Erich Neumann (Staatssekretär)

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Erich Neumann
Neumann im Besprechungsprotokoll der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942

Erich Neumann (* 31. Mai 1892 in Forst (Lausitz); † 23. März 1951 in Garmisch-Partenkirchen[1]) war deutscher Staatssekretär im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan in der Zeit des Nationalsozialismus.

Schon im November 1938 war Neumann Teilnehmer einer Besprechung bei Göring über die „Arisierung der Wirtschaft“ sowie die Kennzeichnung und Isolierung der Juden. Auf der Wannsee-Konferenz vertrat er die Ministerien für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Ernährung, Verkehr sowie für Bewaffnung und Munition. Als Staatssekretär Görings wachte Neumann über die Interessen der kriegswirtschaftlichen Behörde und forderte, jüdische Arbeiter aus kriegswichtigen Betrieben vorerst nicht zu deportieren.

Leben[Bearbeiten]

Neumann wurde in Forst (Niederlausitz) in einer evangelischen Familie als Sohn eines Fabrikbesitzers geboren. Nach dem Abitur studierte Neumann Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1911 wurde er Mitglied des Corps Rhenania Freiburg.[2] Als Inaktiver wechselte er an die Universität Leipzig und später an die Friedrichs-Universität Halle. Von 1914 bis 1917 nahm er am Ersten Weltkrieg teil, zuletzt als Oberleutnant.

Im Oktober 1920[3] wurde er Regierungsassessor im Preußischen Innenministerium, danach beim Landkreis Essen. Ab Oktober 1923[4] wurde er zum Regierungsrat befördert. Im Dezember 1924 nahm er eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter im Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe auf. Vom November 1926 bis 1928 war er Landrat des Landkreises Freystadt in Niederschlesien, danach ab Oktober 1928 als Ministerialrat erneut im Preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe. Als Wirtschaftsfachmann hatte Neumann die Aufgabe, Deutschland auf internationalen Konferenzen zu vertreten.[5] Im September 1932 wurde Neumann Ministerialdirektor im Preußischen Staatsministerium, dort zuständig für Verwaltungsreformen. Im September 1933 übernahm auch noch die Aufgabe eines Schriftführers im Preußischen Staatsrat.[6]

Zuvor Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei[1], trat Neumann nach dem Wahlsieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei der Reichstagswahl März 1933 im Mai 1933 in die NSDAP (Mitgliedsnummer 2.645.024) und im August 1934 in die SS (Mitgliedsnummer 222.014) ein. Neumann war dabei dem Stab des SS-Hauptamts zugewiesen; am 13. September 1936 wurde er zum Obersturmbannführer befördert.[7] Ende 1935 arbeitete er im Preußischen Staatsministerium und ab Oktober 1936 im Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring. Innerhalb der Behörde für den Vierjahresplan leitete er die Geschäftgruppe Devisen. Diese Geschäftgruppe war bis 1939 nicht von organisatorischen Änderungen innerhalb der Vierjahresplanbehörde betroffen. Neumanns Aufgaben in dieser Position umfassten den Bereich von allgemeinen Geschäften für alle sechs Gruppen sowie die Verbindungen zwischen den Gruppen. Außerdem war er an der Aufstellung von diesbezüglichen Erlassen der Gesetze und Verordnungen beteiligt. Schon ab 1935 hatte er für Göring eine Gruppe geleitet, die die allgemeine innere und äußere Lage der Wirtschaft beurteilen sollte.[8] Im Juli 1938[9]wurde Neumann Staatssekretär und Vertreter von Paul Körner.[10] Im Jahre 1939 erhielt er den Ehrenrang SS-Oberführer.

Im Zuge der Kriegsvorbereitungen gegen die Sowjetunion befasste sich Neumann auch mit Fragen der Agrarproduktion der zu erobernden Länder. Dabei ging er in einem Vortrag am 19. April 1941 bei der Verwaltungsakademie Berlin davon aus, dass wegen fehlender Importe von Futtermitteln diese eroberten Gebiete nicht zur Überschussproduktion mehr fähig sein würden und deshalb zu Zuschußgebieten würden. Den Text des Referats hatte sein persönlicher Referent, Professor Otto Donner geschrieben.[11] Am 2. Mai 1941 war dann auch dieses Thema bezüglich der Sowjetunion Gegenstand einer Besprechung von Neumann, Paul Körner und Herbert Backe.[12] Ebenfalls ab 1941 war er stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Kontinentalen Erdöl AG zur Ausbeutung der Ölvorkommen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion.

Neumann erteilte als Staatssekretär im Auftrag Görings Reinhard Heydrich als seinem „Bevollmächtigtem“ am 31. Juli 1941 den Auftrag zum Holocaust, zur Vorbereitung der „Endlösung der Judenfrage“ in Europa:

Ich beauftrage Sie […] mir in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.[13]

Heydrich brüstete sich dann zahlreichen weiteren NS-Konferenzen zum Thema, insbes. der Wannseekonferenz, mit diesem Auftrag, den er für einen bedeutenden Karrieresprung hielt.

Ab August 1942 wurde er Generaldirektor des Deutschen Kalisyndikats. Seine Position als Leiter der Geschäftsgruppe Devisen übernahm Ministerialdirigent Friedrich Gramsch. 1945 erfolgte seine Internierung, aus der er Anfang 1948 wegen Krankheit entlassen wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Erich Neumann in der Online-Version der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik Todestag lt. Sterbeurkunde GAP
  2. Kösener Corpslisten 1930, 35, 838
  3. Herrmann A. L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935
  4. Herrmann A. L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935
  5. Ralf Banken, Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft, Berlin 2009, S.727
  6. Ludwig Münz, Carl Lehmann, Führer durch die Behörden und Organisationen, Berlin 1934, S. 62; Herrmann A. L. Degener, Wer ist's?, Berlin 1935
  7. SS-Personalkanzlei: SS-Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP, Stand 1. Dezember 1937, Reichsdruckerei, Berlin 1937,
  8. Ralf Banken, Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft, Berlin 2009, S.257
  9. Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt/Main 2005, S. 432-433
  10. Götz Aly, Susanne Heim, Vordenker der Vernichtung, Frankfurt 1993, S. 63
  11. Götz Aly, Susanne Heim, ebenda,S. 370
  12. Götz Aly, Susanne Heim, ebenda, S. 504
  13. [1] o. D. - Das Datum bei Heinz Bergschicker, Deutsche Chronik 1933 - 1945. Ein Zeitbild der faschistischen Diktatur, Nation, Berlin 1981, S. 392, und seitdem in der ges. Lit. zum Thema

Weblinks[Bearbeiten]