Erlenbach (Landkreis Heilbronn)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Erlenbach
Erlenbach (Landkreis Heilbronn)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Erlenbach hervorgehoben
49.1699722222229.2695180Koordinaten: 49° 10′ N, 9° 16′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Heilbronn
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 12,73 km²
Einwohner: 4915 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 386 Einwohner je km²
Postleitzahl: 74235
Vorwahl: 07132
Kfz-Kennzeichen: HN
Gemeindeschlüssel: 08 1 25 027
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klingenstraße 2
74235 Erlenbach
Webpräsenz: www.erlenbach-hn.de
Bürgermeister: Uwe Mosthaf
Lage der Gemeinde Erlenbach im Landkreis Heilbronn
Abstatt Abstatt Bad Friedrichshall Bad Rappenau Bad Wimpfen Beilstein Beilstein Beilstein Brackenheim Cleebronn Eberstadt Ellhofen Ellhofen Eppingen Erlenbach Flein Gemmingen Güglingen Gundelsheim Hardthausen am Kocher Heilbronn Ilsfeld Ittlingen Jagsthausen Jagsthausen Kirchardt Langenbrettach Lauffen am Neckar Lauffen am Neckar Lehrensteinsfeld Leingarten Löwenstein Löwenstein Löwenstein Massenbachhausen Möckmühl Neckarsulm Neckarwestheim Neudenau Neuenstadt am Kocher Nordheim Obersulm Oedheim Offenau Pfaffenhofen Roigheim Schwaigern Siegelsbach Talheim Untereisesheim Untergruppenbach Weinsberg Widdern Wüstenrot ZaberfeldKarte
Über dieses Bild
Erlenbach von Südosten

Erlenbach ist eine Weinbau-Gemeinde im Landkreis Heilbronn, die aus den beiden Ortsteilen Erlenbach und Binswangen besteht.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Erlenbach liegt am Fuße des 317 m hohen Kaybergs im unteren Sulmtal im Osten des Landkreises Heilbronn. Der Kayberg ist zugleich der höchste Punkt der Gemarkung; der mit 155 m tiefste Punkt befindet sich an der Sulm an der Gemarkungsgrenze zu Neckarsulm. Erlenbach hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.[2]

Gemeindegebiet[Bearbeiten]

458,4 ha der Ortsfläche von 1272 ha bestehen aus Wald.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbarstädte und -gemeinden Erlenbachs sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Heilbronn (Stadtkreis), Neckarsulm, Eberstadt und Weinsberg. Bis auf Heilbronn gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Mit Neckarsulm und Untereisesheim ist Erlenbach eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Erlenbach besteht aus den ineinander übergehenden Ortsteilen Erlenbach (im Osten) und Binswangen (im Westen).[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Erlenbach wurde anlässlich einer Schenkung an das Kloster Hirsau im Jahr 1130 im Hirsauer Codex erstmals erwähnt, Binswangen in einem von Papst Alexander III. am 8. November 1176 ausgestellten Schutzbrief. Beide Orte gehörten zu dieser Zeit zur Herrschaft Scheuerberg der Herren von Weinsberg, mit der sie 1335 an Kurmainz und am 27. Mai 1484 durch Gebietstausch an den Deutschen Orden kamen, wo Erlenbach und Binswangen zur Ballei Franken zählten. Die Ballei Franken wurde 1500 ein Teil des Fränkischen Reichskreises.

Im ausgehenden Mittelalter besaßen das Stift Wimpfen, das Kloster Comburg, das Kloster Ebrach, das Kloster Gnadental, das Heilbronner Klarakloster, das Kloster Lichtenstern sowie das Kloster Schöntal Güter und Rechte in Erlenbach. Später kamen auch württembergische und limpurgische Rechte hinzu, während der Deutsche Orden den Ebracher Anteil am Zehnten sowie die Pfarrei erwarb.

In Binswangen hatten das Kloster Schöntal, das Kloster Lichtenstern, die Heilbronner Klarissen sowie das Kloster Amorbach Besitz und Rechte.

Beide Orte bildeten durch die gemeinsame Herrschaftszugehörigkeit und die benachbarte Lage zeitweise eine Markgenossenschaft, die sich u.a. in einem gemeinsamen Hochgericht und gemeinsamer Weidenutzung ausdrückte.

Nach Auflösung des Deutschordensstaates kamen beide Orte 1805 an Württemberg und wurden dort dem Oberamt Neckarsulm zugeteilt, das 1934 in Kreis Neckarsulm umbenannt wurde.

Am 1. April 1935 wurden Binswangen und Erlenbach unter dem Namen Erlenbach zusammengeschlossen. Mit Auflösung des Kreises Neckarsulm kam die Gemeinde am 1. Oktober 1938 zum Landkreis Heilbronn. 1939 wurden 2137 Einwohner gezählt.[4] Durch die aus Einwohnerwachstum resultierende Bautätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg sind die beiden Teilorte inzwischen zusammengewachsen.

