Erythema ab igne

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Durch eine Wärmflasche erzeugtes Erythema ab igne auf dem Bauch eines Patienten
Erythema ab igne an den Unterschenkeln einer 55-jährigen Frau, verursacht durch einen Heizlüfter[1]

Das Erythema ab igne (altgr.-lat. für ‚Rötung vom Feuer‘), auch als Buschke-Hitzemelanose oder kalorische Hyperpigmentierung bezeichnet, ist eine netzartig gefärbte Hautrötung (Erythema), die durch eine längere Hitzeeinwirkung auf die Haut verursacht wird. Aus einem chronischen Erythema ab igne kann sich nach vielen Jahren ein bösartiger Tumor entwickeln.

Beschreibung[Bearbeiten]

Beim Erythema ab igne handelt es sich nicht um eine Verbrennung der Haut. Dafür sind die einwirkenden Temperaturen im Bereich von 43 bis 47 °C nicht hoch genug.[1] Sie liegen unterhalb der Schwelle von Verbrennungen.[2] Die Wärme wird als „angenehm“ bis „gerade noch erträglich“ empfunden. In akuten Fällen hält die Rötung über Stunden an und verschwindet dann meist wieder vollständig. Das Erythema ab igne ist meist völlig schmerzfrei. Einige Patienten sprechen von einem milden Juckreiz oder einem brennenden Gefühl. Bei chronischer Wärmeeinwirkung verfärbt sich das Erythema ab igne bräunlich. Es wird dann irreversibel. Es bilden sich Teleangiektasien, Veränderungen der Hautpigmentierung, oberflächliche Hautschuppungen und Atrophien.[1] Nach mehreren Jahren kann die chronisch gereizte Haut der Ausgangspunkt für eine Krebserkrankung der Haut, ein Plattenepithelkarzinom (Spinalom) oder Merkelzellkarzinom,[3] sein.[4][1]

Ursachen[Bearbeiten]

Ein Laptop auf dem Schoß kann ein Erythema ab igne auslösen. Aufgrund der meist linksseitigen Anordnung der Hitzequellen eines Laptops ist typischerweise das linke Bein betroffen.[5]

Früher wurde ein Erythema ab igne vor allem bei Schmieden, Glasbläsern und Heizern von Dampflokomotiven beobachtet. Bei Bäckern und Köchen ist es an den Armunterseiten eine häufig zu beobachtende Berufskrankheit.[3] Dieses Bild hat sich in der Neuzeit weitgehend gewandelt. Ursachen sind nun vor allem Wärmflaschen,[6] Heizkissen beziehungsweise Heizdecken,[7][8][9] Notebooks auf dem Schoß[3][2][10][5] und falsch temperierte beziehungsweise geregelte Sitzheizungen in Kraftfahrzeugen.[11][12] In der englischsprachigen Allgemeinliteratur wird das Erythema ab igne oft als toasted skin syndrome bezeichnet.

Die Pathophysiologie des Erythema ab igne ist weitgehend unklar. Man geht davon aus, dass die Infrarotstrahlung Veränderungen in den elastischen Fasern der Haut hervorruft, die ähnlich zu denen strahlengeschädigter Haut sind.[13][1]

Diagnose[Bearbeiten]

Das Erythema ab igne kann anhand des charakteristischen Aussehens und passender Anamnese diagnostiziert werden.[1] Chemische und toxische Hyperpigmentierungen wie auch allergische Kontaktekzeme sind bei der Differentialdiagnose auszuschließen.

