Erwitte

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Erwitte
Erwitte
Deutschlandkarte, Position der Stadt Erwitte hervorgehoben
51.6166666666678.3497222222222105Koordinaten: 51° 37′ N, 8° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Soest
Höhe: 105 m ü. NHN
Fläche: 89,41 km²
Einwohner: 15.679 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 175 Einwohner je km²
Postleitzahl: 59597
Vorwahlen: 02943, 02945
Kfz-Kennzeichen: SO, LP
Gemeindeschlüssel: 05 9 74 016
Stadtgliederung: 15 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 13
59597 Erwitte
Webpräsenz: www.erwitte.de
Bürgermeister: Peter Wessel (CDU)
Lage der Stadt Erwitte im Kreis Soest
Hamm Hochsauerlandkreis Kreis Gütersloh Kreis Paderborn Kreis Unna Kreis Warendorf Märkischer Kreis Anröchte Bad Sassendorf Ense Erwitte Geseke Lippetal Lippstadt Möhnesee (Gemeinde) Rüthen Soest Warstein Welver Werl Wickede (Ruhr)Karte
Über dieses Bild

Erwitte ( Erwitte?/i) ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Soest.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Erwitte liegt etwa 8 km südlich von Lippstadt, 15 km östlich von Soest, ca 60 km von Dortmund und 30 km westlich von Paderborn entfernt. Der höchste Punkt befindet sich im südöstlichen Stadtgebiet auf 183,8 m ü. NN und der niedrigste nordwestlich des Ortsteils Böckum auf 75,5 m ü. NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Erwitte grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden) an Lippstadt, Geseke, Rüthen, Anröchte und Bad Sassendorf.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Erwitte gliedert sich in 15 Stadtteile (Angaben in Klammern jeweils Einwohner; Stand: 1. April 2011):[2]

Anröchte Bad Sassendorf Bad Westernkotten Berenbrock Böckum Ebbinghausen Eikeloh Erwitte Geseke Horn-Millinghausen Kreis Soest Lippstadt Merklinghausen-Wiggeringhausen Norddorf Rüthen Schallern Schmerlecke Seringhausen Stirpe Völlinghausen Weckinghausen
Ortsteile der Stadt Erwitte (anklickbare Karte)


Geschichte[Bearbeiten]

St. Laurentius Erwitte und die Stadtkirche St. Petri Geseke waren die einzigen Urpfarreien zwischen Soest und Paderborn. Durch die Überlieferung aus Corvey ist die Existenz des Ortes im 9. Jahrhundert belegt. Der Ort lag an einer Kreuzung des Hellweges mit dem Lipperweg. In dem dortigen Königshof waren mehrere Könige und Kaiser zu Gast. Insbesondere Heinrich I. weilte dort 935 und hat dort verschiedene Urkunden ausgefertigt. König Heinrich II. hat Bischof Meinwerk von Paderborn einige Güter der Umgebung geschenkt. Konrad II. schenkte dem Bistum Paderborn 1027 die Curia regis in Erwitte.[3] Zum Königshof gehörte eine Kapelle. Diese war das älteste kirchliche Bauwerk der Umgebung. Die Pfarrrechte hatte indes die den Kölner Erzbischöfen unterstehende Laurentiuskirche. Diese wurde unter Erzbischof Sigewin von Are dem Patroklistift in Soest unterstellt.

Der Ort und die Umgebung waren im Mittelalter Sitz verschiedener bedeutender Adelsgeschlechter. Darunter waren auch die Herren von Erwitte. Zwar bestand schon 1027 ein Markt. Aber Erwitte hat sich im Mittelalter nicht zu einer Stadt im Rechtssinn entwickelt.

Die Kölner Erzbischöfe sind 1256 als Inhaber des örtlichen Gogerichts erstmals bezeugt. Erwitte war daher vielfach zwischen Köln und Paderborn umstritten. Im 17. Jahrhundert gelang es dem Adelsgeschlecht Landsberg zu Erwitte sowohl das kurkölnische Drostenamt Erwitte wie auch die Erbamtsmannschaft des Königshofsbezirk Erwitte-Westerkotten in einer Hand zu vereinen. Sie erbauten das Schloss Erwitte. Die Familie Droste zu Erwitte baute Haus Erwitte.

In der Zeit der Hexenverfolgungen um 1630 leitete Hexenkommissar Heinrich Schultheiß die Hexenprozesse in Erwitte.

