Ernst Elias Niebergall

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grabmal Niebergalls auf dem Alten Friedhof in Darmstadt

Ernst Elias Niebergall (* 13. Januar 1815 in Darmstadt; † 19. April 1843 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Niebergall ist das siebte Kind eines aus dem Thüringischen stammenden Musikers und seiner Darmstädter Ehefrau. Sein Vater arbeitete zunächst als festangestellter Oboist für das Militär, dann am Darmstädter Hofe. Als 11-Jähriger wurde Ernst Elias Vollwaise, aber nicht mittellos.[1]

Er studierte 1832−1835 Theologie an der Universität Gießen, wo er 1832/33 Mitglied der Alten Gießener Burschenschaft Germania und 1833 des Corps Palatia war.[2] Da jenes Corps damals „wegen verschwörerischer Umtriebe verboten“ und er in Untersuchungen verwickelt war, verzögerte sich sein Examen. Ohne Abschluss war er zunächst als Hauslehrer in Dieburg und später ab 1840 mit Examen in Darmstadt als Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte tätig.

Ob er den zur gleichen Zeit in der gleichen Region lebenden, ungleich berühmteren Georg Büchner gekannt hat, ist umstritten. Als Büchner vor der Obrigkeit nach Straßburg floh, zeichnete Niebergall einen Jakobiner auf einem Esel sitzend. Während der Reitende ein Papier mit der Marseillaise hochhält, pinkelt sein Reittier, eine deutliche Kommentierung des Zeichners.[1]

In den Jahren 1837-1841 veröffentlichte Niebergall unter den Pseudonymen Ernst Streff, E. Streff oder E. St. vor allem in der Didaskalia, der Unterhaltungsbeilage des Frankfurter Journals, kleine Erzählungen.

Sein in Südhessischem Dialekt geschriebenes Schauspiel Datterich (1841) wird als Darmstädter Posse noch heute gern aufgeführt. Am bekanntesten ist eine Fernsehfassung mit Joseph Offenbach in der Hauptrolle. Niebergall erlebte die Uraufführung seines Stückes nicht mehr; denn sie fand erst 1862 in Bessungen statt.

Mit nur 28 Jahren gestorben, wurde Niebergall auf dem Alten Friedhof Darmstadt bestattet (Grabstelle: I H 58).

Werke[Bearbeiten]

  • 1837 Des Burschen Heimkehr oder: Der tolle Hund[3]
  • 1841 Datterich

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckhart G. Franz: Niebergall, Ernst Elias. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 216 (Digitalisat).
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Bd. I, Teilband 4, Heidelberg 2000, S. 207−208.
  • Rudolf Becker: Ernst Elias Niebergall. Bilder aus einem unauffälligen Leben. Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1998. 219 S.
  • Georg Hensel (Hg.): Ernst Elias Niebergall: Der Datterich im Darmstädter Biedermeier. Eduard Roether Verlag, Darmstadt 1975.

Ehrungen[Bearbeiten]

Die Stadt Darmstadt hat eine kleine Straße im Paulus-Viertel nach ihm benannt, den Niebergallweg; vor der Stadtbibliothek steht heute ein „Datterich-Brunnen“ mit beweglichen Figuren der Hauptcharaktere des Stückes. Zum 150. Todestag des berühmten Sohnes gab die Stadt 1993 eine goldene Gedenkmünze heraus. Der Museumszug der Straßenbahn Darmstadt wurde „Datterich-Express“ benannt. Seit 2006 wird der Journalistenpreis „Der Niebergall" alle zwei Jahre vom „Presseclub Darmstadt" vergeben.[4] Es gibt eine Ganztagsschule namens Ernst-Elias-Niebergall-Schule in Darmstadt.[5]

Zum 200. Geburtstag Niebergalls stiftete der Heimatverein Dieburg eine Gedenktafel für E. E. Niebergall am ehemaligen Gasthaus „Zum Goldenen Engel“, Zuckerstraße 6 (heutiges Reformhaus).[6] In der FoyerGalerie im Stadthaus III eröffnete der Oberbürgermeister eine Ausstellung zu Niebergall als „Der Datterich“, die vom 13. Januar bis 6. Februar 2015 läuft.[7]

Die „Datterologische Gesellschaft“ organisiert in Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt für den 4. bis 14. Juni 2015 ein „Datterich“-Festival. Die Kosten von rund 300.000 Euro werden durch Spenden, Sponsoren und städtische Unterstützung gedeckt. Geplant ist ein szenischer Parcours, wo freie Theatergruppen, Vereine und Darmstädter Bürger einzelne Episoden des Dramas spielen. Mit dem Shuttle-Bus geht es von Szene zu Szene. Im Zentrum soll eine Marathon-Lesung stehen.[8][9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernst Elias Niebergall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b 200. Geburtstag „Er schreibt sich Niebergall“, Judith von Sternburg in der Frankfurter Rundschau vom 13. Januar 2015
  2. Kösener Korps-Listen 1910, 55, 7.
  3. Text des Stückes bei gutenberg.de
  4. DJV Landesverband Hessen eV: Journalistenpreise
  5. http://ernst-elias-niebergall-schule.de/
  6. Enthüllung einer Gedenktafel für E. E. Niebergall, Heimatverein Dieburg 13. Januar 2015
  7. Der Datterich - Ausstellung in der FoyerGalerie, Stadt Darmstadt, abgerufen 13. Januar 2015
  8. Datterich-Festival im Juni 2015, Darmstädter Echo vom 27. Mai 2014, abgerufen 13. Januar 2015
  9. http://datterich-festival.de/