Erwin Riess

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Erwin Riess (* 13. März 1957 in Wien) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler und Publizist; seit 1983 Rollstuhlfahrer, ist er Behindertenaktivist und seit 1994 freier Schriftsteller. Er verfasst Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher und Prosa.

Leben[Bearbeiten]

Nach der Schulzeit in Krems, Niederösterreich, studierte Riess an der Universität Wien Politik- und Theaterwissenschaft, wurde 1984 am Institut für Staatswissenschaft mit der Dissertation Ökonomische und staatliche Strukturen des österreichischen Kapitalismus im Aufriß zum Dr. phil. promoviert und arbeitete zunächst als Verlagslektor.

Nach einem Rückenmarkstumor selbst Rollstuhlbenutzer, engagiert er sich für die Anliegen behinderter Menschen in der Gesellschaft. Von 1984 bis 1994 war er wissenschaftlicher Referent für behindertengerechtes Bauen im österreichischen Wirtschaftsministerium. Er engagiert sich bei EUCREA, dem europäischen Netzwerk für Kreativität von und für Personen mit Behinderung.[1] 1998, 2000 und 2002 hatte er an der Universität Klagenfurt Gastprofessuren für Integrationspädagogik inne.

Seit 1994 lebt er als freier Schriftsteller. Bekannt wurde er als Theaterautor und Verfasser von absurden Kriminalromanen. 1998 war er Writer in Residence an der New York University. Er schreibt u.a. regelmäßig für die linken Zeitschriften Volksstimme und konkret[2] über die politischen Verhältnisse in Österreich, wobei er insbesondere gesellschaftliche Kontinuitäten zum Nationalsozialismus kritisiert.

Erwin Riess lebt seit 2007 in Wien und Kärnten.

Stipendien und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

Sein Stil zeichnet sich durch hintersinnigen Witz und eine omnipräsente, bis zum Sarkasmus gesteigerte Abrechnung mit der Ignoranz der Gesellschaft aus, der das Wort Barrierefreiheit unbekannt geblieben scheint. Seine Figur des Floridsdorfer Rollstuhlfahrers und Schiffsfanatikers Groll (in Erzählungen und mittlerweile fünf Romanen) kämpft in absurden Situationen gegen diese bei Architekten und Politikern gleichermaßen verbreitete Blindheit an. Es ist jedoch nicht der Behinderung der Hauptperson geschuldet, dass die seltsamen Aufträge, die Groll vom in New York domizilierten Italiener Giordano erhält, jeweils desaströs enden: Vielmehr lässt sich an den Geschichten beobachten, wie ein einzelner mit Humor und vor allem unerschöpflicher Ausdauer gegen das unfaire Wüten des Schicksals angeht und sich im Hindernislauf des Alltags behauptet.

Werke[Bearbeiten]

  • Kuruzzen. Ein Stück, 1993
  • Herr Groll erfährt die Welt. Im Rollstuhl durch gelähmte Zeiten. Erzählungen, 1996
  • Giordanos Auftrag. Roman, 1999
  • Herr Grillparzer faßt sich ein Herz und fährt mit einem Donaudampfer ans Schwarze Meer. 2000
  • Heimatkunde Österreich. Essays, 2003
  • Stücke 1994-2004. Theaterstücke, 2004
  • Der letzte Wunsch des Don Pasquale. Roman, 2006
  • Herr Groll auf Reisen. Erzählungen, 2008
  • Herr Groll und der rote Strom. Roman, Otto Müller Verlag, Salzburg 2010, ISBN 978-3-7013-1170-5.
  • Herr Groll im Schatten der Karawanken. Ermittlungen in Kärnten. Roman, Otto Müller Verlag, Salzburg und Wien 2012, ISBN 978-3-7013-1192-7
  • Herr Groll und das Ende der Wachau, Roman, Otto Müller Verlag, Salzburg und Wien 2014, ISBN 978-3-7013-1221-4

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Klimt (Hrsg.): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2008/2009, Band 2, K. G. Saur Verlag, München 2008, ISBN 978-3-598-23592-4, S. 1073.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EUCREA - European Network on Creativity by and for Disabled Persons
  2. Florian Gasser: Mit Groll gesagt (Interview). In: Die Zeit, 9. August 2012.