Espenhain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Espenhain führt kein Wappen
Espenhain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Espenhain hervorgehoben
51.19166666666712.469444444444164Koordinaten: 51° 12′ N, 12° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Rötha
Höhe: 164 m ü. NHN
Fläche: 28,16 km²
Einwohner: 2301 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04579
Vorwahlen: 034206, 034347
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 110
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wolfschlugener Weg 1
04579 Espenhain
Bürgermeister: Jürgen Frisch
Lage der Gemeinde Espenhain im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Narsdorf Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Deutzen Regis-Breitingen Espenhain Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild

Espenhain ist eine Gemeinde im Landkreis Leipzig in Sachsen. Sie ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Rötha.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Espenhain liegt in der Leipziger Tieflandbucht ca. 20 km südlich von Leipzig und 8 km nördlich von Borna, mitten im neuerschlossenen Leipziger Neuseenland.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe von Espenhain befinden sich die Orte Rötha, Borna, Kitzscher und Dreiskau-Muckern.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Espenhain teilt sich im Wesentlichen in den alten Ortskern, genannt „das Dorf“, in die Siedlung, das Neubaugebiet, das Anfang der 60er Jahre den Beschäftigten des VEB BKK Espenhain als Wohnraum diente, und die Ortsteile Mölbis, Oelzschau und Pötzschau.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Geschichte der Ortsteile siehe jeweils dort.

Nach der Gründung als altsorbisches Dorf Miertzsch um 800 wurde der Ort nach 1150, befördert durch Wiprecht von Groitzsch, als Platzdorf gegründet und erhielt um 1350 den Namen "Espenhain". Das kleine Bauerndorf wird 1813/1814 stark in die Kämpfe der Völkerschlacht einbezogen. 1896 beginnt der Braunkohlenabbau. Eine Bahnstrecke nach Böhlen wird 1913 eröffnet. 1937 wird der Tagebau aufgeschlossen, 1940 wird die erste Kohle geliefert.[2][3]

Espenhain erreichte aufgrund des ansässigen Braunkohlekraftwerkes VEB BV Espenhain als der dreckigste Ort in der DDR traurige Berühmtheit. Zu dieser Zeit wurden Verfahren zur Abgasreinigung absichtlich vernachlässigt, indem zum Beispiel die Rauchgasfilter abgeschaltet wurden, beziehungsweise war moderne Filtertechnik noch nicht ausreichend vorhanden. Die Qualität der verwendeten Braunkohle war ebenfalls minderwertig, was giftige Verbrennungsrückstände verursachte. Über dem Ort und seiner Umgebung lag immer eine Wolke von Phenolen, Schwefel, Ruß und Asche. Der hohe Schadstoffausstoß machte es erforderlich, jeden morgen Straßen und Gehwege zu kehren, da sich eine dicke Ascheschicht niedergelassen hatte. Einige Einwohner berichten, dass gelegentlich die Sonne hinter Aschewolken verschwand und dass Autos tagsüber mit Licht fahren mussten. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Einwohner der Stadt waren verheerend. Die Lebenserwartung lag infolgedessen einige Jahre unter dem landesweiten Durchschnitt. Vor allem Kinder litten stark unter den auftretenden Haut- und Atemwegserkrankungen, wie z. B. Ekzemen und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Auch heute noch sind viele Einwohner von Spätfolgen betroffen.[4]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Dahlitzsch[5] 1. April 1934 Zusammenschluss mit Großpötzschau zu Pötzschau
Großpötzschau[5] 1. April 1934 Zusammenschluss mit Dahlitzsch zu Pötzschau
Kleinpötzschau[5] vor 1880 Eingemeindung nach Dahlitzsch
Kömmlitz[6][7] 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Oelzschau
Mölbis[8] 1. Januar 1999
Oelzschau[8] 1. April 1996
Pötzschau[8] 1. Januar 1995

Politik[Bearbeiten]

Ortspartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Espenhain unterhält mit der schwäbischen Gemeinde Wolfschlugen eine Ortspartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Espenhainer Kirche

Sport[Bearbeiten]

