Erstes Kaiserreich

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Empire français
Französisches Kaiserreich
1804–1812
Flagge des Französischen Kaiserreichs Wappen des Französischen Kaiserreiches 1804–1815
Flagge Wappen
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Flag of the Kingdom of Sardinia (1728-1802).gif
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Flag of the Papal States (1808-1870).svg
Verfassung Senatus Consultum vom 18. Mai 1804
Amtssprache Französisch
Regional auch Italienisch, Niederländisch, Deutsch, Katalanisch, Kroatisch, Slowenisch
Hauptstadt Paris
Staatsform Erbmonarchie
Regierungssystem konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt
– 1804 bis 1814
– 1814
– 1815
– 1815
Kaiser der Franzosen
Napoleon I.
Napoleon II.
Napoleon I.
Napoleon II.
Regierungschef de facto
– 1805 bis 1814

– 1815
Reichskanzler
Jean-Jacques Régis de Cambacérès
Fläche
– 1812

2.500.000 km²

– In Europa 860.000 km²
– zugehörige Kolonien 1.640.000 km²

Einwohnerzahl
– 1812

60.000.000

– In Europa 46.000.000
– zugehörige Kolonien 14.000.000

Bevölkerungsdichte
– 1812

21 Einwohner pro km²
Währung 1 Französischer Franc = 100 Centimes
Gründung
– 6. November 1804
– 4. Dezember 1804
– 1. März 1815

Inkrafttreten der Verfassung
Kaiserkrönung Napoleons I.
Erneute Machtübernahme Napoleons I.
Auflösung
– 6. April 1814
– 18. Juni 1815

Abdankung Kaiser Napoleons I.
Schlacht bei Waterloo
Nationalhymne Le Chant du Départ (Lied des Aufbruchs)
Karte
French Empire (1812).svg

Das Erste Kaiserreich mit Satellitenstaaten zur Zeit seiner größten Ausdehnung in Europa 1812
French Empire on World 1812.png

Das Französische Kaiserreich mit Kolonialbesitz 1812:

 Das Empire français und Kolonien
 Satellitenstaaten und abhängige Kolonien

Erstes Kaiserreich (französisch Premier Empire) ist eine von Historikern verwendete Bezeichnung für die Periode von 1804 bis 1814 und 1815 in der Geschichte Frankreichs. Der offizielle Staatsname war Empire français (Französisches Kaiserreich). In dieser Zeit war das Kaiserreich in der Theorie eine konstitutionelle Monarchie, wurde aber in der Praxis von Napoleon autokratisch regiert.[1]

Die Monarchie entstand am 18. Mai 1804 durch die Kaiserkrönung Napoleons I. in der Kathedrale Notre-Dame de Paris, bei der er zum Kaiser der Franzosen (L'Empereur des Français) ausgerufen wurde. Das Französische Kaiserreich gewann durch militärische Siege der Grande Armée zahlreiche Koalitionskriege gegen Österreich, Preußen, Russland, Portugal und deren verbündete Nationen und konnte seine Herrschaft über weite Teile Kontinentaleuropas sichern, wobei sich der französische Einflussbereich mit dem Abschluss mehrerer Friedensverträge und Allianzen über rund ein Drittel der Welt erstreckte.

Das Territorium des Kaiserreichs erreichte mit der Annexion Kataloniens 1812 seine größte Ausdehnung. Die in West-, Mittel-, Süd- und Südosteuropa (Illyrische Provinzen) liegende Monarchie hatte eine Fläche von 860.000 km². Dazu kamen noch die ebenfalls zum Mutterland gehörenden Kolonien, mit denen das Staatsgebiet des imperialen Frankreichs, ohne seine Satellitenstaaten, rund 2.500.000 km² betrug. Auf dem Staatsgebiet lebten 1812 ungefähr 60 Millionen Menschen, wobei etwa 46 Millionen in Europa und 14 Millionen Einwohner in den Kolonien lebten. Damit war es flächenmäßig (nach Russland) der zweitgrößte und bevölkerungsmäßig der größte Staat Europas und eine führende Kolonialmacht der damaligen Zeit. Die um 1800 begonnene Industrialisierung Frankreichs machte das Kaiserreich, nach dem Vereinigten Königreich, zur führenden Wirtschaftskraft Europas am Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die Vormachtstellung des Französischen Kaiserreichs erreichte mit dem Beginn des Russlandfeldzugs und dem schnellen Einmarsch der Grande Armée im Oktober 1812 einen Höhepunkt. Doch trotz anfänglicher Erfolge und der Einnahme Moskaus erschütterte der weitere ungünstige Verlauf der Kampagne die Vormachtstellung des Ersten Kaiserreichs. In den darauffolgenden Befreiungskriegen musste Frankreich große Verluste sowie den Rückzug der Grande Armée aus den besetzten und annektierten Gebieten hinnehmen. Am 11. April 1814 dankte Napoleon als Kaiser ab und ging nach Elba. Nach Geheimvorkehrungen kehrte Napoleon jedoch überraschend am 1. März 1815 von Elba zurück und übernahm erneut die Macht in Frankreich (Herrschaft der Hundert Tage). Mit der Schlacht bei Waterloo wurde Napoleon jedoch endgültig gestürzt und das Kaiserreich zum zweiten Mal aufgelöst.

Die Monarchie leitete trotz der Niederlage die langsame Liberalisierung Europas und das Ende des Absolutismus ein. Heute zählt sie zu den größten europäischen Großmächten und war 1812, nach dem Vereinigten Königreich, die zweite europäische Weltmacht. Die Grande Armée zählt heute zu den größten Streitkräften der Geschichte. Der Versuch, das napoleonische Kaiserreich wiederherzustellen (siehe Zweites Kaiserreich) scheiterte 1871 am Deutsch-Französischen Krieg. In der Justiz schuf Napoleon mit dem Code civil ein bedeutendes Gesetzeswerk der Neuzeit. In Frankreich ist es in wesentlichen Teilen noch heute gültig.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Erstürmung der Bastille (Bild von Jean-Pierre Louis Laurent Houel, veröffentlicht 1789)

Vor der Revolution hatte seit der Zeit Ludwigs XIV. der Absolutismus geherrscht, in dem alle Staatsgewalt vom König ausging. Sowohl die Bürger und Bauern (Dritter Stand) als auch der Adel (Zweiter Stand) und der Klerus (Erster Stand) hatten praktisch keine politischen Mitwirkungsrechte. Der Staat hatte große Schulden angehäuft. König Ludwig XVI. wollte dieses Defizit durch eine Steuererhöhung verringern, weswegen er im Mai 1789 die Generalstände (frz. les États generaux) einberief, die die einzige Körperschaft waren, die eine Steuererhöhung beschließen konnte.

