Erich Mielke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Erich Mielke (1976)

Erich Fritz Emil Mielke (* 28. Dezember 1907 in Berlin; † 21. Mai 2000 ebenda) war nach dem Rücktritt Ernst Wollwebers ab 1957 Minister für Staatssicherheit der DDR und somit einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbau des flächendeckenden Überwachungssystems in der DDR. Wegen der Erschießung zweier Polizisten im Jahr 1931 verurteilte ihn 1993 das Landgericht Berlin wegen Mordes.

Leben[Bearbeiten]

Trauerzug für die von Mielke und Ziemer ermordeten Polizisten, Berlin, August 1931

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Erich Mielke wuchs in Berlin-Wedding als Sohn eines Stellmachers in einem proletarischen Umfeld auf.[1] Die sechsköpfige Familie, Mielke hatte drei Geschwister, bewohnte eine 30-Quadratmeterwohnung. Seine Eltern zählten 1918 zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).[2] Infolge einer Begabtenauswahl erhielt Mielke 1923 einen Freiplatz am Köllnischen Gymnasium. Er verließ die Schule wegen Schwierigkeiten beim Erlernen der klassischen Sprachen bereits nach einem Jahr und absolvierte anschließend bis 1927 eine Lehre als Speditionskaufmann. Nach Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Mielke zuletzt bei einer Firma des Siemens-Konzerns, die ihn im Januar 1931 wegen eines Arbeitskampfs entließ.

Aktives KPD-Mitglied[Bearbeiten]

Schon 1921 war Mielke dem KJVD beigetreten. Eigenen Angaben zufolge wurde er 1925 Mitglied der KPD. Auch der Roten Hilfe und dem Roten Frontkämpferbund (RFB) gehörte Mielke an. Im RFB hatte er die Funktion eines „Schriftführers und Kulturobmanns“ inne. Wegen der Teilnahme an einer verbotenen KPD-Demonstration in Leipzig verbüßte Mielke 1930 eine mehrtägige Ordnungsstrafe im Polizeigefängnis am Alexanderplatz. Arbeitslos geworden, beschäftigte ihn 1931 die kommunistische Rote Fahne, wobei eine Tätigkeit als „Lokalreporter“ ins Reich der Legende gehört.[3] Ebenfalls gehörte Mielke dem 1931 gegründeten Parteiselbstschutz, einer paramilitärisch organisierten und bewaffneten Gruppe der Partei, an. In dieser Eigenschaft erschossen er und das Selbstschutzmitglied Erich Ziemer am 9. August 1931 auf dem Bülowplatz in Berlin die Polizeioffiziere Paul Anlauf und Franz Lenck auf offener Straße.[4] Die KPD schaffte die beiden daraufhin einige Tage später in die Sowjetunion. Mielke behauptete später, die NS-Justiz hätte ihn 1934 „in Abwesenheit verurteilt zum Tode (Bülowplatz)“. Tatsächlich war das Verfahren gegen ihn durch Beschluss vom 23. April 1934 gemäß § 205 StPO noch vor Eröffnung des Hauptverfahrens eingestellt worden, da man seiner nicht habhaft werden konnte.[5]

Nach der Flucht in die Sowjetunion und im Spanischen Bürgerkrieg[Bearbeiten]

In Moskau erhielt er von 1932 bis 1936 eine politische und militärische Ausbildung an der Lenin-Schule und kämpfte von 1936 bis 1939 unter dem Decknamen Fritz Leissner im Spanischen Bürgerkrieg bei den Internationalen Brigaden. Zuletzt im Range eines Hauptmanns, versah Mielke nach eigenen Angaben vor allem Stabsdienst in den Führungen der XIV. und XI. Brigade sowie Aufgaben als „Kaderoffizier“ (Politoffizier) in der 27. Division. Unter anderem war er zuständig für das Umsetzen der Stalinschen Säuberungen in diesen Einheiten. Walter Janka soll, wie andere Spanienkämpfer auch bezeugen, „...Erich Mielke als Offizier der SIM, der stalinistischen Geheimpolizei in Spanien“ (Servicio de Investigación Militar) gesehen haben.[6]

