Erich Rothacker
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Erich Rothacker (* 12. März 1888 in Pforzheim; † 10. August 1965 in Bonn) war ein deutscher Philosoph und Soziologe.
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[Bearbeiten] Leben
Als Sohn eines Großkaufmanns verbrachte er seine Kindheit in Neapel und Pforzheim. Dort legte er 1907 seine Reifeprüfung am Reuchlin-Gymnasium ab. Es folgten Studien der Philosophie und Geschichte, aber auch der Naturwissenschaften und der Medizin, in München, Kiel und Straßburg.
1911 promovierte Rothacker an der Universität Tübingen bei Heinrich Maier mit einer Arbeit über den Historiker Karl Lamprecht, welche in den Grundzügen schon seine zukünftige, wissenschaftliche Ausrichtung beinhaltete: Die Erforschung der Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst (Anthropologie) und mit seiner geschichtlichen Leistung (Kultur). 1920 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg für Philosophie, um dort ab 1924 als Professor zu lehren, bis er 1928 nach Bonn wechselte.
Rothacker unterzeichnete am 29. Juli 1932 einen Wahlaufruf von 51 Hochschullehrern für Adolf Hitler und wurde im März 1933 Mitglied der NSDAP. Als Abteilungsleiter im Propagandaministerium war er 1933 der Verbindungsmann zur studentischen Bücherverbrennung unter dem Motto „Aktion wider den undeutschen Geist“. In seinem 1934 publizierten Buch Geschichtsphilosophie befürwortete er die nationalsozialistischen Rassentheorien: „Neben Staatsgedanke, Deutschtumsgedanke, Volksgedanke steht als wesentlicher Bestandteil aller zugleich der Rassegedanke“.[1] 1934 wurde er Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht und Gründer des Ausschusses für Rechtsphilosophie.[2] Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich am NS-Projekt „Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“.[3]
In der Nachkriegszeit durfte er bereits 1947 seine Lehrtätigkeit wiederaufnehmen und blieb bis zu seiner Emeritierung 1956 Professor in Bonn.[2]
Rothacker galt als Begründer der geisteswissenschaftlichen Kulturanthropologie und wird zum Teil auch mit der Lebensphilosophie in Verbindung gebracht. Rothacker war Doktorvater von Jürgen Habermas, Hermann Schmitz und Lehrer von Karl-Heinz Ilting und Karl-Otto Apel.
[Bearbeiten] Schriften
- Einleitung in die Geisteswissenschaften, Tübingen 1920 (2. Aufl. 1930)
- Logik und Systematik der Geisteswissenschaften. Handbuch der Philosophie, München/Berlin 1926 (3. Aufl. Bonn 1948)
- Geschichtsphilosophie. Handbuch der Philosophie, München/Berlin 1934
- Die Schichten der Persönlichkeit, Leipzig 1938 (7. Aufl. 1966)
- Probleme der Kulturanthropologie, Bonn 1942 (2. Aufl. 1966)
- Mensch und Geschichte. Studien zur Anthropologie und Wissenschaftsgeschichte, Bonn 1950
- Die dogmatische Denkform in den Geisteswissenschaften und das Problem des Historismus, Mainz 1954
- Psychologie und Anthropologie. Jahrbuch für Psychologie. 1. Halbband, 1957
- Intuition und Begriff. Ein Gespräch mit J. Thyssen, Bonn 1963
- Philosophische Anthropologie. Vorlesungen aus den Jahren 1953/54, Bonn 1964 (2. Aufl. 1966)
postum
- Zur Genealogie des menschlichen Bewußtseins. Eingeleitet und durchgesehen von W. Perpeet, Bonn 1966
- Gedanken zu Martin Heidegger, Bonn 1973
- Das „Buch der Natur“. Materialien und Grundsätzliches zur Metapherngeschichte. Aus dem Nachlaß. Hrsg. von W. Perpeet, Bonn 1970
[Bearbeiten] Literatur
- Volker Böhnigk: Kulturanthropologie als Rassenlehre: Nationalsozialistische Kulturphilosophie aus der Sicht des Philosophen Erich Rothacker. Würzburg, 2002
- G. Funke (Hrsg): Konkrete Vernunft. Festschrift für Erich Rothacker mit Bibliographie. Bonn 1958
- Eintrag Erich Rothacker; in: Klee, E.: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt 2005
- Frank Tremmel: Menschheitswissenschaft« als Erfahrung des Ortes – Erich Rothacker und die deutsche Kulturanthropologie, München 2009, Herbert Utz Verlag, ISBN 978-3-8316-0885-0
[Bearbeiten] Belege
- ↑ Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 510.
- ↑ a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Taschenbuch 2005, S. 510.
- ↑ Thomas Laugstien: Philosophieverhältnisse im deutschen Faschismus. Hamburg 1990, S. 12f ISBN 3886191699
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Erich Rothacker im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Erich Rothacker. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL).
- Rothacker als Autor der Philosophischen Anthropologie
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rothacker, Erich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Philosoph und Soziologe |
| GEBURTSDATUM | 12. März 1888 |
| GEBURTSORT | Pforzheim |
| STERBEDATUM | 10. August 1965 |
| STERBEORT | Bonn |