Im Jahr 1990 entstand in Espenhain der FSV Kitzscher. Dieser Verein ging aus der Betriebssportgemeinschaft „Aktivist Espenhain“ hervor. Die Fußballer der BSG spielten 1975-81 in der DDR-Liga, der damals zweithöchsten Spielklasse, die Kegler des Vereins sogar in der höchsten Spielklasse der DDR, der Sonderliga. Mit Manfred Uhlmann stellte die „BSG Aktivist Espenhain“ einen Weltmeister im Kegeln.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des Industrie- und Gewerbegebietes befindet sich die alte Hauptwerkstatt des VEB BKK Espenhain. Diese Werkstatt wird heute von TDE (Technische Dienste Espenhain) als Werkstatt und Produktionsstätte genutzt. In dieser Werkstatt findet unter anderem jährlich ein in der Region beachtetes Weihnachtskonzert statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Braunkohleveredelungswerk Espenhain

Auf dem Territorium des ehemaligen VEB BV Espenhain, zu DDR-Zeiten einer der größten Braunkohle verarbeitenden Betriebe der DDR, befindet sich jetzt ein Industrie- und Gewerbegebiet.

Am 8. September 2004 wurde in Espenhain das damals größte Solarstromkraftwerk der Welt (Solarkraftwerk Espenhain Spitzenleistung: 5 Megawatt) in Betrieb genommen.

Im Nachbarort Thierbach befand sich das Braunkohlekraftwerk Thierbach mit einer installierten Bruttoleistung von 840 MW. Es war von 1969 bis September 1999 in Betrieb. Der 300 m hohe Schornstein wurde im Oktober 2002 und die vier 93 m hohen Kühltürme im März 2006 gesprengt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 95 führt vierspurig durch die Gemeinde. Die Bundesautobahn 38 ist ca. 12 km entfernt.

Die Gemeinde liegt im Verbundgebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes; Espenhain liegt mit den Städten Rötha, Böhlen und Zwenkau in der Tarifzone 152. Ein Anschluss an das Schienennetz bestand bis 1993 durch die Bahnstrecke Böhlen–Espenhain. Heute dient die Bahnstrecke nur noch dem Güterverkehr zwischen Böhlen und dem Güterbahnhof Espenhain. Das Bahnhofsgebäude des Bahnhofes Espenhain ist bis heute ungenutzt geblieben.

Durch die Personenverkehrsgesellschaft Muldental ist Espenhain mit den Linien 101, 141 und 144 in Richtungen Böhlen, Kitzscher, Zwenkau und Leipzig-Probstheida angebunden. Die Linien 101 und 144 sind am Bahnhof Böhlen auf die Züge der S-Bahn Mitteldeutschland ausgerichtet. Durch die Thüsac Personenverkehrsgesellschaft mbH ist Espenhain zusätzlich mit der Regionalbuslinie 276 Richtungen Borna über Kitzscher und dem Ortsteil Mölbis verbunden. Die zentrale Haltestelle aller vier Buslinien ist Espenhain, Fußgängertunnel.

Bildung[Bearbeiten]

In Espenhain befindet sich eine Grundschule. Sie ist im Gebäude der ehemaligen Polytechnischen Oberschule „Hugo-Joachim“ untergebracht.

Auf dem Gebiet des ehemaligen VEB BV Espenhain befindet sich das Berufliche Gymnasium Espenhain.

Des Weiteren befindet sich im "IGP - Industrie- und Gewerbepark Espenhain" mit der TDE Personal Service GmbH eine überbetriebliche Aus- und Weiterbildungsstätte, die insbesondere in gewerblich-technischen Berufen (Schwerpunkt Metall- und Elektrobranche) sowie in kaufmännischen Berufen Lehrgänge durchführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Christoph Heinrich Zeibich (1677–1748), lutherischer Theologe, geboren in Mölbis

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Steche: Espenhain. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 23.
  • Espenhain. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 2. Band, Zwickau 1815, S. 567 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Tourismusportal Leipziger Neuseenland
  3. Broschüre "Espenhain" (PDF; 8,2 MB) der LMBV
  4. http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linaktuell/show.php3?id=298&nodeid=18
  5. a b c Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  6. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  8. a b c Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Espenhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien