Eric Eustace Williams

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Eric Eustace Williams TC (* 25. September 1911 in Trinidad; † 29. März 1981 in Port of Spain) war ein Historiker, Politiker und zunächst von 1956 bis 1959 als Chief Minister und anschließend bis zu seinem Tod 1981 als Premier und Premierminister der Regierungschef von Trinidad und Tobago.

Leben[Bearbeiten]

Williams besuchte das Queen’s Royal College und bekam ein Stipendium für die University of Oxford. 1938 promovierte er zum Doktor der Philosophie. 1939 ging er in die USA an die Howard University. 1955 kehrte er nach Tobago zurück und gründete im darauffolgenden Jahr das People’s National Movement, eine politische Partei.

Er gewann die Wahl im selben Jahr und wurde am 28. Oktober 1956 zunächst Chief Minister. Vom 9. Juli 1959 bis Dezember 1961 war er Premier und anschließend bis zum 29. März 1981 Premierminister. Während seiner Amtszeit gliederte er 1958 Trinidad in die Föderation der westindischen Staaten ein und beharrte auf eine starke Zentralregierung. Als diese Bemühungen fehlschlugen nahm er Trinidad und Tobago aus dieser Föderation wieder heraus und führte den Inselstaat am 31. August 1962 in die Unabhängigkeit und schließlich am 1. August 1976 zur Republik von Trinidad und Tobago unter dem Staatsmotto „Disziplin, Produktivität und Toleranz“. Aufgrund seines Wirkens wird Williams oft als der „Vater der Nation“ bezeichnet. Seine Popularität hielt bis 1970 an und sank dann nach einer Wirtschaftskrise und wegen seines autoritären Führungsstils, die zu Gewalttaten der Black-Power-Bewegung führten. Am 29. März 1981 beging er Selbstmord.

Eric E. Williams als Historiker[Bearbeiten]

Von Williams, der selbst aus einer Familie stammte, die im 19. Jahrhundert mit Hilfe des ab 1807 im britischen Machtbereich illegalen Sklavenhandels reich wurde, stammt ein wichtiges historiographisches Werk über den transatlantischen Sklavenhandel. Das 1944 erschienene Buch Capitalism and Slavery geht von der Grundannahme aus, dass die Abschaffung des Sklavenhandels durch die Briten im Jahr 1807 weniger humanitären, als vielmehr rein ökonomischen Überlegungen folgte. Die Böden der westindischen Inseln auf denen die meisten Sklaven innerhalb des Britischen Empires eingesetzt wurden, seien durch den intensiven Anbau von Zuckerrohr ausgelaugt gewesen und für eine weitere Ausbeutung ungeeignet. Der Aufstieg des britischen Kapitalismus sei durch die Profite aus dem Westindischen Sklavenhandel, genauer gesagt durch die Plantagenökonomie ermöglicht worden. Die spätere Entwicklung des (britischen) Kapitalismus an der Wende zum 19. Jahrhundert bedingte die Verbreitung der freien Lohnarbeit und die Verdrängung der Sklaverei, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts (fast) völlig beseitigt wurde. Das zweite britische Weltreich (nach dem nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg) konzentrierte sich auf Asien, wo freie Arbeitskraft im Überfluss vorhanden und die Institution der Sklaverei daher nicht notwendig gewesen sei. Rassismus als Grund für die Versklavung von Millionen von Afrikanern sieht Williams nicht als Ursache, sondern als Folge an[1].

Seine These wurde seither von vielen Historikern als einseitig kritisiert und darauf hingewiesen, dass der wirtschaftliche Niedergang der Westindischen Inseln erst nach dem Verbot von 1807 einsetzte. In jüngster Zeit wurde darauf hingewiesen, dass der Zuckerrohranbau auf den westindischen Inseln tatsächlich bis in die 1830er Jahre durchaus profitabel war[2]. Dennoch gilt Capitalism and Slavery bis heute als einflussreiches Werk in der Historiographie der Karibik und Westindiens und wurde in mehrere Sprachen, darunter ins Chinesische, Japanische und Russische übersetzt.

1998 wurde an der University of the West Indies in Trinidad und Tobago die Eric Williams Memorial Collection eingerichtet und von Colin Powell eröffnet. Sie enthält die 7000 Bände umfassende Privatbibliothek Williams, Manuskripte, Historische Studien und Forschungskizzen.

Werke[Bearbeiten]

  • Capitalism and Slavery. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1944.
  • History of the People of Trinidad and Tobago. (1964)
  • British Historians and the West Indies. (1964)

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Solow, Stanley Engerman: British Capitalism and Caribbean Slavery: The Legacy of Eric Williams. (1987)
  • Seymour Drescher: Econocide: British Slavery in the Aera of Abolition. (1977)
  • Una McGovern (edit.): Chambers Biographical Dictionary. Chambers, Edinburgh 2002, ISBN 0550100512.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Meißner, Ulrich Mücke, Klaus Weber: Schwarzes Amerika: Eine Geschichte der Sklaverei. Beck, München 2008, S. 78.
  2. David Richardson: The British Empire and the Atlantic Slave Trade, 1660-1807. In: P.J. Marshall (ed.): The Oxford History of the British Empire. Volume II: The Eighteenth Century. 1998.