Esperanto-Rechtschreibung

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Das Esperanto-Alphabet[Bearbeiten]

Esperanto wird mit einem Alphabet geschrieben, das aus 28 Buchstaben besteht. Davon sind 22 mit dem deutschen Alphabet identisch. Die Buchstaben q, w, x, y und die deutschen Sonderzeichen ä, ö, ü, ß fehlen. Die restlichen sechs Buchstaben haben ein „Hütchen“: ĉ, ĝ, ĥ, ĵ, ŝ (c, g, h, j und s mit Zirkumflex), und ŭ (u mit Breve).

Das Fundamento, also das offizielle Regelwerk der Sprache Esperanto, listet die Buchstaben auf und erläutert im deutschsprachigen Text[1]: „Anmerkung: ĝ lautet wie das englische g in gentleman; das ĵ lautet wie das französische j in journal; ŭ – wie das kurze u in glauben (wird nur nach einem Vokal gebraucht). Bei mangelnden Typen im Druck ersetzt man ĉ, ĝ, ĥ, ĵ, ŝ, ŭ durch ch, gh, hh, jh, sh, u.“

Regel 9 Fundamento[1] lautet: „9. Jedes Wort wird gelesen so wie es geschrieben steht.“ Die Rechtschreibung des Esperanto ist phonematisch, was bedeutet, dass jedem Phonem (Sprachlaut) genau ein Buchstabe und jedem Buchstaben genau ein Phonem zugeordnet sind.

Schreibung von Wörtern[Bearbeiten]

Im Esperanto gibt es außer obiger Regel keine feststehenden Vorschriften, dafür aber eine Reihe gemeinsamer Praktiken. Grundsätzlich werden alle Wörter klein geschrieben. Ausnahmen sind das erste Wort im Satz und Eigennamen von Personen und Orten, nicht aber von Ländern, deren Bewohnern und Sprachen. Ausnahme ist hiervon „Esperanto“, da die Sprache ursprünglich als „Internacia lingvo“ (Internationale Sprache) von „D-ro Esperanto“ (Dr. Esperanto) veröffentlicht wurde und sich der Name somit von einem Personennamen ableitet.

Die Wortbildung erfolgt nach einem Bausteinsystem. Entsprechend werden bei einer Zusammenstellung alle Buchstaben der Originalteile geschrieben, auch wenn zwei gleiche Buchstaben aufeinanderfolgen. Im Affix-System des Esperanto ist dies nicht möglich, wohl aber bei der Kombination zweier Wortstämme. In diesem Fall wird meist das Suffix „o“, analog zum deutschen Binde-s, als Bindevokal eingefügt, selten dagegen „a“, „e“ oder „i“, wobei immer alle erlaubt sind.

Ein Bindestrich zwischen Bestandteilen ist immer möglich, sollte aber wegen des Leseflusses und der Unhörbarkeit vermieden werden. Problematisch wird dies im Zusammenhang mit der Herkunft des jeweiligen Sprechers. Deutsche artikulieren gewöhnlich deutliche Pausen, während andere Muttersprachler zum Verschleifen neigen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Es gibt sowohl „e-letero“ (E-Brief) als auch „eletero“, welches aus den Wörtern „el“ (aus) und „etero“ (Äther) zusammengesetzt wird, wobei eine sinnentsprechende, poetische Übersetzung „aus den Himmelssphären kommend“ wäre.

Mit wenigen Ausnahmen existieren auch keine doppelten Konsonanten. Bekannter Sonderfall ist „finno“ (Finne), entsprechend „finnlando“. Die Ursache liegt in der internationalen Wiedererkennbarkeit und der Tatsache, dass dadurch eine Kollision mit dem Wort „fino“ (Ende) vermieden wird.

Eine Verschleifung von Buchstaben zu einem neuen Buchstaben erfolgt im Esperanto auf keinen Fall.

