Ernst von Pfuel

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Ernst von Pfuel

Ernst Heinrich Adolf von Pfuel (* 3. November 1779 auf Gut Jahnsfelde, heute Ortsteil von Müncheberg, Landkreis Märkisch-Oderland, Brandenburg; † 3. Dezember 1866 in Berlin, beigesetzt auf Gut Jahnsfelde) war ein königlich-preußischer General der Infanterie, ein Reformer des Militärsports, Kommandant der Stadt Köln, sowie des preußischen Sektors von Paris[1], Gouverneur des Fürstentums Neuchâtel, Mitglied der Preußischen Nationalversammlung von 1848, Gouverneur von Berlin sowie preußischer Ministerpräsident und Kriegsminister.

General Ernst von Pfuel

Familie[Bearbeiten]

Pfuel stammte aus dem alten in Jahnsfelde in der Märkischen Schweiz ansässigen Adelsgeschlecht von Pfuel und war der Sohn des königlich preußischen Generalmajors Ludwig von Pfuel (1718–1789), Gutsherr auf Jahnsfelde und vormals Hofmarschall des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, und der Sophie Kranz (1755–1783).

Pfuel heiratete in erster Ehe am 17. März 1808 auf Gut Lenzke Karoline von Byern (* 1. November 1786 in Potsdam; † 22. Oktober 1843 in Berlin), die Tochter des Gutsbesitzers Wilhelm von Byern, Gutsherr auf Lenzke, und der Friederike von Zinnow. Aus dieser Ehe stammten eine Tochter und fünf Söhne. Im Jahr 1830 trennte sich das Ehepaar nach 22-jähriger Ehe, nachdem seine Frau von einem Seitensprung erfahren hatte.

Zwei Jahre später heiratete Pfuel am 11. September 1832 auf Gut Randau seine damalige Geliebte Emilie (Amalie) Wahlert, geborene von Alvensleben (* 18. September 1792 in Rathenow; † 28. Oktober 1854 auf Gut Randau), die Tochter des Gutsbesitzers Gebhard von Alvensleben, Gutsherr auf Randau, und der Karoline von Radecke. Auch Emilie war zum Zeitpunkt ihres Liebesverhältnisses noch in erster Ehe mit dem königlich preußischen Geheimen Regierungsrat Georg Wahlert († 11. Dezember 1847) verheiratet und hatte sich ebenfalls 1830 erst scheiden lassen müssen.

Vorfahren[Bearbeiten]

            ┌──>Christian Friedrich von Pfuel, (1653–1702)
            │     Kgl. preuß. Oberst, Herr auf Jahnsfelde  
            │
       ┌──>Hempo Ludwig von Pfuel, (1690–1770)
       │    │  Kgl. preuß. GehRat u. Major a.D., Präs. der Kriegs- u. Domänenkammer Halberstadt, 
       │    │  Herr  auf Jahnsfelde
       │    │  
       │    └──>Helene von Veltheim, (1657–1727)
       │           Tochter des Gottschalk v. Veltheim auf Harbke
       │
  ┌──>Ernst Ludwig von Pfuel, (1718–1789) 
  │    │  
  │    │    ┌──>Kaspar Jacob von Jagow auf Pollnitz u. Kalenberge 
  │    │    │      
  │    └──>Hedwig Sophie von Jagow, (1697–1764)
  │         │  
  │         └──>Maria Elisabeth von KatteErnst von Pfuel, (1779–1866) Preußischer Ministerpräsident und Kriegsminister
  │
  │    ┌──>Heinrich Gottfried Kranz
  │    │      Feldarzt vom Regiment Krosigk
  │    │
  └──>Johanna Christiane Sophie Kranz, (1755–1783) 
       │    
       └──>Sophie Margarethe Hermann aus Aschersleben
          
General Ernst von Pfuel, Kronprinz Friedrich Wilhelm, Oberst Kellermeister von der Lund

Leben[Bearbeiten]

Pfuel galt als liberal und Reformen gegenüber aufgeschlossen. In Berlin war er einer der wenigen Offiziere, die im Salon Rahel Varnhagens verkehrten.

