Geographie

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Dieser Artikel behandelt die Geographie als Wissenschaft. Ausbildung, Tätigkeiten und Einsatzfelder werden im Artikel Geograph beschrieben.
Physische Weltkarte

Die Geographie (auch Geografie, griechisch γεωγραφία geographía, zusammengesetzt aus γῇ ‚Erde‘ und γράφειν gráphein ‚(be-)schreiben‘) oder Erdkunde ist die Wissenschaft, die sich mit der räumlichen Struktur und Entwicklung der Erdoberfläche befasst, sowohl in ihrer physischen Beschaffenheit wie auch als Raum und Ort des menschlichen Lebens und Handelns.[1][2] Sie bewegt sich dabei an der Schnittstelle zwischen den Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften.

Gegenstand der Geographie ist die gesamtheitliche Erfassung, Beschreibung und Erklärung der Strukturen, Prozesse und Wechselwirkungen in der Geosphäre. Die physikalische, chemische und biologische Erforschung ihrer Einzelerscheinungen ist jedoch Gegenstand anderer Geowissenschaften.

Schreibweise[Bearbeiten]

Gemäß den amtlichen Rechtschreibregeln wird der Wortbestandteil „graph“ häufig zu „graf“. Beide Schreibweisen sind korrekt. Traditionell wird in wissenschaftlichen Texten und unter Fachleuten überwiegend die alte Schreibweise genutzt. So empfahl das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Geographie im Jahr 2003 einstimmig, die Schreibweise Geographie beizubehalten.[3] Der Duden erlaubt 2006 in seiner 24. Auflage beide Schreibweisen und kennzeichnet die Variante Geografie als Dudenempfehlung.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Jan Vermeer: Der Geograph

Die Bedeutung geographischen Wissens wurde, soweit historisch überliefert, erstmals in der Antike von den Griechen erkannt. Von Anaximander aus Milet wird berichtet, dass er der erste war, der um 550 v. Chr. eine Karte der Erde und der Meere skizzierte. Herodot von Halikarnassos (484–424 v. Chr.) verfasste eine Vielzahl von geographischen Berichten. Eine Berechnung des Erdumfangs gelang erstmals Eratosthenes (ca. 273–194 v. Chr.), während der um die Zeitenwende lebende Strabon eines der heute am besten erhalten geographischen Werke der Antike verfasste. Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis ca. 175) sammelte topographisches Wissen und gab Anleitungen für das Zeichnen von Karten. Die Erkenntnisse der Griechen nutzten die Römer weiter. Während des Mittelalters geriet die Geographie, wie andere Wissenschaftszweige auch, in Europa wieder in Vergessenheit. Aus dem Kaiserreich China und dem aufstrebenden Orient kamen neue Impulse.

Frühe theoretische Ansätze lieferte Albertus Magnus: In seiner Abhandlung „De natura locorum“ beschrieb er die Abhängigkeit der Eigenschaften eines Ortes von seiner geographischen Lage. Im Anschluss daran führte der Wiener Astronom Georg Tannstetter die physikalische Geographie in den Kreis der universitären Lehrgegenstände ein (1514).[5]

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Die neuzeitliche Geographie wurde von Bartholomäus Keckermann (1572–1608) und Bernhard Varenius (1622–1650) begründet. Sie entwickelten ein Begriffssystem, unterschieden „Allgemeine Geographie“ (geographia generalis) und die „Regionale Geographie“ beziehungsweise Länderkunde (geographia specialis). Sie sahen Völker, Staaten und Orte in einem räumlichen, historischen und auch religiösen Kontext. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts beförderten in Deutschland vor allem Johann Hübner (1668-1731) und Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES (1685-1770) durch ihre Lehrbücher, thematischen Lexika und Atlanten die Verbreitung der Geographie in weite Teile der bildungsnahen Bevölkerung.

Das Zeitalter der Aufklärung förderte Erklärungsversuche von Naturerscheinungen durch Wissenschaftler wie Johann Gottfried Herder (1744–1803) und Georg Forster (1754–1794). Anton Friedrich Büsching (1724–1763) verfasste die elfbändige Neue Erdbeschreibung mit Beschreibungen der Länder und deren Wirtschaft.