Fahndungsplakat vom September 1933, das Mielke (oben rechts) und andere wegen des Doppelmordes vom 8. August 1931 zeigt

In der Endphase des Spanischen Bürgerkrieges begab sich Mielke im Februar 1939 über die Pyrenäen nach Frankreich, wo er zusammen mit anderen Interbrigadisten zunächst interniert wurde, dann aber nach Kontaktaufnahme mit der KPD-Leitung im Mai 1939 auftragsgemäß nach Belgien ging. Entgegen einer später von ihm verbreiteten Legende hielt sich Mielke unter seinem Klarnamen in Belgien auf und wurde nicht aus Deutschland ausgebürgert. Die Staatsanwaltschaft Berlin verzichtete auf ein Auslieferungsersuchen für Mielke. Sie sah die Polizistenmorde als ein „politisches Verbrechen“ an, wofür der Auslieferungsvertrag mit Belgien keine Auslieferung erlaubte.[7]

Im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Unter dem Decknamen Gaston war Mielke bis in die Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Mitherausgeber der für Deutschland bestimmten und bis Februar 1940 illegal von der KPD im Grenzgebiet zu Belgien verbreiteten Neuen Rheinischen Zeitung. Die deutsche Invasion veranlasste die Regierung Belgiens im Mai 1940 zum Abtransport aller deutschen Staatsangehörigen in französische Internierungslager.

Mielke kam Ende Mai 1940 in das Lager Cyprien, aus dem er im August 1940 nach Toulouse flüchtete. Vermutlich hatte Mielke im September 1940 Unterschlupf in einem französischen Arbeitskommando für Ausländer gefunden. Im Sommer 1941 nahm Mielke eine weitere Identität als „Richard Hebel“ an und erbat bei dem KPD-Funktionär Willi Kreikemeyer in Marseille Hilfe bei der Ausreise nach Mexiko und materielle Unterstützung, die er erhielt.[8] Nachdem deutsche Truppen infolge der Landung der Amerikaner in Nordafrika im November 1942 Südfrankreich besetzt hatten, löste sich die Marseiller Emigrantenszene auf. Verbürgt sind jedoch spätere Kontakte der KPD-Gruppe in Toulouse, wo Mielke sich Leisner nannte, zur Parteiführung in Moskau. Im März 1943 telegrafierte von dort der KPD-Vorsitzende Wilhelm Pieck, der das Pseudonym entschlüsselt hatte: „Sicherung Leisner wegen Bülowplatzsache“.[9] Im Januar 1944 wurde Mielkes Arbeitskommando, innerhalb dessen eine deutsche kommunistische Zelle existierte, in die deutsche Organisation Todt integriert, in der er bis zum Kriegsende verblieb. Genauere Angaben fehlen. Mielke schlug sich nun individuell in Richtung seiner Heimatstadt Berlin durch, wo er am 14. Juni 1945 erschien und sich bei der KPD meldete.

Politische Karriere in der SBZ/DDR[Bearbeiten]

Erich Honecker gratuliert Erich Mielke (rechts) zum 30-jährigen Jubiläum des Ministeriums für Staatssicherheit, 1980
Erich Mielke in seinem Wahlkreis 36 Bezirk Halle zusammen mit Genossenschaftsbauern der ZGE Milchproduktion Nessa, Mai 1981

Mielke wurde sofort Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Lichtenberg im sowjetischen Sektor. Außerdem wurde ihm im Zentralkomitee der KPD die Funktion des Abteilungsleiters für Polizei und Justiz übertragen. Vom Juli 1946 an war er Vizepräsident der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI), die mit Gründung der DDR in Ministerium für Inneres umbenannt wurde, und innerhalb derer er ab Mai 1949 die Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft aufbaute.

Bei der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, „Stasi“) im Februar 1950 wurde Wilhelm Zaisser als Leiter eingesetzt und Erich Mielke, neben Joseph Gutsche und anderen, einer seiner Stellvertreter im Range eines Staatssekretärs. Im gleichen Jahr wurde er auch Mitglied des Zentralkomitees der SED. Der Prozess gegen den westdeutschen KPD-Bundestagsabgeordneten Kurt Müller wurde maßgeblich von Mielke vorbereitet. Nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 wurde Zaisser abgesetzt, Ernst Wollweber übernahm die Leitung des MfS. 1957 entließ Walter Ulbricht Wollweber auf dessen Wunsch, und Mielke wurde zum Leiter des MfS ernannt. Diese Position bekleidete er bis zum 7. November 1989. Zur Zeit von Mielkes Amtsantritt hatte die Behörde rund 14.000 hauptamtliche Mitarbeiter, 1989 schätzungsweise 91.000.