Religionen[Bearbeiten]

Bedingt durch die einstige Zugehörigkeit zum Deutschen Orden sind die Einwohner Erlenbachs bis in die Gegenwart überwiegend katholisch. In Erlenbach bestand bereits im späten Mittelalter eine eigene Pfarrei, während Binswangen ursprünglich kirchlich zu Neckarsulm zählte, aber auch schon vor 1654 eine eigene Pfarrei erhielt. Die Katholische Kirchengemeinde St. Martinus Erlenbach und die Katholische Kirchengemeinde St. Michael Binswangen haben jeweils eine eigene Pfarrkirche, die Evangelische Christuskirchengemeinde Erlenbach verfügt über die 1965 eingeweihte Christuskirche.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Erlenbacher Gemeinderat hat nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 14 Sitze, die sich auf

  • 7 Sitze für die Freien Wähler (47,5 %; - 5,3 %; ± 0 Sitze) und
  • 6 Sitze für die CDU (46,1 %; − 1,1 %; - 1 Sitz) und
  • 1 Sitz für die SPD (6,3 %; + 6,3 %; + 1 Sitz) verteilen.

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen Erlenbachs

Die Blasonierung des Erlenbacher Wappens lautet: In Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz mit Tatzenenden, belegt mit einem schmalen goldenen Lilienkreuz und einem silbernen Herzschild, darin an grünem Rebzweig mit rechtshinweisendem Blatt eine blaue Traube. Die Flagge der Gemeinde ist Blau-Weiß.

Erlenbach führte vermutlich bis ins 20. Jahrhundert kein eigenes Wappen. Um 1930 nahm die Gemeinde das Wappen in ihr Dienstsiegel auf, das über dem Eingang des Rathauses in Stein gehauen war: das Wappen des Deutsch- und Hochmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg aus dem Jahr 1698 mit dem Deutschordenskreuz. Die württembergische Archivdirektion beanstandete 1938 das Wappen und schlug ein anderes Wappen vor, das das Deutschordenskreuz und als Hinweis auf den Erlenbacher Weinbau eine Weintraube enthielt. Das Wappen wurde nicht verliehen, weil am 15. Dezember 1937 ein Erlass des Reichsinnenministers gegen kirchliche Wappenfiguren ergangen war (zu diesen zählt das Deutschordenskreuz). Ein daraufhin von der Archivdirektion vorgeschlagenes alternatives Wappen (Blasonierung: In Silber über einem blauen Wellenbalken ein pfahlweis gestellter grüner Erlenzweig) nahm die Gemeinde nicht an. Nach dem Zweiten Weltkrieg (nachgewiesen ab 1947) verwendete die Gemeinde in ihrem Dienststempel ein dem Vorschlag von 1938 ähnelndes Wappenbild, das sie 1956 mit Billigung der Archivdirektion als ihr jetziges Wappen annahm. Die Archivdirektion legte die Farben fest. Am 4. Mai 1960 bestätigte das baden-württembergische Innenministerium das neue Wappen und verlieh der Gemeinde die Flaggenfarben Blau-Weiß.[5]

Partnergemeinde[Bearbeiten]

1997 gab es erste Kontakte zu Seiches-sur-le-Loir, einer Gemeinde im Westen Frankreichs, nahe Angers, mit etwa 2.200 Einwohnern. An Pfingsten 2000 wurde die Partnerschaft in Seiches-sur-le-Loir offiziell besiegelt, im Mai 2002 fand die Unterzeichnung der Partnerschaft in Erlenbach statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

St. Martinus in Erlenbach

Die katholische Pfarrkirche St. Martinus in Erlenbach wurde 1753 bis 1760 anstelle einer älteren Martinskirche im Stil des späten Barock neu erbaut. Das ebenfalls barocke Pfarrhaus wurde 1781 von Franz Häffele errichtet. Eines der ältesten Gebäude der Gemeinde ist das Erlenbacher Backhaus von 1575, das bis 1813 auch Schulhaus war. Das Erlenbacher Rathaus am Marktplatz stammt aus dem Jahr 1698.

St. Michael in Binswangen

Die katholische Pfarrkirche St. Michael im Ortsteil Binswangen wurde unter Baumeister Ludwig Bronner 1788 anstelle eines 1578 bezeugten Vorgängerbauwerks errichtet und 1818 geweiht. Die relativ lange Zeit zwischen Bau des Langhauses 1788 und Einweihung 1818 wird mit dem Vorhandensein der etwas außerhalb des Binswanger Ortszentrums, an der heutigen Landesstraße 1101, im Jahr 1768 errichteten St.-Wolfgangs-Kapelle als Ausweichkirche erklärt. Die der Michaelskirche benachbarte, 450 m² große ehemalige Zehntscheuer des Deutschen Ordens von 1574 beherbergt das Weinbaumuseum Alte Kelter Binswangen. Das Alte Rathaus, ein massiver Steinbau von 1876 mit Treppengiebel wird heute als Wohnhaus genutzt.

