Erzeugende Funktion
In verschiedenen Teilgebieten der Mathematik versteht man unter der erzeugenden Funktion einer Folge
die formale Potenzreihe
Zum Beispiel ist die erzeugende Funktion der konstanten Folge
die geometrische Reihe
Die Reihe konvergiert für alle
und besitzt den Wert
Wegen der Verwendung formaler Potenzreihen spielen allerdings im Allgemeinen Konvergenzfragen keine Rolle –
ist lediglich ein Symbol. Diese explizitere Darstellung als Potenzreihe ermöglicht oft Rückschlüsse auf die Folge.
Inhaltsverzeichnis |
Explizite Formeln für einige wichtige Potenzreihen [Bearbeiten]
Es gelten folgende Identitäten:
Anwendung [Bearbeiten]
Erzeugende Funktionen liefern ein wichtiges Hilfsmittel für das Lösen von Rekursionen und Differenzengleichungen sowie für das Zählen von Zahlpartitionen. Die punktweise Multiplikation einer erzeugenden Funktion mit der Identität
entspricht der Verschiebung der modellierten Folgeglieder um eine Stelle nach hinten, wobei vorn, als neues Glied mit dem Index
, eine
angefügt wird. Angenommen, wir haben die Rekursion
zu lösen, dann ist
, und es gilt für die erzeugende Funktion
also
Auflösen nach F liefert
Wir wissen aber aus dem vorhergehenden Abschnitt, dass dies der Reihe
entspricht, also gilt
nach Koeffizientenvergleich.
Verschiedene Typen von erzeugenden Funktionen [Bearbeiten]
Es gibt neben der gewöhnlichen erzeugenden Funktion noch weitere Typen von erzeugenden Funktionen. Manchmal erweist es sich als zweckmäßig, Folgen mit Hilfe der folgenden zwei Arten von erzeugenden Funktionen zu betrachten.
Exponentiell erzeugende Funktion [Bearbeiten]
Die exponentiell erzeugende Funktion (oder erzeugende Funktion vom Exponentialtyp) einer Folge
ist die Reihe
.
Zum Beispiel ist die Exponentialfunktion
die exponentiell erzeugende Funktion der Folge 
Dirichlet-erzeugende Funktion [Bearbeiten]
Die Dirichlet-erzeugende Funktion einer Folge
ist die Reihe
. Sie ist benannt nach Peter Gustav Lejeune Dirichlet.
Zum Beispiel ist die Riemannsche Zetafunktion
die Dirichlet-erzeugende Funktion der Folge 
Die „Zustandsumme“ als erzeugende Funktion in der Thermodynamik [Bearbeiten]
In der Statistischen Physik, einer theoretisch-physikalischen Disziplin, in der vor allem die Thermodynamik behandelt wird, bezeichnet man als Zustandssumme (Partition function) die formale Potenzreihe
worin β im Wesentlichen die reziproke Temperatur 1/T und En die als diskret angenommenen Energiewerte des behandelten Systems sind. Die „Zustandssumme“ ist die „Erzeugende Funktion“ einer großen Zahl sogenannter thermodynamischer Potentiale, insbesondere der Inneren Energie
der Freien Energie
und der Entropie
.
Durch Ableitung nach einem Parameter β erzeugte Beziehungen, analog zur Beziehung zwischen
und
treten im Zusammenhang mit dem Begriff des Pfadintegrals auch in anderen Gebieten der Theoretischen Physik auf. Für diese Beziehungen wird ebenfalls der Begriff der „erzeugenden Funktion“ verwendet, auch wenn man es nicht mit Potenzreihen zu tun hat.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Martin Aigner: Diskrete Mathematik. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2004, ISBN 3-528-47-268-5.
- Herbert S. Wilf: generatingfunctionology. 3. Auflage. A. K. Peters Ltd., Wellesley MA 2005, ISBN 978-1-56881-279-3 (2. Auflage. Academic Press, Boston MA u. a. 1994, ISBN 0-12-751956-4, im PDF 1,18 MB).













