Erzdiözese Salzburg

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Dieser Artikel behandelt die heutige römisch-katholische Diözese, für den historischen Kirchenstaat bis 1803 siehe Fürsterzbistum Salzburg – vgl. Salzburg (Begriffsklärung).
Erzdiözese Salzburg
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Basisdaten
Staat Österreich
Diözesanbischof Franz Lackner OFM
Weihbischof Andreas Laun OSFS
Emeritierter Diözesanbischof Georg Eder
Alois Kothgasser SDB
Generalvikar Hansjörg Hofer
Bischofsvikar Matthäus Appesbacher
Andreas Laun OSFS
Johann Reißmeier
Fläche 9.715 km²
Dekanate 17 (2011 / AP 2013)
Pfarreien 210 (2011 / AP 2013)
Einwohner 713.085 (2011 / AP 2013)
Katholiken 487.691 (2011 / AP 2013)
Anteil 68,4 %
Diözesanpriester 208 (2011 / AP 2013)
Ordenspriester 89 (2011 / AP 2013)
Ständige Diakone 40 (2011 / AP 2013)
Katholiken je Priester 1.642
Ordensbrüder 151 (2011 / AP 2013)
Ordensschwestern 341 (2011 / AP 2013)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Deutsch
Kathedrale Salzburger Dom
Website www.kirchen.net/portal
Suffraganbistümer Feldkirch
Graz-Seckau
Gurk
Innsbruck
Kirchenprovinz
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Die Erzdiözese Salzburg (lat.: Archidioecesis Salisburgensis) ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche in Österreich. Sie umfasst die Stadt und das Land Salzburg sowie den Nordosten Tirols und ist heute nach Köln die älteste noch bestehende Erzdiözese im gesamten deutschen Sprachraum. Die Diözese entstand im Jahr 739 als Bistum Salzburg, wurde 798 zu einem Erzbistum und in den Jahren nach 1328 zum Fürsterzbistum Salzburg, das 1803 säkularisiert wurde, womit sich Seelsorge und politisches Territorium trennten. Als Metropolitandiözese schließt die Kirchenprovinz Salzburg, die den Salzburger Erzbischöfen unterstellt ist, West- und Südösterreich (Diözesen Feldkirch, Graz-Seckau, Gurk und Innsbruck) mit ein.

Das Bistum ist in 20 Dekanate unterteilt: Im Bundesland Salzburg liegen Altenmarkt, Bergheim, Hallein, Köstendorf, Saalfelden, Salzburg-Ost, Salzburg-Nord, Salzburg-Süd, Salzburg-West, St. Georgen, St. Johann im Pongau, Stuhlfelden, Tamsweg, Taxenbach, Thalgau; im Bundesland Tirol liegen Brixen im Thale, Kufstein, Reith im Alpbachtal, St. Johann in Tirol und Zell am Ziller.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen der Erzdiözese Salzburg

→ siehe auch politische Geschichte des Fürsterzbistums Salzburg

Die Vita Sancti Severini berichtet, dass es um 450 im römischen Iuvavum eine Christengemeinde mit zwei Kirchen und einem Kloster gegeben hat. Nach dem Abzug des römischen Militärs im Jahr 488 wurde die Stadt in der Zeit der Völkerwanderung aufgegeben und möglicherweise zerstört.

696 kam der Hl. Rupert und gründete das Stift Sankt Peter und das Frauenkloster auf dem Nonnberg. Er ließ wahrscheinlich um 700 eine große Kirche zu Ehren des Hl. Petrus bauen und errichtete dort eine Gemeinschaft von Weltpriestern (Kanonikern), aus denen sich später das Domkapitel entwickelte.

Bonifatius brachte 739 die päpstliche Bestätigung für das neu gegründete Bistum und legte die Diözesangrenzen fest. Der aus Irland stammende Mönch und Bischof Virgil ließ in Salzburg einen dreischiffigen Dom bauen und am 24. September 744 die Reliquien Ruperts dort beisetzen, was damals eine Heiligsprechung bedeutete.

Von Papst Leo III. wurde es am 20. April 798 auf Bitten des Frankenkönigs Karl des Großen zum Erzbistum erhoben, dem die bairischen Suffraganbistümer Freising, Neuburg, Passau, Regensburg und Säben unterstanden. Diese Kirchenprovinz umfasste zeitweise das gesamte altbairische Stammesgebiet, also den Großteil des heutigen Österreich und Bayern (außer Franken und Schwaben), das heutige Südtirol und Trentino, weite Teile Ungarns, Tschechiens, Sloweniens und der Slowakei. Damit war Salzburg einmal die zweitgrößte Diözese der Welt. [1] Arno war der erste Erzbischof. Die Schaffung der Kirchenprovinz steht im Zusammenhang mit den Bemühungen um eine bairische Staatskirche.