Im Alter von 13 Jahren wurde er von seiner Familie auf die Berliner Kadettenanstalt geschickt, wo er zum Offizier ausgebildet wurde. In den Koalitionskriegen nahm er als Adjutant des General Graf von Schmettau an der Schlacht bei Jena und Auerstedt teil. Nach der preußischen Niederlage trat er 1809 in den Dienst des österreichischen Generalstabs, danach bis 1813 in russische Dienste. Dabei verfolgte er auch Napoleon I. beim Rückzug aus Russland. 1813 kam er an der Spitze eines Kosakenkorps zurück nach Berlin. 1815 im Generalstab bei Blücher, wurde er Kommandant des preußischen Sektors von Paris, sowie der Stadt Köln. Es ist besonders Pfuel zu verdanken, dass die Quadriga 1814 wieder auf das Brandenburger Tor zurückkehrte, wofür die Pfuels bis zur Abdankung Kaiser Wilhelm II. 1918 das Privileg genossen, die mittlere Durchfahrt des Tores zu benutzen.

Pfuel wurde 1831 nach Neuchâtel gesandt, um den dort kurz zuvor aufgebrochenen Aufstand niederzuwerfen. 1838 wird Pfuel kommandierender General des Großverband VII. Armeekorps.[2] Zwischen 1832 und 1848 war er zudem Gouverneur des bis zur Revolution vom 1. März 1848 zu Preußen gehörenden Fürstentums Neuchâtel.

Das Jahr 1848 und die Märzrevolution[Bearbeiten]

Nur kurze Zeit war Pfuel Gouverneur von Berlin (vom 11. bis 18. März 1848). Am 15. März 1848 stellte er sich vor die Truppen, die bereits auf die Aufständischen angelegt hatten, und verhinderte so ein Blutbad – was ihn in der Folge seine Stellung kostete.

Am 21. September 1848 zum Ministerpräsidenten und Kriegsminister ernannt, wurde das Ministerium ihm mehr gebildet, als dass er es bildete. In seinem Regierungsprogramm versicherte Pfuel am 22. September in der preußischen Nationalversammlung, er wolle zwar die Rechte und die Würde des Königs verteidigen, sei aber auch „fest entschlossen, auf dem betretenen konstitutionellen Wege zu verharren, die erworbenen Freiheiten zu bewahren, alle reaktionären Bestrebungen zurückzuweisen, in allen Zweigen des öffentlichen Dienstes Befolgungen der konstitutionellen Grundsätze Sorge zu tragen, die Rechte und Freiheiten des Volkes heilig zu halten“. Sein Heereserlass vom September 1848, der alle antikonstitutionellen Bestrebungen für unverträglich mit der Stellung eines preußischen Offiziers erklärte, erregte böses Blut in Offizierskreisen. Der König verübelte es ihm, dass er den Beratungen und Beschlüssen der Nationalversammlung im Oktober, den Adel, die Orden und die Bezeichnung „von Gottes Gnaden“ im Titel des Königs abzuschaffen, nicht den erforderlichen Widerstand entgegengebracht hatte. Am 1. November 1848 nahm Pfuel seinen Abschied.

Gründung der Schwimmschule in Berlin im Juli 1817

Begründer des Militärschwimmsports[Bearbeiten]

Am bekanntesten wurde Pfuel durch seine Reformen beim Militärsport. Als erster führte er Schwimmunterricht für Soldaten ein und gründete 1810 in Prag die erste Militär-Schwimmschule der Welt. In Berlin gründete er 1817 in der Köpenicker Straße 12 nahe dem Oberbaum eine Flussbadeanstalt in der Spree, die erste Militärunterrichts- und Schwimmbadeanstalt Berlins, die dann noch bis zum Jahr 1925 oder 1933 existierte und zu der von Anfang an auch Zivilisten – insbesondere die Schuljugend – Zugang hatten. Die Pfuelsche Badeanstalt wirkte typenbildend für Berliner Flussbadeanstalten. Sie war auf Pfählen gegründet und besaß ein von allen Seiten umschlossenes Wasserbecken. Dies war der Moral der Zeit geschuldet, die Blicke von außen auf das „Badetreiben“ nicht duldete.

