Erhard von der Mark

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Porträt "Erard de La Marcks" von Jan Cornelisz Vermeyen
Wappen

Erhard (Eberhard) von der Mark, auch von der Mar(c)k, frz. Erard de La Marck (* 31. Mai 1472 in Sedan; † 18. März 1538 in Lüttich) war Fürstbischof von Lüttich und römisch-katholischer Kardinal, auch als „Kardinal von Boullion“ bekannt, und stammte aus einer Nebenlinie des rheinisch-bergischen Adelsgeschlechts der Grafen von Berg. Seit 1505 war er Fürstbischof von Lüttich und zudem von 1507 bis 1525 Bischof von Chartres, sowie ab 1520 Erzbischof von Valencia.

Herkunft[Bearbeiten]

Erhard war der dritte Sohn Roberts I. de La Marck und seiner Frau Jeanne de Saulcy, auch Jeanne de Marlay genannt. Sein älterer Bruder war Robert II. de La Marck, Gouverneur des Herzogtums Bouillon.

Seine Ausbildung erhielt er ab 1483 an der Universität Köln, wo Remigius von Malmedy sein Lehrer war. 1499 wurde er Domherr in Trier und Tours.

Pontifikat[Bearbeiten]

Das Kapitel von Lüttich wählte ihn am 30. Dezember 1505 zum Fürstbischof von Lüttich. Die Verleihung der Regalien durch Kaiser Maximilian erfolgte am 22. April 1509.

Das Pontifikat von Erhard von der Mark stand im Zeichen des Ringens um das Fürstbistum Lüttich zwischen den Habsburgern, seit 1477 auch Herren über Burgund und dem französischen Königshaus. Zunächst stand Eberhard mit Ludwig XII. von Frankreich (1462-1515) in gutem Kontakt, dieser schickte ihn sogar als Gesandten zu Maximilian I. (1459-1519), damit dieser dem Bündnis von Cambrai (10. Dezember 1508), auch bekannt unter Liga von Cambrai, treu bleibe; zum Lohn wurde er zum Bischof von Chartres (von 1507 bis 1525) und zum Administrator der reichen Abtei de Beaulieu in Argonne ernannt.[1] Im gleichen Jahr begleitet er den französischen König bei seinem Feldzug gegen Genua.

Doch der Tod des französischen Königs Ludwig 1515 und die Nachfolge durch Schwiegersohn Franz I. änderten Erhards politische Ausrichtung. Weil seine Bestrebungen die Kardinalswürde mit Hilfe des neuen französischen Königs hauptsächlich an den Intrigen der Herzogin von Angoulême scheiterte, wechselte Erhard allmählich vom Befürworter zum Gegner Frankreichs.[2] Beim Bündnisvertrag von Sint Truiden (27. April 1518) steht er auf Seiten des deutschen Kaisers.

So schlug sich der Lütticher Fürstbischof auch nach dem Tod von Kaiser Maximilian im Januar 1519 auf die Seite von Karl V. für die Nachfolge des verstorbenen Kaisers und richtete sich gegen die Bewerbung des französischen Königs, der als Herzog von Mailand auch Fürst des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation war. Die Königswahl am 28. Juni 1519 war zugleich die Vorstufe zur Kaiserkrönung. Erhard war Mitglied der zu den Kurfürsten entsandten Wahlgesandschaft. Diese Nähe des Bischofs zum neugewählten König, der als Herzog von Burgund ja in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lüttich aufgewachsen war, zahlte sich in der Folgezeit aus.

Der Kaiser und spanische König ernannte Erhard zum Dank zum Erzbischof von Valencia und erbat für ihn die Erhebung zum Kardinal (unter dem Titel des heiligen Chrysogonus, geheime Erhebung 1520, veröffentlicht 1521). Am 9. August 1520 wurde er von Papst Leo X. zum Kardinal erhoben. Seine Titelkirche war San Crisogono.

Der Lütticher Bischof erließ als erster deutscher Reichsfürst ein Edikt aufgrund der päpstlichen Bulle Exsurge Domine gegen Luther. Erhard begleitete Karl. V. zum Reichstag nach Worms (1521). Der unerbittlichste Gegner Luthers auf dem Reichstag war der Nuntius des Papstes Hieronymus Aleander, von 1513 bis 1516 Kanzler Fürstbischofs Erhard in Lüttich. Der Entwurf des Wormser Edikts stammte von dem alten Vertrauten Erhards.

Selbst als sein Bruder Robert von der Mark, Fürst von Sedan, sich kurz nach der Verleihung der Kardinalswürde an die Seite Frankreichs stellte und Krieg gegen das Reich erklärte, blieb Erhard auf Seiten des Reichs.[3]

1529 war er anwesend bei der Unterzeichnung des Friedens von Cambrai zwischen Kaiser Karl V. und dem französischen König. Der Friedensschluss wird auch als Damenfrieden vom Cambrai bezeichnet, weil er von Margarethe von Österreich und Luise von Savoyen vermittelt wurde.

1530 war er mit Karl V. auf dem Reichstag in Augsburg. Erhard nahm auch an der Wahl Ferdinands und an dessen Krönung teil (1531).

Erhard sorgte nur vier Jahrzehnte nach der Zerstörung Lüttichs von 1468 für einen neuen wirtschaftlichen Aufstieg des Fürstbistums. Statt Krieg, Rebellion und Zerstörung wie noch unter seinem Vorvorgänger Ludwig von Bourbon sorgte Erhard von der Mark für 30 Jahre des Friedens, ein Ponitikat der Ruhe und Ordnung. Sein Verdienst war es die Einrichtung einer schnelleren und akzeptierten Justiz. Das noch heutige sichtbare Vermächtnis von Erhard von der Mark in Lüttich ist das bischöfliche Palais. An Stelle des zerstörten Palais lässt Erhard ein neues Palais durch den Architekten Arnold van Mulken bauen, welches noch Teil des heutigen Justizpalastes von Lüttich ist.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Baptiste Joseph Boulliot: Biographie ardennaise. Band 2. Eigenverlag, Paris 1830, S. 175–179 (Digitalisat)
  • Honoré Fisquet: La France pontificale (Gallia christiana), histoire chronologique et biographique des archevêques et évêques de tous les diocèses de France depuis l’établissement du christianisme jusqu’à nos jours, divisée en 17 provinces ecclésiastique. Métropole de Paris. Chartres. E. Repos, Paris 1864-1873, S. 161–164 (Digitalisat)
  • Karl Theodor Wenzelburger: Eberhard von der Mark. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 548 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Neu: Erhard (Eberhard) von der Mar(c)k. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 577 f. (Digitalisat).
  2. Karl Theodor Wenzelburger: Eberhard von der Mark. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 548 f., hier S. 549.
  3. Salvador Miranda: The Cardinals of the Holy Roman Church, Biographical Dictionary, Pope Leo X (1513-1521) Eberhard von der Mark, . Abgerufen am 15. Juni 2011.
  4. Kurfürstliches Palais


Vorgänger Amt Nachfolger
Johann IX. von Horn Bischof von Lüttich
1505–1538
Cornelius von Berghes
Vorgänger Amt Nachfolger
René d’Illiers Bischof von Chartres
1507–1525
Louis Guillard
Vorgänger Amt Nachfolger
Alfons von Aragón Erzbischof von Valencia
1520–1538
Georg von Österreich