Von Salzburg aus wurde in der Folgezeit vor allem Karantanien christianisiert. Als Stützpunkte wurden dort zahlreiche Klöster gegründet. Im Jahr 796 erhielt Salzburg das Gebiet um den Plattensee (Ungarn) (→ siehe auch Plattensee-Fürstentum) bis an die Donau und Drau zur Mission zugeteilt. Am 5. Februar 816 erteilt Kaiser Ludwig der Fromme in Aachen dem Erzbistum Immunität mit Königsschutz. Zur Zeit Ludwig des Frommen waren die meisten Kirchen mit diesem Recht ausgestattet. Die Immunität mit Königsschutz befreite die Kirche von der öffentlichen Gerichtsbarkeit der Grafen. Im Lauf des 9. Jahrhunderts befreite die Kirchliche Immunität auch von der Rechtsprechung bei schweren Delikten. Der Kirchenherr wurde damit der rechtlichen Stellung einer Grafschaft ebenbürtig.[2] Durch Gründung des Erzbistums Gran im Jahr 1001 wurde das heutige Burgenland zur Grenze der Kirchenprovinz.

Im Investiturstreit standen die Salzburger Erzbischöfe auf der Seite des Papstes. Unter Gebhard wurde die Stadt Salzburg mehrmals von Anhängern des Kaisers verwüstet. Zum Schutz ließ Gebhard daher 1077 die Festung Hohensalzburg errichten.

Kaiser Friedrich Barbarossa verhängte 1166 über Erzbischof Konrad II. die Reichsacht. Im folgenden Jahr brannte bei einem Stadtbrand auch der Dom ab, der Domschatz wurde dabei vernichtet. Kaiserliche Truppen wurden damals beschuldigt, die Stadt angezündet zu haben. Konrad III. - der erste Salzburger Kardinal - konnte nach dem Friedensschluss 1177 mit dem Wiederaufbau beginnen und errichtete einen prächtigen dreischiffigen romanischen Dom.

Auf dem Salzburger Diözesangebiet wurden die Eigenbistümer Gurk (1072), Chiemsee (1215), Seckau (1218) und Lavant (1228) errichtet.

Karte des heutigen Österreich mit Diözesengrenzen der Zeit um 1250

Erzbischof Eberhard II., einem entschiedenen Parteigänger der Staufer, gelang es 1200 bis 1246 aus Grafschaften, Gerichten und Vogteien ein geschlossenes erzbischöfliches Herrschaftsgebiet aufzubauen. Ab 1275 begann die letzte Phase der Loslösung des Landes Salzburg vom Mutterland Baiern. 1328 erhielt das Hochstift Salzburg eine eigene Landesordnung. Da die Salzburger Erzbischöfe bis 1803 auch Fürsten innerhalb des Heiligen Römischen Reiches waren, führten sie den Titel Fürsterzbischof.

Der Salzburger Dom wurde als erste Salzburger Kirche im Barockstil umgebaut und 1628 eingeweiht. Zahlreiche weitere Barockbauten in den folgenden Jahrzehnten erbaut, prägen das heutige Aussehen Salzburgs entscheidend.

Joseph II. errichtete um 1785 die Diözese Leoben und vergrößerte die Diözesen Seckau und Gurk auf Kosten der Salzburger Erzdiözese.

Nach der Säkularisation 1803 waren die Salzburger Erzbischöfe keine Landesherren mehr. Als Herzogtum Salzburg, dem zudem die Kurwürde verliehen war, fiel es zusammen mit den Hochstiften Berchtesgaden, Passau und Eichstätt an den Großherzog Ferdinand III. von Toskana. 1805 kam es mit Berchtesgaden an Österreich, 1809/10 an Bayern. 1816 kam der Großteil Salzburgs endgültig zu Österreich. Berchtesgaden und der Rupertiwinkel verblieben jedoch beim Königreich Bayern. 1818 wurde das Bistum Chiemsee aufgehoben und die Erzdiözese erhielt ihre heutige Ausdehnung. Erst lange nach dem Untergang der Monarchie Österreich-Ungarn und der Ausrufung der Republik legte Erzbischof Rohracher 1951 den Titel Fürsterzbischof für sich und seine Nachfolger zurück.

Salzburg: sogenanntes Rom des Nordens

Sonderrechte der Salzburger Erzbischöfe[Bearbeiten]

Der Erzbischof von Salzburg führt die Titel

  • Legatus natus (Ständiger Legat des Papstes) seit 1179
  • Primas Germaniae seit 1648

Bereits ab 1027 konnten die Salzburger Erzbischöfe in ihrer Kirchenprovinz in dringenden Fällen anstelle des Papstes Entscheidungen treffen, auch den Kirchenbann verhängen und lösen. Von 1072 bis zum Konkordat von 1934 hatten sie das Recht, die Bischöfe in den Eigenbistümern Chiemsee, Seckau, Gurk und Lavant selbst, d. h. ohne päpstliche Zustimmung, zu ernennen. Noch beim Ersten Vatikanischen Konzil begrüßte 1869 Papst Pius IX. den Salzburger Erzbischof Maximilian Joseph von Tarnóczy mit den geflügelten Worten „Seht, da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann“.

Die Salzburger Erzbischöfe dürfen - als äußeres Zeichen ihrer Stellung als päpstliche Legaten - in ihrer Erzdiözese und seit 1854 als einzige Erzbischöfe auch an der Römischen Kurie den Legatenpurpur, eine feierliche Kleidung, die wesentlich älter ist als das Purpurgewand der Kardinäle, tragen.

Das Salzburger Domkapitel genießt - anders als in den übrigen österreichischen Diözesen - das Recht, den zukünftigen Erzbischof aus einem Dreiervorschlag des Papstes auswählen zu können (Art. IV § 1 S. 3 des Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhle und der Republik Österreich vom 5. Juni 1933).

Domkapitel[Bearbeiten]

Salzburger Dom

Das Domkapitel zu den Heiligen Rupert und Virgil an der Metropolitankirche in Salzburg besteht derzeit aus folgenden Geistlichen:

  • Andreas Laun OSFS, Weihbischof, Dompropst
  • Hans-Walter Vavrovsky, Prälat, Rektor von St. Virgil, Domdechant
  • Balthasar Sieberer, Prälat, Domkustos, Generaldechant, Dompfarrer der Stadt Salzburg und Leiter des Seelsorgeamtes
  • Matthäus Appesbacher, Apostolischer Protonotar, Bischofsvikar für die Institute des geweihten Lebens und die spirituellen Bewegungen
  • Martin Walchhofer, Prälat, Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke, Pfarrer in Salzburg-Gnigl
  • Hans Paarhammer, Prälat, Professor für Kirchenrecht an der Universität Salzburg
  • Hansjörg Hofer, Prälat, Generalvikar, Seelsorger in Rehhof
  • Johann Reißmeier, Prälat, Bischofsvikariat für die Weltkirche und die Ständigen Diakone, Pfarrer in Siezenheim
  • Gottfried Laireiter, Regens des Priesterseminars
  • Franz Padinger, KR, geistlicher Assistent der Kath. Aktion
  • Raimund Sagmeister, OStR, Rektor des katechetischen Amtes und Professor an der Pädagogischen Hochschule
  • Roland Kerschbaum, Diözesankonservator, Pfarrer in Elsbethen

Emeritierte Domkapitulare sind:

  • Apostolischer Protonotar Johannes Neuhardt
  • Prälat Egon Katinsky
  • Prälat Sebastian Manzl

Gliederung[Bearbeiten]

Die Erzdiözese Salzburg besteht aus 17 Dekanaten:

Als Suffraganbistümer unterstehen der Erzdiözese Salzburg:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottfried Wilhelm Becker: Lustige Wanderungen durch Baiern, Tyrol und Salzburg. Mit historischen Rückblicken. Für die Jugend und ihre Freunde, Leipzig: Hinrichs 1842.
  • Korbinian Birnbacher OSB: Die Erzbischöfe von Salzburg und das Mönchtum zur Zeit des Investiturstreites (1060 -1164), (=Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige: Erg. Bd. 41), EOS-Verl. St. Ottilien 2001.
  • Joseph Dürlinger: Historisch-statistisches Handbuch der Erzdiöcese Salzburg in ihren heutigen Grenzen. Erster Band: Ruraldecanate des Flachlandes, Salzburg: Duyle’sche Hofbuchdruckerei 1862.
  • Joseph Dürlinger: Von Pinzgau. 1. Geschichtliche Uebersichten, 2. Orte- und Kirchenmatrikel. Mit chronologischer Tabelle, Salzburg: Im Selbstverlage des Verfassers 1866.
  • Rudolf Leeb u.a.: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Antike bis zur Gegenwart. Ueberreuter, Wien 2003, ISBN 3-8000-3914-1 (Standardwerk mit 60 Seiten Literatur).
  • Franz Ortner: Aus der Geschichte der Erzdiözese Salzburg. In: Jahrbuch der Katholischen Kirche in Österreich 1998. Wien 1998, ISBN 3-9500963-0-2
  • Franz Ortner: Salzburger Kirchengeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Univ.-Verlag Anton Pustet, Salzburg 1988, ISBN 3-7025-0252-1
  • Franz Ortner: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation im Erzstift Salzburg. Univ.-Verlag Anton Pustet, Salzburg 1981, ISBN 3-7025-0185-1
  • Ernst Tomek: Kirchengeschichte Österreichs. Tyrolia, Innsbruck - Wien - München 1935–59.
  • Josef Wodka: Kirche in Österreich. Wegweiser durch ihre Geschichte. Herder, Wien 1959.
  • Cölestin Wolfsgruber: Kirchengeschichte Österreich-Ungarns. Kirsch, Wien 1909.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erzdiözese Salzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.kirchen.net/portal/page.asp?id=25134
  2. Kleindel: Österreich, Zahlen – Daten - Fakten, Sonderausgabe A&M 2004, ISBN 3-902397-49-7