Erste Isonzoschlacht

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Erste Isonzoschlacht
Datum 23. Juni 1915 bis 7. Juli 1915
Ort Ortschaft Monte Krn bis zur Adria
Ausgang Italienische Offensive scheitert
Konfliktparteien
Befehlshaber
General Boroevic
Generalmajor Géza Lukachich von Somorja
Generalmajor Novak von Arienti
General Cadorna
Herzog von Aosta
General Frugoni
Truppenstärke
92 Bataillone
8 Divisionen
115.000 Mann
356 Geschütze
225 Bataillone
18 Divisionen
225.000 Mann
700 Geschütze
Verluste
ca. 10.000 ca. 15.000

Die Erste Isonzoschlacht war eine von insgesamt zwölf Schlachten zwischen dem Königreich Italien und dem Kaiserreich Österreich-Ungarn. Es war der erste größere Versuch Italiens, am Isonzo den Durchbruch in die ungarische Tiefebene zu erzwingen, sich mit den Russen zu vereinigen und so Österreich-Ungarn in zwei Teile zu zerschlagen. Als Beginn der Ersten Isonzoschlacht wird allgemein der 23. Juni 1915 gerechnet, obwohl die Kämpfe bereits vier Wochen vorher unmittelbar nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn (23. Mai 1915) begonnen hatten. Der als Schlacht bezeichnete Zeitraum dauerte mit kurzen Unterbrechungen bis zum 7. Juli 1915. (Der österreichisch-ungarische Generalstab erklärte allerdings seinerseits die Schlacht bereits am 5. Juli für beendet.)

Ausgangslage[Bearbeiten]

Getragen von der Welle der Begeisterung über die nunmehr endlich anstehende Befreiung der unerlösten Gebiete (Irredenta) sah man in Italien keinerlei Schwierigkeiten, die Stadt Triest auf dem schnellsten Wege in den Schoß der Mutter Italia heimzuholen (Gabriele d'Annunzio). Die italienische 3. Armee sollte zwischen Monfalcone und Sagrado zum Hochplateau von Doberdo durchbrechen, während die 2. Armee zwischen dem Monte Sabotino und Podgora vorzustoßen hatte. Minimalziel war die Eroberung des Brückenkopfes bei Görz (ital. Gorizia, slow. Gorica), die Überquerung des Isonzos, Eroberung der Berge Kuk und Priznica (Höhe 383 östl. von Plava) sowie ein Angriff auf den Brückenkopf bei Tolmein (ital. Tolmino, slow. Tolmin). Strategisches Ziel war der Durchbruch nach Triest.

In einem Tagesbefehl vom Mai 1915 hatte General Cadorna seiner 2. und 3. Armee aufgetragen, mit energischen und überraschenden Aktionen unverzüglich nach der Kriegserklärung auf österreichisch-ungarisches Staatsgebiet vorzudringen. Die Angreifer stießen anfänglich nur auf geringen Widerstand, da die vorhandenen Abwehrkräfte keine Kampftruppen waren sondern sich nur aus Gendarmerie- und Zollwachassistenzen, verstärkt durch Landsturm und freiwillige Schützenkompanien zusammensetzten. Sie hatten den Auftrag, den Vormarsch des Feindes so weit als möglich zu verzögern und sich langsam zurückzuziehen, um sich dann, ähnlich wie in Tirol, auf den Höhen festzusetzen. Durch diese Taktik gelang es dann auch, das Heranführen der Kampftruppen von der serbischen Front zu verschleiern. (Bereits am Tag der Kriegserklärung trafen die ersten Bataillone ein.) Diese Truppen verstärkten dann unmittelbar die hart bedrängten Verteidiger und errichteten nach und nach die vorher nicht vorhanden gewesene Front von den Julischen Alpen bis zum Meer. Dadurch war das weitgesteckte Ziel der Italiener eines überraschenden Durchbruchs bereits im Ansatz gescheitert.

Erste Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Österreichischer Schützengraben am Isonzo

Gegen die sich langsam zurückziehenden Deckungstruppen erreichten die italienischen Verbände am 24. Mai die Linie Mossa – St. Florian – Verhovlje und den Kolowratrücken zwischen der Korrada und Ježahöhe. Karfreit wurde besetzt und gegen die Forts von Malborghet und Predil im Kanaltal der Artillerieangriff eröffnet. Massiert nachrückende italienische Infanterieverbände (8. InfDiv.) im Bereich des Mrzli vrh und des Krn ließen die Absicht erkennen, sich hier baldmöglichst in den Besitz dieser beherrschenden Höhen zu bringen. Am unteren Isonzo konnten die Angreifer von den schwachen k.u.k. Kräften zwei Tage lang aufgehalten werden, bis sie sich endlich am 25. Mai zwischen Pieris und Gradiska (südlich von Görz) an den Fluss herankämpfen konnten. Auch im Nachbarabschnitt erreichten die Spitzen der 2. italienischen Armee erst am gleichen Tag zwischen dem Monte Sabatino und dem Dorf Selz das Westufer des Isonzo.

Seit dem 5. Juni richteten sich verstärkte Angriffe der italienischen 3. Armee gegen das Plateau von Doberdo, die 2. Armee schickte das VI. Korps gegen die Stadt Görz. Bereits der erste Versuch, den Isonzo bei Pieris, Sagrado und Sdraussina zu überschreiten, schlug fehl. Ebenso scheiterte der Angriff gegen den Monte Sabatino und gegen Görz. Versuche der Italiener, den Höhenrand MonfalconeSagrado zu erreichen beziehungsweise den Flussübergang zwischen Plava und Wippach zu erzwingen, wurden abgewiesen. Diese Misserfolge bereits in der Anfangsphase des Krieges veranlassten General Cadorna zur Aufbietung weiterer Kräfte, insbesondere schwerer Artillerie. Somit hatte sich seine Truppenstärke bereits auf 214 Bataillone Infanterie (it. Fanti), Alpini und Bersaglieri, 40 Schwadronen Kavallerie und 118 Batterien Artillerie erhöht. Auf österreichisch-ungarischer Seite befanden sich zu diesem Zeitpunkt lediglich 36 Bataillone Infanterie, Landsturm und freiwillige Schützen, 16 Schwadronen Kavallerie und 75 Batterien Artillerie im Verband der 5. k.u.k. Armee des Generals der Infanterie von Boroevic an der Front. Zwischen dem 12. und 16 Juni gelang es dem II. italienischen Korps, mit der 3. Inf.Div. bei Plava den Isonzo zu überschreiten. Der unmittelbare Versuch, anschließend die Höhe 383 östlich von Plava in Besitz zu bringen, scheiterte am Widerstand der 1. Gebirgsbrigade unter ihrem Kommandeur Generalmajor Novak von Arienti. Die immer wiederkehrenden Angriffe der Italiener in diesem Abschnitt dauerten dann noch bis zum 28. Juni.

Erfolgreicher waren die Alpinibataillone der Grupo Alpini A + B (je 6 Bataillone, mehrere Maschinengewehrgruppen und 4 bzw. 2 Gebirgsbatterien), die sich am 16. Juni gegen den Widerstand der 3. Gebirgsbrigade auf den Gipfel des Krn-Massivs (2245 m) vorkämpfen konnten. In die Gebirgsbrigade eingestellte Honvéd-Regimenter waren dem Krieg auf den Höhen nicht gewachsen, die Stellungen mussten zurückverlegt werden. Der benachbarte Gipfel des Mrzli vrh (1360 m) konnte dahingegen behauptet werden. Ebenso erfolglos verliefen die Bemühungen der italienischen 19. und 21. Infanteriedivision, den Isonzo bei Sdraussina und Sagrado gegen die 39. und 81. Honvéd-Infanteriebrigade zu überqueren. Die bisherigen Kämpfe hatten die Italiener insgesamt 450 Offiziere und etwa 11.000 Unteroffiziere und Mannschaften an Ausfällen gekostet.

Die Schlacht[Bearbeiten]

Unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kämpfe unternahm der italienische Generalstab alle Anstrengungen, um doch noch einen Erfolg zu erzielen. Die Angriffstruppen wurden verdoppelt, die 3. Armee erhielt den Auftrag, erneut den Höhenrücken von Doberdò zwischen Monfalcone und Redipuglia anzugreifen. Die 2. Armee hatte den Brückenkopf von Görz einzudrücken und sollte mit der 3. Infanteriedivision über das eroberte Plava hinaus den Kuk (611 m) einnehmen. Die mit dem 23. Juni nach heftiger Artillerievorbereitung einsetzenden Angriffe der Infanterie konnten jedoch nirgendwo Erfolge erzielen, da sie stellenweise schon von den vorgeschobenen Verteidigungswerken der Österreicher zurückgeschlagen wurden. Erst als aus taktischen Gründen die Verteidiger das Gelände stellenweise aufgaben, um die Front zu begradigen, gelang es Einheiten der 21. italienischen Infanteriedivision, den Fluss zu überqueren und sich bei Sagrado und Polazzo am Fuß der Karsthochfläche einzugraben. Weiter nördlich schlug die 1. Gebirgsbrigade italienische Angriffe auf die Höhe 383 (östl. von Plava) achtmal zurück.