Diese Ständeversammlung bestand aus 600 Abgeordneten des Dritten Standes und je 300 Abgeordneten von Adel und Klerus. Die Generalstände verlangten jedoch weitergehende politische Mitwirkungsrechte und die Schaffung einer Verfassung. Daher konstituierte sich im Juni 1789 die Verfassungsgebende Nationalversammlung (Konstituante). Nach anfänglichem Zögern ließ der König dies zu. Jedoch entließ er wenig später den populären Finanzminister Jacques Necker. Dies führte zu Unruhen in Paris, die schließlich im Sturm auf die Bastille gipfelten. Im September 1791 wurde die von der Konstituante ausgearbeitete Verfassung vom König angenommen, wodurch Frankreich zur Konstitutionellen Monarchie geworden war. Der König wurde jedoch beim Volk unter anderem aufgrund seines im Sommer 1791 unternommenen Fluchtversuchs nach Varennes als Verräter bezeichnet, der mit den Feinden der Revolution paktierte, denn die anderen Staaten Europas sahen die Revolution mit Skepsis und schlossen Bündnisse gegen Frankreich. Dies führte dazu, dass Frankreich im Frühjahr 1792 Österreich den Krieg erklärte, wodurch sich bis 1815 mehrere Koalitionskriege entwickelten. Im August 1792 wurde der König, der im Verdacht stand, mit den Gegnern Frankreichs zu konspirieren, gestürzt und am 21. Januar 1793 hingerichtet. Die neu ausgerufene Republik musste sowohl mit ihren äußeren als auch mit ihren inneren Feinden fertig werden, was immer mehr ausuferte und zum Jakobinischen Terror führte. Im Sommer 1794 wurde das Jakobinerregime gestürzt und ein Jahr später die Direktoriumsverfassung erlassen. Trotz der unter anderem von Napoleon Bonaparte errungenen militärischen Erfolge kam es – auch auf Grund von Korruption in der Regierung – zu einem wirtschaftlichen Niedergang. Das Direktorium war den Anforderungen nicht gewachsen. Am 9. November 1799 kam es zu einem von Napoleon Bonaparte mit angeführten Staatsstreich. In der Folge wurde das Direktorium abgeschafft und die Konsulatsverfassung geschaffen. Bonaparte erklärte die Revolution für beendet. Die Konsulatsverfassung war ganz und gar nicht demokratisch, Wahlen konnten jederzeit von Konsuln oder vom Senat für ungültig erklärt werden. Es gab zudem faktisch keine unabhängigen Kandidaten. Bonaparte wurde zum Ersten Konsul gewählt und immer mehr zur politisch führenden Person. Durch eine 1802 vorgenommene Verfassungsänderung wurde er zum Konsul auf Lebenszeit und damit faktisch zum Alleinherrscher.

Entwicklung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Napoleon Bonaparte
Die Krönung in Notre Dame 1804 (Gemälde von Jacques-Louis David, 1805–1807)

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon im Beisein von Papst Pius VII. selbst zum Kaiser der Franzosen. Nach der Kaiserkrönung brachte Napoleon den größten Teil Europas unter seine direkte oder indirekte Kontrolle (Koalitionskriege), wobei er als Imperialist auftrat, in den unterworfenen Ländern Errungenschaften der Revolution und des Liberalismus einführte und teilweise Familienmitglieder als Staatsoberhäupter einsetzte. So wurde der ältere Bruder Joseph Bonaparte von 1806 bis 1808 König von Neapel und von 1808 bis 1813 König von Spanien, der jüngere Bruder Louis Bonaparte von 1806 bis 1810 König von Holland, der jüngste Bruder Jérôme Bonaparte war von 1807 bis 1813 König von Westphalen, die älteste Schwester Elisa Bonaparte war Fürstin von Lucca und Piombino sowie Großherzogin der Toskana, und Caroline Bonaparte war von 1806 bis 1808 Großherzogin von Kleve und Berg sowie von 1808 bis 1815 Königin von Neapel.

Am 2. Dezember 1805 kam es zur Schlacht bei Austerlitz, auch Dreikaiserschlacht genannt, gegen Russland und Österreich, die Frankreich gewann, und am 14. Oktober 1806 kam es zur Schlacht bei Jena und Auerstedt, in der Frankreich die preußischen Truppen vernichtend schlug. Anschließend marschierten die französischen Truppen in Berlin ein und zogen weiter nach Polen, wo Napoleon ein Abkommen mit dem russischen Zaren Alexander I. unterzeichnete, in dem Europa zwischen Frankreich und Russland aufgeteilt wurde. Im Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805 zwang Napoleon Österreich, Tirol und Vorarlberg an das neu errichtete Königreich Bayern abzutreten, und die österreichischen Besitzungen in Italien fielen an das neugeschaffene napoleonische Königreich Italien.

Huldigung der Rheinbundfürsten (kolorierte Lithografie von Charles Motte)

1806 bewegte Napoleon 16 deutsche Staaten, sich im Rheinbund als lockeren Staatenbund zusammenzuschließen, darunter die zu Königreichen erhobenen Staaten Bayern, Sachsen und Württemberg. Mit der Unterzeichnung der Rheinbundakte verpflichteten sich diese Staaten gleichzeitig zur militärischen Unterstützung Frankreichs und zum Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich. Daraufhin legte am 6. August 1806 Franz II. die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder und blieb Kaiser von Österreich. Protektor dieses Bundes – als im politischen Wortsinn Beschützer oder als eine Schutzmacht – war Napoleon.[2] Bereits zum Jahre 1808 hin gehörten fast alle deutschen Staaten außer Österreich und Preußen zum Rheinbund. Es entwickelte sich sozusagen ein „Drittes Deutschland“ ohne Österreich und Preußen (die Triasidee). Umfangreiche Zentralisierung des Staatswesens nach französischem Vorbild – im oft noch ständisch organisierten „Flickenteppich“ Deutschland – gingen mit der Einführung von Prinzipien der Französischen Revolution, wie Gleichheit, Eigentumsrechte und dergleichen (allgemeine Grundrechte), aber auch mit der Reform des Agrar-, Bildungs-, Wirtschafts-, Steuer- und Finanzwesens einher. Im Gegensatz zu den vergleichbaren, eher harmonisch und von innen heraus praktizierten, preußischen Neuerungen, wurden von der Bevölkerung die französischen zunehmend als rigoros und als von außen aufgezwungen empfunden. Das Verwaltungssystem war oft langsam und wurde meist nur unvollständig übernommen. Das Vorhaben blieb ein Torso, wie das gesamte napoleonisch-rheinbündische Reformwerk. Die ständige Aushebung neuer Soldaten, die hohen Steuern, die Nachteile der Kontinentalsperre, die Repressionsmaßnahmen von Polizei und Militär sowie der starke bürokratische Zugriff auf praktisch jeden Bürger führten zu Unmut. Immerhin durch Bildungsreform wurde ein zuverlässiges Berufsbeamtentum herangebildet, Steuer- und Finanzreform bewirkten Aufschwung im Handel und Erstarken des Handels- und Finanzbürgertums. Kapitalmärkte wuchsen, ebenso wie die Zahl an Anlegern, denen nun auch durch das verbesserte Recht auf Eigentum Garantien zum Wirtschaften gegeben wurde. Nach der Abdankung Napoleons wurden diese Regionen Zentren des deutschen Frühliberalismus und Frühkonstitutionalismus.[3]Nachdem auch das Vorhaben von 1806, einen Staatenbund mit gemeinsamen Verfassungsorganen aufzubauen, am Widerstand der größeren Mitgliedsstaaten gescheitert war, blieb der Rheinbund im Wesentlichen nur ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich. Das Hauptziel Napoleons war eine Angleichung der staatlichen Strukturen zur Stabilisierung der französischen Herrschaft über Europa. Machtpolitische und militärische Überlegungen hatten im Zweifel Vorrang vor liberalen Reformideen. Der Historiker Rainer Wohlfeil merkt an, dass Napoleon kein wirkliches Konzept für die Neugestaltung Europas hatte, vielmehr war beispielsweise die Rheinbundpolitik Ausdruck eines „situationsverhafteten instinktiven Machtwillens“.[4]

Um Großbritannien wirtschaftlich zu ruinieren und anschließend zu unterwerfen, schuf Napoleon am 21. November 1806 die Kontinentalsperre, eine europaweite Handelssperre gegen britische Waren, die letztlich jedoch am organisierten Schmuggel und an der Nichtteilnahme Russlands scheiterte. Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre marschierte Napoleon 1808 in Spanien und Portugal ein und zwang Italien zur Mitwirkung. Auf der Iberischen Halbinsel konnte Napoleon sich wegen der Guerilla-Taktik und der Unterstützung durch Großbritannien nicht durchsetzen.

Ab 1809 kam es erneut zu einem Krieg gegen Österreich, das dieses Mal keinerlei Verbündete hatte. So gelang Napoleon die Eroberung Wiens, doch bereits in der Schlacht bei Aspern vom 21./22. Mai 1809 musste Napoleon seine erste Niederlage hinnehmen. Schon anderthalb Monate später in der Schlacht bei Wagram vom 5. und 6. Juli 1809 war er wieder siegreich und zwang Österreich zur Annahme des Friedens von Schönbrunn. Dort musste Österreich Krain, Triest, Görz, Villach und das Küstengebiet Kroatiens an Frankreich abtreten und verlor so den Zugang zum Adriatischen Meer. Napoleon bildete mit dem zuvor königlich-italienischen Dalmatien und Istrien mit den neuen Gebieten die Illyrischen Provinzen. Salzburg fiel an Bayern, Westgalizien und Krakau kamen nach einem misslungenen österreichischem Feldzug an das neugeschaffene Herzogtum Warschau. Von Galizien erhielten das Herzogtum Warschau Zamość und Russland, das sich auf französischer Seite mit einem Einmarsch in Galizien am Konflikt beteiligt hatte, den Bezirk um Ternopil.

Schlacht bei Waterloo

Die Vormachtstellung Frankreichs wurde 1812 durch den ungünstigen Verlauf der Kampagne gegen Russland erschüttert. Trotz der Einnahme von Moskau musste sich die Grande Armée aus Russland zurückziehen und wurde auf dem Rückweg nahezu vollständig aufgerieben. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kam es zur Völkerschlacht bei Leipzig. Seiner dortigen Niederlage folgte das Exil auf der Insel Elba. Ludwig XVIII. wurde als König eingesetzt und das Kaiserreich aufgelöst. Doch bereits am 20. März 1815 kehrte Napoleon wieder zurück, wobei sich ihm das Militär nach kurzer Zeit anschloss. Er errichtete die Herrschaft der Hundert Tage. Daraufhin zogen Großbritannien und Preußen gegen ihn in die Schlacht bei Waterloo, wo Napoleon endgültig besiegt wurde. Nach dem Wiener Kongress konnte Frankreich sein vornapoleonisches Territorium (einschließlich Elsass und Lothringen) behalten. Es kam zur Restauration und das Königreich Frankreich wurde wiederbelebt.

Erst 1852 gab es dann mit Napoleon III. wieder einen Kaiser der Franzosen (Zweites Kaiserreich).

Strukturen[Bearbeiten]

Verfassung[Bearbeiten]

Die Verfassung des Kaiserreiches knüpfte eng an die des Konsulats an. Der Konsul verfügte über weitgehende Vollmachten. Nur er hatte das Recht der Gesetzesinitiative. Von ihm wurden die Minister, die hohen Beamten und die Mitglieder des Staatsrates ernannt. Letzterer hatte die Vorhaben der Regierung in Gesetzentwürfe umzusetzen und konnte diese durch Verordnungen ergänzen. An die Stelle eines eingeschränkten Wahlrechts trat erneut das allgemeine Wahlrecht für alle männlichen Bürger ab 21 Jahren. Die Legislative war relativ schwach. Sie bestand aus dem Tribunat mit 100 Mitgliedern und dem corps legislatif (gesetzgebende Körperschaft) mit 300 Mitgliedern. Während das Tribunat das Recht zur Gesetzesberatung aber nicht zur Abstimmung hatte, war die gesetzgebende Körperschaft nicht befugt zu debattieren, sondern konnte nur noch abstimmen. Die Mitglieder beider Kammern wurden im Übrigen nicht gewählt, sondern von einem „Senat“ genannten Gremium ernannt.

Der Beschluss, Napoleon zum Konsul auf Lebenszeit zu machen, war mit einer weiteren Konzentration der Macht verbunden. Zusätzlich zu den bestehenden Rechten lag fortan das Recht, internationale Verträge abzuschließen, beim Konsul. Auch das Begnadigungsrecht lag in seinem Ermessen. Ebenso hatte er nun auch das Recht, die Mitglieder des Senats auszuwählen. Napoleon konnte im Alleingang die Verfassung ändern. Er konnte die Kammern der Legislative jederzeit auflösen oder Gerichtsurteile kassieren. In der Praxis verlor das Parlament massiv an Bedeutung. Der Senat wurde zu einem bloßen Instrument zur Durchsetzung der Politik Napoleons.[5]

In der neuen monarchischen Verfassung wurde nicht nur bestimmt, dass Napoleon der neue Kaiser werden sollte, auch die Erblichkeit innerhalb der Familie Bonaparte wurde festgelegt. Nach außen am deutlichsten wurden die Veränderungen durch den monarchischen Rahmen. Die Mitglieder der kaiserlichen Familie wurden in den Fürstenrang erhoben. Neu geschaffen wurden sechs Erzämter (Grandes Dignités) und weitere hochrangige Positionen (Grands Officiers).

Zu den Großwürdenträgern gehörten der Grand électeur (Großwahlherr), zuständig für die gesetzgebenende und sonstigen hohen Körperschaften, der Archichancelier d'Empire (Reichserzkanzler), zuständig für die Justiz, der Archichancelier d'Etat (Staatserzkanzler) für die Diplomatie, der Architrésonier (Erzschatzmeister) für das Finanzwesen, der Konnetable für die Armee und der Großadmiral für die Flotte. Die Grand officiers umfassten vor allem die 18 Divisionsgeneräle, die in Verbindung mit der Kaiserkrönung von Napoleon zu Marschällen von Frankreich ernannt wurden. Mitglieder des Senats wurden durch die neue Verfassung automatisch die volljährigen Prinzen des kaiserlichen Hauses und die Großwürdenträger des Reiches.

Der Senat bildete laut Verfassung zwei Kommissionen. Die eine sollte sich um die Wahrung der Pressefreiheit und die andere um den Schutz der persönlichen Freiheit kümmern. Auch war das Gremium bei Ministeranklagen das höchste Gericht. Theoretisch hatte es sogar eine Art Vetorecht bei Gesetzesvorhaben. In der Verfassungspraxis spielten diese Rechte aber keine Rolle.

Während der Senat eine Art Herrenhaus bildete, blieben auch das Tribunat und die gesetzgebende Körperschaft zunächst bestehen. Dabei bekamen die Mitglieder des corps legislatif sogar in eingeschränktem Maß das Rederecht eingeräumt. Das Tribunat wurde in drei Sektionen für Justiz, Administration und Finanzen aufgeteilt. Beide Kammern tagten hinter verschlossenen Türen. Ihre Bedeutung blieb gering, da die meisten Regelungen durch Senatskonsulte oder Dekrete des Kaisers entschieden wurden.[6]

Zur Zeit der Herrschaft der Hundert Tage versuchte Napoleon seine Diktatur vergessen zu machen. Als Ergänzung zur Verfassung des Kaiserreichs wurde die Acte additionnel aux Constitutions de l'Empire de 1815 erlassen. Ausgearbeitet von Benjamin Constant war dies eine deutlich liberalere Verfassung als bis 1814 und die Charte Constitutionnelle des restaurierten Königreichs von 1814.

Staat und Verwaltung[Bearbeiten]

Das französische Kaiserreich zur Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahr 1812

In den Jahren 1805 bis 1810 ernannte Napoleon verschiedene Großwürdenträger (Grands dignitaires) des Kaiserreichs. Einige Titel (die Erzämter) wurden nach Vorbild des Heiligen Römischen Reichs geschaffen und viele Positionen besetzte Napoleon mit seinen Verwandten. Auch seine ehemaligen Mit-Amtsträger aus der Zeit des Konsulats, Lebrun und Cambacérès, bedachte Napoleon mit Ämtern. Die Großwürdenträger hatten Anspruch auf die Anrede „kaiserliche Hoheit“ (Son Altesse Impériale, S.A.I.):

Daneben blieben die normalen Ministerämter bestehen. Diese waren unvereinbar mit einem der Erzämter, die immerhin mit einer Drittelmillion Franc pro Jahr vergütet wurden. Die Hoffnung von Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord auf ein Erzamt erfüllten sich nicht und er blieb Außenminister. Joseph Fouché wurde Polizeiminister und war einer der engsten Ratgeber des Kaisers.[7]

Auch die Verwaltungsstrukturen, wie sie sich in der Revolutionszeit herausgebildet hatten und zu der Reformen zur Zeit des Konsulats kamen, wurden weitgehend beibehalten. Insgesamt lässt sich dabei eine Tendenz zur Zentralisierung erkennen. Die zur Zeit des Konsulats eingeführten Präfekten als Leiter der Départements wurden von Napoleon selbst ernannt. Im Zuge der territorialen Expansion stieg die Zahl der Departements von 83 im Jahr 1790 auf 130 im Jahr 1812 an.[8] Neben Frankreich selbst, das bis zum Rhein reichte, gehörten dazu 14 Departements der eroberten Provinzen in Italien sowie die 14 Departements der annektierten Niederlande und der deutschen Nordseeküsten bis Lübeck.

Unterhalb der Departements wurden auch die Unterpräfekten der Arrondissements und die Bürgermeister (Mairie) ernannt und nicht mehr gewählt.

Übernommen wurde, außer dem Konsulat, auch die reformierte Steuerverwaltung, die Banque de France und der Franc als eine stabilen Währung. Aus der Endphase des Konsulats stammte die Ehrenlegion.

Demographie[Bearbeiten]

Die Zahl der Einwohner Frankreichs stieg in der Zeit zwischen 1789 und 1815 von ca. 28 Millionen auf 30 Millionen Einwohner. Allerdings sank der Anteil der Franzosen an der gesamteuropäischen Bevölkerung (ohne das Russische Reich) von 25 Prozent am Ende des Ancien Regime auf 20 Prozent im Jahr 1815 ab.[9]

Justizsystem[Bearbeiten]

Erste Seite der Erstausgabe des Code civil von 1804

Die Unabhängigkeit der Justiz wurde eingeschränkt. Die Struktur der Justiz wurde den Verwaltungseinheiten angepasst. Die während der Revolution eingeführte Wahl der Richter wurde abgeschafft. Diese wurden nunmehr von Napoleon ernannt.

