Ernst Ludwig (Hessen-Darmstadt, Großherzog)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernst Ludwig von Hessen (1905)

Ernst Ludwig (Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm) (* 25. November 1868 in Darmstadt; † 9. Oktober 1937 in Schloss Wolfsgarten bei Langen, Hessen) war von 1892 bis 1918 Großherzog von Hessen und bei Rhein.

Leben und Familie[Bearbeiten]

Ernst Ludwig entstammte der jüngsten Linie des Hauses Hessen und war letzter Großherzog von Hessen-Darmstadt. Seine Eltern waren Großherzog Ludwig IV. und dessen Frau Alice von Großbritannien und Irland. Seine Großmutter mütterlicherseits war die britische Königin Victoria.

1894 heiratete Ernst Ludwig seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh, die Tochter seines Onkels Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha und Maria Alexandrowna Romanowa. Seine Schwester Alix heiratete im gleichen Jahr den späteren russischen Zaren Nikolaus II.

Aufgrund seiner zerrütteten Ehe ließ er sich 1901 von Victoria Melita scheiden, mit der er die gemeinsame Tochter Elisabeth (1895–1903) hatte. Nach Gerüchten in Darmstadt soll Ernst Ludwig außereheliche Verhältnisse mit Frauen und Männern unterhalten haben.[1]

1905 heiratete er Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich (1871–1937). Aus dieser Ehe gingen der 1906 geborene Erbgroßherzog Georg Donatus sowie dessen Bruder Ludwig (1908–1968) hervor.

Im Monat nach seinem Tod im Oktober 1937 starben bei einem Flugzeugunglück nahe Ostende seine Frau und sein Sohn Georg Donatus sowie dessen Gattin Cäcilia mit den Kindern Ludwig und Alexander. Sie alle sind im Park Rosenhöhe in Darmstadt begraben.

Familie[Bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein
Ururgroßeltern

Großherzog
Ludwig I. von Hessen und bei Rhein (1753–1830)
∞ 1777
Luise Henriette Karoline von Hessen-Darmstadt (1761–1829)

Karl Ludwig von Baden
(1755-1801)
∞ 1774
Amalie von Hessen-Darmstadt
(1754-1832)

Herzog
Friedrich von Sachsen-Hildburghausen
(1763−1834)
∞ 1785
Charlotte Georgine Luise von Mecklenburg-Strelitz (1769−1818)

König
Friedrich Wilhelm II. von Preußen
(1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt
(1751–1805)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806)
∞ 1777
Gräfin Auguste Reuß zu Ebersdorf (1757–1831)

Herzog
August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772–1822)
∞ 1797
Luise Charlotte von Mecklenburg-Schwerin (1779–1801)

König
Georg III. von Großbritannien und Irland (1738–1820)
∞ 1761
Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818)

Herzog
Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806)
∞ 1777
Gräfin
Auguste Reuß zu Ebersdorf
(1757–1831)

Urgroßeltern

Großherzog
Ludwig II. von Hessen und bei Rhein (1777–1848)
∞ 1804
Wilhelmine von Baden (1788–1836)

Wilhelm von Preußen (1783–1851)
∞ 1804
Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg (1785–1846)

Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha (1784–1844)
∞ 1817
Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg (1800–1831)

Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn (1767–1820)
∞ 1818
Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1786–1861)

Großeltern

Karl von Hessen-Darmstadt (1809–1877)
∞ 1836
Elisabeth von Preußen (1815–1885)

Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819–1861)
∞ 1840
Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819–1901)

Eltern

Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein (1837–1892)
∞ 1862
Alice von Großbritannien und Irland (1843–1878)

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868–1937)

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus der Ehe mit Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha:

Aus der Ehe mit Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich:

Ausbildung[Bearbeiten]

Für die Ausbildung des Prinzen Ernst Ludwig war zunächst Hans von Dadelsen und ab März 1879 Moritz Muther verantwortlich. Die Erzieher übernahmen auch die schulische Bildung. Diese erfolgte gemäß dem Lehrplan des Darmstädter Realgymnasiums. Diejenigen Fächer, die Moritz Muther nicht abdecken konnte, wurden von den Fachlehrern des Realgymnasiums abgedeckt. So gab der Rektor des Realgymnasiums, Ludwig Münch, das Fach Chemie. Der Musikunterricht wurde durch den Hofkapellmeister Willem de Haan erteilt.

Von Mai 1889 bis Sommer 1890 studierte er an der Universität Leipzig Rechtswissenschaften. Er wurde von Gustav Römheld begleitet, der später der Kabinettschef Ernst Ludwigs werden sollte. Zum Wintersemester 1890/91 wechselte er zur hessischen Landesuniversität Gießen, wo er im Frühjahr 1891 seine Studien beendete.

