Erwin Mehl

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Erwin Mehl (* 28. März 1890 in Klosterneuburg bei Wien; † 28. Dezember 1984 ebenda) war ein österreichischer Sportwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Erwin Mehl studierte in Wien klassische Sprachen, Turnen und Deutsch für das Lehramt. In der Zwischenkriegszeit wurde er, nach dem Kriegsdienst an der Isonzofront Lehrer für Turngeschichte, Schwimmen und Leichtathletik in der Wiener Turnlehrerausbildung. Nach 1923 bekleidete er das Amt des Direktors der Universitätsturnanstalt und ab 1941 den ersten Lehrstuhl für ältere Skigeschichte.

Mehl hielt ab dem Wintersemester 1927/1928 ein „Gymnasisch-theoretisches Seminar“. Durch die gesteigerte Bedeutung des Fachs Sportgeschichte wurde von Mehl ab 1935 zusätzlich das Seminar „Turngeschichte und Verwaltungslehre“ angeboten. Mehl lehrte bis zu seiner Dienstenthebung 1945 an der Universität Wien Sportgeschichte.[1] Mit seiner Habilitation konnte er dieses neue Fach etablieren und betreute bis zu seinem Ruhestand 1948 insgesamt zehn Dissertationen.

Von 1954 bis 1984 war Erwin Mehl Obmann und Schriftleiter des 1949 gegründeten Vereins Verein Muttersprache (Zweig Wien), des Nachfolgevereins des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, der Mitte der 1940er Jahre durch einen Führererlass aufgelöst wurde. Seine Tätigkeit beim Verein Muttersprache umfasst unter anderem die Aufarbeitung des Werkes von Joseph von Hammer-Purgstall und Josef Weinheber. Er stand in wissenschaftlicher Korrespondenz mit Fridtjof Nansen.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Laut dem Verband der Lehrer/innen Österreichs für Bewegung und Sport gilt Erwin Mehl als völkischer Ideologe, der die nationalsozialistische Radikalisierung des Deutschen Turnerbundes mit einleitete.[2] Nach aktuellem Wissensstand war er in der Zeit des Nationalsozialismus - neben seinen Vorgesetzten Karl Schindl und Erich Klinge – im Bereich der universitären Sportwissenschaft eine zentrale Person und hielt ab dem Wintersemester 1943/44 auch eine zweistündige Lehrveranstaltung mit der Bezeichnung „Rasse und Leibeserziehung“. Die Verstrickung Mehls in den Nationalsozialismus, seine Habilitation, seine Tätigkeit als stellvertretender Institutsvorstand am Institut für Sportwissenschaft sowie die Umstände seiner Wiederbestellung ab 1959 sind laut dem Institut für Sportwissenschaft der Universität Wien noch nicht zufriedenstellend aufgearbeitet.[3]

Der Verein Muttersprache verlegte 1978 Mehls Würdigung des national gesinnten „Turnvaters“ Jahn.[4] Im selben Jahr war Mehl auch Unterzeichner des Aufrufs der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung für eine Generalamnestie der NS-Verbrechen.[1][5]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Autor:
    • 1922: Schwimmen, Tauchen und Wasserspringen: ein Leitfaden für den Betrieb in Schule und Verein mit bes. Berücks. der Turnvereine
    • 1927: Antike Schwimmkunst
    • 1964: Grundriss der Weltgeschichte des Schifahrens
      • Band 0: der Weg eines steinzeitlichen Jagdgerätes zum modernen Sportgerät
      • Band 1: Von der Steinzeit bis zum Beginn der schi-geschichtlichen Neuzeit
    • 1965: Mathias Zdarsky (1856 - 1940) in Lilienfeld-Marktl: Lilienfeld als Wiege der alpinen Schifahrtechnik und des Torlaufes; hier erfand Zdarsky sein lebensrettendes Zelt
    • 1978: Jahn als Spracherzieher: zum 200. Geburtstag
  • Herausgeber:
    • mit Knud Anton Knudsen und Karl Gaulhofer: 1924: Lehrbuch des dänischen Turnens
    • mit Hermann Leitner: 1930: Grundriss des deutschen Turnens
    • mit Kurt Wiessner und Johannes Müllner: 1939: Natürlicher Schwimmunterricht
    • mit Joseph von Hammer-Purgstall: 1959: Hammer-Purgstall in Klosterneuburg-Weidling
    • mit Rudolf Jahn: 1960: Zur Weltgeschichte der Leibesübungen: Festgabe für Erwin Mehl zum 75, Geburtstag.
    • mit Josef Nadler und Hedwig Weinheber: 1968: Josef Weinheber und die Sprache

Literatur[Bearbeiten]

  • Kienbacher Dieter: Die Leibeserziehung im Nationalsozialismus unter besonderer Berücksichtigung der Person Erwin Mehls. Dipl. Arb. Wien 1990.
  • Leo Gabriel: Erwin Mehls Tätigkeit in der Wiener Turnlehrerausbildung, in: Rudolf Jahn, (Hg.): Zur Weltgeschichte der Leibesübungen, Wien 1960, 143 - 146.
  • Rudolf Müller: Die Mobilisierung der Körper. Der Schul- und Hochschulsport im nationalsozialistischen Österreich, Wien 1993.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus, 2. Auflage, Wien 1996, S. 338
  2. VDLÖ-Aktuell (Verband der Lehrer/innen Österreichs für Bewegung und Sport), Heft 6/97, 4ff. Wien 1997
  3. Zur Geschichte der institutionalisierten Sportgeschichte in Österreich, Institut für Sportwissenschaft, Universität Wien
  4. Erwin Mehl: Jahn als Spracherzieher. Zum 200. Geburtstag des Turnvaters (* 11. Oktober 1778 zu Lanz). Klosterneuburg-Weidling: Verein Muttersprache, 1978, 56 S. (Wissenschaftliche Schriftenreihe Muttersprache; Heft 9) (Wiener Sprachblätter; 7)
  5. Der Aufruf findet sich in der Ausgabe der Deutschen National-Zeitung Nr. 45, erschienen am 3. November 1978, wieder.

Weblinks[Bearbeiten]