Etablierung als eigenständige Disziplin[Bearbeiten]

Alexander von Humboldt (1769–1859) und Carl Ritter (1779–1859) begründeten schließlich die moderne wissenschaftliche Geographie, deren ursprüngliches, länder- und landschaftskundliches Forschungsprogramm auf Herders Kulturtheorie basiert.[6] Im Laufe des 19. Jahrhunderts gründeten sich zunächst vielerorts „geographische Gesellschaften“, während die universitäre Institutionalisierung des Fachs vor allem mit der Gründung des Deutschen Reichs vorangetrieben wurde.

Ferdinand von Richthofen (1833–1905) definierte die Geographie zu jener Zeit als „Wissenschaft von der Erdoberfläche und den mit ihr in ursächlichem Zusammenhang stehenden Dingen und Erscheinungen“. Dieser geodeterministische Betrachtung standen das von Paul Vidal de la Blache (1845–1918) geprägte Konzept des Possibilismus sowie die von Alfred Hettner (1859–1941) formulierte Chorologie gegenüber. Einzelne Fachvertreter wie Élisée Reclus (1830–1905) knüpften früh Verbindungen zur aufkommenden Soziologie. Auch belegt etwa das Entstehen der ersten Nationalparks, dass der prägende Einfluss des Menschen auf seine Umwelt nicht nur bekannt, sondern auch von politischer Bedeutung war.

Insbesondere die deutsche Geographie war aber letztendlich von sozialdarwinistisch und völkisch argumentierenden Vertretern wie Alfred Kirchhoff (1838–1907), dem als Begründer der Humangeographie geltenden Friedrich Ratzel (1844–1904) und dem Geomorphologen Albrecht Penck (1859–1945) bestimmt. Anwendung fanden diese Ansichten schließlich vor allem durch die Geopolitik, wie sie insbesondere durch Halford Mackinder (1861–1947) und Karl Haushofer (1869–1946) formuliert worden war.

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich die geographische Forschung im deutschsprachigen Raum zunächst Themengebieten von relativ geringer politischer Brisanz zu. Carl Troll (1899–1975), Karlheinz Paffen (1914–1983), Ernst Neef (1908–1984) und Josef Schmithüsen (1909–1984) entwickelten die Landschaftsökologie, Hans Bobek (1903–1990) und Wolfgang Hartke (1908–1997) die Sozialgeographie weiter. Eine stärker an den Erfordernissen der Raumplanung orientierte, nicht zuletzt auf den Werken von Walter Christaller (1893–1969) aufbauende Geographie wurde dagegen zunächst in Schweden durch Torsten Hägerstrand (1916–2004) und im anglo-amerikanischen Raum etabliert.

Seit Ende der 1960er Jahren versteht sich auch die deutschsprachige Geographie zunehmend als angewandte Wissenschaft und sucht ihre Themen im Zusammenhang mit Städtebau, Entwicklung des ländlichen Raumes, Raumplanung oder dem Umweltschutz. Gleichzeitig trägt die Entstehung einer sich als kritisch verstehenden Geographie dieser neuerlich übernommenen gesellschaftspolitischen Verantwortung Rechnung. Durch die wachsende Spezialisierung im 20. Jahrhundert entstand die Vielfalt der heutigen Teildisziplinen und die Aufteilung zwischen Physischer Geographie und Humangeographie.

Ordnungsschema[Bearbeiten]

Das Drei-Säulen-Modell der Geographie[Bearbeiten]

Es existieren verschiedene Versuche, die Geographie schematisch zu ordnen. Die im heutigen Wissenschaftsbetrieb bedeutsamste ist die Einteilung in die beiden großen Teilgebiete der Physischen Geographie und der Humangeographie nebst einem interdisziplinären Bereich als dritter „Säule“.[7] Es lassen sich jeweils diverse Unterdisziplinen identifizieren, wobei die Teilbereiche der physischen Geographie insgesamt relativ stark in die übergeordneten naturwissenschaftlichen Disziplinen integriert sind, während diejenigen der Humangeographie wiederum untereinander eng vernetzt sind.

Physische Geographie[Bearbeiten]

Die Physische Geographie (oder Physiogeographie) beschäftigt sich in erster Linie mit den natürlichen Bestandteilen und Strukturen der Erdoberfläche. Dabei wird die Tätigkeit des Menschen zur Erklärung der Landschaftsgenese auch behandelt.

