Erwin Weinmann

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Erwin Weinmann (* 6. Juli 1909 in Frommenhausen Kreis Tübingen; † 1945 verschwunden und 1949 für tot erklärt) war ein deutscher Arzt, SS-Oberführer und Oberst der Polizei; im Reichssicherheitshauptamt Chef der Gruppe IV D (Besetzte Gebiete) innerhalb der Gestapo (Amt IV); von Januar 1942 bis Juli 1943 als Anführer des Sonderkommandos 4a (Sk4a) für den Massenmord an Juden in der Ukraine verantwortlich.

Leben[Bearbeiten]

Weinmanns Vater war Lehrer und fiel im Ersten Weltkrieg in Flandern, so dass Erwin und sein Bruder Ernst (1939 bis 1945 Oberbürgermeister von Tübingen) ohne Vater aufwuchsen.

Schon als Schüler in Rottweil begann er sich nationalsozialistisch zu betätigen. Im Sommersemester 1927 nahm er ein Medizinstudium an der Universität Tübingen auf, an der zu diesem Zeitpunkt der Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund (NSDStB) bereits tonangebend war. Die wenigen nicht völkisch-fremdenfeindlichen Professoren Tübingens wurden, in teilweise militanten Kampagnen, persönlich angegriffen.[1] Er wurde 1931 Mitglied der NSDAP, des NSDStB und der SA.[2]

Im Juli 1932 erhielt der NSDStB die Hälfte der 24 Sitze im Tübinger Allgemeinen Studentenausschuss (AStA). Weinmann war einer der führenden nationalsozialistischen Studentenaktivisten Tübingens und mehrere Jahre im AStA tätig. Im Dezember 1931 war Weinmann der NSDAP beigetreten, im Juni 1932 trat er der SS bei. Im Sommersemester 1932 war er Fraktionsführer des NSDStB im AStA.

Weinmann arbeitete nach dem Ende seines Studiums, das er mit einer Dissertation über Ein Fall von Lipodystrophia progressiva abschloss, bis zum Herbst 1936 als Arzt am Universitätskrankenhaus in Tübingen.

Von Gustav Adolf Scheel angeworben, fand er zusammen mit einer Reihe weiterer Tübinger NS-Studentenaktivisten (Eugen Steimle, Martin Sandberger, Erich Ehrlinger, Ernst Weinmann, Alfred Rapp und die einige Jahre älteren Walter Stahlecker, Rudolf Bilfinger) über den SD-Oberabschnitt Südwest in Stuttgart den Weg in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA).

Weinmann gehörte dem SD seit 1936 an, wurde 1937 Stabsführer des SD in Berlin und war ab März 1941 Leiter der Amtsgruppe IV D (Besetzte Gebiete) im RSHA.[2]

Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 löste Weinmann im Januar 1942 Paul Blobel als Chef des Sonderkommandos 4a bei seinen Mordgeschäften in der Ukraine ab. Im Sommer 1942 wurde er Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) in Prag. Dort soll er angeblich im Mai 1945 in den Kämpfen um Prag gefallen sein.

Nach 1945[Bearbeiten]

Am 9. Juni 1949 wurde Weinmann vom Amtsgericht Reutlingen für tot erklärt.

Nicht verstummen wollten aber die Vermutungen, dass Weinmann nach Kriegsende über die „Rattenlinien“ in den Nahen Osten entkommen konnte. Zuletzt fragte das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz im Jahre 1968 bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg an, ob der in Alexandria (Ägypten) lebende SS-Standartenführer Weinmann mit dem früheren BdS Prag identisch sei.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uwe Dietrich Adam, Wilfried Setzler: Hochschule und Nationalsozialismus. Die Universität Tübingen im Dritten Reich. Franz Steiner Verlag, 1977, ISBN 3169396021, S. 43-44.
  2. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 663.