Ernst Käsemann
Ernst Käsemann (* 12. Juli 1906 in Bochum-Dahlhausen; † 17. Februar 1998 in Tübingen) war lutherischer Theologe und Neutestamentler.
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Leben [Bearbeiten]
Käsemann promovierte 1931 bei Rudolf Bultmann an der Universität Marburg und gilt als dessen profiliertester Schüler.
Von 1933 bis 1946 war Käsemann Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Gelsenkirchen-Rotthausen. Seit 1933 war er auch Mitglied der Bekennenden Kirche. Im Herbst 1937 wurde er für einige Wochen von der Gestapo inhaftiert.
1939 habilitierte Käsemann mit einer Dissertation über den Hebräerbrief. Er war von 1946 bis 1952 Professor für Neues Testament an der Universität Mainz, danach bis 1959 in Göttingen und schließlich bis 1971 an der Eberhard Karls Universität Tübingen.
1954 schrieb er den epochalen Aufsatz „Das Problem des historischen Jesus“. Darin hielt er gegen seinen Lehrer Bultmann gesichertes Wissen über Jesu Leben und Botschaft für möglich, wobei er wieder an Ferdinand Christian Baur anschloss (Leben-Jesu-Forschung). Er legte ein doppeltes Differenzkriterium an die synoptische Tradition an: „Echt“ ist ein Jesuslogion, wenn es sich weder aus der jüdischen Umwelt noch aus Leben und Lehre des Urchristentums erklären lässt. Hinzu kamen die Kriterien der Mehrfachbezeugung und der Übereinstimmung (Kohärenz) mit anderen als echt erwiesenen Jesusworten. Diese Kriterien haben sich in der Jesusforschung durchgesetzt und wurden dreißig Jahre lang ihre dominierende Arbeitsmethode.
Darüber hinaus sah Käsemann die jüdische Apokalyptik, in die er Jesu Botschaft einordnete, als prägendes Element der paulinischen Rechtfertigungslehre und „Mutter der Theologie des Neuen Testaments“ an. Insofern war er einer der letzten Neutestamentler, die einen historisch-theologischen Gesamtentwurf präsentieren konnten.
Käsemanns Tochter Elisabeth Käsemann leistete in den 1970er Jahren Sozialarbeit in mehreren südamerikanischen Ländern. Sie wurde während der Militärdiktatur in Argentinien von Militärs entführt, gefoltert und am 24. Mai 1977 ermordet. Gegen die Täter bestehen seit 2003 internationale Haftbefehle. Die Bundesregierung hat die Auslieferung der Verantwortlichen beantragt.
Käsemann wurde 1985 mit dem Sexauer Gemeindepreis für Theologie geehrt.
Zitat [Bearbeiten]
- Ein Christ ist ein freier Mensch, er geht durch alle Lager dieser Welt, nur seinem Herrn gehörig.
- Der biblische Kanon erklärt nicht die Einheit der Kirche, sondern die Vielfalt der Konfessionen. (1951)
Schüler [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Karl Friedrich Ulrichs: Käsemann, Ernst. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 775–778.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Ernst Käsemann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- GELSENZENTRUM ein Portal zur Aufarbeitung und Dokumentation lokaler zeitgeschichtlicher Ereignisse in Gelsenkirchen
- Gedenk-Artikel der württembergischen Landeskirche zu Käsemanns 100. Geburtstag
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Käsemann, Ernst |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher lutherischer Theologe, Neutestamentler |
| GEBURTSDATUM | 12. Juli 1906 |
| GEBURTSORT | Bochum - Dahlhausen |
| STERBEDATUM | 17. Februar 1998 |
| STERBEORT | Tübingen |
- Neutestamentler
- Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert)
- Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
- Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen)
- Hochschullehrer (Eberhard Karls Universität Tübingen)
- Deutscher
- Person (Gelsenkirchen)
- Geboren 1906
- Gestorben 1998
- Mann