Ernst Windisch

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Ernst Windisch

Ernst Wilhelm Oskar Windisch (* 4. September 1844 in Dresden; † 30. Oktober 1918 in Leipzig) war ein deutscher Sprachwissenschaftler, Sanskritist und Keltologe.

Leben[Bearbeiten]

Ernst Windisch wurde als Sohn des Lehrers Louis W. Windisch und Caroline Lamm geboren. Er besuchte von 1857 bis 1863 die Kreuzschule in Dresden und studierte anschließend bis 1867 Klassische Philologie und Sprachwissenschaft an der Universität Leipzig. Im Anschluss promovierte er zum Dr. phil. in Klassischer Philologie mit der Dissertation De hymnis homericis maioribus.

Von 1867 bis 1870 arbeitete er als Lehrer an der Thomasschule zu Leipzig. Gleichzeitig fertigte er seine Habilitationsschrift Untersuchungen über den Ursprung des Relativpronomens in den indogermanischen Sprachen an. 1870 und 1871 hielt er sich in London auf, wo er an der Katalogisierung der Sanskrithandschriften der Indian Office Library beteiligt war und die keltischen Sprachen studierte. 1871 kehrte er als außerordentlicher Professor nach Leipzig zurück. 1872 wurde er ordentlicher Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Heidelberg. 1875 nahm er einen Ruf auf eine ebensolche Professur an der Universität Straßburg an, bevor er 1877 Professor des Sanskrit in Leipzig wurde, was er bis zu seinem Tode 1918 blieb. Zudem war er Direktor des indogermanischen Instituts ebenda.[1]

Der Geheimrat war seit 1883 Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, daneben korrespondierendes Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, Ehrenmitglied der Royal Irish Academy, Ritter 1. Klasse des Königlich Sächsischen Verdienstordens, Komtur 2. Klasse des Albrechts-Ordens und Ehrendorktor der Theologie in Leipzig.[1]

Windisch war außerdem als Indogermanist und als Freund des jungen Friedrich Nietzsche bekannt.

Am 18. April 1873 heiratete er Berta Roscher, die Tochter des Ökonomen Wilhelm Roschers. Ihr Kinder waren Wilhelm (* 8. Mai 1874, Gymnasiallehrer), Helene (* 19. Juli 1876), Hermann (* 3. August 1878, Jurist), Hans (* 25. April 1881, Theologe) und Karl (* 16. Juli 1885, Jurist).

Werke[Bearbeiten]

  • Der Heliand und seine Quellen. Vogel, Leipzig 1868
  • Untersuchungen über den Ursprung des Relativpronomens in den indogermanischen Sprachen. Melzner, Leipzig 1869, zugleich Habilitationsschrift
  • mit Berthold Delbrück: Syntaktische Forschungen. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1871
  • Kurzgefasste irische Grammatik mit Lesestücken. Hirzel, Leipzig 1879
  • mit Whitley Stokes: Irische Texte. 4 Bände, Hirzel, Leipzig 1880-1909
  • Zwölf Hymnen des Rigveda, mit Sāyanạ's Commentar. Hirzel, Leipzig 1883
  • Iti-Vuttaka. Frowde, London 1889
  • Māra und Buddha. Hirzel, Leipzig 1895
  • Die altirische Heldensage Táin bó Cúalnge. 1905
  • Buddhas Geburt und die Lehre von der Seelenwanderung. Teubner, Leipzig 1908
  • Das keltische Brittannien bis zu Kaiser Arthur. Teubner. Leipzig 1912
  • Festschrift. Ernst Windisch zum siebzigsten Geburtstag am 4. Sept. 1914. Harrassowitz, Leipzig 1914
  • Geschichte der Sanskrit-Philologie und indischen Altertumskunde. 2 Bände 1917 und 1920, Nachdruck: de Gruyter, Berlin [u.a.] 1992, ISBN 3-11-013013-0
  • Karin Steiner und Jörg Gengnagel (Hrsg.): Kleine Schriften. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07120-2

Literatur[Bearbeiten]

  • Das litterarische Leipzig. Illustriertes Handbuch der Schriftsteller- und Gelehrtenwelt, der Presse und des Verlagsbuchhandels in Leipzig. Fiedler, Leipzig 1897.
  • Hermann Christern (Hrsg.): Deutsches Biographisches Jahrbuch. Überleitungsband 2: 1917-1920. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1921.
  • Franz Neubert (Hrsg.): Deutsches Zeitgenossenlexikon. Biographisches Handbuch deutscher Männer und Frauen der Gegenwart. Schulze, Leipzig 1905.
  • Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist's? 4. Ausgabe, Degener, Leipzig 1909.
  • Max Förster, Eugen Hultzsch: Zum Gedächtnis Ernst Windisch. Brockhaus Verlag, Leipzig 1919 (Sonderdr. aus der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, Bd. 73).
  • Johannes Hertel: Nekrolog auf Ernst Windisch, Leipzig 1922 (=Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philol.-hist. Klasse, Band 73, Heft 2).
  • Eugen Hultzsch (Hrsg.): Festschrift Ernst Windisch. Zum siebzigsten Geburtstag am 4. September 1914 dargebracht von Freunden und Schülern. Harrassowitz, Leipzig 1914.
  • Walther Killy, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie, Band 10. Saur, München 1999, ISBN 3-598-23170-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Ernst Windisch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Richard Sachse, Karl Ramshorn, Reinhart Herz: Die Lehrer der Thomasschule zu Leipzig 1832–1912. Die Abiturienten der Thomasschule zu Leipzig 1845–1912. B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1912, S. 15.