Schwerpunktmäßige Kämpfe entbrannten um den Monte San Michele, die Höhen im Osten und Norden von Monfalcone und um den Brückenkopf von Görz. Oslavija und die Podgorahöhen konnten nicht genommen werden, ebenso mussten sich die Italiener vor Plava wieder zurückziehen. Das von den Österreichern bereits aufgegebene Gelände vor Sdraussina blieb in italienischer Hand. Angriffe der 14. italienischen Infanteriedivision gegen Selz und Doberdò scheiterten am Widerstand der 16. Gebirgsbrigade. Hier tat sich besonders das Landwehrinfanterie Regiment Nr. 5 aus Pola hervor, das fast ausschließlich aus Slowenen, Kroaten und Italienern (Triestinern) bestand und das allein am 1. Juli drei italienische Infanterieregimenter des X. Korps nahezu völlig aufrieb.

Nach massierter Artillerievorbereitung und mehreren hartnäckig vorgetragenen Angriffen gelang es drei Regimentern der 14. italienischen Infanteriedivision den Ort Redipuglia einzunehmen. Im Gegenstoß schlug Oberst Mitlacher mit dem Infanterie-Regiment 38 aus Peterwardein, Bileca und Großwardein sowie einigen zusammengerafften Truppenteilen die Angreifer über ihre Ausgangsstellungen zurück. Der Druck auf die österreichischen Truppen verstärkte sich jedoch zusehends. Bis zum 5. Juli wurde mit Erbitterung ununterbrochen gekämpft. An diesem Tag gelang es Truppen der 22. italienischen Infanteriedivision um 8 Uhr morgens nochmals, in die österreichische Verteidigungslinie einzubrechen. Generalmajor Geza Lukachich von Šamorín (ungar. Somorja) als Kommandant der 14. Gebirgsbrigade warf ihnen das Honvéd Infanterieregiment Nr. 17 entgegen, dem es gelang, die Lage bei Redipuglia zu bereinigen. Wiederholte Angriffe nördlich davon bei Polazzo wurden vom Infanterie Regiment Nr. 46 aus Szeged und Avtovac (Bosnien) so entschieden abgewehrt, dass die Italiener keine weiteren Angriffe mehr unternahmen und aufgaben. Danach flaute die Schlacht merklich ab, obwohl im Gebiet des Krn drei Bataillone Alpini noch versuchten, die österreichisch-ungarischen Stellungen einzunehmen. Die Angriffe scheiterten an den dort stehenden Kroaten. Weitere Angriffe gegen den Görzer Brückenkopf hatten bereits keinen Schwung mehr und verliefen ebenso wie verschiedentliche Vorstöße der italienischen 21. Infanteriedivision am 6. und 7. Juli gegen Sdraussina, Palazzo und Redipuglia im Sande.

Ergebnis[Bearbeiten]

Der von den Italienern zu verzeichnende Gewinn dieser Schlacht war gering. Nur bei Sagrado wurde der Rand der Hochfläche erstiegen und südlich davon der Rand des Karstgebietes erreicht. Von der pathetisch verkündeten Befreiung Triests konnte keine Rede mehr sein. Auch war es nicht gelungen, durch den Kriegseintritt Italiens die Front seines neuen Verbündeten Russland nennenswert zu entlasten. Negative Auswirkungen auf das italienische Nationalgefühl waren die Folge, insbesondere weil man gegenüber Russland Verpflichtungen auf sich genommen hatte, die man nun nicht einzuhalten in der Lage war.

Bereits hier bewies das allgemein totgesagte Heer der Donaumonarchie trotz seiner vielen Nationalitäten ein nicht geglaubtes Standvermögen, was dazu führte, dass der Krieg für Italien am Isonzo nicht zum erhofften Erfolg führte.

Quellen[Bearbeiten]

  • Österreichisches Staatsarchiv/Kriegsarchiv Wien

Literatur[Bearbeiten]

  • L'esercito italiano nella grande guerra (1915–1918) Volume I - IV / Roma: Ministerio della Guerra – Ufficio Storico, 1929–1974
  • Ministero della Guerra Stato Maggiore centrale – Ufficio Storico. Guerra Italo-Austriaca 1915–18. Le medaglie d'Oro. Volume secondo – 1916. Roma: 1923
  • Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918 Band II Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen Wien 1931–1933
  • Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger – Ruhm und Ende. Leopold Stocker Verlag, Graz 1977

Siehe auch[Bearbeiten]