Gesetzliche Grundlage war der im März 1804 veröffentlichte Code civil. Dieser schrieb einige Errungenschaften der Revolution fest und galt auch während des Kaiserreichs. Darunter waren die Gleichheit vor dem Gesetz, die Vertragsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche garantiert. Besonders geschützt wurde das Eigentum. Auch schützte das Gesetzbuch die Bauern vor einer Refeudalisierung. Es folgten weitere Gesetzbücher während des Kaiserreichs. Dazu gehörte eine Zivilprozessordnung, ein Strafgesetzbuch (1810) eine Strafprozessordnung und ein Handelsgesetzbuch.[10]

Staat und Kirche[Bearbeiten]

Nachdem die französische Revolution die Macht und den Einfluss der Kirche nicht nur zurückgedrängt, sondern diese bekämpft hatte, versuchte Napoleon durch Wiederzulassung, Gleichstellung der Glaubensrichtungen und Anbindung diese unter Kontrolle zu halten.

Die konstituierende Nationalversammlung schloss Juden zunächst aus der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 aus und diskutierte heftig darüber, ob man sie einbürgern oder vertreiben sollte, räumte 1791 dann aber fast einstimmig doch allen Juden Frankreichs den Status eines Bürgers (citoyen) ein, wenn sie im Gegenzug auf ihren Status als Gemeinde verzichteten. Dies brachte Juden zum ersten Mal in einem europäischen Land bereits die Bürgerrechte. Sie verloren dafür ihre bisherige Teilautonomie und mussten Militärdienst leisten.

1804 war der Code civil in Kraft getreten. Er wurde nicht nur zur „wahren“ Verfassung Frankreichs, sondern auch zum weitestverbreiteten Gesetzbuch Europas und darüber hinaus zudem das erste des Kontinents, das kein eigenes Judenreglement aufwies. Alle Bürger sollten vor dem Gesetz gleich sein. 1806 legte Kaiser Franz II. seine Krone nieder. Die Säkularisation war der Beginn einer langsamen Entwicklung zur religiösen Neutralität in den deutschen Staaten und zur Trennung von Thron und Altar.[11]

„Napoleon stellt den israelitischen Kult wieder her“, 30. Mai 1806

Mit der Einführung von Konsistorien im Jahre 1808 untermauerte Napoléon die administrative Gleichstellung der Juden und setzte sie auch in den eroberten linksrheinischen Gebieten durch, stieß aber rechts des Rheins auf Widerstand. Dennoch folgten von 1800 bis 1812 fast alle deutschen Staaten den nun auch erneut erhobenen Forderungen Christian Konrad Wilhelm von Dohms. Die von Napoleon eingeführten Reformen wurden von einem Großteil der jüdischen Gemeindevorstände zunächst begrüßt, in der Hoffnung, dass das Judentum in Frankreich auf diese Weise einen ähnlichen Status wie die katholische Kirche im Konkordat von 1801 und die Protestanten in den „organischen Artikeln“ von 1802 erhalten würde. Napoleon selbst war bestrebt, ein Mittel zur Kontrolle der jüdischen Gemeinde zur Verfügung zu haben und gleichzeitig die Juden als Bürger in seine französische Gesellschaft zu integrieren. Die Statuten des Konsistoriums wurden durch kaiserlichen Erlass am 17. März 1808 in Kraft gesetzt. Als 'Décret infame' (wörtlich: das schändliche Dekret), mit dem das napoleonische Frankreich in einem Rückschritt gegenüber früheren emanzipierenden Gesetzen diskriminierende Vorschriften für Juden wieder einführt, wurde es bald von jüdischer Seite bezeichnet.

Der Titel „Kaiser der Franzosen“ bedeutete, dass dieser sich letztlich als Kaiser eines Volkes und nicht eines Reiches sah. Napoleon sah sich als Volkssouverän und nicht, wie alle römischen Kaiser zuvor, als von Gott gekrönter Kaiser (Gottesgnadentum). Der Krönung vorausgegangen war im August 1804 die Ernennung Napoleons zum Kaiser durch den Senat und eine Volksabstimmung darüber.

Trotz der grundsätzlichen Trennung von Staat und Kirche kam es 1801 mit dem Konkordat zwischen dem Konsulat und Papst Pius VII. zu einem gewissen Ausgleich. Der Katholizismus wurde zwar nicht mehr als Staatsreligion, jedoch als Religion der Mehrheit des Volkes anerkannt. Napoleon behielt das Recht der Bischofsernennung, während der Papst das Recht der Weihe hatte.[12]

Seine Judenbehandlung wurde von der Russisch-Orthodoxen Kirche dagegen als Bevorzugung und er selbst gar als „Antichrist und Feind Gottes“ klassifiziert.[13]

Hof und Adel[Bearbeiten]

Bereits seit 1800 residierte Napoleon noch als Konsul in den Tuilerien. Schon zu dieser Zeit wurde ein Hofstaat geschaffen. Dieser folgte mit seinen strengen Vorschriften der Etikette den Vorbildern des Ancien Régime. Der Revolutionskalender wurde mit der Krönung Napoleons zum Kaiser abgeschafft. Während des Kaiserreichs wurden Hofämter nach dem Vorbild des Ancien Régime geschaffen. Napoleons Stiefonkel Joseph Fesch wurde Großalmosenier. Daneben gab es an der Spitze einen Obersthofmarschall. Hinzu kamen weitere Hofämter. Talleyrand etwa war Obersthofkämmerer. Er war damit zuständig für die Festlichkeiten am Hof. Die zahlreichen weiteren Hofämter wurden mit Vorliebe an Mitglieder der alten Adelsfamilien vergeben. Als Zeremonienmeister spielte dabei Louis-Philippe de Ségur eine wichtige Rolle.[14] Minister, Staatsräte, Hohe Richter und Erzbischöfe erhielten in einem Gesetz von 1808 den Grafentitel. Weitere hohe Funktionsträger bis hin zu den Bürgermeistern der großen Städte wurden Barone. Die Mitglieder der Ehrenlegion bekamen die Ritterwürde. Zahlreiche hohe Militärs wurden zu Herzögen oder Fürsten ernannt. So wurde Nicolas Jean-de-Dieu Soult Herzog von Dalmatien, André Masséna Herzog von Rivoli, Armand de Caulaincourt Herzog von Vincenza oder Bernadotte Fürst von Pontecorvo. Mit den Titeln waren jeweils große Ländereien insbesondere in Polen, Deutschland und Italien und hohe Geldzahlungen verbunden.[15]

