Es geschah in einer Nacht

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Filmdaten
Deutscher Titel Es geschah in einer Nacht
Originaltitel It Happened One Night
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1934
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK o. A.
Stab
Regie Frank Capra
Drehbuch Robert Riskin
Produktion Frank Capra
Musik Frank Churchill,
Louis Silvers
Kamera Joseph Walker
Schnitt Gene Havlick
Besetzung
Synchronisation

Es geschah in einer Nacht (Originaltitel: It Happened One Night) ist eine US-amerikanische Screwball-Komödie des Regisseurs Frank Capra aus dem Jahr 1934. Das Drehbuch ist auf der Grundlage der Kurzgeschichte Night Bus von Samuel Hopkins Adams entstanden. Mit dieser Produktion gewann erstmals ein Film Oscars in den fünf wichtigsten Kategorien.

Handlung[Bearbeiten]

Ellie Andrews befindet sich auf der Flucht vor ihrem schwerreichen Vater, der ihre kürzlich geschlossene Ehe mit dem windigen Lebemann King Westley auflösen lassen will. Unterwegs lernt sie den arbeitslosen Zeitungsreporter Peter Warne kennen, der sogleich die Chance wittert, die neue Bekanntschaft für seine beruflichen Zwecke zu nutzen. Ellie, die nach einem Diebstahl ohne Geld und Kleidung dasteht, willigt ein, Peter exklusiv einen laufenden Bericht über ihre Flucht zu geben, wenn er ihr dafür hilft, zu ihrem Mann nach New York zu gelangen.

Nach einer Buspanne versuchen sich die beiden weiter per Anhalter nach New York durchzuschlagen, wobei sie einander nach anfänglicher Abneigung immer näherkommen. Kurz vor Ende der Reise gesteht Ellie Peter ihre Liebe, der zunächst auf Grund ihrer Ehe mit Westley zögert. In der folgenden Nacht fährt er jedoch nach New York, um Vorkehrungen für eine gemeinsame Reise zu treffen. Als Ellie bemerkt, dass Peter verschwunden ist, nimmt sie an, er habe sie verlassen, und kehrt zu ihrem Vater zurück. Gemeinsam mit ihm plant sie die kirchliche Hochzeit mit Westley. Sowohl Ellie als auch Peter können jedoch einander nicht vergessen und so flieht sie von der Hochzeitszeremonie. Ihr Vater zahlt Westley eine Abfindung und lässt die Ehe nun doch annullieren, sodass schließlich Ellie und Peter heiraten können.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Probleme bei der Besetzung für den Film waren legendär. Die weibliche Hauptrolle wurde abgelehnt von Margaret Sullavan, Constance Bennett, Miriam Hopkins und Carole Lombard. Angeblich wurde auch versucht, die junge Bette Davis zu gewinnen. Claudette Colbert nahm die Rolle nur an, weil man ihr das Doppelte ihrer üblichen Gage bei Paramount und eine Drehzeit von maximal vier Wochen zusicherte. Ähnlich schwierig war es, den männlichen Part zu besetzen. Robert Montgomery, die erste Wahl, lehnte dankend ab. Angeblich soll Clark Gable von Louis B. Mayer persönlich dazu gezwungen worden sein, den Job anzunehmen. Damit sollte, so die Gerüchte, Gable für sein aufsässiges Verhalten bei MGM bestraft werden.

Den größten Karriereschub brachte der Film jedoch Claudette Colbert, die bei Paramount bisher eher als Darstellerin dramatischer Frauenschicksale in Erscheinung getreten war. Gemeinsam mit ihrem anderen Hit des Jahres, Imitation of Life, den sie bei der Universal drehte, stieg sie rasch zu den weiblichen Topstars in Hollywood auf. Die nachfolgenden Filme wie She Married Her Boss, Oberarzt Dr. Monet, für den Colbert eine weitere Nominierung als beste Hauptdarstellerin erhielt, sowie The Gilded Lily konsolidierten ihren Status.

Die deutsche Uraufführung fand am 15. Oktober 1935 in Berlin statt, wo er zunächst nur mit Untertiteln gezeigt wurde. Der Film war schließlich so erfolgreich, dass man eine deutsche Synchronfassung herstellte, die ab Anfang Dezember eingesetzt wurde. Für Clark Gable sprach Siegfried Schürenberg, Til Klokow lieh Claudette Colbert ihre Stimme. Vor einigen Jahren wurde diese Fassung wiederentdeckt und im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums in Berlin präsentiert.[1]

Kritiken[Bearbeiten]