Musik[Bearbeiten]

Marktplatz und kath. Kirche St. Martinus

In Binswangen und Erlenbach gibt es jeweils einen Musikverein. Der Musikverein Erlenbach veranstaltet jedes Jahr ein Frühjahrskonzert und alle zwei Jahre eine Serenade auf dem Marktplatz sowie ein Kirchenkonzert in der St.-Martinus-Kirche Erlenbach. Außerdem ist er Hauptveranstalter des Original Erlenbacher Weinfestes.

Sport[Bearbeiten]

Neben den üblichen Sportvereinen gibt es in Erlenbach den Verein Radsportverein Concordia Erlenbach 1923 e.V. (RSV Erlenbach), der für Kunstradsport bekannt ist. Seine Aktiven können auf große Erfolge verweisen.

2000 und 2001 gewannen Katja Knaack und Carolin Ingelfinger die Europameisterschaften im 2er-Kunstradfahren. 2002 bis 2006 gewannen sie jeweils den Weltmeistertitel. 2001 bis 2005 wurden Michael Gysin, Matthias Berg, Michael David und Jochen Halter Deutsche Meister bei den Aktiven. 2004 gewann Florian Halter den Vize-Europameistertitel im 1er-Kunstradfahren.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich finden zwei Weinfeste statt: Rund um den Wein jeden Sommer im Juli bei der Mehrzweckhalle, und das Original Erlenbacher Weinfest (Rund ums Rathaus), immer am 3. Wochenende in den Sommerferien (Baden-Württemberg), Freitag bis Montag, beim Rathaus am Marktplatz.

Zur Faschingszeit ist jährlich der Carnevals-Club Binswanger Boschurle aktiv und veranstaltet einen Rosenmontagsumzug und eine Prunksitzung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über Ärzte, Apotheken, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und eine Postagentur. Die Wasserversorgung Erlenbachs ist durch den Anschluss an die Bodensee-Wasserversorgung sichergestellt.

Weinbau[Bearbeiten]

Der Erlenbacher Kayberg von Weinsberg (Burgruine Weibertreu) aus gesehen

Erlenbach ist ein Weinbauort, in dem auf rund 250 ha[6] Wein angebaut wird. Schon 1130, bei der Ersterwähnung Erlenbachs, sind auch Weinberge mit erwähnt. Der Weinbau stellte früher die Haupterwerbsquelle dar und ist auch heute noch wichtig für die Erlenbacher Wirtschaft. Auf Erlenbacher Gemarkung befindet sich auch die Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss vieler Weinbauern dieser drei Orte. Die Gemeinde liegt an der Württemberger Weinstraße und verfügt in Binswangen in der ehemaligen Zehntscheuer des Deutschen Ordens über ein Weinbaumuseum. Jährlich finden zudem im Juli (Binswangen) und im August (Erlenbach) Weinfeste statt.

Verkehr[Bearbeiten]

Erlenbach ist durch Landstraßen mit seinen Nachbarorten verbunden. Anschlüsse an das Eisenbahn- und Fernstraßennetz befinden sich in den unmittelbaren Nachbarstädten Heilbronn, Neckarsulm und Weinsberg, auch an die A 6, die unmittelbar an Erlenbach vorbeiführt, aber dort keine Ausfahrt hat.

Medien[Bearbeiten]

Über das Geschehen in Erlenbach berichtet die Tageszeitung Heilbronner Stimme in ihrer Ausgabe Nord-Mitte (NM). Außerdem erscheint wöchentlich das gemeindliche Mitteilungsblatt Nachrichten aus Erlenbach-Binswangen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Erlenbach gibt es eine Freiwillige Feuerwehr.

Bildung[Bearbeiten]

Erlenbach verfügt über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die ca. 350 Schüler besuchen. Darüber hinaus gibt es drei gemeindliche Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
  3. Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 118–119
  4. Mitteilungen des Württ. Stat. Landesamtes Nr. 4/5 vom 10. Dezember 1940: Ergebnisse der Volks- und Berufszählung am 17. Mai 1939
  5. Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:
    Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 60
    Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 76f.
  6. Daten und Fakten zum Weinland Württemberg beim Weinbauverband Württemberg (Version vom 20. September 2008 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten]

  • Erwin Weiß: Ortschronik Erlenbach und Binswangen. Gemeinde Erlenbach, Erlenbach o.J. [1986]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erlenbach (Landkreis Heilbronn) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien