Ernst Ludwig von Gerlach

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Ernst Ludwig von Gerlach

Ernst Ludwig von Gerlach (* 7. März 1795 in Berlin; † 18. Februar 1877 in Berlin) war zusammen mit Friedrich Julius Stahl längere Zeit Führer der äußersten Rechten in Preußen und gehörte wie sein Bruder Leopold zum Kreis um die „Kreuzzeitung“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Er kämpfte 1813 bis 1815 in den Befreiungskriegen, trat in den Justizdienst ein, wurde 1823 Oberlandesgerichtsrat in Naumburg (Saale), 1829 Land- und Stadtgerichtsdirektor in Halle, 1835 Vizepräsident des Oberlandesgerichts in Frankfurt (Oder).

Er war Mitglied des „Klubs in der Wilhelmstraße“, der sich die Rekonstruierung des christlich-germanischen Staats als Aufgabe gesetzt hatte, und Mitarbeiter des „Berliner Politischen Wochenblattes“, das von 1831 bs 1841 erschien (nicht zu verwechseln mit dem "Preußischen Wochenblatt", 1851 bis 1861). 1842 wurde er Geheimer Oberjustizrat, bald darauf Mitglied des Staatsrats und der Gesetzgebungskommission und 1844 Chefpräsident des Oberlandes- und Appellationsgerichts in Magdeburg, wo er zusammen mit seinem Bruder Leopold, dem Konsistorialpräsidenten Carl Friedrich Göschel und anderen die Lichtfreunde bekämpfte. 1848 gründete er mit anderen die „Neue Preußische Zeitung“ (wegen des Kreuzes auf dem Titelblatt auch „Kreuzzeitung“ genannt), deren Redaktion Hermann Wagener, ein Vertrauter Gerlachs, übernahm. Gerlach schrieb für das Blatt die monatliche oder vierteljährliche „Rundschau“ im Sinn der altkonservativen (d.h. feudalen) Richtung. Als Mitglied der Ersten Kammer, des späteren Herrenhauses, (seit 1849) kämpfte er als Fraktionsvorsitzender der Konservativen Partei einen beharrlichen Kampf gegen den Konstitutionalismus und für die Herstellung mittelalterlicher Adelsvorrechte.

Mit dem Beginn der Regentschaft Wilhelms I. (1858 für seinen geistig erkrankten Bruder Friedrich Wilhelm IV.) verlor er sein Landtagsmandat infolge einer beispiellosen Wahlniederlage der Konservativen und trat somit von der Führung der Konservativen Partei zurück, suchte aber als Verfasser der „Rundschau“ in der „Kreuzzeitung“ weiter seine politischen Anschauungen geltend zu machen.

Den Krieg gegen Österreich von 1866 lehnte er aus Gründen der Solidarität mit den herrschenden Fürsten ebenso ab wie die Annexionen in Norddeutschland und das Herausdrängen Österreichs aus Deutschland, so in der Broschüre „Die Annexionen und der Norddeutsche Bund“ (1866). Im preußischen Landtag seit 1873 zeigte er sich als einer der heftigsten Gegner der Kirchengesetze des Bismarckschen Kulturkampfs und trat (als "Hospitant") der Zentrumspartei bei. Damit zog er sich die persönliche Feindschaft Otto von Bismarcks zu. 1874 wurde er wegen einer Flugschrift gegen die Regierung als Präsident in Magdeburg entlassen. 1877 wurde er zum Reichstagsabgeordneten der Welfen-Partei für den Wahlkreis Hannover 4 (Osnabrück) gewählt, wobei er sich im Reichstag als Hospitant der Zentrumsfraktion anschloss. Er starb bald darauf bei einem Verkehrsunfall.[1]

[Bearbeiten] Gerlach-Archiv

Der Nachlaß Ernst Ludwig von Gerlachs bildet heute den Kernbestand des so genannten Gerlach-Archivs, welches von Hans-Joachim Schoeps im Jahre 1954 für die Universität Erlangen-Nürnberg akquiriert wurde. Es gehört mittlerweile zur Abteilung Geistesgeschichte des politikwissenschaftlichen Instituts der Universität und soll im Laufe der nächsten Jahre elektronisch erschlossen und evtl. online zugänglich gemacht werden.

Den Schwerpunkt der Bestände bildet das sog. Rohrbecker Archiv, das die Tagebücher (1815–1877) und den umfangreichen Briefwechsel (ca. 15.000 Briefe von fast 9.000 Korrespondenten) von Ernst Ludwig von Gerlach, sowie einiger Verwandter, enthält. Es befinden sich darunter Korrespondenzen mit verschiedenen Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter etwa solche mit Otto von Bismarck, Clemens Brentano oder Friedrich Julius Stahl. Das Archiv ist der wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit zu Forschungszwecken zugänglich.

Meyers Konversationslexikons logo.svg Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weitere Lesung

  • Ernst Ludwig von Gerlach. Aufzeichnungen aus seinem Leben und Wirken, 1795-1877. Herausgegeben von Jakob von Gerlach. 2 Bde. Schwerin 1903

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 117

[Bearbeiten] Weblinks

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