Klimageographie: Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger

Teilgebiete der Physischen Geographie sind unter anderem:

Humangeographie[Bearbeiten]

Die Humangeographie (auch Anthropogeographie, selten Kulturgeographie) beschäftigt sich sowohl mit dem Einfluss des Menschen auf den geographischen Raum, als auch mit dem Einfluss des Raums auf den Menschen − beispielsweise im Zusammenhang mit der räumlichen Verteilung von Bevölkerung oder Wirtschaftsgütern. Ehemals als Teil der Geisteswissenschaften aufgefasst, hat sie sich insbesondere seit den 1980er Jahren („spatial turn“) den Gesellschaftswissenschaften angenähert. Hartmut Leser (2001) definiert die Humangeographie als denjenigen „Teilbereich der Allgemeinen Geographie, der sich mit der Raumwirksamkeit des Menschen und mit der von ihm gestalteten Kulturlandschaft und ihren Elementen in ihrer räumlichen Differenzierung und Entwicklung befasst.“

Die Sozialgeographie und die Kulturgeographie gelten dabei als „Kerngebiete“ der Humangeographie, da sie alle weiteren Subdisziplinen berühren. Teilweise werden diese Begriffe auch als Synonym für die Humangeographie im Ganzen verwendet.[Anmerkung 1] Auch die politische Geographie, zumal in ihrer damaligen Anwendung als Geopolitik und Militärgeographie, ist eng in die Gründungsgeschichte der Humangeographie verwoben, bildet heute aber eine eigenständige Fachrichtung. Weitere sozialwissenschaftlich orientierte Bereiche der Geographie stellen die Bevölkerungsgeographie, die Bildungsgeographie und die Religionsgeographie dar. Einige andere Unterdisziplinen, die diesem Fächerspektrum zugerechnet werden können, werden im deutschen Sprachraum allerdings nur in geringem Maß oder als Teil anderer sozialwissenschaftlicher Fachrichtungen betrieben. Dazu gehören unter anderem die Kriminalgeographie, die Sprachgeographie mit der Dialektgeographie und die Wahlgeographie.

Zu den klassischen Teilgebieten der Humangeographie zählen jene Unterdisziplinen, die sich mit der vom Mensch errichteten gebauten Umwelt befassen, also die Siedlungsgeographie, die Geographie des ländlichen Raumes, die Stadtgeographie und die Verkehrsgeographie. Letztere wird teilweise auch zur Wirtschaftsgeographie gerechnet, die außerdem die Geographie des primären (Agrargeographie), sekundären (Industriegeographie) und tertiären Wirtschaftssektors (Handelsgeographie, Tourismusgeographie) umfasst.

Eine Sonderstellung nimmt die Historische Geographie ein. Ursprünglich vor allem mit genetischer Siedlungsforschung beschäftigt und damit humangeographisch orientiert, ist das Fach inzwischen relativ stark interdisziplinär integriert und insbesondere eng mit der Umweltgeschichte verbunden. Klassische Anwendungsbereiche sind die Kulturlandschaftsforschung, Waldgeschichte, Wüstenbildungsforschung oder Flusslaufsdokumentation.

Mensch-Umwelt-Beziehungen[Bearbeiten]

Auch wenn sich natur- und geistes- bzw- sozialwissenschaftlich orientierte Geographie inzwischen in ihrer methodischen Vorgehensweise stark voneinander unterscheiden, ergeben sich hinsichtlich der Fragestellungen weiterhin Überschneidungen. Da diese vor allem die Folgen menschlichen Handelns auf die Natur und deren Rückwirkung auf die Gesellschaft betreffen, wurde dieser der Humanökologie nahestehende Teilbereich teilweise als physische Anthropogeographie bezeichnet, ein Begriff von allgemeiner Verwendung existiert jedoch nicht. Eng eingebunden ist die Geographie auch in die interdisziplinäre Erforschung von spezifischen Mensch-Umwelt-Systemen wie die Gebirgs-, die Küsten-, die Polar-, die Tropen- und die Wüstenforschung.

Allgemeine und Regionale Geographie[Bearbeiten]

Unterteilung der Geosphäre

Eine traditionelle Einteilung hingegen ist jene in die Allgemeine Geographie und die Regionale Geographie, wie sie etwa im länderkundlichen Schema von Alfred Hettner modellhaft dargestellt wurde. Die Allgemeine Geographie ist demnach der Teil der Geographie, welcher sich nomothetisch mit den Geofaktoren der Erdoberfläche (Geosphäre) beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen zumeist ein Geofaktor (z. B. Wasser, Boden, Klima etc.) und dessen Wechselwirkungen mit anderen Geofaktoren. Die allgemeine Geographie beschäftigt sich somit mit allgemeinen Gesetzmäßigkeiten in der gesamten Geosphäre. Physische Geographie und Humangeographie sind dann lediglich Teile der Allgemeinen Geographie.

