigen (Roman)
- ↑ Francis Nenik: xo (Roman)