Eschenstruth

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51.2276694444449.6629111111111347Koordinaten: 51° 13′ 40″ N, 9° 39′ 46″ O

Eschenstruth
Gemeinde Helsa
Höhe: 310–380 m
Einwohner: 1800
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 34298
Vorwahl: 05602
Blick von Ostflanke des Kl. Belgerkopfs über Eschenstruth südostwärts nach Hessisch Lichtenau (2006)
Blick von St. Ottilien nordwestwärts nach Eschenstruth – mit Kaufunger Wald im Hintergrund, März 2010
Kirche (ev.) in Eschenstruth

Eschenstruth ist einer von insgesamt vier Ortsteilen der Gemeinde Helsa im nordhessischen Landkreis Kassel. Es hat etwa 1800 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Eschenstruth liegt auf der Ostflanke der bewaldeten Söhre (Teilgebiet Stiftswald Kaufungen) südöstlich unterhalb des Kleinen Belgerkopfs (ca. 490 m ü. NN). Das Dorf befindet sich etwa 3,6 km (Luftlinie) südsüdwestlich des Helsaer Kernorts. Etwa in West-Ost-Richtung fließt südlich vorbei am Dorf das Männerwasser, das östlich unterhalb der Ortschaft in die Losse mündet; direkt jenseits des Flusses liegt der Kaufunger Wald. Die Ortschaft liegt zwischen 310 und 380 m ü. NN.

Im Lossetal verläuft zwischen Helsa und dem südöstlich gelegenen Hessisch Lichtenauer Dorf Fürstenhagen die Bundesstraße 7, von der die durch Eschenstruth südwestwärts nach St. Ottilien führende Landesstraße 3460 abzweigt, und zudem führt entlang der Losse die Bahnstrecke Kassel–Waldkappel (Lossetalbahn), auf der heute die RegioTram verkehrt, mit Haltestelle in Eschenstruth.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1126 durch den Erzbischof Adalbert von Mainz. Bald darauf wurde noch im 12. Jahrhundert mit dem Bau der Kirche begonnen.

Ein Kompetenzstreit zwischen dem Stift Kaufungen und dem Landgraf von Hessen über den Ort ist 1516 in der Chronik verzeichnet. Vier Jahre später zählte der Ort 45 Haushalte.

Vom Dreißigjährigen Krieg (1618−1648) blieb der Ort verschont. Ab 1687 erfolgte der Bau eines Schulhauses (Mittelgasse 9 und 11). Es begann sich eine Leineweberzunft zu etablieren, die im 19. Jahrhundert ihre Hochkonjunktur erlebte.

Zur Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) gehörte Eschenstruth zum Kanton Kaufungen.

1879 erfolgte die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Kassel–Waldkappel (Lossetalbahn).

Während des Zweiten Weltkrieges existierte etwa 1,25 km nordöstlich von Eschenstruth im unteren Tal des kleinen Losse-Zuflusses Rohrgraben ein Fremdarbeiterlager, das 1951 als Neubürger-Siedlung kommunal zu Eschenstruth hinzukam. Nach dem Krieg wurden die Unterkünfte des Lagers zu Wohnhäusern ausgebaut. Es ist nun als Siedlung Waldhof bekannt.

Am 1. August 1972 fusionierte Eschenstruth anlässlich der Gebietsreform zusammen mit Helsa-Wickenrode und St. Ottilien zur heutigen Gemeinde Helsa.[1] Im Jahr 2001 beging Helsa die 875-Jahr-Feier.

Partnerschaften[Bearbeiten]

1974 fand anlässlich der 850-Jahr-Feier von Helsa die Verschwisterung mit der Gemeinde Krimpen aan de Lek in den Niederlanden statt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rund 2,5 km nördlich von Eschenstruth erhebt sich im Söhreteilgebiet Stiftswald Kaufungen der Bielstein (528,7 m ü. NN) mit der etwa 15 m hohen Basaltsäule Bilsteinkirche und etwas westlich davon der Michelskopf (ca. 485 m ü. NN) mit den in ehemaligen Basaltsteinbrüchen befindlichen Michelskopfseen. Etwa 2,2 km nordnordöstlich von Eschensturth, in Richtung Helsa, liegt der Lewalterbrunnen, benannt nach dem Volksliedforscher Johann Lewalter. Rund 1,5 km westlich des Dorfs liegt das Naturschutzgebiet Heubruchwiesen bei Eschenstruth (NSG-Nr. 163667)[2], das 1989 gegründet wurde und 51,49 ha groß ist. Jenseits davon liegt Wüstung Lobesrode (auch Lubisrode genannt).

Wappentier[Bearbeiten]

Der Blutfink ist das Wappentier des Ortsteils Helsa-Eschenstruth.

Der Blutfink ist eine Finkenart, die besser unter dem Namen Dompfaff oder auch Gimpel bekannt ist. Die Einwohner von Eschenstruth trugen den Spottnamen die "Blutfinken". Sie erhielten diesen, weil für sie noch Mitte des 16. Jahrhunderts das Abrichten von Blutfinken zu ihren Nebenverdiensten zählte. Die Böden auf der Anhöhe, auf der Eschenstruth gegründet worden war, galten als nicht besonders fruchtbar. Die Einwohner waren daher in ihrer Not sehr erfinderisch und verschafften sich eine Einnahmequelle, indem sie junge Gimpel, die vier bis fünf Tage alt waren, aus ihrem Nest holten und zu sich nach Hause brachten.

Blutfinken werden in Gefangenschaft erstaunlich zahm und zutraulich. Die Jungvögel wurden nach ihrem Fang so lange gefüttert, bis sie flügge wurden. Dann begann für sie die Lehrzeit: Die Männchen wurden unermüdlich, Tag für Tag, morgens, mittags und abends unterrichtet. Ihr Ziehmeister pfiff ihnen Melodien wie z. B. "das Ännchen von Tharau", "Mit dem Pfeil, dem Bogen", oder "Ach, wie ist´s möglich" vor. Nach acht Monaten konnten die Vögel die Melodie fehlerfrei flöten. Ein Gimpel brachte damals bis zu fünfzig Mark. Für einen Weber oder einen Schuster war das viel Geld. Heute ist der Gimpelfang nicht mehr erlaubt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 401.
  2. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)

Weblinks[Bearbeiten]