Ernest Callenbach

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Ernest Callenbach (November 2008)

Ernest Callenbach (* 3. April 1929 in Williamsport, Pennsylvania; † 16. April 2012 in Berkeley, Kalifornien[1]) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Journalist und Universitätslehrer.

Leben[Bearbeiten]

Callenbach gilt als ein ökologischer Vordenker. Callenbach hatte an der Universität von Chicago sowie der Pariser Sorbonne studiert und einen Mastergrad in Englisch und Kommunikation erworben. Er lehrte Filmgeschichte und Filmtheorie an der University of California in Berkeley. Bis 1991 war er Herausgeber der Zeitschrift „Film Quarterly“.

Callenbach zählte neben Ursula K. Le Guin und Marge Piercy einer der aktuellen Gesellschaftsutopisten der Gegenwart und wird als solcher mitunter in einem Atemzug mit H. G. Wells, Aldous Huxley und George Orwell genannt.[2] Er lebte zuletzt in Berkeley (Kalifornien).

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verlieh Callenbach 2009 die Ehrendoktorwürde.[3]

Roman »Ökotopia«[Bearbeiten]

1975 entwarf Callenbach mit seinem Roman »Ecotopia« (deutsch: Ökotopia) das Modell einer Gesellschaft, die sich ökologisch und sozialverträglich organisiert. Das Land »Ökotopia« wird von drei ehemaligen US-Bundesstaaten gebildet, die sich von den Vereinigten Staaten abgespalten haben. Callenbach beschreibt sehr detailliert alle denkbaren Teilbereiche des sozialen, wirtschaftlichen, politischen und privaten Lebens. Callenbachs Utopie sei »multikulturell, sanft technologisch, dezentralistisch, frauenfreundlich, hierarchiearm (aber nicht hierarchielos)«, so der Sozialwissenschaftler und Schriftsteller Rolf Schwendter.[4] Die New York Times beschreibt die in Ökotopia beschriebene Gesellschaft als „eine Mischung aus skandinavischem Sozialismus und nordkalifonornischem Zurück-auf-das-Land-Ideen, mit dem Usus..., vor Ort angebaute Produkte zu essen.“ [5]

Kritiker wie der linke Journalist Peter Bierl werfen Callenbach vor, »Ökotopia« enthalte »eine krude Mischung aus emanzipatorischen und rechten Vorstellungen«.[6]

Nach mehr als zwanzig Ablehnungen des Manuskripts durch verschiedene Verlagshäuser gründete Callenbach eigens den Banyan Tree Verlag und brachte das Buch dort heraus. Später interessierte sich Bantam Books dafür und sorgte mit einer eigenen Ausgabe für die weitere Verbreitung.[7]

Siehe auch: Zukunftsliteratur

»Ente« über Callenbachs Lebenslauf[Bearbeiten]

Eine Legende besagt, dass Callenbach 1937 in Hamburg geboren sei, Politik, Geschichte und Soziologie studiert habe und von 1981 bis 1995 Journalist beim deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel gewesen sei. Diese »Ente« fand sich auch in vorherigen Versionen dieses (deutschsprachigen) Wikipedia-Artikels wieder. Sie basiert wohl auf einer falschen Autoreninformation des EVA Rotbuchverlages, eines seiner deutschen Verlage.

Deutschsprachige Werke[Bearbeiten]

  • 1975 Ökotopia – Notizen und Reportagen von William Weston aus dem Jahre 1999. Übersetzt von Ursula Clemeur und Reinhard Merker, Rotbuch Verlag, Berlin 1978, ISBN 3-88022-200-2
  • 1983 Ein Weg nach Ökotopia. Übersetzt von Christiane Tobschall und David Crawford, Ökotopia Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-923648-03-0
  • 1995 Billig leben mit Stil, übersetzt von Leo Strohm, Rotbuch Verlag. ISBN 3-88022-463-3
  • 1998 Ökologie von A-Z. Ein Wegweiser, übersetzt von Michael Haupt, Rotbuch Verlag, ISBN 3-434-53051-7

Literatur[Bearbeiten]

  • U. Böker: Naturbegriff, ökologisches Bewußtsein und utopisches Denken. Zum Verständnis von Ernest Callenbachs ‘Ecotopia’. In: A. Heller u. a (Hrsg): Utopian Thought in American Literature. Tübingen 1988, S. 69-84.
  • R. Frye: The Economics of Ecotopia. In: Alternative Futures 3 (1980), S. 71-81.
  • K.T. Goldbach: Utopian Music: Music History of the Future in Novels by Bellamy, Callenbach and Huxley. In: F. Viera u. M. Freitas (Hrsg.) Utopia Matters. Theory, Politics, Literature and the Arts. Porto 2005, S. 237-243.
  • J. Hermand: Ecotopia. In: K. L. Berghahn und H. U. Seeber (Hrsg.): Literarische Utopien von Morus bis zur Gegenwart. Königstein/Taunus 1983, S. 251-264.
  • U. Meyer: Selling an 'ecological religion'. Strategies of Persuasion in Ernest Callenbach’s ‘Ecotopia’. In: M. Lotz, M. van der Minde, D. Weidmann (Hrsg.): Von Platon bis zur Global Governance. Entwürfe für menschliches Zusammenleben. Marburg 2010, S. 253-280.
  • H. Tschachler: Ernest Callenbachs: 'Ecotopia'. In: H. Heuermann u. B.-P. Lange (Hrsg.): Die Utopie in der anglo-amerikanischen Literatur. Interpretationen. Düsseldorf 1984, S. 328-348.
  • Dennis Hevesi: Ernest Callenbach, Author of ‘Ecotopia,’ Dies at 83. In: The New York Times. 27. April 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dennis Hevesi: Ernest Callenbach, Author of ‘Ecotopia,’ Dies at 83. In: The New York Times'. 27. April 2012.
  2. Hintergrund zu seinem Vortrag „The Hollowing Out of the American Empire/Die Aushöhlung des amerikanischen Imperiums“ auf SWR Tele-Akademie
  3. Lesereise 2009
  4. Zur Geschichte der Utopien 2001
  5. [1]
  6. Peter Bierl: „Und ewig rauschen die Wälder“ - ÖkoLinX 23/1996
  7. Gert Fehlner: Literarische Utopien als Reflexion und Kritik amerikanischer Wirklichkeit: Ausgewählte Beispiele seit den 60er Jahren, Meitingen 1989, S. 123.

Weblinks[Bearbeiten]