Unter Regionale Geographie (Spezielle Geographie) wird gemäß dieser Unterteilung jener Teil der Geographie verstanden, welcher sich idiographisch oder typologisch mit bestimmten Teilgebieten der Erdoberfläche (Geosphäre) beschäftigt. Im Mittelpunkt steht somit eine Region, z. B. ein Land oder eine Landschaft, deren räumliche Elemente, Strukturen, Prozesse und Funktionsweisen (Wechselwirkungen zwischen den Geofaktoren) erfasst, klassiert und erklärt werden. Die Regionale Geographie lässt sich demnach unterteilen in die Länderkunde, also die idiographische Untersuchung von Raumindividuen, und die Landschaftskunde, die typologische Untersuchung von Raumtypen.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galten Länder- und Landschaftskunde als der eigentliche „Kern“ der Geographie, der dem Fach eine gewisse Identität gab. Zwar werden Werke mit entsprechender Thematik weiterhin produziert, ihnen wird inzwischen aber kein wissenschaftlicher Charakter mehr attestiert.[7] Die Regionale Geographie erfuhr einen Bedeutungswandel und beschäftigt sich, statt Regionen als Forschungsgegenstand vorauszusetzen, mit dem Regionalisierungsvorgang an sich. Damit ist sie heute Teil von Sozial- und Wirtschaftsgeographie sowie des interdisziplinären Felds der Regionalwissenschaft.[8][9][Anmerkung 2]

Theoretische und Angewandte Geographie[Bearbeiten]

Die Angewandte Geographie, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Abgrenzung zur Theoretischen Geographie entstand, stellt eine normative Form der geographischen Forschung dar, die sich in allen ihren Fachgebieten wiederfindet. Gegenstand der Angewandten Geographie ist die Analyse und Planung räumlicher Strukturen und Prozesse, sowie die Lösung raumbezogener Probleme. Praktische Anwendungsgebiete sind die Raumplanung oder der Umweltschutz. Insbesondere einige Forschungsbereiche der physischen Anthropogeographie sind normativ etwa auf die Paradigmen der Nachhaltigkeit und der Gesundheit hin ausgerichtet. Beispiele hierfür sind die Geographische Entwicklungsforschung, die Geographische Risikoforschung und die Medizinische Geographie.

Didaktik[Bearbeiten]

Unter Schulgeographie versteht man in erster Linie das Schulfach Geographie und das zugehörige Lehramt. Zentrales Anliegen dieses Zweiges ist – wie in jeder Disziplin – Wissenschaftsdidaktik, daher umfasst die Schulgeographie auch die Methodologie der systematischen Reduzierung und den didaktischen Aufbau des Fachgebiets (Erstellung von Lehrplänen und Lerninhalten), womit sie im weiteren Sinne in die hochschulische Lehre selbst eingreift wie auch Weiterbildung, Beratung und Information umfasst, und so zum Tätigkeitsfeld eines angewandten Geographen wird (Erstellung etwa von Lehrbüchern, Lehrsendungen, geographischen Dokumentationen, Kartenwerk, bzw. Fachberatung bei denselben).[10]

Methodologie[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Als „Brückenfach“ zwischen natur-, geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen besteht in der Geographie generell eine große methodische Vielfalt, die die Bandbreite an möglichen Forschungsobjekten reflektiert. Während die Erstellung von Karten und die Nutzung geographischer Informationssysteme (GIS) als wichtige Darstellungs- und Forschungsmethoden in allen Teilbereichen zu finden sind, kommen außerdem den jeweiligen Nachbardisziplinen entlehnte Verfahren zur Anwendung.

Vergleichende Geographie[Bearbeiten]

Die Vergleichende Geographie wurde schon im 19. Jahrhundert von Carl Ritter und Oskar Peschel begründet.[11] Sie ist eine Vorgehensweise, die zwei typologische Kategorien in Bezug setzt.