Militärische Ränge[Bearbeiten]

Als hoher Adliger war es üblich, dass Ernst Ludwig auch eine militärische Laufbahn einschlug. Er erhielt daher eine militärische Grundausbildung und wurde regelmäßig in höhere Dienstgrade befördert, ohne dass er eine nennenswerte militärische Tätigkeit aufwies. So wurde er:

Datum Rang Einheit
9. Juni 1884 Großherzoglich Hessischer Seconde-Leutnant À la suite 1. Großherzogliches hessisches Infanterie(Leibgarde-)-Regiment Nr. 15
21. April 1885 Königlich Preußischer Seconde-Leutnant À la suite 1. Großherzogliches hessisches Infanterie(Leibgarde-)-Regiment Nr. 15
16. August 1888 Offiziersexamen in Berlin 0
9. Dezember 1889 Großherzoglich Hessischer Premier-Leutnant À la suite 1. Großherzogliches hessisches Infanterie(Leibgarde-)-Regiment Nr. 115
1. April 1891 Kgl. Preußischer Premier-Leutnant 1. Garderegiment zu Fuß
15. März 1892 Inhaber des Kaiserl. Russ. Dragoner-Regiments Nr. 18 „Kliastizy“
22. März 1892 Kgl. Preußischer Oberst von der Infanterie À la suite 1. Garderegiment zu Fuß
22. März 1892 Großherzoglich Hessischer Oberst À la suite 1. Großherzogliches hessisches Infanterie(Leibgarde-)-Regiment Nr. 15
25. November 1892 Inhaber des 1. Großherzogliches hessisches Infanterie(Leibgarde-)-Regiment Nr. 15
15. Mai 1893 Oberst-Inhaber des K.u.k. Oberösterreichisches Infanterie-Regiment „Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein“ Nr. 14
21. November 1893 Inhaber des Kgl. Bayr. 5. Infanterie-Regiment „Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein“
19. April 1894 Generalmajor von der Infanterie À la suite 1. Garderegiment zu Fuß
18. August 1895 Inhaber des 1. Großherzogliches hessisches Garde-Dragoner-Regiment Nr. 23 und des Großherzogliches hessisches Feldartillerie-Regiment Nr. 25
27. Januar 1896 Generalleutnant von der Infanterie À la suite
27. Januar 1900 General der Infanterie
16. Juni 1913 Inhaber des 4. Westfäl. Infanterie-Regiment Nr. 17 „Graf Barfuß“
Mosaik auf der Mathildenhöhe mit einem Zitat des Großherzogs: „Habe Ehrfurcht vor dem Alten und Mut, das Neue frisch zu wagen, bleib treu der eigenen Natur und treu den Menschen, die du liebst“

Politik[Bearbeiten]

1896 schloss Ernst Ludwig für die Hessische Ludwigsbahn mit Preußen einen Vertrag über eine Eisenbahngemeinschaft. Mit dem Ziel „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“ gründete Ernst Ludwig 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie („Mathildenhöhe“) und förderte als Mäzen unter anderem die namhaften Künstler Peter Behrens, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Bernhard Hoetger, Albin Müller und Joseph Maria Olbrich. 1901 fand die erste Ausstellung der Künstlerkolonie unter dem Titel Ein Dokument deutscher Kunst in Darmstadt statt. Drei weitere Ausstellungen folgten 1904, 1908 und 1914.

20 Mark aus dem Jahr 1900

Nach der Novemberrevolution 1918 weigerte er sich abzudanken und wurde daher vom Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat am 9. November 1918 abgesetzt. Hessen-Darmstadt wurde damit zum Volksstaat.

Die Fürstenenteignung[Bearbeiten]

Mit der Absetzung des Großherzogs bestand die Notwendigkeit, sein Privatvermögen vom Staatsvermögen zu trennen. Zwischen dem Volksstaat Hessen und dem Großherzog wurde hierzu am 9. Mai 1919 eine Vereinbarung getroffen.[2] Die Prinzipien hierbei waren, dass die Domänen Staatseigentum werden sollten, dem großherzoglichen Haus hierfür jedoch eine Entschädigung zustand. Maßstab für die Entschädigung war nicht der Wert der Domänen, sondern die Höhe der Zivilliste abzüglich Staatsaufgaben (z. B. die Finanzierung des Hoftheaters), die der Monarch bisher daraus bestritten hatte. Als Abfindung wurde eine Abfindungssumme von 10 Millionen Mark festgelegt, die als Staatsanleihe mit 4 % Zinsen geleistet wurde sowie eine Barzahlung von 900.000 Mark. Als Schatullgut wurden das Schloss Seeheim, das Neue Palais und das Schloss Tarasp vereinbart. Die Domänen Hötensleben und Öbisfelde in Sachsen und Schloss und Domäne Fischbach in Schlesien verblieben ebenfalls als Schatullgut, da sie außerhalb Hessens lagen.

