Ergenzingen

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48.4938888888898.8088888888889467Koordinaten: 48° 29′ 38″ N, 8° 48′ 32″ O

Ergenzingen
Ehemaliges Gemeindewappen von Ergenzingen
Höhe: 436–499 m
Fläche: 10,04 km²
Einwohner: 4094 (31. Jul. 2011)
Eingemeindung: 1. Dezember 1972
Postleitzahl: 72108
Vorwahl: 07457

Ergenzingen ist ein Stadtteil von Rottenburg am Neckar im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten]

Ergenzingen liegt in 436 bis 499 Metern Höhe, 11 km südöstlich von Nagold, 14 km südlich von Herrenberg, 12 km westlich von Rottenburg am Neckar und 13 km nordöstlich von Horb am Neckar.

Ausdehnung[Bearbeiten]

Die Gesamtfläche des Ortes Ergenzingen beträgt 1004 ha. Hiervon entfallen 70,4 % auf landwirtschaftliche Fläche, 18,3 % auf Siedlungs- und Verkehrsfläche, 11,0 % auf Waldfläche und 0,3 % auf die übrige Nutzung.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Folgende Orte grenzen an Ergenzingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Bondorf (Landkreis Böblingen), Seebronn, Wolfenhausen und Eckenweiler (alle Landkreis Tübingen), Eutingen im Gäu (Landkreis Freudenstadt) und Baisingen (Landkreis Tübingen).

Bevölkerung[Bearbeiten]

In Ergenzingen leben 4.094 Einwohner (Stand Ende Juli 2011) auf einer Fläche von 10,04 km². Die Bevölkerungsdichte Ergenzingens beträgt 408 Einwohner pro Quadratkilometer. Der westlich der Kernstadt gelegene größte Rottenburger Stadtteil hat nach einem Bevölkerungsrückgang im 19. Jahrhundert (Amerikaauswanderung) in den letzten Jahren eine starke Zunahme der Wohnbevölkerung zu verzeichnen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1900: 907
  • 1915: 1.235
  • 1930: 1.676
  • 1945: 1.931
  • 1960: 2.423
  • 1975: 2.956
  • 1990: 3.564
  • 2005: 4.229
  • 2008: 4.154 (30. Juni 2008)

Religionen[Bearbeiten]

Zur katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist gehören die katholischen Christen, die in Ergenzingen, auf der Liebfrauenhöhe, in Eckenweiler und in Wolfenhausen wohnen. Die evangelische Kirchengemeinde besteht seit 1962 und hat seit 1966 eine eigene Kirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde eines Feuersteinmessers und eines Steinbeils 1973 belegen, dass der Raum Ergenzingen bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war. Der "Baisinger Bühl" gilt als eine Grabstätte eines Keltenfürsten der Hallstattzeit. 1991 wurden bei Flugaufnahmen Kreise im Boden entdeckt, die auf weitere Hügelgräber hindeuten. Es werden auch aus der römischen Zeit zwischen 74 und 260 n. Chr. Siedlungsreste vermutet. Sie konnten aber noch nicht ausgegraben werden. Die Endung des Ortsnamens -ingen deutet auf eine Besiedlung in der Alamannenzeit hin, ebenso der regelmäßige Grenzverlauf der großen Gemarkung. Beim Bau der Gäubahn wurden auf dem Killberg einige Reihengräber gefunden.

Der Ort Ergenzingen wurde um 777 erstmals urkundlich erwähnt. Der große verkehrsgünstig im Korngäu bzw. Oberen Gäu gelegene Marktort feierte 1982 sein 1200jähriges Jubiläum (776 – 778/782 Codex des Klosters Lorsch als "Corgozsinga" oder "Argozsinga"). Die Oberhoheit lag im 12. Jahrhundert in den Händen der Tübinger Pfalzgrafen, seit dem späteren 13. Jahrhundert in denen der Grafen von Hohenberg. Mit deren Grafschaft kam das Dorf 1381 an Österreich, 1805 an Württemberg (Oberamt Rottenburg), 1938 Kreis Horb. Vom 13. bis 16. Jahrhundert nannten sich Adelsfamilien nach dem Ort (Wirt von Ergenzingen 1325–1431, Ast von Ergenzingen 1401–1532). Auch in den Städten Horb und Rottenburg nannten sich mehrere zur städtischen Oberschicht gehörende Familien nach dem Ort im Gäu. 1635 fielen 112 Einwohner der Pest zum Opfer. Im 16. und 17. Jahrhundert war der Grundbesitz stark zersplittert. 1772 hatten die Ergenzinger an 29 geistliche und weltliche Grundherren Abgaben zu leisten. Um 1860 wurden mit dem Liederkranz, dem Musikverein und der Freiwilligen Feuerwehr die ersten Vereine gegründet. 1909 wurde Ergenzingen an das Stromnetz angeschlossen und 1914 an das Telefonnetz. Durch die Gebietsreform 1972 wurde Ergenzingen ein Stadtteil von Rottenburg und gehört damit zum Landkreis Tübingen.