Geoinformatik[Bearbeiten]

Ein aktueller methodischer Teilbereich, der zunehmend Bedeutung in der Geographie erlangt und auch der Mathematischen Geographie zugerechnet werden kann, ist die Geoinformatik. Sie verwendet Methoden der Informatik bei der Bearbeitung geographischer Fragestellungen. Aufgabenfelder der Geoinformatik sind:

  • Entwicklung, Erstellung und Pflege von geographischen Informationssystemen (GIS): Mit ihnen werden räumliche Daten gesammelt, verarbeitet, ausgewertet und kartografisch dargestellt.
  • digitale Kartografie: Dieser Bereich beschränkt sich nur auf die Visualisierung räumlicher Daten.
  • Fernerkundung: Satelliten- oder luftfahrtgestützte Beobachtung der Erde mit Hilfe elektromagnetischer Strahlung, die von Sensoren erfasst wird.
  • Modellierung: Idealisierte Nachbildung realer Phänomene, um Prognosen zu erstellen (z. B. Klima- oder Abflussmodelle).
  • Statistik: Verwendung von Software-Werkzeugen, um Datensätze mit statistischen Methoden auszuwerten (siehe auch: Geostatistik).

Ästhetische Dimension[Bearbeiten]

Der kritische Geograph Gerhard Hard argumentierte nach 1968, dass der Landschaftsgeographie, die seit Alexander von Humboldt den Kern der klassischen Geographie bildet, Wahrnehmungsmuster zugrunde liegen, die aus der Landschaftsmalerei stammen. Daher bestimmten jene Forschungsrichtungen, die sich auf Landschaft beziehen wie z. B. die Landschaftsökologie, ihren Gegenstand primär auf ästhetischer Weise, der erst sekundär mit einem szientistischen Methodendesign versehen werde. Dieses führe wiederum dazu, dass die ästhetischen Implikationen innerhalb der Profession nicht bewusst reflektiert werden.[12]

Obwohl sich die Geographie immer wieder neu verstanden und ausgerichtet hat, sieht Gábor Paál ein kontinuierliches Merkmal in der ästhetischen Grundlage, die der Wissenschaft zugrunde liegt.[13] Demnach ist es immer ein zentrales Motiv von Geographen gewesen, räumliche Muster zu erkunden und zu verstehen, und zwar insbesondere solche Muster, die sich in ihrer Größenordnung innerhalb des menschlichen Aktionsradius bewegen: Sie befasst sich mit Mustern „von der Größenordnung dessen, was das menschliche Augen ohne große Anstrengung noch erkennen kann bis zur gesamten Erdoberfläche.“[14] Ansätze, die sich explizit mit Umweltwahrnehmungen auseinandersetzen, werden unter der Wahrnehmungsgeographie gefasst.

Zitate[Bearbeiten]

„Es ist nichts, was den geschulten Verstand mehr kultiviert und bildet, als Geographie.“

Immanuel Kant

„Und er warf einen Blick um sich auf den Planeten des Geographen. Er hatte noch nie einen so majestätischen Planeten gesehen.“

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz

„Wie oft habe ich ihm schon gesagt, dass – abgesehen von jeglicher Berufsblindheit – das Charakteristische des Geographen meiner Meinung nach darin besteht, sich vorzugsweise auf fremdem Terrain zu verirren. … weil der Geograph eine verirrte Persönlichkeit ist. Weil er sich nicht scheut zuzugeben, dass er vom Weg abgekommen ist, seine Veranlagung einzugestehen, die Ferne zu erkunden, ohne sich von der Stelle zu rühren.“

Brigitte Paulino-Neto: Die Melancholie des Geographen

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Geographie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geographie
 Portal: Geowissenschaften – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geowissenschaften

Literatur[Bearbeiten]

Überblicks- und Nachschlagewerke[Bearbeiten]

Fachgeschichte und -theorie[Bearbeiten]

  • Hanno Beck: Geographie. Europäische Entwicklung in Texten und Erläuterungen. Alber, Freiburg 1973, ISBN 3-495-47262-2 (Orbis academicus. Problemgeschichten der Wissenschaft in Dokumenten und Darstellungen. Band 2/16).
  • Daniela Dueck: Geographie in der antiken Welt. Zabern, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8053-4610-8
  • Ulrich Eisel: Die Entwicklung der Anthropogeographie von einer 'Raumwissenschaft' zur Gesellschaftswissenschaft. Kassel, Gesamthochschulbibliothek. 1980.
  • Gerhard Hard: Die Geographie. Eine wissenschaftstheoretische Einführung. de Gruyter, Berlin 1973.
  •  Hans-Dietrich Schultz: Die deutschsprachige Geographie von 1800 bis 1970. Ein Beitrag zur Geschichte ihrer Methodologie. Selbstverlag d. Geograph. Inst. d. FU Berlin, Berlin 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Geographie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Geographie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Geographie – Quellen und Volltexte