Zeichensetzung[Bearbeiten]

Die Zeichensetzung ist nicht definiert und unterliegt den bekannten Gepflogenheiten der europäischen Sprachen. Somit ist ausschließlich die Verwendung des Punkts und des Doppelpunkts einheitlich, während das Komma recht unterschiedlich gebraucht wird. Gemeinhin gilt es als guter Stil, wenn unterbrechende Teile, also Nebensätze oder Einschübe, mit Kommas gekennzeichnet werden.

Gänzlich ungeregelt sind Hervorhebungen und wörtliche Rede, die im Deutschen mit Anführungszeichen markiert werden. Neben anderen Zeichen ist auch die gegensätzliche Verwendung in den Nachbarländern möglich. Dabei setzen sich seit einiger Zeit die französische oder die US-Variante durch. Dagegen sind „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ nach spanischem Muster mit Gedankenstrichen zur Kennzeichnung der wörtlichen Rede versehen.

Alternative Schreibungen[Bearbeiten]

In der Anfangszeit des Esperantos musste davon ausgegangen werden, dass die neuen Buchstaben bei Druck und Telegrafie nicht immer zur Verfügung standen und man eine Ersatzschreibweise brauchte, ähnlich der bei deutschen Umlauten. Deshalb wurde schon im Fundamento festgelegt, dass die Konsonanten ohne Zirkumflex, aber mit nachstehendem „h“, zum Beispiel „sh“ statt „ŝ“, geschrieben werden können. Bei dem „ŭ“ entfällt das Breve ersatzlos. Weil das Fundamento am 9. August 1905 als Basis festgelegt wurde, sind die beiden Schreibweisen mit Zirkumflex oder mit nachstehendem „h“ die einzig offiziell zugelassenen.

Diakritische Zeichen am Computer[Bearbeiten]

Alle Systeme[Bearbeiten]

Die aufgeführten Eingabemöglichkeiten stehen für mehr als ein Betriebssystem zur Verfügung.

Emacs[Bearbeiten]

Unter Emacs können unabhängig von der Tastaturbelegung mit dem Befehl M-x set-input-method Eingabemethoden ausgewählt werden. Für Esperanto stehen folgende zur Verfügung:

esperanto-postfix
Verwende das X-System, ersetze also Cx bis ux durch Ĉ bis ŭ. Das angehängte x kann durch ^ ersetzt werden.
esperanto-prefix
Verwende Akzente: ^C bis ^s für Ĉ bis ŝ, ~U und ~u für Ŭ und ŭ.
esperanto-alt-postfix
Wie esperanto-postfix.

Um das Präfix/Suffix vom Buchstaben zu trennen, wird es doppelt eingetippt. Eine Beschreibung der gewählten Eingabemethode erhält man mit dem Befehl M-x describe-input-method

Vim[Bearbeiten]

Der Vim bringt von Haus aus die Möglichkeit mit, mehrere Zeichen zu kombinieren, diese heißen hier Digraphs. Ihre Eingabe wird durch Strg+K eingeleitet. Die Esperanto-Zeichen erreicht man:

  • Strg+K U ( wird zu Ŭ
  • Strg+K u ( wird zu ŭ
  • Strg+K G > wird zu Ĝ
  • Strg+K g > wird zu ĝ
  • Strg+K H > wird zu Ĥ

usw.

Die vollständige Liste erhält man durch :digraphs

Windows[Bearbeiten]

Unter Windows ist die Eingabe der Esperanto-Buchstaben nicht ohne weiteres möglich. Zum einen gibt es Zusatzpragramme wie EK, die Texte in der X-Schreibweise auf Knopfdruck umwandeln - zum anderen besteht die Möglichkeit, das Tastatur-Layout um die fehlenden Buchstaben zu erweitern.