Die Feier zum 50. Jubiläum der Pfuel'schen Schwimmanstalt, 1867 in Berlin

Schwimmen bedeutete für Pfuel das gleiche wie für Ludwig Jahn das Turnen. Denjenigen Jungen (selten Männer, nie Mädchen oder Frauen), die quer über die Spree ohne „absaufen“ einmal hin und her schwammen, wurde ein „Diplom der Schwimmkunst“ überreicht. Von Zeit zu Zeit organisierte Pfuel Schwimmfeste an der Oberbaumbrücke. Von Pfuel gilt als offizieller Erfinder des Brustschwimmens. Fast 70.000 Militärangehörige und Zivilisten lernten hier in den folgenden 50 Jahren das Schwimmen. Pfuel hielt das Brustschwimmen für die effektivste Methode der Fortbewegung im Wasser.

Der Frosch ist ein vortrefflicher Schwimmer, und unser Lehrmeister ist gefunden, denn die Beschaffenheit seines Körpers ähnelt in den Teilen, welche hauptsächlich zum Schwimmen nothwendig sind, sehr der des Menschen.

Pfuel machte die Angel-Lehrweise populär, wobei der Anfänger in einem Gurt hängt und auf Kommando die verschiedenen Schwimmbewegungen ausführt, zuerst auf einem Hocker am Beckenrand und dann im Wasser. Es war jedoch nicht einfach, seine Rekruten zum Sprung in das kühle Nass zu bewegen:

Viele verlegten sich auf’s Kapituliren, um ein langsames Hineinlassen zu gewinnen und den Kopf vor dem Untertauchen zu retten, andere sahen trübsinnig hinunter wie in’s Grab, und wurden blaß und bläßer, so wie der Meister seine Aufmunterung steigerte; noch andern klopfte das Herz, daß der Gurt sich bewegte, und einer schlug sogar ein großes Kreuz über sich, um doch christlich zu enden.

Die der ehemaligen Badeanstalt nahe gelegene Pfuelstraße in Berlin-Kreuzberg erinnert noch heute daran.

Pfuel und Kleist[Bearbeiten]

Pfuels Freundschaft mit Heinrich von Kleist datiert aus der gemeinsamen Zeit beim Potsdamer Infanterieregiment Nr. 18. Gemeinsam mit Kleist hatte sich Pfuel 1803 zu einer Reise in die Schweiz aufgemacht, von wo aus es weiter nach Italien und Frankreich ging. Aus der Zeit nach dieser Reise stammt ein Brief Kleists an Pfuel, in dem Kleist schreibt:

Ich habe deinen schönen Leib oft, wenn du in Thun vor meinen Augen in den See stiegest, mit wahrhaft mädchenhaften Gefühlen betrachtet. Er könnte wirklich einem Künstler zur Studie dienen. Dein kleiner krauser Kopf, einem feisten Halse aufgesetzt, zwei breite Schultern, ein nerviger Leib, das Ganze ein musterhaftes Bild der Stärke, als ob du dem schönsten jungen Stier, der jemals dem Zeus geblutet, nachgebildet wärest.“
Und der Brief endet:
Ich heirathe niemals, sei du die Frau mir, die Kinder, und die Enkel![3]

Pfuel verbarg diesen Brief sorgfältig, und er wurde erst in seinem Nachlass aufgefunden, wo er samt seinen gesamten Skripten und Aufzeichnungen seiner Ministerpräsidentenfunktion im Gutsarchiv des Stammschlosses derer von Pfuel in Jahnsfelde bis 1945 blieb. Die aus der Militärzeit stammende Männerfreundschaft zwischen Kleist und Pfuel wie auch die Begeisterung für das Schwimmen hatten zumindest von Kleists Seite also starke homoerotische Züge.

Der hochdekorierte Pfuel

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

In Berlin-Kreuzberg wurde die Pfuelstraße nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Vom alten Pfuel – Franz Wallner, in Die Gartenlaube (1867), Heft 1, S. 11–14

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://books.google.de/books?id=ja9AAAAAcAAJ&pg=PA35&dq=Franz+wilhelm+pfuel&lr=&cd=9#v=onepage&q=Franz%20wilhelm%20pfuel&f=false
  2. http://books.google.de/books?id=ODMRAAAAYAAJ&pg=PA353&dq=Franz+wilhelm+pfuel&lr=&cd=14#v=onepage&q=Ernst%20von%20pfuel&f=false
  3. Brief # 086 Kleists, an von Pfuel vom 7. Januar 1805
  4. http://books.google.de/books?id=ODMRAAAAYAAJ&pg=PA353&dq=Franz+wilhelm+pfuel&lr=&cd=14#v=onepage&q=ernst%20von%20Pfuel&f=false