Verbände und Institutionen[Bearbeiten]

Informationsangebote[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Insbesondere über sprachliche, kulturelle und zeitliche Grenzen hinweg ergeben sich große Definitionsunterschiede. So entspricht die niederländische sociale geografie der deutschen Human- oder Anthropogeographie.
  2. Gemeint ist hier eine Regionalwissenschaft im weiteren Sinne. Von der spatial analysis und der mit ihr verbundenen regional science hingegen grenzt sich die „New Regional Geography“ bewusst ab. (vgl. New Regional Geography im Lexikon der Geographie).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diercke: Wörterbuch der Allgemeinen Geographie.
  2.  Hans Heinrich Blotevogel: Geographie. In: E. Brunotte u. a. (Hrsg.): Lexikon der Geographie. Spektrum, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-0416-9, S. 15.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGeographie oder Geografie? Verband Deutscher Schulgeographen e.V., 25. Februar 2003, abgerufen am 30. Juni 2009.
  4.  Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (Hrsg.): Duden. Die deutsche Rechtschreibung. 24. Auflage. Mannheim 2006.
  5. Siegmund Günther: Geschichte des mathematischen Unterrichts im deutschen Mittelalter bis zum Jahr 1525 (Monumenta Germaniae Paedagogica; 3). Berlin 1887, S. 256.
  6. Ulrich Eisel: Die Entwicklung der Anthropogeographie von einer Raumwissenschaft zur Gesellschaftswissenschaft. Gesamthochschulbibliothek, Kassel 1980; Ulrich Eisel: Individualität als Einheit der konkreten Natur: Das Kulturkonzept der Geographie. In: B. Glaeser, P. Teherani-Krönner (Hg.): Humanökologie und Kulturökologie: Grundlagen, Ansätze, Praxis. Westdeutscher Verlag, Opladen 1992: S. 107–151.
  7. a b  Hans Gebhardt, Rüdiger Glaser, Ulrich Radtke, Paul Reuber: Das Drei-Säulen-Modell der Geographie. In: dies. (Hrsg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. 1. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-8274-1543-1, S. 64–75.
  8.  Rainer Danielzyk, Jürgen Oßenbrügge: Perspektiven geographischer Regionalforschung. "Locality Studies" und regulationstheoretische Ansätze. In: Geographische Rundschau. 45, Nr. 4, 1993, S. 210–216.
  9.  Nigel Thrift: Towards a new New Regional Geography. In: Berichte zur deutschen Landeskunde. 72, Nr. 1, 1998, S. 37–46.
  10. Richtungsweisend: Mit offenen Karten/Le Dessous des cartes von Jean-Christophe Victor
  11. Erdkunde (spezielle, allgemeine, vergleichende E.). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 5, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 752.
  12. Gerhard Hard: Die 'Landschaft' der Sprache und die 'Landschaft' der Geographen. Colloquium Geographicum Bd. 11, Bonn 1970. Ders.: Der 'Totalcharakter der Landschaft'. Re-Interpretation einiger Textstellen bei Alexander von Humboldt. In: Alexander von Humboldt, Geographische Zeitschrift, Beiheft 23, Wiesbaden 1970, S. 49–73. Ders.: Zu Begriff und Geschichte von 'Natur' und 'Landschaft' in der Geographie des 19. und 20. Jahrhunderts. In: ders. Landschaft und Raum. Aufsätze zur Theorie der Geographie, Band 1. Osnabrücker Studien zur Geographie 22, Universitätsverlag Rasch Osnabrück 2002. S. 171–210.
  13. Gábor Paál: Die ästhetische Grundlage der Geographie und ihre Bedeutung im Geographieunterricht. In: Zeitschrift für den Erdkundeunterricht. 46, 1994, S. 226–229.
  14. Gábor Paál: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis. Würzburg 2003, S. 169–174 ("Fallstudie Geographie").