Erwerbsersatzordnung

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Die schweizerische Erwerbsersatzordnung (kurz: EO) kompensiert den Verdienstausfall von Militär-, Zivilschutz- oder Zivildienst leistenden Personen. Diese Versicherung wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeführt und hiess damals noch Wehrmannsschutz. Die ausbezahlten Beträge richten sich nach dem Einkommen, es werden jedoch mindestens 62 Franken pro Diensttag bezahlt.

Seit dem 1. Juli 2005 kommt der Erwerbsersatz berufstätiger Frauen beim Mutterschaftsurlaub dazu.

Die Erwerbsersatzordnung bildet zusammen mit der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), der Invalidenversicherung (IV) und ihren Ergänzungsleistungen die erste – staatliche – Säule des schweizerischen Dreisäulensystems und dient der angemessenen Sicherung des Existenzbedarfs.

Finanziert wird die EO durch Lohnbeiträge von derzeit 0,5 %, die von Arbeitnehmern und -gebern je zur Hälfte bezahlt werden, sowie durch Zinserträge auf dem Kapital. Im Jahre 2003 standen Einnahmen von 932 Mio. Franken Ausgaben von 703 Mio. Franken gegenüber, was einen Überschuss von 229 Mio. ergab. Zudem verfügte die EO noch über 2,27 Mia. Franken an Kapital. Die Leistungen kamen 312'278 Männern und 6'098 Frauen (2003) zugute.

Im Jahre 1998 wurden aus der EO 2,2 Mia. Franken und 2003 nochmal 1,5 Mia. Franken der defizitären Invalidenversicherung (IV) zugeleitet.

Mit der Annahme der Initiative Triponez im Jahr 2004 für eine Revision der EO und Integration einer Mutterschaftsentschädigung ab 1. Juli 2005 stieg die Anzahl der Bezugsberechtigten durch im Mutterschutz befindliche arbeitende Mütter. Infolgedessen überstiegen die Ausgaben ab 2006 die Einnahmen. So standen im Jahre 2007 Einnahmen von 908 Mio. Franken nun Ausgaben von 1336 Mio. Franken gegenüber. Die Zahl der Leistungsempfänger stieg auf 334'329.

Bis Ende 2010 konnte dieses Defizit durch die Kapitalreserve ausgeglichen werden. Die Reserve hat sich jedoch von einem Stand von 2'862 Mia. Franken im Jahre 2005 auf 1'483 Mia. Franken im Jahre 2008 reduziert und wird voraussichtlich Ende 2010 nur noch 473 Mio Franken betragen und damit die gesetzliche Mindestreserve unterschreiten.

Daher erfolgte ab Beginn des Jahres 2011 vorerst bis Ende 2015 eine Anhebung der Beiträge auf 0,5 %. Dank der Beitragserhöhung konnte in 2011 ein Überschuss von 0,1 Mrd. Franken erzielt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Katharina Geiger: Grundlagen der Sozialversicherungen in der Schweiz. Compendio Bildungsmedien AG, Zürich 2010, ISBN 978-3-7155-9379-1 (online)

Weblinks[Bearbeiten]