Escolar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Escolar (Begriffsklärung) aufgeführt.
Escolar
Escolar im Verkauf

Escolar im Verkauf

Systematik
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Scombriformes
Familie: Schlangenmakrelen (Gempylidae)
Gattung: Lepidocybium
Art: Escolar
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lepidocybium
Gill, 1862
Wissenschaftlicher Name der Art
Lepidocybium flavobrunneum
Smith, 1843

Der Escolar (Lepidocybium flavobrunneum), auch Escolar-Schlangenmakrele [1] oder Buttermakrele [2] genannt, ist ein großer Raubfisch mittlerer Tiefen (ca. 200 bis 1100 m) aus der Familie der Schlangenmakrelen (Gempylidae). Er ist die einzige Art der monotypischen Gattung Lepidocybium.

Etymologie[Bearbeiten]

Den Namen Escolar, spanisch für „Schüler“, „Student“ trägt Lepidocybium flavobrunneum wegen der dunklen Ringe um die Augen, die an eine Brille erinnern.[3] Der wissenschaftliche Name besagt „gelbbrauner Schuppen-Thunfisch“ (flavus für gelb, brunneus ist Mittellatein für braun; lepis, lepidis f = Schuppe, cybium = κύβιον „Würfelchen“ [von κυβός, „Würfel“: weil das Fleisch in würfelförmige Stücke geschnitten eingesalzen wurde] = πηλαμύς = Thunfisch) (Pape 1880).

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Fisch wird über zwei Meter lang, 45 kg schwer, ist schlank-torpedoförmig und nur wenig seitlich abgeflacht. Der Rumpf ist von sehr kleinen Cycloidschuppen bedeckt.

Flossenformel: D VIII-IX (niedrig und auseinanderstehend)/16-18, A I-II/12-14, und dahinter 5 bzw. 4 Flössel; P (kurz) 15-16, V (gut enw., aber klein) I/5.

Der Fisch schwimmt carangiform (nicht anguilliform): dafür sprechen schon die großen Kiele an seiner Schwanzwurzel. Der Schwanzkiel jederseits wird oben und unten von kleineren Kielen begleitet. Die Seitenlinie zeigt einen sehr geschlungenen Verlauf – so, als sollten von ihr Wasserwirbel hinter der Brustflosse gemieden werden; ihre Poren werden noch durch speziell geformte Schuppen abgeschirmt. Die großen Augen werden von einem schwarzen Ring umfasst und „leuchten“ grünlich durch Reflexion wie bei der Katze. Sie sind nicht „hochoval“, wie mitunter behauptet, sondern der gelandete Fisch dreht sie zum Schutz vor Verletzung einwärts. Die Wirbelsäule besteht aus 29 Wirbeln.

Die Färbung ist allenfalls beim Jungfisch hellbraun, wird aber später immer dunkler, fast schwarz (blauschimmernd). Die Nahrung besteht aus Fischen, Tintenfischen und freischwimmenden Krebsen. Das Maul ist groß - das Maxillare überdeckt distal das Prämaxillare; der Unterkiefer ragt etwas vor. Die Bezahnung ähnelt der der Thunfische, oft aber gibt es vorne größere Hundszähne. Der Vomer ist fein bezahnt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Escolar lebt in allen Meeren außer den polaren, besonders an Kontinentalabhängen. Doch ist er anscheinend nicht überall gleich häufig. Im NW-Atlantik, NO-Pazifik und nördlichen Indischen Ozean scheint er zu fehlen. Häufiger ist er z.B. an den Küsten Japans, der südlichen Ostküste der USA und um Australien. Gelegentlich fängt man ihn noch vor Nordnorwegen, um Island, vor Südchile; im Mittelmeer nur an der Küste Spaniens und des Maghreb (bis Sizilien). Eier und Larven finden sich im durchlichteten Pelagial, Jungfische kommen nachts herauf, selbst große Individuen schwimmen, hauptsächlich nachts, manchmal oberflächennahe. Dabei scheinen ihnen größere Temperaturunterschiede wenig auszumachen.

„Butterfisch“[Bearbeiten]

Der wohlschmeckende Escolar wird öfters an Thun-Langleinen gefangen. Die Bezeichnung „Butterfisch“ soll auf Konserven wie auf Speisekarten oder in Märkten einladend klingen. Mit den kleinen Butterfischen (Pholidae) hat er nichts zu tun. Auf Kuba heißt er „Petroleumfisch“ (petroleo), da er wie der Ölfisch (Ruvettus pretiosus) und der Königs-Escolar (Rexea solandri), seine nächsten Verwandten, im Fleisch eine Menge einwertiger Fettsäureester enthält. Diese für den Fisch unverwertbaren Ester nimmt er mit seiner Nahrung auf, kann jedoch damit sein spezifisches Gewicht so weit herabzusetzen, dass er – ohne Aufwand, Skelett-Reduktion oder Schwimmblase im Wasser schweben kann. Diese Ester kann er auch selbst erzeugen.

Beim Verzehr, insbesondere größerer Mengen (z. B. werden > 60 g angegeben), können diese wachsähnlichen Lipide Durchfall (Keriorrhoe[4]), Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen und Erbrechen erzeugen[5], „giftig“ sind sie aber offenbar nicht. Gesundheitsbehörden in den USA (siehe z. B.[6]) und der EU warnen jedoch davor.[7] In Japan ist der Fisch trotz Verbot sehr beliebt („aburasokomutsu“). Auch in Deutschland ist er dank Sushi bekannt, muss aber beim Verkauf gekennzeichnet werden.[8] Um vom Verzehr abzuschrecken, wird auch auf den für marine Spitzen-Prädatoren nicht unüblichen Quecksilbergehalt des Fleisches hingewiesen. Die Wachse machen fast 90 % der ca. 20–25 % Lipide des Gewichts aus und könnten in der Kosmetik-Industrie und Medizin als Walrat-Ersatz Verwendung finden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Escolar (Lepidocybium flavobrunneum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. CommonNamesList bei www.fishbase.org (abgerufen am 3. Oktober 2009)
  2. Lepidocybium flavobrunneum bei www.fischdb.de (abgerufen am 3. Oktober 2009)
  3. What does Lepidocybium flavobrunneum mean? bei www.audioenglish.net (englisch, abgerufen am 3. Oktober 2009)
  4. P. Berman, E. H. Harley, A. A. Spark (1981): Keriorrhoea - the passage of oil per rectum - after ingestion of marine wax esters. South African medical journal 59 (22): S. 791–792. - Daher auch die engl. Namen castor- or ricinus-oil fish.- κηρός „Wachs“
  5. Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Buttermakrelen beim Bundesinstitut für Risikobewertung (abgerufen am 3. Oktober 2009; PDF-Datei; 44 kB)
  6. http://listproc.ucdavis.edu/archives/seafood/log0504/att-0016/01-Escolar_fact_sheet.pdf
  7. K. A. Feldman et al. (2005): A large outbreak of scombroid fish poisoning associated with eating escolar fish (Lepidocybium flavobrunneum). Epidemiology and infection 133: S. 29–33
  8. www.gesetze-im-internet.de (abgerufen am 22. Juni 2012)