Esperanto-Kultur
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Als Esperanto-Kultur bezeichnet man die internationale Kultur der Esperanto-Sprachgemeinschaft. Während die Plansprache selbst - so wie alle anderen Sprachen auch - keine Kultur hat, sondern nur Kulturträger ist, haben die Sprecher des Esperanto in über 100 Jahren seines Bestehens eine eigene Kultur geschaffen.[1][2] Anders als Plansprachen wie Ido, Occidental und Interlingua war Esperanto von Anfang an als Literatursprache konzipiert.[2]
Im Unterschied zu anderen ethnischen Sprachen nimmt die Schriftkultur einen deutlich höheren Stellenwert ein. Die Esperanto-Literatur hat ihre eigenen Autoren, welche original auf Esperanto schreiben oder geschrieben haben.[3] Theater und Film sind dagegen schwächer ausgeprägt.
Eine Untersuchung über die Originalsprachen, aus denen Bücher übersetzt wurden, ergab eine deutlich höhere Vielfalt als im Deutschen. Im Esperanto dominieren hier nicht die großen Sprachen.[4] Übersetzungen spielten in der Anfangsphase des Esperanto eine wichtige Rolle. Sie dienten dazu, die Möglichkeiten der Sprache auszutesten und zu erweitern.[5]
Trotz seines relativ jungen Alters hat Esperanto bereits eine eigene Phraseologie. Es gibt Esperanto-spezifische Begriffe, Sprichwörter, Redensarten und Wortspiele.[4]
Am 15. Dezember (dem Geburtstag von Ludwik Lejzer Zamenhof) feiern Esperantosprecher in aller Welt den Zamenhof-Tag. Ein alternativer Name lautet „Esperantobuchtag“.[6]
Das Gedicht La Espero gilt allgemein als die Hymne des Esperanto. Darin ist die Rede von Weltfrieden, Eintracht und den andauernden Segnungen einer neutralen Sprache.[7] Ob diese Ziele mit Hilfe des Esperanto erreicht werden können, steht jedem Esperantisten frei zu glauben. Auf dem ersten Esperanto-Weltkongress, in Boulogne-sur-Mer 1905, gab es einen Beschluss, der als Esperantisten jeden definierte, der die Sprache kennt und verwendet, egal zu welchem Zweck. Ausdrücklich hieß es, dass die Verfolgung oder Nichtverfolgung von Idealen in Zusammenhang mit der Verbreitung der Sprache die ganz private Angelegenheit jedes einzelnen Sprechers sei.[8][9] Toleranz und Gedankenfreiheit stellten von Beginn an wichtige Werte der Esperanto-Sprachgemeinschaft dar.
Zu den Themen Esperanto-Literatur, Esperanto-Musik sowie Esperanto-Symbole gibt es eigene Artikel. Esperanto-Kultur beinhaltet ferner:
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[Bearbeiten] Theater
Im Rahmen des Esperanto-Weltkongresses 1908 in Dresden wurde Goethes Iphigenie auf Tauris auf Esperanto aufgeführt. Der Philosoph Rudolf Carnap zeigte sich begeistert.[10] Auch der Schauspieler Emanuel Reicher schwärmte von der Darbietung.[11] Heute gibt es zum Beispiel eine Theatergruppe in Toulouse (Frankreich).[12]
[Bearbeiten] Filme
Sogar Filme wurden auf Esperanto gedreht. In der Liste der Esperanto-Version der Wikipedia wurden (Stand: März 2007) 17 Titel erfasst, davon drei Kurzfilme. Der erste Spielfilm auf Esperanto ist Angoroj.[13] Der bekannteste Film ist Incubus mit William Shatner in der Hauptrolle.[14]
[Bearbeiten] Kulturelle Veranstaltungen
Eine Reihe von Festivals haben Esperanto-Kultur zum Thema. Solche Veranstaltungen finden in Skandinavien[15], Russland[16], Polen[17], der Ukraine[18] und Frankreich[19] statt.
[Bearbeiten] Museen und Bibliotheken
In Wien befindet sich das Internationale Esperanto-Museum. Die zugehörige Sammlung für Plansprachen ist Teil der Österreichischen Nationalbibliothek.[20] Die Deutsche Esperanto-Bibliothek ist in Aalen beheimatet.[21] Die Bibliothek Hector Hodler befindet sich in Rotterdam (Niederlande).[22]
[Bearbeiten] Stiftungen und Preise
Die Stadt Aalen vergibt zusammen mit der FAME-Stiftung zur Förderung internationaler Verständigungsmittel den FAME-Esperanto-Kulturpreis.[21] Die Stiftung Mondo hat einen eigenen Fond für Esperanto-Kultur.[23]
Der Esperanto-Weltbund veranstaltet seit 1950 jedes Jahr die Belartaj Konkursoj (Wettbewerbe der schönen Künste). In den Kategorien Poesie und Prosa werden seit 1976 nur Beiträge zugelassen, die original auf Esperanto verfasst wurden. Seit jenem Jahr gibt es eine Kategorie für Essays. Diese dürfen ebenfalls nur Esperanto-Originale sein. 1984 kam die Kategorie Lied hinzu.[24][25][26]
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Detlev Blanke: Ĉu Esperanto havas kulturon? Jes kaj ne! bei Libera Folio
- ↑ a b Blanke, Detlev: Interlinguistische Beiträge. Zum Wesen und zur Funktion internationaler Plansprachen. Herausgegeben von Sabine Fiedler. Frankfurt/Main u.a.: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, 2006, ISBN 3-631-55024-3, S. 224f.
- ↑ Ronald J. Glossop: La kulturo de Esperanto
- ↑ a b Fiedler, Sabine: Plansprache und Phraseologie: Empirische Untersuchungen zu reproduziertem Sprachmaterial im Esperanto. Verlag Peter Lang, Frankfurt, 1999. ISBN 3-631-34088-5
- ↑ Fabian-Handbuch: Deutsche Esperanto-Bibliothek
- ↑ "La mondo festis Zamenhof-tagon", Libera Folio.
- ↑ Enciklopedio de Esperanto, Buchstaben H und Ĥ, Stichwort Himno Esperantista.
- ↑ Deklaration von Boulogne-sur-Mer in Wikisource
- ↑ alternative Quelle mit Ort und Datum
- ↑ Rudolf Carnap: Mein Weg in die Philosophie. Reclam, Ditzingen, 1993. ISBN 3-150-08844-5
- ↑ Goethe und Lessing in Dresden. In: Ökumenisches Esperanto-Forum, Nummer 31, 8. Jahrgang, September 1998
- ↑ Teatro Trupo Tuluzo
- ↑ Angoroj in der Internet Movie Database (englisch)
- ↑ imdb.com
- ↑ Kultura Esperanto-Festivalo (KEF)
- ↑ Esperanto - Lingvo Arta (EoLA)
- ↑ Artaj Konfrontoj en Esperanto (Arkones)
- ↑ Velura Sezono
- ↑ Kultura kaj Arta Festivalo de Esperanto (KAFE)
- ↑ Sammlung für Plansprachen der ONB
- ↑ a b Internetauftritt der Stadt Aalen
- ↑ Biblioteko Hector Hodler
- ↑ Internetauftritt der Stiftung Mondo
- ↑ Belartaj Konkursoj 1950-1999, Sten Johansson, 2000.
- ↑ detaillierte Teilnahmeregeln
- ↑ Übersicht mit den Gewinnern von 1950 bis 2007