Von 1958 bis 1989 war Mielke Abgeordneter der Volkskammer.

Ab 1971 wurde Mielke Kandidat und ab 1976 Vollmitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED. Von 1960 bis 1989 war er Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR), ab 1980 Armeegeneral.

Rücktritt, Verurteilung und Tod[Bearbeiten]

Am 7. November 1989 trat Mielke zusammen mit der gesamten Regierung Stoph zurück, am folgenden Tag zusammen mit dem gesamten Politbüro des ZK der SED. Am 17. November wurde sein Abgeordnetenmandat aufgehoben. Am 3. Dezember 1989 wurde Mielke aus der SED ausgeschlossen, am 7. Dezember 1989 kam er unter dem Vorwurf der „Schädigung der Volkswirtschaft“ und des „Hochverrats durch verfassungsfeindliche Aktionen“ in Untersuchungshaft.[10] Er wurde am 2. Februar 1990 ins Haftkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen verbracht, aus dem er am 8. März 1990 aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde. Im Juli desselben Jahres kam er erneut in Untersuchungshaft, unter anderem wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und „Rechtsbeugung“. Zunächst kam er in ein West-Berliner Krankenhaus, dann in die Haftanstalten Rummelsburg in Ost-Berlin und anschließend nach Plötzensee. Am 4. Oktober 1990 wurde Mielke auf Antrag seines Anwaltes wegen schlechter Haftbedingungen in die JVA Moabit verlegt, wo er für längere Zeit verblieb. Inzwischen konzentrierten sich die Ermittlungen auf Mielkes Beteiligung an dem Mordanschlag auf dem Bülowplatz im Jahr 1931.

Das 1934 eingeleitete Verfahren gegen Mielke wegen des Doppelmords ist seinerzeit vom Landgericht Berlin eingestellt worden, weil Mielke flüchtig war. In einem groß angelegten Prozess sind nach Wiederaufnahme der Ermittlungen im Juni 1934 unter anderem Max Matern wegen seiner Beteiligung am Doppelmord zum Tode verurteilt und hingerichtet und der ebenfalls angeklagte Mittäter und spätere Generalmajor des MfS Erich Wichert zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden.[11] Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte die Staatsanwaltschaft der Viersektorenstadt Berlin erneut Haftbefehl gegen Mielke erlassen, doch beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht die Verfahrensakten. Nach der Wiedervereinigung eröffnete das Landgericht Berlin im November 1991 das Hauptverfahren gegen Mielke wegen der „Bülowplatzsache“.[12] Mielke wurde des Mordes angeklagt. Die vom Februar 1992 bis zum 26. Oktober 1993 geführte Verhandlung endete mit seiner Verurteilung wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Ende 1995 wurde Mielke, nachdem er insgesamt mehr als zwei Drittel der sechs Jahre verbüßt hatte, im Alter von 88 Jahren auf Bewährung entlassen.

Mielke starb am 21. Mai 2000 in einem Altenpflegeheim in Berlin-Neu-Hohenschönhausen. Nach seiner Einäscherung im Krematorium Meißen[13] fand er am 6. Juni auf eigenen Wunsch seine letzte Ruhestätte in einem namenlosen Urnengrab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

Privatleben[Bearbeiten]

Mielke heiratete 1948 Gertrud Müller (* 1909), hatte eine Adoptivtochter (* 1946) und einen Sohn (* 1948).[14]

Mielke soll ein begeisterter Anhänger des Fußballclubs BFC Dynamo gewesen sein. Von 1953 bis 1989 war er erster Vorsitzender der Sportvereinigung Dynamo. Von 1957 bis 1989 war er Mitglied des Vorstandes des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR und Mitglied des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport der DDR.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Wirken und Rezeption[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

Am 13. November 1989 sprach Mielke zum ersten Mal überhaupt vor der DDR-Volkskammer mit den Worten:

„Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“

Erich Mielke: BStU: Mielkes Auftritt vor der Volkskammer[16]

Mielkes Worte, die damals mit lautem Gelächter quittiert wurden, gehören zu den meistzitierten der Wendezeit, oft jedoch unpräzise bis falsch in der Form Ich liebe euch doch alle.

