Erzgebirgischer Schwibbogen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Schwibbogen mit Räuchermann, Nussknacker und Olbernhauer Reiterlein
Schwibbogen im Fenster eines erzgebirgischen Wohnhauses
Erzgebirgische Schwibbögen (Kleinbogen der Deutschen Post der DDR)
576. Dresdner Striezelmarkt 2010 größter begehbarer Schwibbogen

Als Schwibbogen bezeichnet man einen Lichterbogen aus dem Erzgebirge. Hier sind Schwibbögen ein fester Bestandteil der Erzgebirgischen Volkskunst. Der Name leitet sich von seiner Form, der eines Schwebe- oder Strebebogens, ab, die sich in ähnlicher Form in der Architektur wiederfindet.

Form und Symbolik[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Entgegen der oft geäußerten Behauptung, die Form des Schwibbogens symbolisiere das Mundloch eines Stollns, werden im Halbrund einiger früher Schwibbogen Sonne, Mond und Sterne dargestellt. Die Symbolisierung des Himmelsbogens ist daher weitaus wahrscheinlicher. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden Schwibbogen meist aus Metall gefertigt. Heute ist Holz als Werkstoff am verbreitetsten.

Die auf dem Bogen aufgesetzten Lichter waren Ausdruck der Sehnsucht der Bergleute nach Tageslicht, das sie vor allem in den Wintermonaten oft über Wochen nicht zu Gesicht bekamen; zum Arbeitsbeginn am frühen Morgen war es noch dunkel, und nach dem Ende der Schicht am Abend war die Sonne bereits untergegangen.

Die im Schwibbogen dargestellten Motive spiegeln den Alltag der Bergleute und ihrer Familien wider. Eines der bekanntesten Motive zeigt neben verschiedenen Symbolen zwei Bergleute, einen Schnitzer und eine Klöpplerin und verkörpert damit drei der Haupterwerbsquellen der erzgebirgischen Landbevölkerung des 18. und 19. Jahrhunderts. Weitere Varianten zeigen christliche Motive aus der Weihnachtsgeschichte oder den Wald und dessen Tiere. Ein weiteres bekanntes Motiv ist die Kirche des für seine Volkskunst bekannten Erzgebirgsdorfes Seiffen. Die Darstellung des Sündenfalls und der Vertreibung Adams und Evas aus dem Garten Eden, die sich durchweg auf den ältesten erhaltenen Schwibbögen des 18. Jahrhunderts findet, ist heute nicht mehr gebräuchlich.

Größter freistehender Schwibbogen der Welt

Vornehmlich zur Advents- und Weihnachtszeit werden die heute in der Regel elektrisch beleuchteten Bögen seit Mitte des letzten Jahrhunderts in die Fenster vieler Häuser, auch weit außerhalb der Erzgebirgsregion gestellt und finden als Großbögen auch im Außenbereich Verwendung. Der derzeit größte im Freien stehende Schwibbogen der Welt wurde 2012 in Johanngeorgenstadt aufgestellt.

Mit dem beleuchteten Schwibbogen im Fenster war eine weitere Symbolik verbunden: das Licht des Schwibbogens sollte den Bergleuten den sicheren Weg zurück ins Heim weisen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der älteste bekannte Schwibbogen, datiert auf das Jahr 1740, entstand in Johanngeorgenstadt und besteht aus Metall. Erst 2003 wurde die Jahreszahl unter einer jüngeren Farbschicht entdeckt. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass sich der Bogen mit der Aufschrift „1778“ und „J. C. Teller“ in seiner ursprünglichen Bemalung befunden hatte.[1] Weitere frühe Schwibbögen stammen von 1796 und um 1810.

Eines der bekanntesten Motive entstand 1937 im Rahmen der von dem Schwarzenberger Fabrikanten Friedrich Emil Krauß initiierten „Feierobnd-Ausstellung”. Dieser hatte einen Wettbewerb ausgelobt, bei dem ein Schwibbogen für die Stadt entworfen werden sollte. Der von der Leipziger Illustratorin Paula Jordan eingereichte Entwurf wurde dem Anspruch am ehesten gerecht, die Elemente früherer Motive in einem Schwibbogen zu vereinen, und gewann den Wettbewerb. Nach ihrer Vorlage wurde ein sieben mal vier Meter großer Schwibbogen für die Ausstellung gebaut und aufgestellt, der heute seinen Standort in Johanngeorgenstadt hat. Krauss ließ das Motiv noch 1937 als Warenzeichen schützen. Noch heute zählt der Schwarzenberger Schwibbogen zu den bekanntesten und verbreitetsten Ausführungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schwibbögen zunehmend aus Holz gefertigt. Da die Nachfrage in der DDR größer als das Angebot war, wurden Schwibbögen oft als Laubsägearbeit nach dem Vorbild einer nachgezeichneten Vorlage (z.B. eines Blechschwibbogens) privat hergestellt.

Sonderformen[Bearbeiten]

Lichterspitze aus Oberwiesenthal

Seit den 1990er Jahren bildeten sich Abweichungen von der traditionellen, halbrunden Form heraus. Die als Dreieck ausgeführte Bauart trägt die Bezeichnung Lichterspitze und zeigt häufig als Motiv Waldszenen, Forsthaus, Christkrippe, Nikolaus oder Sakralbauten wie die Dresdner Frauenkirche. Als Neuheit seit 2010 finden sich Gotische Bögen. Diese Form versieht den Bogen mit einer ausgeprägten, mittigen Spitze im Stile eines gotischen Kirchenfensters und wird von den üblichen winterlich-weihnachtlichen Motiven geschmückt.

Galerie von Schwibbögen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Truckenbrodt: Der Schwibbogen. In: Glückauf 50 (1930), S. 296–297.
  • Siegfried Sieber: Der Schwibbogen als Weihnachtsleuchter. In: Der Heimatfreund für das Erzgebirge 15 (1970), S. 241–243.
  • Chemnitzer Fachschule für Tourismus (Hrsg.): Deckenleuchter und Schwibbogen im Sächsischen Erzgebirge, Husum Verlag 1997 ISBN 978-3-88042-805-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schwibbogen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Werken mit Holz – Lern- und Lehrmaterialien

- Laubsägearbeit Schwibbogen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Teller: Neue Erkenntnisse zum Schwibbogen. In: Erzgebirgische Heimatblätter 6/2004, S. 16 f.