Erhard Weigel

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Erhard Weigel

Erhard Weigel (* 16. Dezember 1625 in Weiden in der Oberpfalz; † 21. März 1699 in Jena) war ein deutscher Mathematiker, Astronom, Pädagoge und Philosoph.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Drei Jahre nach der Geburt floh die Familie aus der von katholischen Truppen besetzten Oberpfalz und zog nach Wunsiedel. Hier wuchs Weigel auf und besuchte die Lateinschule. 1644-6 besuchte er ein Gymnasium in Halle (Saale) und arbeitete nebenher bei dem Astrologen Bartholomäus Schimpfer, der ihn auch die mathematischen Grundlagen der Astronomie lehrte. Ab 1647 studierte er an der Universität Leipzig. 1650 erwarb er den Magister Artium.

Weigel promovierte 1652 in Leipzig bei Philipp Müller. 1653 wurde er Professor der Mathematik an der Universität Jena. Zu seinem Schülerkreis gehörten unter anderem Gottfried Wilhelm Leibniz, Samuel von Pufendorf, Gottfried Kirch, Johann Christoph Sturm und Georg Christoph Eimmart.

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität beaufsichtigte er 1660 den Neubau des Jenaer Schlosses. 1661 wurde er zum Oberbaudirektor ernannt. 1688 erhielt er den Titel eines Kaiserlichen Rates.

Ab 1684 verwirklichte er seine pädagogischen Ansichten in einer Kunst- und Tugendschule, die in seinem Haus untergebracht war.

In seinen späten Jahren bemühte er sich um eine Vereinheitlichung des Kalenderwesens. 1696-7 reiste er nach Dänemark und Schweden, um diese protestantischen Länder auch für seine Kalenderreform zu gewinnen. 1697 unterbreitete er dem Reichstag in Regensburg einen Vorschlag zur Vereinheitlichung des Kalenderwesens in Deutschland, da in den katholischen Gebieten der Gregorianische Kalender und in den protestantischen Gebieten der Julianische Kalender in Anwendung war. Um den erbitterten Widerstand der evangelischen Geistlichkeit gegen den katholischen Kalender zu überwinden, schlug er eine alternative Berechnung des Osterdatums vor. Nicht basierend auf den von Papst Gregor XIII. dekretierten Epakten, sondern abgeleitet aus den von dem Protestanten Johannes Kepler berechneten Rudolfinischen Tafeln. Auch schlug er die Berufung eines Collegium Artis Consultatorum vor, einer Akademie und Patentanstalt als Reichsbehörde. Kurz nach seinem Tod nahmen die evangelischen Landstände am 23. September 1699 in Regensburg den Verbesserten Reichskalender an, der im Wesentlichen Weigels Vorschlag entsprach. Allerdings hatte man übersehen, dass die katholische und die evangelische Berechnung des Osterdatums zu verschiedenen Ergebnissen führen kann. Zuerst Johann Leonhard Rost machte 1723 bekannt, dass für 1724 (und auch für 1744) unterschiedliche Ostersonntage auftreten. Erst Friedrich der Große bestimmte 1775 für Preußen, dass die Gregorianische Berechnung anzuwenden sei. Die anderen evangelischen Gebiete folgten ohne erneute Diskussion auf einem Reichstag.

2003 wurde in Jena die Erhard-Weigel-Gesellschaft gegründet. Die IAU ehrte ihn mit der Benennung des Mondkraters Weigel und dem Asteroiden (9315) Weigel.

Das Weigelsche Haus[Bearbeiten]

Das Weigelsche Haus in einer schematischen Darstellung von Benedictus Georgi (1669)

Eines der „Sieben Wunder“ Jenas war das 1898 zur Verbreiterung einer Straße abgerissene Weigelsche Haus (Weigeliana Domus). Es stand bei der Stadtkirche und verdankte seinen Ruhm Erhard Weigel. Er ließ viele technische Finessen einbauen, unter anderem eine Weinleitung aus dem Keller, einen Aufzug mit Flaschenzugprinzip. Der Aufzugschacht konnte mit schwarzen Tüchern verhängt werden zur Sternbeobachtung auch am Tage. In unseren Breiten können jedoch Sterne höchstens in der Dämmerung gesehen werden. Durch den senkrechten Schacht sind nur Sterne im Zenit zu beobachten und in Jena passieren keine ausreichend leuchtstarke Sterne den Zenit.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Erhard Weigel: Werke, 4 Bde.(= Clavis Pansophiae III,1-4), hrsg. von Thomas Behme. Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2003 ff., ISBN 978-3-7728-2358-9
  • Erhard Weigel: Gesammelte pädagogische Schriften. Hrsg. von Hermann Schüling. (= Berichte und Arbeiten aus der Universitätsbibliothek und dem Universitätsarchiv Giessen; 19/1970). Universitätsbibliothek Gießen, Gießen 1970 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard E. Schielicke, Klaus-Dieter Herbst, Stefan Kratochwil (Hrsg.): Erhard Weigel – 1625 bis 1699. Barocker Erzvater der deutschen Frühaufklärung. Beiträge des Kolloquiums anlässlich seines 300. Todestages am 20. März 1999 in Jena. (= Acta Historica Astronomiae; 7). Thun, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-8171-1600-4
  • Hermann Schüling: Erhard Weigel (1625–1699). Materialien zur Erforschung seines Wirkens. (= Berichte und Arbeiten aus der Universitätsbibliothek und dem Universitätsarchiv Gießen; 18/1970). Universitätsbibliothek, Gießen 1970 (Digitalisat)
  • Karsten Kenklies: Erhard Weigels Vision universeller Bildung, in: Ralf Koerrenz (Hrsg.): Laboratorium Bildungsreform. Jena als Zentrum pädagogischer Innovationen, Paderborn 2009, pp.15-33.
  • Robert Knott: Weigel, Erhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 465–469.
  • Ulrich Gottfried LeinsleWeigel, Erhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 592–599.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erhard Weigel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Erhard Weigel – Quellen und Volltexte

Originalwerke: