Ernst Meister (Schriftsteller)

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Ernst Meister (* 3. September 1911 in Haspe; † 15. Juni 1979 in Hagen) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Ernst Meister besuchte die städtische Oberrealschule in Haspe und legte sein Abitur im Jahr 1930 an dieser Schule ab, die zwischenzeitlich als Reformrealgymnasium geführt wurde.

In Marburg begann Meister 1930 auf Wunsch seines Vaters ein Studium der Theologie, wandte sich aber dann der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte zu und studierte seit Ende 1931 in Berlin. Hier veröffentlichte er 1932 seinen ersten Gedichtband Ausstellung.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging sein Lehrer Karl Löwith ins Exil, so dass Meister die Arbeit an seiner Dissertation nicht beenden konnte. Auch als Autor schrieb Meister von nun an, von drei kleineren Veröffentlichungen in der Frankfurter Zeitung abgesehen, für die Schublade.

Meister nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Die vielfältigen, vor allem kriegsbedingten Erfahrungen verarbeitete er in lyrischen Beiträgen ebenso wie in Erzählungen, Hörspielen und Theaterstücken. Doch erst Anfang der 1950er Jahre begann Meister wieder, seine Texte zu veröffentlichen, zunächst bei Victor Otto Stomps in der Eremiten-Presse in Stierstadt. Dort erschienen die Bände Unterm schwarzen Schafspelz (1953), Dem Spiegelkabinett gegenüber (1954), Der Südwind sagte zu mir (1955) und Fermate (1957). Es folgten Zahlen und Figuren 1958, Die Formel und die Stätte 1960, Flut und Stein 1962 und Zeichen um Zeichen 1968. Dazwischen erschienen unter anderem die Erzählung Der Bluthänfling 1959 und das 1966 uraufgeführte Drama Ein Haus für meine Kinder. Das Spätwerk, das zugleich auch der Gipfelpunkt des Meisterschen Werkes ist, umfasst die Gedichtbände Es kam die Nachricht (1970), Sage vom Ganzen den Satz (1972), Im Zeitspalt (1976) und Wandloser Raum (1979). Die Zeitschrift Westfalenspiegel druckte zahlreiche seiner Texte ab und würdigte auch Meisters abstraktes bildnerisches Schaffen.[1] 1956 war Meister am „Schmallenberger Dichterstreit“ beteiligt.

Für den Lyriker und Romanautor Nicolas Born spielte der zurückgezogen in Hagen lebende Dichter als Mentor ab Ende der fünfziger Jahre eine entscheidende Rolle. Born sorgte als Mitglied der Jury des Petrarca-Preises Mitte der siebziger Jahre dafür, dass Meisters als hermetisch geltende, fast vergessene Lyrik in ihrer essenziellen Einfachheit und zeitlosen Qualität wiederentdeckt wurde. Andere jüngere Autoren, die Meisters Bedeutung in dieser Zeit erkannten und sich nachhaltig mit seinem Werk auseinandersetzten, waren Hans Bender, Peter Handke, Michael Krüger, Christoph Meckel, Oskar Pastior und Paul Wühr. In der Literaturwissenschaft wird Meister heute nicht selten zu den drei oder vier bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern nach 1945 gezählt.

Hubertus Heiser schrieb über ihn in der Westfalenpost:

„Seine Dichtung war quasi eine intellektuelle Poesie in Form einer meditativen und gedanklich tief schürfenden Lyrik, die nach den Grundformen und Grundbedingungen menschlicher Existenz in der, wie Meister es sah, 'kosmischen Preisgegebenheit' fragt.
Gleich funkelnden Kristallen blieben vor allem seine Gedichte die auch heute noch wahrgenommenen Schätze, über die der Schöpfer vor Vers-Beginn einmal sagte: 'Ein Gedicht ist ein Ereignis, das durch sich selbst in der Direktheit seiner Existenz wirken muss'.“

Ehrungen[Bearbeiten]

Für seine Arbeiten wurde Meister 1957 mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis ausgezeichnet. Es folgten 1963 der Große Kunstpreis von Nordrhein-Westfalen, 1976 der Petrarca-Preis, den Meister gemeinsam mit Sarah Kirsch erhielt, 1978 der Rainer-Maria-Rilke-Preis für Lyrik und 1979, bereits postum, der Georg-Büchner-Preis.

Meister zu Ehren wurde seiner alte Schule in Hagen-Haspe im Jahr 1980 der Name Ernst-Meister-Gymnasium gegeben.

Außerdem stiftete die Stadt Hagen 1981 den Ernst-Meister-Preis für Lyrik. Anlässlich Meisters zehnten Todestages wurde 1989 die Ernst-Meister-Gesellschaft gegründet.

Werke[Bearbeiten]

Werkausgaben

Lyrik:

In der Reihe Sämtliche Gedichte, hg. und jeweils mit einem Nachwort von Reinhard Kiefer, sind erschienen:

  • Bd. 1: Ausstellung. Gedichte (1932, Reprint). Aachen, Rimbaud 1985. ISBN 3-89086-984-X.
  • Bd. 2: Unterm schwarzen Schafspelz. Dem Spiegelkabinett gegenüber. Gedichte (1953 / 1954). Aachen, Rimbaud 1986. ISBN 3-89086-983-1.
  • Bd. 3: Der Südwind sagte zu mir. Fermate. Gedichte (1955 / 1957). Aachen, Rimbaud 1986. ISBN 3-89086-982-3.
  • Bd. 4: …und Ararat. Pythiusa. Lichtes Labyrinth. Gedichte (1956 / 1958 / 1959). Aachen, Rimbaud 1987. ISBN 3-89086-981-5.
  • Bd. 5: Zahlen und Figuren. Gedichte (1958). Aachen, Rimbaud 1987. ISBN 3-89086-980-7.
  • Bd. 6: Die Formel und die Stätte. Gedichte (1960). Aachen, Rimbaud 1987. ISBN 3-89086-979-3.
  • Bd. 7: Flut und Stein. Gedichte (1962). Aachen, Rimbaud 1988. ISBN 3-89086-985-8.
  • Bd. 8: Anderer Aufenthalt. Verstreut veröffentlichte Gedichte (1932–1964). Aachen, Rimbaud 1997. ISBN 3-89086-978-5.
  • Bd. 9: Zeichen um Zeichen. Gedichte (1968). Aachen, Rimbaud 1999. ISBN 3-89086-977-7.
  • Bd. 10: Es kam die Nachricht. Gedichte (1970). Aachen, Rimbaud 1990. ISBN 3-89086-976-9.
  • Bd. 11: Sage vom Ganzen den Satz. Gedichte (1972). Aachen, Rimbaud 1996. ISBN 3-89086-975-0.
  • Bd. 12: Im Zeitspalt. Gedichte (1976). Aachen, Rimbaud 1994. ISBN 3-89086-974-2.
  • Bd. 13: Wandloser Raum. Gedichte (1979). Aachen, Rimbaud 1996. ISBN 3-89086-973-4.
  • Bd. 14: Schatten. Verstreut veröffentlichte Gedichte (1964–1979). Aachen, Rimbaud 1998. ISBN 3-89086-972-6.
  • Bd. 15: Gedichte aus dem Nachlaß. Aachen, Rimbaud 1999. ISBN 3-89086-971-8.
  • Supplementband 1: Mitteilung für Freunde. Aachen, Rimbaud 2000. ISBN 3-89086-805-3.
  • Supplementband 2: Aus dem Zeitlied eines Kindes. Gedichte. Aachen, Rimbaud 2007. ISBN 3-89086-757-X.

Prosa:

  • Prosa 1931 – 1979. Hg. von Andreas Lohr-Jasperneite. Vorwort von Beda Allemann. Heidelberg, Lambert Schneider 1989. (= 60. Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt.) ISBN 3-89086-848-7.

Lesebuch:

  • Ernst-Meister-Lesebuch. Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Harald Hartung. Köln 2005 (= Nylands Kleine Westfälische Bibliothek. 9.) ISBN 3-936235-10-4 [1]

Hörspiele:

Medien:

  • Ernst Meister... Versuch einer Annäherung. Eine Filmdokumentation aus dem Jahr 1979. Münster 2001 (= Westfalen in historischen Filmen.) (VHS-Cassette, 45 Min., WDR-Dokumentation aus dem Jahr 1979 von Brigitta Ashoff; Inhalt: E.M. liest Gedichte und Gespräche mit Hans Bender, Nicolas Born und Christoph Meckel)
  • Fern liegt Eleusis. Ernst Meister liest eigene Gedichte. Bearb. v. Walter Gödden u. Reinhard Kiefer. Münster 2001 (= Tonzeugnissezur westfälischen Literatur. 2.) (Audio-CD, 54:34 Min.)

Literatur[Bearbeiten]

Periodikum:

Monographien und Aufsätze (Auswahl):

  • Bernhard Albers u. Reinhard Kiefer (Hg.): Ernst Meister 1911-1979. Leben und Werk in Texten, Bildern, Dokumenten. Aachen, Rimbaud 1991. ISBN 3-89086-950-5.
  • Helmut Arntzen und Jürgen P. Wallmann (Hg.): Ernst Meister. Hommage, Überlegungen zum Werk, Texte aus dem Nachlass.. Münster, Aschendorff 1985. ISBN 3-402-03945-1. 2. Aufl., ebd. 1987. ISBN 3-402-03945-1.
  • Helmut Arntzen: Portrait Ernst Meisters. In: Horst Albert Glaser (Hg.): Deutsche Literatur zwischen 1945 und 1995. Eine Sozialgeschichte. Bern u.a., Haupt 1997 (= UTB. 1981.) ISBN 3-8252-1981-X. S. 609 - 620.
  • Helmut Arntzen (Hg.): Zweites Ernst Meister Kolloquium 1993 in Münster: Ernst Meister und die lyrische Tradition. Die Tagungsbeiträge. Aachen, Rimbaud 1996. (= Ernst Meister Studien. 4.) ISBN 3-89086-859-2.
  • Dieter Bänsch: Marburgischer Rückblick auf Ernst Meister. In: Jörg Jochen Berns (Hg.): Marburg-Bilder. Eine Ansichtssache. Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten. Bd. 2. Marburg 1996 (= Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur. 53), S. 409-425.
  • Theo Buck (Hg.): Erstes Ernst Meister Kolloquium 1991. Die Tagungsbeiträge. Aachen, Rimbaud 1993. (= Ernst Meister Studien. 2.) ISBN 3-89086-952-1.
  • Karin Herrmann: Poetologie des Erinnerns. Ernst Meisters lyrisches Spätwerk. Göttingen, Wallstein 2008. ISBN 978-3-8353-0257-0.
  • Marc Houben u. Françoise Lartillot: Die Handbibliothek Ernst Meisters. Ein Verzeichnis. Aachen, Rimbaud 1995. (= Ernst Meister Studien. 3) ISBN 3-89086-810-X.
  • Hans-Günther Huch: Sage vom Ganzen den Satz. Philosophie und Zeichensprache in der Lyrik Ernst Meisters. Würzburg, Königshausen & Neumann 1999. (= Epistemata. Literaturwissenschaft. 263.) ISBN 3-8260-1635-1.
  • Klaus Johann: Leib und Dichtung. Zu einer Gedichtsequenz Ernst Meisters. Aachen, Rimbaud 2000. (= Ernst Meister Studien. 6.) ISBN 3-89086-754-5.
  • Stephanie Jordans: Die 'Wahrheit der Bilder'. Zeit, Raum und Metapher bei Ernst Meister. Würzburg, Königshausen & Neumann 2009. (= Epistemata. Literaturwissenschaft. 661.) ISBN 978-3-8260-4005-4.
  • Andreas Kautz: Mythos und Tod im lyrischen Werk Ernst Meisters. Aachen, Rimbaud 1998. (= Ernst Meister Studien. 5.) ISBN 3-89086-830-4.
  • Reinhard Kiefer: Text ohne Wörter. Die negative Theologie im lyrischen Werk Ernst Meisters. Aachen, Rimbaud 1992. (= Ernst Meister Studien. 1.), ISBN 3-89086-916-5.
  • Françoise Lartillot: Le lieu commun du moi. Identité poétique dans l'oeuvre d'Ernst Meister (1911 - 1979). Bern u.a., Lang 1998. (= Contacts. 3. Etudes et documents. 42.) ISBN 3-906759-57-1.
  • Ewout van der Knaap: Das Gespräch der Dichter. Ernst Meisters Hölderlin- und Celan-Lektüre. Frankfurt am Main u.a., Lang 1996. (= Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte. 57.) ISBN 3-631-30461-7.
  • Beate Laudenberg: "Zärtliche Wissenschaft". Zur Lyrik Ernst Meisters. Köln, Weimar u. Wien, Böhlau 1996. (= Kölner germanistische Studien. 38.) ISBN 3-412-07796-8.
  • Andreas Lohr-Jasperneite: Meister, Ernst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 16, Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. 724 f. (Digitalisat).
  • Frank Nöllenburg: Zwiesprache' oder Zwiespalt? Ernst Meister und Martin Heidegger. Aachen, Rimbaud 2004. (= Ernst Meister Studien. 7.) ISBN 3-89086-662-X.
  • Christian Soboth: Todes-Beschwörung. Untersuchungen zum lyrischen Werk Ernst Meisters. Frankfurt am Main u. a.: Lang 1989. (= Bochumer Schriften zur deutschen Literatur. 11.) ISBN 3-631-40448-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Literaturportal Westfalen