Ernst-Happel-Stadion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernst-Happel-Stadion
Ernst-Happel-Stadion
Westseite des Ernst-Happel-Stadions
Frühere Namen
bis 1992: Praterstadion
Daten
Ort OsterreichÖsterreich Wien, Österreich
Koordinaten 48° 12′ 25″ N, 16° 25′ 14″ O48.20694444444416.420555555556Koordinaten: 48° 12′ 25″ N, 16° 25′ 14″ O
Klassifikation Elitestadion
Eigentümer Stadt Wien
Eröffnung 11. Juli 1931
Erstes Spiel Arbeiterauswahl Wien – Arbeiterauswahl Niederösterreich 3:2
Renovierungen 1945, 1956, 1965, 1984–1986, 2005–2008
Oberfläche Naturrasen
Kosten 39,6 Mio. Euro (Umbau 2005–2008)
Architekt Otto Ernst Schweizer
Kapazität 50.865 Plätze,
während der EURO 2008:
51.428
Spielfläche 105 × 68
Verein(e)

Österreichische Fußballnationalmannschaft

Veranstaltungen

Das Ernst-Happel-Stadion (bis 1992 Praterstadion, manchmal auch Wiener Stadion genannt) in Wien ist das größte Stadion Österreichs. Es fasst 50.865 Zuschauer und zählt zur Kategorie der Elitestadien. In ihm finden die Heimspiele der österreichischen Fußballnationalmannschaft und Europacup-Spiele der Wiener Clubs statt. Ferner werden zeitweise das ÖFB-Cup-Finale und die Wiener Stadt-Derbys im Ernst-Happel-Stadion ausgetragen. Das Stadion war Austragungsort von sieben Spielen (unter anderem des Finales) im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft 2008 und wurde im Hinblick auf das Turnier umfassend renoviert.

Eigentümer des Stadions ist die Stadt Wien (Magistratsabteilung 51 – Sportamt der Stadt Wien). Verwaltet wird es von der Wiener Stadthalle Betriebs- und Veranstaltungsgesellschaft, einem Unternehmen der Wien Holding.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bei Konzerten im Stadion können auf dem Rasen bis zu 19.000 Plätze dazukommen. Neben den Sportstätten befinden sich in einem rund um das Stadion an- und teilweise unter das Stadiondach eingebauten Bürogebäude Dienststellen verschiedener Magistratsabteilungen der Stadt Wien.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten]

Schon im Jahr 1915 fasste die Stadt Wien die Errichtung eines Zentralstadions ins Auge. Etliche Entwürfe wurden eingereicht, darunter ein Stadion mit Schwimmbad und Autorennbahn am Schönbrunner Fasangarten. Kriegsbedingt kam es aber zu keiner Realisierung [1] Nach Gründung der Republik kam es dann zunächst wieder zu einer großen Standortdebatte. Als Alternativen zum Prater standen unter anderem die Hohe Warte, der Augarten und sogar der entlegene Cobenzl in Diskussion. Die Grundsteinlegung erfolgte schließlich im November 1928 zur 10-jährigen Republiksfeier Österreichs. Das Stadion wurde von 1929 bis 1931 nach Plänen des Schramberger Architekten Otto Ernst Schweizer in 23 Monaten erbaut und anlässlich der 2. Arbeiterolympiade am 11. Juli 1931 eröffnet. Schweizer erbaute auch das daneben liegende Stadionbad (mit 400.000 m² Grundfläche das größte Freibad Europas). Nach seiner Lage im Wiener Prater hieß die Anlage ursprünglich Praterstadion. Es galt damals als modernstes Stadion Europas, insbesondere wegen seiner kurzen Entleerungszeit von nur sieben bis acht Minuten. Anfänglich hatte es ein Gesamtfassungsvermögen von circa 60.000 Personen. Nach seiner Eröffnung fanden hier neben Sportveranstaltungen auch immer wieder politische Spektakel statt.

In der Zeit des Nationalsozialismus (1938–1945) wurde das Stadion zu militärischen Zwecken, als Kaserne und Planungsbüro, und als Sammelstelle zur Deportation von jüdischen Mitbürgern missbraucht. Zwischen 11. und 13. September 1939, nach dem Beginn des Polenfeldzuges, wurden über tausend „polnisch-stämmige“ Wiener Juden auf Anordnung Reinhard Heydrichs in Gewahrsam genommen. Sie wurden in den Gängen von Sektor B unterhalb der Tribünen inhaftiert. An 440 Inhaftierten wurden vom Naturhistorischen Museum Wien zwischen 25. bis 30. September rassische Untersuchungen vorgenommen (Kraniometrie (Schädelmessung) u. ä.). Am 30. September wurden 1038 Inhaftierte in das KZ Buchenwald deportiert. Bereits am nächsten Tag fanden im Stadion wieder Fußballspiele statt. 44 Männer wurden Anfang 1940 freigelassen, 26 wurden 1945 befreit, der Rest wurde in KZ ermordet. Im Jahr 1988 erhielt eines der überlebenden Opfer, Fritz Kleinmann, vom österreichischen Staat für die Haft im Stadion eine Entschädigung von umgerechnet 62,50 Euro. Im VIP-Bereich erinnert eine 2003 auf private Initiative entstandene Gedenktafel an die Vorfälle.[2]

1944 wurde das Stadion bei Bombenangriffen auf das Planungsbüro der Wehrmacht schwer beschädigt.