Seinem Ausspruch voraus ging der Hinweis eines sächsischen LDPD-Volkskammerabgeordneten, Mielke solle in seiner (ohne Manuskript gehaltenen) Rede nicht dauernd die Anrede Genossen einflechten, da sich im Plenum eben nicht nur Genossen befänden. Das tat Mielke (siehe Wikiquote-Zitate) als eine „formale Frage“ ab, worauf sich das erste Gelächter erhob, in das hinein er, bereits stark verunsichert, den historisch überlieferten Satz sprach.

Mielke selbst sah sich als Humanisten:

„Wir sind nicht gefeit, leider, dass auch mal ein Schuft noch unter uns sein kann, wir sind nicht gefeit dagegen, leider. Wenn ich das schon jetzt wüsste, dann würde er ab morgen schon nicht mehr leben. Ganz kurz – Prozess. Aber weil ich Humanist bin, deshalb habe ich solche Auffassungen. Lieber Millionen Menschen vor’m Tode retten als wie einen Banditen leben lassen, der also uns dann also die Toten bringt. [… unverständlich …] mal richtig erklären, warum man so hart sein muss. All das Geschwafel von wegen nicht hinrichten und nicht Todesurteil – alles Käse is' Genossen. Hinrichten die Menschen ohne billige Sätze, ohne Gerichtsbarkeit und so weiter.“

Erich Mielke: Originalton, wiedergegeben in MDR/ARTE: Alltag einer Behörde – Das Ministerium für Staatssicherheit: 1982, Ausschnitt eines Stasi-Tonbandprotokolls, auf einer Konferenz hoher Stasi-Offiziere, mit Bezug auf die Flucht von Werner Stiller

Charakteristisch sind Mielkes Ansichten zu Republikflucht und Grenzregime:

„Ich will euch überhaupt mal etwas sagen, Genossen, wenn man schon schießt, dann muss man dat so machen, dass nicht der Betreffende noch bei wegkommt, sondern dann muss er eben dableiben bei uns. Ja, so ist die Sache, wat is denn das, 70 Schuss loszuballern und der rennt nach drüben und die machen ne Riesenkampagne.“

Erich Mielke: Originalton, wiedergegeben in ZDF: Goodbye DDR, Teil 2 Mielke und die Freiheit

„Leistner ist Mielke“ – das ungeklärte Verschwinden Willi Kreikemeyers[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Kampagne um den „erfundenen Spion“ Noel Field entstand 1950 eine paradoxe Situation, in der der erklärte Stalin-Bewunderer, „alte Tschekist" und „Schüler Berijas Erich Mielke selbst zum Stalinismus-Opfer hätte werden können. Noel Field hatte in der Schweiz antifaschistische Emigranten unterstützt. Seine „Enttarnung“ als Spion war der Aufhänger für politische Schauprozesse gegen die suspekten Westemigranten. Willi Kreikemeyer, nun Chef der Deutschen Reichsbahn, war enger Mitarbeiter von Field gewesen. Bei einer Vernehmung wurde ihm eine Liste mit Decknamen von Leuten vorgelegt, die von Field unterstützt worden waren. Gutgläubig ordnete Kreikemeyer den Decknamen Leistner Erich Mielke zu. Theoretisch hätte diese Information Mielkes Karriereende, wenn nicht sein Todesurteil besiegeln müssen: Wer behauptete, mit der „ruhmreichen Sowjetarmee“ nach Deutschland zurückgekommen zu sein, in Wahrheit aber im westlichen Exil Kontakt zu einem amerikanischen Spion unterhalten hatte, war nach damaligen Maßstäben ein Verräter. Aber nicht Mielke, sondern Kreikemeyer wurde verhaftet. Mielke besuchte ihn in seiner Zelle und versprach ihm baldige Freilassung – er müsse nur alles aufschreiben, was er wisse. Dieses bis heute erhaltene schriftliche Geständnis ist das letzte Lebenszeichen Kreikemeyers. Kreikemeyers Frau wurde sieben Jahre später, nach ihrer 37. schriftlichen Anfrage, mitgeteilt, ihr Mann habe sich bereits kurze Zeit nach seiner Verhaftung in seiner Zelle erhängt. Diese offizielle Version wirkt konstruiert – unter anderem weil der Totenschein erst 1957 ausgestellt wurde. Wahrscheinlicher – aber nicht bewiesen – ist, dass Mielke den Mann, der ihm gefährlich werden konnte, ermorden ließ.