Während des Kaiserreichs kam es dann zu einer teilweisen Rehabilitierung des alten Adels. Am Hofe bekamen einige seiner Angehörigen wichtige Hofämter. Ziel Napoleons war es, die neuen bürgerlichen Eliten mit dem alten Adel zu verschmelzen. Im Jahr 1808 wurden dann die alten Adelstitel wieder eingeführt. Damit verbunden waren Grundbesitz und Geldzahlungen. Aber der neue Adel hatte keine Privilegien mehr wie die Befreiung von Steuern und Abgaben. Auch war der Adelstitel zunächst nicht erblich.Es konnte aber eine Vererbung geschehen, wenn es zur Schaffung eines Majoratsbesitzes kam. Allerdings blieben Teile des alten Adels auf Distanz und im Volk konnte der neue Adel kaum Zustimmung gewinnen.[16]

Herrschaft nach Innen[Bearbeiten]

Die Place Vendôme

Im Laufe der Zeit wurden die Mitbestimmungsrechte weiter eingeschränkt. Das Tribunat wurde 1807 von Napoleon abgeschafft. Die Mitglieder wurden in das corps legislatif überführt, dabei wurde als Voraussetzung das Mindestalter auf vierzig Jahre festgelegt. Nur gesetzte Männer sollten künftig in den politischen Gremien vertreten sein. Staatsrat und Senat waren, noch mehr als schon zuvor, bloße Werkzeuge zur Durchsetzung der Ziele des Kaisers. Die Unabsetzbarkeit der Richter wurde eingeschränkt. Die politische Opposition wurde verfolgt. Es wurden eigens neue Staatsgefängnisse für politische Gefangene gebaut.[17] Im Laufe der Zeit nahm die Verfolgung politischer Gegner zu. Im Jahr 1811 gab es 3500 inhaftierte Staatsverbrecher. Viele wurden ohne Prozess gefangen gehalten.[18]

Die schon bestehende Pressezensur wurde verschärft. Die Zahl der Zeitungen wurde beschränkt und missliebige Blätter wurden verboten. Offizielles Sprachrohr des Kaisers und des Staates war der Moniteur. Dessen politische Artikel wurden vom Außenministerium verfasst. Später wurde ein eigenes Presseamt gegründet. Einfluss nahm der Staat auch auf Kunst und Literatur. Dazu diente etwa das Theaterdekret von 1807. Anne Louise Germaine de Staël hatte schon vor Beginn des Kaiserreichs Frankreich verlassen müssen, ihr 1810 veröffentlichtes Buch De l’Allemagne wurde von der Zensur verboten. François-René de Chateaubriand musste ebenfalls das Land verlassen. Im Theater durften meist nur solche Stücke aufgeführt werden, die zeitlich weit in der Vergangenheit spielten und keinen politischen Bezug zur damaligen Gegenwart zuließen. In Paris wurde die Zahl der Theater 1807 auf nur noch neun begrenzt.[19] Im Jahr 1810 wurde eine spezielle Zensurbehörde gegründet.[20]

In der gelenkten Presse nahm der Personenkult zu. Dazu dienten auch verschiedene Denkmäler Napoleons, z. B. die 1810 geschaffene Colonne Vendôme auf dem Place Vendôme. Der Triumphbogen wurde zur Zeit Napoleons zwar begonnen, aber erst viel später vollendet.

Zentralisiert wurde das Bildungswesen. Eine „Kaiserliche Universität“ genannte Behörde war verantwortlich für alle Schulen von der Elementarschule bis zur Universität. Die öffentlichen Schulen wurden von ihr gegründet und verwaltet, die privaten wurden durch sie überwacht. Ein Ratskollegium erarbeitete die Unterrichtsstoffe. Verbreitet wurde nicht zuletzt ein politischer Katechismus. Darin wurden die Schüler mit religiösen Begründungen auf die Treue gegenüber dem Kaiser eingeschworen. Denjenigen, die sich gegen den Kaiser wandten, wurde die ewige Verdammnis angedroht.[21][22]

Militär[Bearbeiten]

Hauptartikel: Grande Armée

Das zentrale Machtelement des napoleonischen Staates war die Armee, seit 1805 als „Grande Armée“ bezeichnet. Strukturell entsprach sie weitgehend der Armee, wie sie sich während der Revolution herausgebildet hatte. Die Elite der Armee war die aus der Konsulargarde hervorgegangene Garde impériale.

Die Basis der Armee war die Wehrpflicht. Danach waren alle Franzosen zwischen 20 und 25 Jahren zum Militärdienst verpflichtet. Im Jahr 1808 wurden 240.000 Mann, 1812 275.000 und 1813 900.000 Mann zum Militär einberufen. Insgesamt aber lag die Truppenstärke unter derjenigen während der Zeit des Direktoriums. So kam es 1809 nur zur Einberufung von 75.000 Mann. Der Wehrpflicht suchten sich vor allem in den neuen Departements nicht wenige Rekruten zu entziehen.

Neben der eigentlichen französischen Armee verlangte Napoleon auch von den von ihm abhängigen Staaten die Stellung von Truppen. Allein das Königreich Italien stellte bis 1814 218.000 Mann. Das ständige Kontingent des Rheinbundes betrug zunächst 60.000 Mann und wurde später auf 120.000 Mann verdoppelt.[23] Inklusive der Verbündeten befahl Napoleon am Vorabend des Russlandfeldzuges 1,1 Millionen Mann. Von den etwa 500.000 Mann der unmittelbaren Fronttruppen kamen nur etwa die Hälfte aus dem Kaiserreich selbst. Noch geringer war mit 125.000–140.000 Mann die Zahl derjenigen, die aus den alten Departements Frankreich stammten. Der Rest kam aus den neuen Gebieten oder von den Verbündeten.[24]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Während der französischen Revolution war die Wirtschaftsleistung Frankreichs gegenüber dem Ancien Régime massiv zurückgegangen. Sie erreichte 1800 nur 60 Prozent des Standes von 1789. In den folgenden zehn Jahren, die zum Großteil in die Zeit des Kaiserreiches fielen, setzte eine starke wirtschaftliche Belebung ein. Allerdings kam es anders als in England nicht zum Durchbruch einer industriellen Revolution. Starke Investitionen wurden insbesondere in der Baumwollverarbeitung getätigt. Dort kam es auch teilweise schon zu einer Mechanisierung der Produktion. Die ökonomischen Schwerpunkte verlagerten sich in dieser Zeit weg von den Hafenstädten, die besonders stark von den Seeblockaden betroffen waren, hin zu Bereichen um Paris, Straßburg oder Lyon. Im innerfranzösischen Vergleich war die wirtschaftliche Entwicklung im Süden schwächer als im Norden. Insgesamt stagnierte die Entwicklung im Agrarsektor, während der Überseehandel als Folge der Kriege stark beschnitten wurde.[25]