1945 bis 2000[Bearbeiten]

Amtliche Eintrittskarte von 1961 zu den Veranstaltungen zum 30-jährigen Jubiläum
Ansicht von Süden
Westportal
Gedenktafel am Westportal

Nach Kriegsende und dem Wiederaufbau wurde das Stadion wieder seiner ursprünglichen sportlichen Nutzung übergeben.

1956 wurde die Kapazität durch Erweiterungen von Theodor Schöll auf 92.708 Personen vergrößert, was aber 1965 wieder reduziert wurde. Der Zuschauerrekord wurde mit 90.726 Zuschauern am 30. Oktober 1960 beim Fußball-Länderspiel Österreich-Spanien (3:0) erzielt.

1984 bis 1986 wurden die Zuschauerplätze überdacht und komplett mit Sitzplätzen ausgestattet. Zur Wiedereröffnung wurde ein Freundschaftsspiel gegen Deutschland ausgetragen, welches Österreich mit 4:1 gewann. Nach dem Tod des ehemaligen österreichischen Spitzenspielers und Trainers Ernst Happel wurde das Stadion 1992 nach ihm benannt.

1964 (Inter MailandReal Madrid 3 : 1, 72 000 Zuschauer), 1987 (FC PortoBayern München 2 : 1, 58 000 Zuschauer), 1990 (AC MailandBenfica Lissabon 1 : 0, 57 500 Zuschauer) und 1995 (Ajax Amsterdam – AC Mailand 1 : 0, 49 730 Zuschauer) wurde jeweils das Endspiel der UEFA Champions League (bis 1992 Europapokal der Landesmeister) im Ernst-Happel-Stadion ausgetragen.

1969/1970 wurde das Finale des Europapokals der Pokalsieger zwischen Manchester City und Górnik Zabrze (Endstand: 2:1) im Praterstadion ausgetragen. Im Gegensatz zu den Endspielen der Championsleague und des Meistercups war es mit 7.968 Zuschauern nicht ausverkauft.

Fußball-Europameisterschaft 2008[Bearbeiten]

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 war das Stadion Austragungsort des Finales. Zuvor wurden die drei Gruppenspiele der österreichischen Nationalmannschaft, zwei Viertelfinalspiele und ein Halbfinalspiel in Wien ausgetragen. Im Hinblick auf das Turnier wurden im ersten und zweiten Rang zusätzliche Sitzreihen eingebaut, die die Stadionkapazität auf 53.008 Plätze erhöhten. Die neuen Sitzreihen im ersten Rang mussten nach der EM wieder entfernt werden, weil der Leichtathletikverband auf die Nutzung der Laufbahn bestand. Die Sitzreihe im 2. Rang blieb hingegen erhalten und erhöhte die Kapazität nachhaltig um 1040 Zuschauer.

Im Rahmen des Umbaus erhielt es im Sommer 2005 eine Rasenheizung sowie im Mai 2008 einen U-Bahn-Anschluss. Weiters werden das Hauptmedienzentrum und das Stadionmedienzentrum zusammengelegt. Dafür wurde ein temporärer Zubau mit direktem Zugang zum Stadion errichtet. Für die VIP-Gäste wurden neue Parkplätze geschaffen. Da für die Vorbereitung der Schlusszeremonie spezielle Räumlichkeiten mit direktem Zugang zum Innenraum des Stadions benötigt wurden, mussten auch Lagerbereiche und Büros errichtet werden. Die Kosten des Umbaus betrugen 39,6 Millionen Euro.

Um die Sicherheit der Europameisterschaft 2008 zu gewährleisten, sowie die VIP-Parkplätze zu schaffen und Fanshops einzurichten, wurden im November und am 8. Dezember 2006 56 Bäume um das Stadion gefällt. Dies wurde zum Teil kritisiert, da von der UEFA zwar eine Sicherheitszone, jedoch nicht explizit die Fällung von Bäumen gefordert wurde. Von Seiten der politisch Zuständigen wurde den Baumfällungen zugestimmt, da die Fällungen in Hinblick auf eine nicht auszuschließende Terrorgefahr und die Sicherheit von bis zu 1500 möglichen Verletzten unumgänglich gewesen seien.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernst-Happel-Stadion – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. http://www.wien.gv.at/freizeit/sportamt/annodazumal/sportstaetten/stadion.html#abschnitt01
  2. Vgl. David Forster: Haftort Praterstadion; auf zdf.de, 7. Mai 2008