Erst nachdem in den 1920er Jahren mit der Zementindustrie ein wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte, wurde Erwitte 1936 zur Stadt erhoben.[4]

Während der Zeit des Nationalsozialismus war in der Erwitter Burg eine Reichsschulungsburg der DAF und der NSDAP untergebracht.[5] Von 1959 bis 1970 war Erwitte Standort des Flugabwehrraketen-Bataillons 21 (Fla Rak Btl 21) sowie der 2. Batterie des Bataillons. Untergebracht waren die Einheiten in der Burg Erwitte, dem Schloss des Ortes. 1970 erfolgte der Umzug nach Echtrop am Möhnesee.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1975 werden nach § 46 des Münster/Hamm-Gesetzes die bisherige Stadt Erwitte und die Gemeinden Bad Westernkotten, Berenbrock, Böckum, Ebbinghausen, Eikeloh, Horn-Millinghausen, Merklinghausen-Wiggeringhausen, Norddorf, Schallern, Schmerlecke, Seringhausen, Stirpe, Völlinghausen und Weckinghausen zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhält den Namen Erwitte und führt die Bezeichnung „Stadt“. Das Amt Erwitte wird aufgelöst. Rechtsnachfolgerin ist die neugebildete Stadt Erwitte.[6][7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[8]
Wahlbeteiligung: 59,7 % (2004: 66,3 %)
 %
40
30
20
10
0
34,6 %
28,8 %
26,4 %
10,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-8,0 %p
+0,4 %p
+3,1 %p
+4,5 %p

Die 34 Sitze im Gemeinderat verteilen sich seit der Kommunalwahl am 30. August 2009 folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 12 Sitze (–2)
  • SPD: 10 Sitze (±0)
  • FDP: 9 Sitze (+1)
  • BG: 3 Sitze (+1)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Zur Zeit bekleidet das Amt des Bürgermeisters Peter Wessel von der CDU/FDP.

Wappen, Flagge und Siegel[Bearbeiten]

Der Stadt Erwitte ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden (§ 3 Absatz 1 der Hauptsatzung[9]), das nahezu identisch ist mit dem Wappen des ehemaligen Amtes Erwitte.

Wappenbeschreibung

„Von Gold und Rot gespalten. Vorn ein aufgerichteter roter, goldgekrönter Löwe, hinten ein schräglinkes goldenes hausmarkenähnliches Zeichen in Form einer mit einem Querbalken versehenen Wolfsangel.“[10]

Bedeutung

Die Farben sind die des Klosters Corvey (erste urkundliche Erwähnung Erwittes), der Löwe entstammt dem Wappen der Ritter von Erwitte, das hausmarkenähnliche Zeichen wird als Sälzerhaken gedeutet, und ist am Kirchturm der Johannes-Kirche in Bad Westernkotten angebracht

Flagge und Banner

Der Stadt Erwitte ist ferner mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 das Recht zur Führung einer Flagge und eines Banners verliehen worden. (§ 3 Absatz 2 der Hauptsatzung[9])

„Beschreibung der Flagge:
Von Gelb zu Rot im Verhältnis 1:1 längsgestreift, in der Mitte der Wappenschild der Stadt.

Beschreibung des Banners:
Von Gelb zu Rot im Verhältnis 1:1 längsgestreift, in der Mitte der oberen Hälfte der Wappenschild der Stadt.“

Siegel

Durch Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 ist der Stadt Erwitte außerdem das Recht zur Führung eines Dienstsiegels verliehen worden. (§ 3 Absatz 3 der Hauptsatzung[9])

„Siegelbeschreibung:
Das Siegel zeigt den Wappenschild der Stadt und führt im Siegelrund in Großbuchstaben oben die Umschrift STADT, unten ERWITTE.“

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Aken in Sachsen-Anhalt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Erwitte selbst und in den dazugehörenden Gemeinden gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen unter anderem:

  • das historische Rathaus
  • der Königshof aus der Zeit Karls des Großen
  • der alte Hellweg – längste Salzhandelsstraße des Mittelalters
  • das Schlossgelände mit Festhalle
  • die Laurentius-Kirche im romanischen Stil aus dem 9.Jh. mit hohem Turm
  • das Schloss Erwitte der Grafen von Landsberg
  • das sogenannte Böllhoffhaus mit der Heimatstube
  • der Heimathof
  • die Gradierwerke und die Schäferkämper Wassermühle in Westernkotten
  • die historische Windmühle in Schmerlecke (1831)
  • die Galerie KONTRASTE des Künstlerehepaars Evelyn und José Ocón (ebenfalls in Horn).
  • 2010 wurden in Erwitte-Schmerlecke zwei neue entdeckte 20 bzw. 25 m lange Galeriegräber ausgegraben.