Das Ministerium für Staatssicherheit[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude der MfS-Zentrale, Berlin-Lichtenberg, Normannenstraße (2005)

Die im Volksmund „Stasi“ genannte Staatssicherheit wuchs unter seiner Verantwortung in sämtliche Gesellschaftsbereiche hinein, und selbst im Privaten konnte niemand vor Bespitzelung und Verrat sicher sein. Besonders bekannt wurde der Fall von Vera Lengsfeld (von 1990 bis 2005 MdB), die von ihrem Ehemann bespitzelt wurde. Ein weiteres prominentes Opfer war Robert Havemann, der zeitweise von etwa 100 Stasi-Mitarbeitern überwacht wurde.

1989 beschäftigte das MfS etwa 91.000 hauptamtliche und 173.000 inoffizielle Mitarbeiter (IM).

1976 gab Mielke an die HA I, Abteilung Äußere Abwehr, den Befehl, den Hamburger Michael Gartenschläger festzunehmen bzw. zu töten. Gartenschläger hatte im Jahre 1976 die völkerrechtswidrigen Selbstschussanlagen („Splitterminen SM-70“) von einem Grenzzaun der DDR abgebaut und damit die DDR-Führung international angeprangert. Am 30. April 1976 wurde Michael Gartenschläger von einem Stasi-Sonderkommando erschossen.

Schriften[Bearbeiten]

  • Sozialismus und Frieden – Sinn unseres Kampfes. Ausgewählte Reden und Aufsätze. Dietz-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-320-01159-6.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erich Mielke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zu Kindheit und Jugend siehe Otto (Lit.), S. 13–15
  2. Ludwig Niethammer: Die Karriere eines deutschen Stalinisten
  3. Hierzu Otto, S. 18f.
  4. Hierzu Otto, S. 20–28
  5. Zu Mielkes Behauptung Otto, S. 93, mit Nachweis; zu den Urteilen S. 44, mit Nachweis. Siehe auch BGH 5 StR 434/94 – Urteil vom 10. März 1995 (LG Berlin).
  6. Ludwig Niethammer: Die Karriere eines deutschen Stalinisten Zum Tode von Erich Mielke, World Socialist Website. 16. August 2000. abgerufen am 12. Februar 2014
  7. Dazu Wilfriede Otto, S. 82, nicht ausgebürgert S. 86, dort auch das Weitere
  8. Die Dokumente, einmal mit dem Klarnamen Erich Mielke in Faksimile bei Wolfgang Kießling: Leistner ist Mielke. Schatten einer gefälschten Biographie. (Lit.), S. 60f. und 63
  9. Otto, S. 89, mit Nachweis
  10. Die folgende Darstellung stützt sich auf Otto, S. 486–493 und Bästlein S. 96f.
  11. Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2317-9, S. 495.
  12. Zum Prozess siehe Bästlein (Lit.), S. 96–98 und Otto, S. 488–497
  13. Bericht in der Bild-Zeitung, Zugriff am 9. Juli 2012
  14. Wilfriede Otto: Erich Mielke – Biographie. Aufstieg und Fall eines Tschekisten. Dietz, Berlin 2000, S. 108.
  15. Biografie Erich Mielke beim Haus der deutschen Geschichte.
  16. Momentaufnahme_ Staatsicherheitschef Erich Mielke _ 20 Jahre, Deutsche Welle TV via Youtube, abgerufen: 12. April 2012