In der New York Times schrieb Mordaunt Hall 1934, dass Es geschah in einer Nacht ein guter Spielfilm sei, der mit fiebrigen Stunts, mit glänzendem Dialog und einer ausgewogenen Anzahl von relativ verhaltenen Szenen gesegnet sei.[2] Das Branchenblatt Variety stellte fest, dass „die Geschichte […] den nicht konkret bestimmbaren Reiz“ habe, „der aus einer ausgewogenen Mischung verschiedener Zutaten“ entstehe. Der Film sei „schwer zu analysieren, unmöglich […] zu reproduzieren“ und „einfach ein glücklicher Zufall“.[3]

Das Lexikon des Internationalen Films urteilte: „Glänzend gespielt und inszeniert, vermag die mit geistreicher gesellschaftskritischer Ironie durchsetzte und erfrischende Hollywood-Komödie auch heute noch ausgezeichnet zu unterhalten.“[4] Auch Cinema beschreibt Capras Film als „immer noch bezaubernde Komödie“. Diese sei ein „Meisterstück mit zeitlos geistreichen Dialogen“.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Es geschah in einer Nacht war 1935 der erste Film, der Oscars in den fünf wichtigsten Kategorien, den Big Five: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller (Clark Gable) und Beste Hauptdarstellerin (Claudette Colbert), gewinnen konnte. Seither ist dies nur noch Einer flog über das Kuckucksnest (1975) und Das Schweigen der Lämmer (1991) gelungen. Bereits 1934 wurde der Film mit dem Preis des National Board of Review in der Kategorie Bester Film ausgezeichnet und war für den Coppa Mussolini, den Hauptpreis der Filmfestspiele von Venedig, als Bester Film nominiert.

1993 wurde Es geschah in einer Nacht in das National Film Registry der bedeutendsten US-amerikanischen Filme aufgenommen. Das American Film Institute wählte den Film 1998 bzw. 2007 in mehrere Listen: Liste der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten (Ausg. 1998: Platz 35; Ausg. 2007: Platz 46), Liste der 100 witzigsten amerikanischen Filmkomödien aller Zeiten (Platz 8) und Liste der 100 besten amerikanischen Liebesfilme aller Zeiten (Platz 38).

Nachwirkung[Bearbeiten]

Frank Capras Film gilt als erstes herausragendes und stilprägendes Exemplar der Screwball-Comedy der 1930er und 1940er Jahre. Er besteche durch hohes Tempo sowie durch seine geistreichen und pointierten Wortwechsel. Nicht zuletzt aber auch dadurch, dass sich männliche und weibliche Protagonisten auf Augenhöhe begegnen, ein Element, das für das Genre der Screwball-Filmkomödien von besonderer Bedeutung ist.

Nach bislang unveröffentlichten Angaben des Looney-Tunes-Cartoonisten Friz Freleng sind Charakterelemente der Zeichentrickfigur Bugs Bunny auf Einflüsse aus diesem Film zurückzuführen: Zum einen auf die Rollenausprägung des Oscar Shapeley; außerdem habe für die Art und Weise, wie der bekannteste Zeichentrickhase Karotten zu verspeisen pflegt, Clark Gable in Es geschah in einer Nacht das Vorbild geliefert.

Synchronisation[Bearbeiten]

Im Oktober 1935 kam der Film zunächst mit Untertiteln in die deutschen Kinos, wo er sich schnell zu einem großen Erfolg entwickelte. Nur zwei Monate später erschien daher eine Synchronisation. Siegfried Schürenberg sprach hierbei Clark Gable und Til Klokow Claudette Colbert.[6] Im Jahre 1979 entstand eine neue Synchronfassung bei Bavaria Film, mit folgenden Sprechern:

Figur Darsteller Synchronsprecher (1979)
Peter Warne Clark Gable Norbert Langer
Ellie Andrews Claudette Colbert Renate Küster
Alexander Andrews Walter Connolly Alf Marholm
Oscar Shapeley Roscoe Karns Manfred Schott
Danker (Autofahrer) Alan Hale senior Wolfgang Hess
ein Reporter Hal Price Erich Ebert

Literatur[Bearbeiten]

  • Victor Scherle und William Turner Levy: The Complete Films of Frank Capra. Citadel Press, New York und Secaucus 1992, ISBN 0-8065-1296-2.
  • Hans-Jürgen Kubiak: Die Oscar-Filme. Die besten Filme der Jahre 1927/28 bis 2004. Die besten nicht-englischsprachigen Filme der Jahre 1947 bis 2004. Die besten Animationsfilme der Jahre 2001 bis 2004. Schüren, Marburg 2005, ISBN 3-89472-386-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Es geschah in einer Nacht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. filmblatt.de
  2. Mordaunt Hall: It Happened One Night. In: The New York Times, 23. Februar 1934.
  3. It Happened One Night. In: Variety, 26. Februar 1934.
  4. Es geschah in einer Nacht im Lexikon des Internationalen Films
  5. vgl. cinema.de
  6. "Es geschah in einer Nacht" bei Zeughauskino