Tastatur-Layout erweitern[Bearbeiten]

Microsoft bietet für viele Sprachen eigene Tastaturtreiber an, speziell für Esperanto jedoch nicht. Mit einem speziellen Programm [2] wird aber die Möglichkeit geboten, Tastaturtreiber selbst zu erstellen und anzupassen. Über das Internet kann man bereits erweiterte deutsche Tastaturtreiber finden - mit diesen Treibern können die Esperanto-Buchstaben in allen Programmen, die Unicode-Unterstützung bieten, genutzt werden. Ein großer Vorteil der angepassten deutschen Treiber ist, dass man nicht zwischen verschiedenen Tastatur-Versionen herumschalten muss und zum Beispiel deutsche Umlaute und Esperanto-Sonderzeichen ununterbrochen nacheinander eingeben kann. Weiterhin muss nicht irgendein Knopf betätigt werden, um den Text umzuwandeln.

Beispiele der beiden erweiterten deutschen Tastatur-Layouts:

  • ^ + c = ĉ, AltGr + ü = ŭ [3]
  • AltGr + c = ĉ, AltGr + ü = ŭ [4]

Etwas umständlicher, jedoch eine Alternative, falls man keine Tastatur-Treiber nachinstallieren kann, ist der vorinstallierte Treiber Kanada (Standard -- Multilingual). Er enthält Zeichen aus sehr vielen Sprachen, die Varianten des lateinischen Alphabets verwenden und auch aus Esperanto.[5] Ein großer Nachteil im Vergleich zu den angepassten deutschen Treibern ist, dass man zwischen den Treibern hin- und herschalten muss.

Zusatzprogramm EK[Bearbeiten]

Mit dem Programm „EK“[6] kann man per Knopfdruck erreichen, dass der Computer automatisch zum Beispiel ,cx‘ in ,ĉ‘ umwandelt.

Ein kommerzielles Werkzeug ist die Šibboleth-Sonderzeichenhilfe[7]. Es kann sämtliche lateinischen Buchstaben erzeugen. Zeichen mit Zirkumflex erhält man wahlweise durch ein nachgestelltes > gefolgt von # als Kombinier-Taste (g># = ĝ) oder durch Verwendung der Zirkumflex-Taste (^g = ĝ). Das u mit Breve erhält man durch eine nachgestellte öffnende Klammer (u(# = ŭ).

Linux/X11[Bearbeiten]

Grafische Oberfläche mit deutscher Tastaturbelegung[Bearbeiten]

Unter X11 können diese Buchstaben, wie alle auf dem lateinischen Alphabet basierenden Zeichen, direkt eingegeben werden.

Ist eine Tastaturbelegung mit Tottasten ausgewählt, ergibt ^ + C nacheinander so Ĉ. Analog erzeugt man ĝ, ĥ, ĵ und ŝ. Das ŭ hingegen ist über AltGr + Shift + # und danach ein u zu erreichen.

X11-Standardmapping für Esperantozeichen bei deutscher Tastaturbelegung mit Tottasten
Zeichen Tastenkombination
ĉ ^ c
Ĉ ^ Shift+c
ĝ ^ g
Ĝ ^ Shift+g
ĥ ^ h
Ĥ ^ Shift+h
ĵ ^ j
Ĵ ^ Shift+j
ŝ ^ s
Ŝ ^ Shift+s
ŭ AltGr+Shift+,#‘ u
Ŭ AltGr+Shift+,#‘ Shift-u

Bei einer Tastaturbelegung ohne Tottasten werden die Zeichen mit Hilfe der Compose-Taste gebildet. Hierbei ergeben nun Compose + ^ + C nacheinander das Ĉ. Wieder analog dazu werden ĝ, ĥ, ĵ und ŝ erzeugt. Das ŭ wird dagegen zu Compose + u + u.

X11-Standardmapping für Esperantozeichen bei deutscher Tastaturbelegung ohne Tottasten
Zeichen Tastenkombination
ĉ Compose ^ c
Ĉ Compose ^ Shift+c
ĝ Compose ^ g
Ĝ Compose ^ Shift+g
ĥ Compose ^ h
Ĥ Compose ^ Shift+h
ĵ Compose ^ j
Ĵ Compose ^ Shift+j
ŝ Compose ^ s
Ŝ Compose ^ Shift+s
ŭ Compose u u
Ŭ Compose Shift+u Shift+u

Esperanto-Tastatur[Bearbeiten]

Unter jüngeren Versionen von KDE oder GNOME lässt sich in den Tastatureinstellungen eine eigene Tastenbelegung für Esperanto einstellen. Hin- und herschalten lässt sich, indem man beide Umschalt-Tasten gleichzeitig drückt oder auf das Dock-Applet klickt.

Mac OS X[Bearbeiten]

Mac OS X stellt keine Auswahl für eine Esperanto-Tastatur bereit, obwohl eine Spracheinstellung für Ausgaben und Verarbeitungen gegeben ist. In Mac OS X kann man jedoch in der Systemeinstellung→Landeseinstellung→Tastaturmenü weitere Tastaturbelegungen aktivieren.

Erweiterte Tastatur[Bearbeiten]

Die Einstellung „US Erweitert“ hat als Basis die US-Belegung. Sie erlaubt jedoch die Nutzung der Alt-Taste oder der Alt-Shift-Kombination, wobei zahlreiche Tottasten zur Verfügung stehen, die in Kombination mit dem Folgebasisbuchstaben zu einem neuen Buchstaben werden. Dadurch ist es problemlos möglich, alle Alphabete, die auf dem lateinischen Alphabet basieren darzustellen. So wird aus der Kombination Alt-u→a der Buchstabe „ä“, aus Alt-u→Shift-o das „Ö“. Ebenso sind nichtzusammengesetzte Buchstaben wie das „ß“ mit Alt-s oder deutsche Anführungszeichen vorhanden.

Für Esperanto werden Alt-6→Konsonant oder Alt-b→u benötigt. Die Großschreibweise wird erreicht, indem der jeweilige Basisbuchstabe zusammen mit Shift eingegeben wird. Die anfangs ungewohnte Eingabekombination geht schnell in Gewöhnung über.

Hex-Eingabe[Bearbeiten]

Mit dem „Unicode Hex-Eingabe“-Layout kann man alle Zeichen direkt als Zahl eingeben. Man aktiviert dazu das Unicode-Layout und über das Drücken der Wahltaste (alt) und das eintippen des vierstelligen Hexcodes für die jeweiligen Zeichen kann man diese in beliebige „Mac OS X“-Programme einfügen.

Liste der Buchstaben mit Hexadezimalwerten
Zeichen Hex-Wert
Ĉ 0108
ĉ 0109
Ĝ 011C
ĝ 011D
Ĥ 0124
ĥ 0125
Ĵ 0134
ĵ 0135
Ŝ 015C
ŝ 015D
Ŭ 016C
ŭ 016D

LaTeX[Bearbeiten]

Unter LaTeX können grundsätzlich alle Diakritika mit allen Buchstaben verbunden werden. Für die benötigten Zeichen geht das über die Befehle

\^C \^c \^G \^g \^H \^h \^J \^{\j} \^S \^s \u{U} und \u{u}

Es gibt jedoch eine Auswahl an Paketen (zum Beispiel eo.sty), die die Eingabe zu ^C bis ^u vereinfachen oder die direkte Verarbeitung von Latin-3-kodierten Zeichen ermöglichen. Ebenso ist die Verarbeitung von UTF-8-kodierten Texten möglich, die die Esperanto-Buchstaben als Unicode-Zeichen enthalten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Deutschsprachiger Text des Fundamento
  2. Microsoft Keyboard Layout Creator
  3. Windows-Tastatur-Treiber „^“-Variante
  4. Windows-Tastatur-Treiber „AltGr“-Variante
  5. Multilingualer Tastaturtreiber
  6. EK
  7. Šibboleth-Sonderzeichenhilfe