Ernest Solvay

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Ernest Solvay (um 1900)

Ernest Gaston Joseph Solvay[1] (* 16. April 1838 in Rebecq-Rognon, Belgien; † 26. Mai 1922 in Ixelles, Brüssel) war ein belgischer Chemiker und Amateurforscher und entwickelte sich als Unternehmer zum Philanthropen. Er gründete, zusammen mit seinem Bruder Alfred Solvay, den Solvay-Konzern. Die industrielle Bedeutung der beiden Brüder für Belgien und andere Regionen entspricht jener von Siemens oder Krupp für Deutschland. Ernest Solvay wollte als Mäzen „der Menschheit einen Teil seines Reichtums zurückgeben“. So gründete er mehrere Bildungsinstitute und unterstützte zeitlebens viele karitative Einrichtungen.

Leben[Bearbeiten]

Ernest Solvay wurde als zweites von fünf Kindern von Alexandre Solvay und Adèle Hulin[2] im Belgischen Rebecq, etwa 30 km von Brüssel entfernt, geboren. Sein Vater war Besitzer eines Steinbruchs, gründete dann eine Öl-Seifen-Handlung und später eine Salzsiederei.

Ernest schrieb darüber: „Mein Vater kaufte Steinsalz, löste es in Wasser auf und gewann durch Verdampfung dann Kochsalz. Ein wohlbekanntes, gut nachvollziehbares Verfahren. So kam ich bereits in meiner Kindheit Soda auf die Spur.“

Ernest Solvay musste wegen einer Rippenfellentzündung bereits mit 16 Jahren die Schule verlassen. Er absolvierte eine Ausbildung in einem Gaswerk und machte dort seine ersten chemischen Experimente. Auch am gewünschten Hochschulstudium hinderte ihn sein Gesundheitszustand, weshalb er mit 21 Jahren in die Zementfabrik seines Onkels eintrat.

Am 18. September 1863 heiratete er Adèle Winderickx. Mit ihr hatte er vier Kinder.[3]

1863 gründete er mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Alfred Solvay[4] – der als „Wirtschafter“ dem Wissenschaftler eine ideale Ergänzung war – seine erste eigene Fabrik und entwickelte bis 1865 das nach ihm benannte Solvay-Verfahren (auch Ammoniak-Soda-Verfahren). Es ist neben dem Abbau von Natursoda bis heute der am häufigsten verwendete chemische Prozess zur Sodagewinnung.

Soda – das wasserlösliche weiße Pulver Na2CO3 – wird als Grundstoff für Glas, Farbstoffe, Seife und Kunstdünger verwendet. Das regte den „Amateur“ Ernest mit 23 Jahren zu seinem ersten Patent an.

Eine ARD-Radiosendung zum 140-jährigen Firmenjubiläum gab Solvays Gedanken wieder: „Ich wollte gasförmiges, anderthalbfaches Ammoniakkarbonat produzieren, für das damals sehr viel Geld bezahlt wurde. Das gelang mir nicht. Aber irgendwie erinnerte ich mich an das Salz in meiner Kindheit. Eines Tages dachte ich, dass die Vermischung der beiden Salzsäuren eine Reaktion auslösen könnte. Ich mischte sie in einem Reagenzglas mit Wasser, schüttelte sie, bekam selbstverständlich eine Reaktion und als Endprodukt Soda.“

Im Gegensatz zu seinem Bruder Alfred hatte Ernest neben dem Unternehmertum auch ein offenes Ohr für alle sozialen Fragen. Andreé Despy-Meyer, die Archivarin der FU Brüssel, schreibt in ihrer Biographie:

„Ernest Solvay war zwar Industrieller, aber er hatte ein offenes Ohr für alle sozialen Fragen. Er kümmerte sich, wie übrigens auch ein paar andere Großindustrielle jener Zeit, um die Ausbildung der Arbeiter, führte den Achtstundentag ein, sorgte für Sozialleistungen, gründete Schulen, Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen.“

Im Jahr 1897 beteiligte er sich mit 25.000 Franc an der Ausrüstung der ersten belgischen Polarexpedition unter Adrien de Gerlache de Gomery. Dieser benannte zum Dank einen entdeckten Berg im Palmer-Archipel, den „Mount Solvay“, nach seinem Gönner.

Er tat auch noch ganz anderes: In Brüssel berief er Kongresse für Physiker ein, um den großen Wissenschaftlern der Zeit seine Theorien vorzustellen (erster Solvay-Kongress 1911). Im Ersten Weltkrieg gründete Solvay mit anderen Industriellen und Bankern aus Belgien das „nationale Hilfskomitee“. Es stellte große Mittel zur Verfügung, um die notleidende Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, Kleidung und Kohle zu versorgen. Despy-Meyer schreibt:

„Dieses nationale Hilfskomitee, für das er sich voll eingesetzt hat, macht Ernest Solvay zu einer mythischen Figur. Als König Albert im November 1918 von der Front nach Brüssel zurückkehrt, stattet er unverzüglich Ernest Solvay in dessen Palais in der Avenue des Champs-Élysées einen Besuch ab. Wenig später ernannte er ihn zum Staatsminister.“

An seiner Methode zur Herstellung von Soda hat sich bis heute nichts geändert. Die hohen Einkünfte aus dem Patent widmete Solvay für wohltätige Zwecke. Ferner gründete er mehrere Institute an der Brüsseler Universität:

Ernest Solvay wurde zweimal in den Senat Belgiens gewählt und noch im Alter von 80 Jahren zum Staatsminister ernannt. Er starb im Alter von 84 Jahren.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Solvay Grab Friedhof von Ixelles (Brüssel)[5]

Der Asteroid (7537) Solvay und die Solvayhütte wurden nach ihm benannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. GeneaStar: Ernest SOLVAY: Sa généalogie
  2. roglo.eu: Marthe Fitler
  3. roglo.eu: Ernest Solvay
  4. roglo.eu: Alfred Solvay
  5. Kreis W, Kreuzung Allee 15 mit 16

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernest Solvay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien