Erisdorf

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48.1194444444449.4825565Koordinaten: 48° 7′ 10″ N, 9° 28′ 57″ O

Erisdorf
Gemeinde Ertingen
Höhe: 560–580 m
Fläche: 5,27 km²
Einwohner: 449 (30. Nov. 2009)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 88521
Vorwahl: 07371

Erisdorf ist eine Ortschaft der Gemeinde Ertingen im westlichen Landkreis Biberach, Baden-Württemberg. Der Ort liegt um einen wasserreichen Kessel herum, in dem der Röthenbach entspringt und sich mächtige Tuffsteinlager befinden. Das Dorf besteht aus einem Ortsteil auf der Hochfläche (Oberdorf) und einem Ortsteil in einem Tälchen (Unterdorf) nahe Neufra.

Erisdorf liegt malerisch im Röthenbachtal und erstreckt sich mit Dorfzentrum und neuzeitlichen Siedlungen auf die Moränenhochfläche der Rißeiszeit. Bei Grabungen fand man alemannische Reihengräber, die auf eine viel weiter zurückliegende Besiedlung schließen lassen.

Das Dorf wurde 1975 nach Ertingen eingemeindet. In Erisdorf lebten 2009 449 Einwohner. Die Einwohnerzahl stieg bis zum Jahresende 2013 auf 488.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde aus der Jungstein- und Bronzezeit, wie auch die Lage an der keltischen Urstraße, weisen auf eine sehr frühe Besiedlung hin, von welcher der „Rauhe Lehen“, ein aufgeschütteter Hügel, möglicherweise über den Grabstätten eines vorrömischen Fürstengeschlechts, Zeugnis gibt. An Erisdorf vorbei verlief auch von Ennetach her eine alte Römerstraße, auch Heerstraße genannt.

Römische Gebäudereste, die auf einen römischen Gutshof (villa rustica) schließen lassen fanden sich in den Jahren 1984/85 auf Luftbildaufnahmen bei Erisdorf.[1]

Die ursprüngliche alemannische Besiedlung fand in der älteren Ausbauzeit statt.

Erisdorf wird 1311 aus Anlass des Verkaufs der Güter des Ritters Heinrich gen. Fleke an Kloster Salem erstmals genannt ("Eringsdorf").

Der Name des Orts wird in ältern Urkunden Ehrensdorf oder Eringsdorf geschrieben gefunden. Der Ort war Kirchen-Filiale von Ertingen, hatte aber schon frühe seine eigene Kirche mit einem Geistlichen. 1813 wurde die Kirche zur unabhängigen Pfarrkirche gemacht. Die Gemeinde hatte früher auch das Ernennungsrecht des Kaplans, dessen Stelle 1403 von der Gemeinde gestiftet worden sein soll.

Von den frühesten Zeiten gehörte Erisdorf größtentheils zum Kloster Reichenau. Die hohe Gerichtsbarkeit und das Jagdrecht wurden von der Grafschaft Friedberg, in deren Banne Erisdorf lag, in Anspruch genommen. Riedlingen berief sich aber darauf, dass 1695 eine Landesfürstliche Kommission entschieden hatte, dass die Stadt in den drei zu ihrem Spital gehörigen Orten hohe und niedere Obrigkeitsrechte ausgeübt habe. Teils als Lehen, teils als freies Eigenthum hatten die Reichsritter von Hornstein Erisdorf inne. Von Johann von Hornstein wurde es an Heinrich von Reischach verkauft. 1361 erbte es Adelheid von Reischach, Gemahlin Walters von Freyberg, und diese verkaufte das Allodium 1398 an das Spital Riedlingen. Von ihren Söhnen verkaufte Heinrich auch den lehnbaren Antheil an eben denselben Spital für und der Abt von Reichenau hob auf Bitten der Riedlinger 1403 den Lehensverband auf. Der große Zehnt war bei Reichenau und nachher bei Konstanz, geblieben. Von Konstanz kam er durch die neuen Veränderungen an Baden. In den Urkunden von Heilig Kreuzthal kommt auch ein Hans von Eringsdorf vor, der 1594 einen Hof zu Waldhausen an das Kloster verkauft.

Bis zum Übergang an Württemberg im Jahre 1805 besaß das Riedlinger Spital bzw. als dessen Oberpfleger Bürgermeister und Rat der Stadt - die Gerichtsbarkeit, wählte den Amtmann und besetzte jährlich das Gericht mit 12 Richtern aus dem Dorfe. Kirchlich gehörte Erisdorf dagegen zur Pfarrei Ertingen; wenn auch schon seit 1403 eine eigene Frühmesse bestand, so wurde es doch erst 1837 eigene Pfarrei.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Erisdorf befindet sich die Landscheune, ein privates land- und hauswirtschaftliches Museum.[2]

Erisdorf ist außerdem für seinen alljährlichen Weihnachtsmarkt und das "Nuadlafescht" bekannt, das seit Anfang der 90er Jahre stattfindet. Es ist ein Dorffest, bei dem Nudelgerichte regionaler Art angeboten werden, wie zum Beispiel die "Zigarnudla" (zigarrenförmige Nudeln). Daneben gibt es noch das Lindenfest.

Die "Rötenbächler" sind typisch für die Fastnachtsbräuche Erisdorfs.

Der "Rauhe Lehen" bei Erisdorf soll eventuell zum Denkmal erhoben werden. Allerdings will das Landesdenkmalamt den Grabhügel nicht verändern und die bisherige Formation erhalten. Für Touristen soll er etwas hergerichtet und eventuell mit einer Treppe versehen werden, hieß es im Gemeinderat Ertingen.[3]

Kirche und Altarbild[Bearbeiten]

Oberhalb der Talsenke mit der ehemaligen Mühle im Röthenbachtal befindet sich das kirchliche Dorfzentrum mit der Pfarrkirche St. Bartholomäus, die am 20. August 1410 geweiht wurde. Um 1710 wurde der Chor und 1896 das Kirchenschiff erneuert. Nach der letzten Renovierung, die zwar die Kirche etwas nüchterner machte, konnten bedeutende Kunstwerke in der Kirche verbleiben, so die barocke Madonna, der heilige Wendelin, Konrad und Stefanus.[4]

Franz Joseph Spiegler malte 1721 im Auftrag der Spitalpflege Riedlingen ein Altarblatt in Öl für die Pfarrkirche Erisdorf "Maria von verschiedenen (Franziskaner-) Heiligen verehrt" mit einem Allianz-Stifterwappen. Es hängt an der rechten Chorseite. Es zeigt im oberen Drittel Maria mit dem kleinen Jesus, umgeben von den heiligen Franziskanermönchen Franziskus, Antonius und Johann Capistran, den heiligen Nikolaus mit seinem Attribut der Bischofsmitra, die eine Putte zeigt. In der unteren Bildhälfte ist der Kirchenpatron, der Heilige Bartholomäus, und Johann von Nepomuk zu sehen. Die Gesichtszüge des heiligen Nikolaus gleichen denen von Spieglers Heiligem Joseph in Bronnen (Gammertingen). Das Ölgemälde vermittelt neben dem von Johann Kaspar Sings herrührenden Madonnentypus in dem Landschaftselement etwas vom Einfluss Oberitaliens, zum Beispiel vom Stil Antonio Balestras.[5][6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rolf Gensheimer:Luftbildarchäologie in Baden-Württemberg in den Jahren 1984/85. In: Dieter Planck (Hrsg.): Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1985. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1986, S. 14ff., ISBN 3-8062-0465-9
  2. http://www.landscheune.de/
  3. http://www.schwaebische.de/home_artikel,-_arid,328985.html
  4. http://www.schwaebische.de/home_artikel,-_arid,1517517.html
  5. http://www.freieskunstforum.de/hosch_1990_spiegler.pdf
  6. http://bauamt.drs.de/fileadmin/HAVIII-Bauamt/10_03_Erisdorf.pdf