Behandlung[Bearbeiten]

Durch Vermeidung der Wärmequelle können sich die Pigmentierungsstörungen der Haut langsam wieder zurückbilden. In vielen Fällen ist diese Rückbildung aber nicht vollständig. Es gibt Berichte über eine erfolgreiche topische Behandlung mit 5-Fluoruracil, in der die epithelialen Veränderungen der Haut beseitigt werden konnten.[14][1]

Medizingeschichte[Bearbeiten]

Abraham Buschke (1907)

Das Erythema ab igne ist seit Menschengedenken bekannt. Erste Berichte aus der Neuzeit stammen aus Großbritannien. Die Ursache waren hier Torf-Öfen. Der deutsche Dermatologe Abraham Buschke nannte das Erythema ab igne 1911 in einer Arbeit über den Einfluss des Lichtes auf syphilitische Leukoderme Hitze-Melanose. Ihm zu Ehren wird das Erythema ab igne heute auch Buschke-Hitzemelanose genannt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h K. Miller, R. Hunt u. a.: Erythema ab igne. In: Dermatology online journal. Band 17, Nummer 10, 2011, S. 28, ISSN 1087-2108. PMID 22031654. (Review).
  2. a b C. Bachmeyer, P. Bensaid, E. Bégon: Laptop computer as a modern cause of erythema ab igne. In: Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. Band 23, Nummer 6, Juni 2009, S. 736–737, ISSN 1468-3083. doi:10.1111/j.1468-3083.2009.03205.x. PMID 19368611.
  3. a b c A. Speth: Laptop auf dem Schoß - mit Nebenwirkungen. In: Ärzte Zeitung vom 11. Februar 2010
  4. MW: Gefährlicher Bettgenosse - Krebs durch Wärmflasche. (PDF; 48 kB) In: Gynecol Tribune. Band 1, Nummer 10, 2000, S. 8.
  5. a b A. W. Arnold, P. H. Itin: Laptop computer-induced erythema ab igne in a child and review of the literature. In: Pediatrics. Band 126, Nummer 5, November 2010, S. e1227–e1230, ISSN 1098-4275. doi:10.1542/peds.2010-1390. PMID 20921068. (Review).
  6. C. M. Rudolph, H. P. Soyer u. a.: Plattenepithelkarzinome bei Erythema ab igne. In: Der Hautarzt. Band 51, 2000, S. 260-263.
  7. Heiko Traupe, Henning Hamm: Pädiatrische Dermatologie. 2. Auflage, Springer, 2005, ISBN 3-540-25646-6, S. 610. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  8. R. P. Dellavalle, P. Gillum: Erythema ab igne following heating/cooling blanket use in the intensive care unit. In: Cutis. Band 66, Nummer 2, August 2000, S. 136–138, ISSN 0011-4162. PMID 10955195.
  9. H. S. Füeßl: Erythema ab igne. In: MMW. Band 22, 2010, S. 31-33.
  10. R. R. Riahi, P. R. Cohen: Laptop-induced erythema ab igne: Report and review of literature. In: Dermatology online journal. Band 18, Nummer 6, Juni 2012, S. 5, ISSN 1087-2108. PMID 22747929. (Review).
  11. B. B. Adams: Heated car seat-induced erythema ab igne. In: Archives of dermatology. Band 148, Nummer 2, Februar 2012, S. 265–266, ISSN 1538-3652. doi:10.1001/archdermatol.2011.2207. PMID 22351838.
  12. D. Brodell, E. N. Mostow: Automobile seat heater-induced erythema ab igne. In: Archives of dermatology. Band 148, Nummer 2, Februar 2012, S. 264–265, ISSN 1538-3652. doi:10.1001/archdermatol.2011.1158. PMID 22351837.
  13. L. H. Kligman: Intensification of ultraviolet-induced dermal damage by infrared radiation. In: Archives of dermatological research. Band 272, Nummer 3–4, 1982, S. 229–238, ISSN 0340-3696. PMID 7165330.
  14. W. J. Sahl, J. W. Taira: Erythema ab igne: treatment with 5-fluorouracil cream. In: Journal of the American Academy of Dermatology. Band 27, Nummer 1, Juli 1992, S. 109–110, ISSN 0190-9622. PMID 1619057.
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