Musik[Bearbeiten]

  • Blasorchester Bad Westernkotten
  • DJK Fanfarenzug Erwitte
  • Erwitter Kinder- & Jugendchorwettbewerb
  • GFF (Gesellschaft der Freunde und Förderer klassischer Konzerte in Erwitte)
  • Hellwegmusikanten Erwitte e. V.
  • Jagdhornbläsercorps Erwitte
  • Kirchenchor Cäcilia
  • Männergesangverein 1885 Erwitte e. V.
  • Musikschule Erwitte
  • Tambourcorps Erwitte 1906 e.V.
  • Vocalensemble Erwitte

Parks[Bearbeiten]

Zementwerke bei Erwitte
  • der Stadtpark[11] mit Schlossbad
  • der Kurpark im Ortsteil Bad Westernkotten[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Erwitte liegt an der Bundesautobahn 44. Im Ort kreuzen sich die Bundesstraße 1 und die Bundesstraße 55. Die durch Erwitte führende Bahnstrecke Münster–Warstein wird nur noch im Güterverkehr bedient.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Erich-Kästner-Grundschule Erwitte
  • Astrid-Lindgren-Grundschule Bad Westernkotten
  • Kath. Grundschule Stirpe
  • Cyriakus-Grundschule Horn-Millinghausen
  • Laurentiusschule Hauptschule Erwitte
  • Städtisches Gymnasium Erwitte
  • Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache „Lindenschule“ (Träger Kreis Soest)
  • Musikschule Erwitte

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Heinrich Gersmeier (Spitzname: Schäfer Heinrich) (* 1966), Landwirt und Schlagersänger aus Völlinghausen

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. Stadt Erwitte: Einwohnerstatistik der Stadt Erwitte (Stand: 1. April 2011, abgerufen am 21. Juni 2011; PDF; 9 kB)
  3. [1867] Franz Friedrich Roger Wilmans (1812–1881), Friedrich Philippi (1853–1930) (Hrsg.): Die kaiserurkunden der provinz Westfalen 777-1313 (Deutsch, Latein). F. Regensberg, Münster 1881, S. 207 (Zugriff am 17. Februar 2010).
  4. vergl. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd.3: Nordrhein-Westfalen. Stuttgart, 1970 S.210f.
  5. Kritische Töne zum Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe in Erwitte
  6. Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm (Münster/Hamm-Gesetz). Vom 9. Juli 1974
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 334.
  8. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2009/Gem_raete/c974016kw0900.html
  9. a b c Hauptsatzung der Stadt Erwitte (PDF; 112 kB)
  10. Stadt Erwitte – Stadtwappen; vergleiche dazu die Blasonierung laut § 3 Absatz 1 der Hauptsatzung der Stadt Erwitte (PDF; 112 kB):
    „Von Gelb und Rot gespalten; vorn ein roter, gelbbekrönter Löwe, hinten ein schräglinker, gekreuzter gelber Doppelhaken.“
  11. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Schloss- und Stadtpark Erwitte in LWL-GeodatenKultur
  12. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Kurpark Erwitte in LWL-GeodatenKultur

Literatur[Bearbeiten]

  • Westfälischer Städteatlas; Band: VI; 2 Teilband. Im Auftrage der Historischen Kommission für Westfalen und mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, hrsg. von Heinz Stoob † und Wilfried Ehbrecht. Stadtmappe Erwitte, Autor: Wilfried Ehbrecht. ISBN 3-89115-940-4; Dortmund/Altenbeken, 1999.
  • Amtsbürgermeister Maurer (Hrsg.): 1100 Jahre Erwitte, Westfälische Vereinsdruckerei, Münster 1936
  • Clemens Böckmann: Die jüdische Gemeinde in Erwitte – Die Aufarbeitung von fast 300 Jahren jüdischer Geschichte in einer kleinen Stadt, Kreis Soest, Erwitte 1986

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erwitte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien