Ernst Haenchen

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Ernst Haenchen (* 10. Dezember 1894 in Czarnikau, Provinz Posen; † 30. April 1975 in Münster) war ein deutscher evangelischer Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Haenchen wuchs als jüngster Sohn eines Verwaltungsbeamten zusammen mit seinen beiden Geschwistern in der westpreußischen Kreisstadt Czarnikau auf. 1914 begann er ein Theologiestudium an der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin, das er jedoch noch im selben Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg unterbrechen musste. Der Verlust seines linken Beins infolge einer 1918 erlittenen Kriegsverletzung beeinflusste seinen weiteren Werdegang entscheidend. Zunächst beendete er sein Theologiestudium an der Universität Tübingen. Seine erste Pfarrstelle gab er nach einem schweren Sturz infolge seiner Behinderung auf und beschloss sich ganz der Wissenschaft zu widmen. Eine Tuberkulose-Erkrankung erzwang 1928 einen insgesamt zweijährigen Aufenthalt im schweizerischen Davos. Seit 1933 lehrte Haenchen als Privatdozent Systematische Theologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er nach seiner Ernennung zum Außerordentlichen Professor auch Dekan der Theologischen Fakultät wurde. Am 24. März 1939 folgte seine Berufung auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Münster. Nach kriegsbedingter Schließung der Universität Münster 1944 hielt sich Ernst Haenchen bis 1948 wieder im schweizerischen Davos auf, um erneut seine Tuberkulose-Erkrankung zu kurieren. In dieser Zeit entstand Haenchens erstes wissenschaftliches Hauptwerk, ein Kommentar zur Apostelgeschichte, der ihn in Theologenkreisen über Nacht bekannt machte.

Ernst Haenchen war 1933 kurzzeitig Mitglied der Deutschen Christen und zudem seit dem 13. Februar 1939 Mitglied der NSDAP, weshalb er 1945 seine Professur in Münster verlor. Eine ordentliche Emeritierung erfolgte erst 1948. Danach lehrte Haenchen als Emeritus noch einige Jahre weiter an der Universität Münster. Kurz vor seinem Tod stellte er den Text seines zweiten, erst posthum erschienenen Hauptwerks, eines Kommentars zum Evangelium nach Johannes fertig.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Frage nach der Gewissheit beim jungen Augustin (Tübinger Studien zur systematischen Theologie ; 1), Stuttgart 1932.
  • Volk und Staat in der Lehre der Kirche. In: Volk. Staat. Kirche. Ein Lehrgang der Theologischen Fakultät Gießen. Verlag von Alfred Töpelmann, Gießen 1933.
  • Die Botschaft des Thomas-Evangeliums. Theologische Bibliothek Töpelmann ; 6, Berlin 1961.
  • Gott und Mensch. Gesammelte Aufsätze. Tübingen 1965.
  • Der Weg Jesu. Eine Erklärung des Markus-Evangeliums und der kanonischen Parallelen (Sammlung Töpelmann. 2. Reihe: Theologische Hilfsbücher;6), Berlin 1966 (2. durchges. u. verb. Aufl. 1968).
  • Die Bibel und wir. Gesammelte Aufsätze. Zweiter Band, Tübingen 1968, ISBN 3-525-51634-7.
  • Die Gnosis. Band I: Zeugnisse der Kirchenväter. Unter Mitwirkung von Ernst Haenchen und Martin Krause eingeleitet, übersetzt und erläutert von Werner Foerster. Zürich 1969 (Nachdruck 1995), ISBN 3-7608-1105-1.
  • Die Apostelgeschichte. Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament / begr. von Heinrich August Wilhelm Meyer. Hrsg. von Ferdinand Hahn ; 3, Göttingen 1977 (16. Aufl., 7., durchges. u. verb. Aufl. dieser Neuauslegung), ISBN 3-525-51634-7.
  • Das Evangelium nach Thomas / möglichst wortgetreue Übers. von Ernst Haenchen. Neu-Isenburg 1979 ISBN 3-920947-27-4.
  • Das Johannesevangelium - ein Kommentar. Aus den nachgelassenen Manuskripten hrsg. von U. Busse mit einem Vorwort von J. M. Robinson. Tübingen 1980, ISBN 3-16-143102-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Apophoreta: Festschrift für Ernst Haenchen zu seinem 70. Geburtstag am 10. Dezember 1964, herausgegeben von Walther Eltester (Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche / Beihefte ; 30), Berlin 1964

Weblinks[Bearbeiten]