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Am 7. Juli 2000 wurde die Partnerschaft zwischen Ergenzingen und der österreichisch-burgenländischen Gemeinde Gols formell besiegelt. Dabei begannen die ersten Kontakte vom Gäu ins Burgenland schon Ende der 1960er-Jahre und im August 1989 hatten sich Ortsverwaltungen und Vereine beider Orte in einer Urkunde die Freundschaft zugesichert. Die Verbindungen von Ergenzingen und Gols haben sich seither immer weiter vertieft und gefestigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die katholische Kirche Heilig Geist gilt als Wahrzeichen des Ortes. Die Kirche St. Nazarius und die Pfarrei werden 780 erstmals genannt. Das Patronatsrecht, im 15. Jahrhundert bei Erzherzogin Mechthild, kam über die von Gültlingen, die von Ehingen (1515), die von Neuneck (1614) und die Johanniterkomturei Hemmendorf (1619) schließlich 1809 an Württemberg. Vom spätmittelalterlichen Vorgängerbau blieben bei der Errichtung der heutigen Pfarrkirche Hl. Geist (1964/1967) lediglich Turm und spätgotischer Chor (1479) erhalten.
  • Seit 1951 haben die Schönstätter Marienschwestern auf der Liebfrauenhöhe ihr süddeutsches Provinzialat auf- und ausgebaut (Kirche Mariä Krönung 1961/1966 von den Architekten Otto Karl Müller und Franz Brümmendorf, Berufsfach- und Fachschule mit Internat).
  • Das älteste Wohngebäude von Ergenzingen stammt von 1460 und ist ein typischer 3-Zonen-Fachwerkbau der damaligen Zeit.
  • Der Brunnentrog auf dem Marktplätzle wurde 1855 aus Dießener Sandstein errichtet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Gäu-Volksfest: Während des Bitzer-Cups wird gleich nebenan auch ein kleines Volksfest veranstaltet. Das Volksfest erwartet jedes Jahr 3000–4000 Besucher.
  • Ergenzinger Fasnet: Ein weiterer fester Termin in der Veranstaltungslandschaft in Ergenzingen stellt die Fasnet dar. Die Ergenzinger Narrenzunft „Klein Paris“ veranstaltet jedes Jahr mehrere Fasnetsveranstaltungen, deren Höhepunkt alljährlich der farbenfrohe Umzug am Fasnetsdienstag (mit etwa 8000–10.000 Zuschauern) darstellt.
  • Maibaumfest: Die Narrenzunft Ergenzingen veranstaltet auch während des Jahres einige Festlichkeiten. So wird beispielsweise am 30. April der traditionelle Maibaum gestellt. Auch im Herbst veranstaltet die Narrenzunft eine Schlachtplatte, zu welcher die gesamte Bevölkerung eingeladen ist.
  • Weihnachtskonzert: Der Musikverein Ergenzingen lädt jedes Jahr am 26. Dezember in die Turn- und Festhalle zu seinem Jahreskonzert ein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Heute ist Ergenzingen nur wenige Kilometer von einer Ausfahrt der Autobahn A 81 StuttgartSingen entfernt. Direkt an der B 28a zwischen der Kernstadt Rottenburg und dem Stadtteil Ergenzingen befindet sich der Gewerbepark Ergenzingen-Ost. Seine Attraktivität ist durch die unmittelbare Lage an der A 81 begründet. Verbindungen nach Freudenstadt, Rottweil und Nagold sind darüber hinaus durch die B 28a und der K 6939 gegeben.

Ergenzingen lag immer an zwei wichtigen Verkehrsachsen: der Verbindung nach Süden in die Schweiz und der Verbindung von Straßburg nach Reutlingen. Die Verkehrsanbindung des Ortes wurde immer besser: 1784 wurde die sogenannte Breisgauer Straße als Chaussee ausgebaut, seit 1879 existiert hier ein Bahnhof an der Gäubahn mit einer regelmäßigen Verbindung jede Stunde in Richtung Stuttgart und Freudenstadt/Rottweil oder Singen. Außerdem verkehrt die Linie S41 der Stadtbahn Karlsruhe montags bis freitags einmal täglich nach Herrenberg und in der Gegenrichtung über Freudenstadt nach Forbach (Baden) bzw. Karlsruhe (nur freitags).

Bildung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]