Die seit 1806 von Napoleon verhängte Kontinentalsperre hatte massive Auswirkungen auf die Wirtschaft des Kaiserreichs und der abhängigen Staaten. Einige Wirtschaftszweige, etwa in der Textilproduktion, profitierten vom Ausschluss der englischen Konkurrenz. Aber insbesondere die Handelsstädte spürten einen starken Rückgang des Handels. Auch die teilweise exportorientierte Landwirtschaft litt unter dem Ausfall des englischen Marktes. Viele Importwaren wurden knapp. Darunter waren die aus Übersee bezogenen Kolonialwaren, aber auch die für die Textilindustrie notwendige Baumwolle. Im Jahr 1810 wurde daher zeitweise ein Lizenzsystem eingeführt. Es erlaubte französischen Reedern, Waren auszuführen, wenn im gleichen Wert notwendige Kolonialwaren und andere Importgüter eingeführt würden. Den von Frankreich abhängigen Staaten wurde selbst dieser begrenzte Handelsverkehr allerdings weiter untersagt. Diese Maßnahme reichte im Übrigen nicht aus, um die negativen Auswirkungen der Sperre zu kompensieren. Im Jahr 1810 kam es zu einer schweren Finanzkrise. Sie führte zur Schließung vieler Betriebe. Ein Jahr später kam es zu schweren Ernteausfällen. Daraufhin stieg der Brotpreis stark an. In Paris wurden die Preise künstlich niedrig gehalten. In anderen Städten, wo dies nicht der Fall war, kam es zu Teuerungsunruhen. Aufs Ganze gesehen, blieb die Unterstützung des Systems durch die unteren Schichten der Bevölkerung weitgehend stabil. Allerdings wandten sich das Wirtschaftsbürgertum und Teile des neuen Adels, die beide bislang am stärksten von Napoleons Politik profitiert hatten, ab.[26]

Kolonien[Bearbeiten]

Französische Kolonien (dunkelgrün) und abhängige Gebiete (hellgrün) um 1812

Obwohl Napoleon mit seinem Kontinentalsystem vor allem die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft in Europa anstrebte, sollte das Kaiserreich aber auch eine starke Stellung des Kontinents bei der Versorgung mit überseeischen Produkten erreichen. Dazu bedurfte es auch eines entsprechenden Kolonialbesitzes. Nach dem Frieden von Amiens (1802) war das französische Kolonialreich deutlich größer, als es 1789 war. Das Land erhielt die von den Engländern besetzten Kolonien zurück. Von Spanien erhielt es 1801 Louisiana. François-Dominique Toussaint L’Ouverture besetzte den spanischen Teil der Insel Hispaniola. Allerdings führte der Versuch Napoleons, die Sklaverei wieder einzuführen, zum Aufstand und zum Verlust der gesamten Insel. Auch Napoleons Plan, ein großes Kolonialreich im amerikanischen Raum zu gründen, scheiterte. Louisiana wurde daher 1803 im Louisiana Purchase an die Vereinigten Staaten verkauft. Weitere Besitzungen gingen in den folgenden Jahren verloren. Erfolgreicher war nach der Annäherung an das Osmanische Reich (Franko-Osmanische Allianz) und Persien (Franko-Persische Allianz) der Handel mit dem Orient.[27] Mit der Annexion des Königreichs Holland 1810, das bis dahin von seinem Bruder Louis Bonaparte regiert worden war, erreichte das französische Kolonialreich unter Napoleon einen Höhepunkt. Zahlreiche Kolonien wie Niederländisch-Indien, Teile Ceylons und die Kapkolonie gerieten unter französische Herrschaft, wobei einige Kolonien bereits zuvor von Großbritannien besetzt worden waren. Die Kolonien gehörten laut napoleonischer Auffassung zum französischen Mutterland und ließen das Staatsgebiet auf rund 2.500.000 km² anwachsen.

Veränderungen in den französischen Kolonien zur Zeit Napoleons:

  • Ägypten (1798 bis 1801, siehe Ägyptische Expedition)
  • Basra (1810 annektiert, 1815 an das Osmanische Reich verloren)
  • Teile Benins (um 1805 annektiert)
  • Ceylon (1810 annektiert, 1815 an Großbritannien verloren)
  • France Equatorial (1801 bis 1802/1809, heute Französisch-Guayana)
  • Französische Antillen (heute Überseedépartement)
  • Teile Gabuns (um 1805 annektiert, später vergrößert)
  • Louisiana (1800 von Spanien, 1803 an die Vereinigten Staaten verkauft)
  • Teile der Koromandelküste (1810 annektiert, 1815 an Großbritannien verloren)
  • Malediven (1810 annektiert, 1814 an Großbritannien verloren)
  • Mauritius (1810 Teile von Großbritannien besetzt, 1812 endgültig an Großbritannien verloren)
  • Teile Neukaledoniens, (heute Überseedépartement)
  • Niederländisch-Guayana (1810 annektiert und mit Französisch-Guyana vereinigt, 1815 zwischen Großbritannien und den Niederlanden aufgeteilt)
  • Niederländisch-Indien (1810 annektiert, 1814 an die Niederlande verloren)
  • Kapkolonie (1810 annektiert, Teile wurden bereits 1803 von Großbritannien besetzt und die Kolonie wurde 1814 endgültig an Großbritannien verloren)
  • Saint-Domingue (von 1804 bis 1812 besetzt, Westteil wurde de facto 1804 als Haiti unabhängig, Ostteil ab 1812 spanisch)
  • Saint-Pierre und Miquelon (1814 von Großbritannien Frankreich zugesprochen, Übergabe 1816)
  • Senegal (um 1800 annektiert, bis 1812 stark vergrößert)
  • St. Lucia (1814 an Großbritannien verloren)
  • Seychellen (1811 an Großbritannien verloren)
  • Tobago (1814 an Großbritannien verloren)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Haensch, Hans J. Tümmers: Frankreich: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. München 1998, S. 31.
  2. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2004, S. 65–76.
  3. Napoleons Reformen im Rheinbund. Auf: zdf.de.
  4. Rainer Wohlfeil: Napoleonische Modellstaaten. Zitiert nach Fehrenbach, S. 219.
  5. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2006. ISBN 3-499-50646-7 S. 51–52, S. 61 f.
  6. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl. Wien/Dresden 1922 S. 49–51.
  7. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl. Wien/Dresden 1922 S. 51.
  8. Günther Haensch, Hans J. Tümmers: Frankreich: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. München, 1998 S. 236.
  9. Louis Bergeron: France under Napoleon. Princeton, 1981, S. 110.
  10. Matthias Middell, Thomas Höpel: Einführung in die französische Geschichte 1500–1945. Leipzig, 1998. S. 130.
  11. Walter Homolka: Der wundervolle Vorgeschmack blieb auf der Zunge. In: Rheinischer Merkur. Nr. 50, 9. Dezember 2004.
  12. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2006. ISBN 3-499-50646-7 S. 51–58.
  13. Cronin 1994, S. 315.
  14. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl. Wien/Dresden 1922 S. 58 f.
  15. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl. Wien/Dresden 1922 S. 205 f.
  16. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2006. ISBN 3-499-50646-7, S. 63, S. 90.
  17. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl., Wien/Dresden 1922, S. 210 f.
  18. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 3. 4. Aufl., Wien/Dresden 1922, S. 53.
  19. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl. Wien/Dresden 1922, S. 210.
  20. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 3. 4. Aufl., Wien/Dresden 1922, S. 53.
  21. August Fournier: Napoleon I. Eine Biographie. Bd. 2. 4. Aufl., Wien/Dresden 1922, S. 213–215.
  22. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-50646-7, S. 85–90.
  23. Roger Dufraisse: Napoleon. Revolutionär und Monarch. München 1994, S. 94 ff.
  24. Roger Dufraisse: Napoleon. Revolutionär und Monarch. München, 1994 S. 144.
  25. Heinz Gerhard Haupt: Wirtschaftliche Konsolidierung und Industrialisierung Frankreichs seit der Revolution. In: Winfried Engler (Hrsg.): Die Französische Revolution. Stuttgart 1992, S. 153 ff.
  26. Volker Ullrich: Napoleon. Reinbek bei Hamburg 2006. ISBN 3-499-50646-7, S. 107.
  27. Roger Dufraisse: Napoleon. Revolutionär und Monarch. München 1994, S. 86 f.

Literatur[Bearbeiten]

Hilfsmittel[Bearbeiten]

Bibliographien
  • Leigh Ann Whaley: The impact of Napoleon, 1800–1815: an annotated bibliography. Lanham (Md.) u. a. 1997.
  • Jean Tulard: Nouvelle bibliographie critique des mémoires sur l’époque napoléonienne écrits ou traduits en français. Genève 1991.
Nachschlagewerke
  • Jacques-Olivier Boudon: Les élites religieuses à l’époque de Napoléon. Dictionnaire des évèques et vicaires généraux du Premier Empire. Paris 2002, ISBN 2-8473-6008-5.
  • Jean Tulard (Hrsg.): Dictionnaire Napoléon. 2., durchges. u. erw. Aufl., Paris 2001, ISBN 2-213-60485-1.
  • Georges Six: Dictionnaire biographique des généraux & amiraux français de la Révolution et de l’Empire: 1792–1814. 2 Bde., Nachdr. der Ausg. Paris 1934, Paris 1999, ISBN 2-901541-06-2.
Atlanten
  • François de Dainville, Jean Tulard (Hrsg.): Atlas administratif de l’Empire français: d’après l’atlas rédigé par ordre du duc de Feltre en 1812. Genève u. a. 1973.

Quellen[Bearbeiten]

  • Almanach impérial: annuaire. 10 Bde., Paris 1804–1814.
  • Bulletins des lois, 1793–1816. Paris 1793–1816.
  • Bulletin des arrêts de la Cour de Cassation, Chambre Criminelle, 1799–1815. Reprint der Ausgabe Paris 1804–, Bad Feilnbach 1989, ISSN 0298-7538.
  • J. David Markham (Hrsg.): Imperial glory: the bulletins of Napoleon’s Grande Armée 1805–1814; with additional supporting documents. London u. a. 2003, ISBN 1-85367-542-3.
  • Ernest d’Hauterive (Hrsg.): La police secrète du Premier Empire: bulletins quotidiens adressés par Fouché à l'Empereur (1805–1807). Paris 1908–1922.
  • Jean Grassion (Hrsg.): La police secrète du Premier Empire: bulletins quotidiens adressés par Fouché à l’Empereur (1808–1809). Paris 1963–1965.
  • Nicole Gotteri (Hrsg.): La police secrète du Premier Empire: bulletins quotidiens adressés par Savary à l’Empereur. 7 Bde. (Juni 1810 bis März 1814), Paris 1997–2004.
  • Gazette nationale, ou Le moniteur universel. 2e semestre, 1799–1814, ISSN 0221-2862.

Darstellungen[Bearbeiten]

  • Thierry Lentz: Nouvelle histoire du premier Empire. 2 Bde., Paris 2002–2004, ISBN 2-213-61387-7 und ISBN 2-213-61944-1.
  • Jacques-Olivier Boudon: Le Consulat et de l’Empire. Paris 2001, ISBN 2-262-01254-7.
  • David G. Chandler The Campaigns of Napoleon. New York, Simon & Schuster 1995. ISBN 0-02-523660-1.
  • Louis Bergeron: France Under Napoleon. Princeton 1981, ISBN 0-691-00789-6.
  • Adolphe Thiers: Histoire du Consulat et de l’Empire: faisant suite à l’histoire de la révolution française. 21 Bde., Paris 1845–1874. In deutscher Übersetzung: Geschichte des Consulats und Kaiserreichs. Aus dem Französ. übers. von Fenner von Fennberg, Nachdr. der Ausg. Mannheim 1845, Hamburg 2000–, ISBN 3-931482-22-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erstes Kaiserreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien