Ernst Wolff
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Ernst Bernhard August Wolff (* 20. November 1877 in Berlin; † 11. Januar 1959 in Tübingen) war ein deutscher Jurist und Präsident des Obersten Gerichts der britischen Besatzungszone in Deutschland
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[Bearbeiten] Familie, Studium und Militärzeit
Sein Vater war der Generalarzt Dr. Ernst Wolff. Seine Mutter Therese von Simson war die Tochter Eduard von Simsons, des ersten Präsidenten des Reichsgerichts. Am Wilhelmsgymnasium in Berlin legte er die Prüfung zum Abitur ab. Es folgte ab 1895 das Studium der Rechtswissenschaften in Berlin und Lausanne. Das erste juristische Staatsexamen bestand er am 21. November 1891.
Er entschloss sich, in den staatlichen juristischen Dienst einzutreten und begann diese Laufbahn als Referendar schon fünf Tage nach seinem Staatsexamen. Die Promotion zum Dr. jur. erlangte er am 22. Juni 1899 mit dem Thema über Die Haftung des Ratgebers.
Nach der Ableistung des Militärdienstes als Einjährig-Freiwilliger bestand er das zweite staatliche juristische Examen am 11. Juli 1904. Da er schon während seiner Zeit als Referendar in der Anwaltspraxis seines Onkels August von Simson gearbeitet hatte, trat er nach seiner Zulassung als Anwalt am 4. Oktober 1904 in diese Praxis in der Jägerstraße ein.
[Bearbeiten] Anwalt in Berlin
Bis August 1919 wurde er zu den Landgerichten I, II, III und dem Amtsgericht Berlin-Mitte als Anwalt zugelassen. Mit dem Kriegsausbruch wurde er 1914 eingezogen. In der Marneschlacht bei Sancy wurde er schwer verwundet und geriet in Gefangenschaft. Als Internierter kam er nach Bern und arbeitete dort in der deutschen Botschaft. Den Kriegsdienst beendete er als Hauptmann der Reserve, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse.
In der Folgezeit setzte er seine Anwaltstätigkeit fort, wobei er sich auf dem Gebiet der Wirtschaftsberatung und der Schiedsgerichtsverfahren bei belgisch-deutschen und deutsch-französischen Streitigkeiten als einer der führenden Anwälte etablierte. Als es im Zuge der Ruhrbesetzung 1923 bei einer Demonstration zum Waffengebrauch kam, wurden dreizehn Arbeiter getötet und 41 verletzt. In dem Strafprozess gegen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach übernahm er mit anderen Anwälten die Verteidigung.
Im Jahre 1929 wurde er Vorsitzender der Berliner Rechtsanwaltskammer, in die er 1918 eingetreten war. Erst 1933 musste er dieses Amt abgeben. Seine Anerkennung als Anwalt zeigte sich auch darin, dass er 1929 zum Vorsitzenden der Vereinigung der Vorstände der deutschen Anwaltskammern gewählt wurde. Anfang der dreißiger Jahre verschlechterte sich die finanzielle Lage vieler Rechtsanwälte auch infolge der neu zu zahlenden Gewerbesteuer.
Bis 1933 beteiligte sich Ernst Wolff in seiner Position als Anwalt an der Ausbildung von Referendaren, die später namhafte Positionen einnahmen, darunter Walter Hallstein, Hans-Joachim von Merkatz, Ulrich Scheuner u. a.
[Bearbeiten] Konflikt mit dem NS-Regime
Im Februar 1933 führten er und Rudolf Dix, Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, mit Reichsjustizminister Franz Gürtner ein Gespräch über die finanzielle Situation von Anwälten, wobei es um eine Zulassungsbeschränkung für Anwälte ging. Zu einer ersten Konfrontation mit den Nationalsozialisten kam es 1932 infolge von Schmähungen des Fraktionsvorsitzenden der NSDAP im Preußischen Landtag, Wilhelm Kube, gegen die deutsche Anwaltschaft. Rudolf Dix und er wiesen diese Anschuldigungen als Vertreter der deutschen Anwaltsvereine entschieden zurück.
Als nach dem Reichstagsbrand einige Anwälte der Beschuldigten verhaftet und ihre Akten eingezogen wurden, intervenierte er bei den Justizbehörden am 3. März 1933 dagegen. Im Zuge der Machtergreifung der NSDAP im Januar 1933 legte der gesamte Vorstand der Rechtsanwaltwaltskammer am 22. März 1933 seine Ämter nieder. Im Oktober 1935 wurde er als Notar „beurlaubt“, am 29. Januar 1935 als Notar entlassen, da er jüdischer Abstammung war. Da ihm ab dem 1. Dezember 1938 die Tätigkeit als Anwalt verboten wurde, wanderte er im Februar 1939 nach England aus.
[Bearbeiten] Exil in England und Rückkehr
In England konnte er sich mit seinen ausgezeichneten Kenntnissen des deutschen Aktienrechts bald als Vorsitzender einer Kommission für Fragen eines Friedensvertrages betätigen. Als der Bischof von Chichester, Dr. George Bell ihn auch als Vorsitzenden einer Kommission zur Reform des deutschen Rechts vorschlug, übernahm er auch diese Aufgabe. Am 19. Juli 1943 legte er eine Denkschrift vor, in der neue Grundsätze für eine Reform vorgeschlagen wurden. Dabei spielten Gedanken von Rache und Vergeltung keine Rolle.
Nachdem Wolff 1947 nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde er am 1. Dezember 1947 zum Vizepräsidenten und am 1. März 1949 zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes der britischen Zone ernannt. An der Universität Köln erhielt er 1950 die Stellung eines Honorarprofessor und hielt Vorlesungen zur Praxis des Zivilrechts.
Als im Jahre 1950 der Bundesgerichtshof gegründet wurde, endete seine Amtszeit als Richter. 1954 verstarb er bei einem Familientreffen in Tübingen. Auf dem dortigen Friedhof wurde er neben seinem Bruder Dr. med. Walter Wolff und dem Bundesverfassungsrichter Bernhard Wolff bestattet.
[Bearbeiten] Auszeichnungen
[Bearbeiten] Schriften
- Privatrechtliche Beziehungen zwischen früheren Feinden nach dem Friedensvertrag, 1921
- Eduard von Simson, Berlin 1929
- Schuldverschreinungen auf Reichs- und Goldmark mit unechter Valutaklausel, 1935
- The Problem of Pre-War Contracts in Peace Treaties, London 1946
- Vorkriegsverträge in Friedensverträgen, 1949
- Beiträge zum Bürgerlichen Recht als Hrsg., Berlin 1950
- Beiträge zum Öffentlichen Recht als Hrsg., Berlin 1950
- Beiträge zum Handels- und Wirtschaftsrecht, als Hrsg., Berlin 1950
- Bürgerliches Recht und Prozeßrecht in Wechselwirkung, 1952
[Bearbeiten] Referenzen
- Wer ist Wer?, Berlin 1948
- Helmut Heinrichs, Harald Franzki, Klaus Schmalz, Michael Solleis (als Hrsg.), Deutsche Juristen jüdischer Herkunft, München 1993
- Horst Göppringer, Juristen jüdischer Abstammung im 'Dritten Reich', 2. Auflage, München 1990
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Ernst Wolff im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolff, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Wolff, Ernst Bernhard August |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist |
| GEBURTSDATUM | 20. November 1877 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 11. Januar 1959 |
| STERBEORT | Tübingen |