Reichsweit wurde die Behandlung der Vermögen der ehemaligen Herrscherhäuser kontrovers diskutiert. 1926 scheiterte eine Volksabstimmung, die die entschädigungslose Fürstenenteignung forderte. In anderen Ländern kam es zu landesrechtlichen Enteignungen, die (ein wegweisendes Urteil war das Urteil des Reichsgerichts vom 18. Juni 1925 bezüglich der Ansprüche der Herzöge von Sachsen-Gotha) aufgrund der Eigentumsgarantie in Artikel 153 der Weimarer Verfassung aufgehoben wurden.

In der Folge kam es zu erneuten Verhandlungen, die im Vertrag vom 6. Mai 1930 zwischen Land und Großherzog endeten. In diesem Vertrag wurden die Regelungen von 1919 weitgehend bestätigt und die Entschädigungssumme (vor allem im Hinblick auf die Inflation) auf 8 Millionen Goldmark festgesetzt. 1934 wurde die Regelung (mit der einzigen Änderung, dass das Eigentum Ernst Ludwigs an Schloss Romrod in ein lebenslanges Wohnrecht geändert wurde) per Landesgesetz final festgeschrieben.[3]

Werke[Bearbeiten]

Ernst Ludwig betätigte sich als Autor und auch als Komponist.

Unter dem Pseudonym „E. Mann“ wurde am 19. Dezember 1909 im Hoftheater Darmstadt das Kindertheaterstück „Bonifacius“ vorgeführt. Das bis 1914 sieben Mal aufgeführte Stück stammte aus der Feder des Großherzogs (die Musik stammte von Willem de Haan). Mit „Ostern“ schuf er 1919 (Neuauflage 1921) ein weiteres Theaterstück (unter dem Pseudonym E. K. Ludhard). Die Uraufführung erfolgte am 21. März 1921 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter Dr. Paul Eger. Der Gedichtband „Verse“ erschien 1917 in Leipzig im Kurt Wolff-Verlag. Darüber hinaus hat er zwei Texte hinterlassen, die nicht für die Veröffentlichung bestimmt waren:

  • Eine Autobiografie: [Großherzog Ernst Ludwigs Erinnerungen]. In: Eckhart G. Franz (Hrsg.): Erinnertes – Aufzeichnungen des letzten Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Darmstadt 1983. ISBN 3-7929-0131-5, S. 19–162.
  • Grundideen eines konstitutionellen Fürsten. In: Eckhart G. Franz (Hrsg.): Erinnertes – Aufzeichnungen des letzten Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. Darmstadt 1983. ISBN 3-7929-0131-5, S. 163–178.

Er war auch Komponist einer Reihe von kleineren musikalischen Werken.

Ehrungen[Bearbeiten]

Ein Gymnasium in Bad Nauheim und eine Grundschule in Worms nennen sich nach ihm „Ernst-Ludwig-Schule“. Der Mainzer Ernst-Ludwig-Platz wurde nach ihm benannt.

Die Technische Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität Darmstadt) verlieh ihm am 6. Juli 1900 die Ehrendoktorwürde (Doktor-Ingenieur). Er hatte der Hochschule zuvor, am 25. November 1899, das Promotionsrecht verliehen.[4] 1918 wurde in seinem Beisein die Ernst-Ludwig-Hochschulgesellschaft gegründet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ernest Louis, Grand Duke of Hesse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John van der Kiste: Princess Victoria Melita. Sutton Publishing, ISBN 0-7509-3469-7, S.54
  2. Vereinbarung zwischen dem vormaligen Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, zugleich in Vertretung des Großherzoglichen Hauses, und dem Hessischen Staate, vertreten durch das Gesamtministerium vom 6. Mai 1919
  3. Gesetz über die Auseinandersetzung zwischen dem Volksstaat Hessen und dem vormals regierenden Fürstenhause vom 30. Januar 1934
  4. Auftritt des Markenzeichens Dr. Ing. – 1902 Internetpräsenz der Technischen Universität Darmstadt. Aufgerufen am 12. Januar 2013
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig IV. Großherzog von Hessen
1892–1918
--