Kritik an Esperanto

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Kritik an der Plansprache Esperanto lässt sich in mehrere Punkte unterteilen. Teilweise werden Plansprachen als solches kritisiert, teilweise die Bestrebungen von Esperantisten, Esperanto als Weltsprache einzuführen. Andere Kritikpunkte zielen auf bestimmte Eigenschaften des Esperanto. Einige der Kritiker, die bestimmte Eigenschaften des Esperanto kritisiert haben, haben Esperantiden oder andere Plansprachprojekte entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Sprachliche Kritik

[Bearbeiten] Mangelnde Internationalität

Edgar von Wahl macht darauf aufmerksam, dass die Ableitungssilben des Esperanto zu Formen führen, die zu den „international bekannten Formen“ in Gegensatz stehen, z. B. redaktisto (Redakteur), redaktejo (Redaktion), publikigaĵo (Publikation), aliformigilo (Transformator), katolikismo (Katholizismus). Esperanto führt deshalb zusätzlich noch „quasi-internationale“ aber nicht regelmäßig abgeleitete Formen ein, z. B. redaktoro, redakcio, transformatoro. „Wo Esperanto international ist, ist es nicht regelmäßig, und wo es regelmäßig ist, ist es nicht international, sondern groteske Willkür.“[1]

[Bearbeiten] Slawische Einflüsse

Edgar von Wahl hat die Kritik geäußert, eine „polnische“ Orthographie für den mehrheitlich „latino-romanischen“ Wortschatz führe zu einem fremden Schriftbild und häufigen Schreib- und Lesefehlern (colo (Zoll) aber kolo (Hals), caro (Zar) aber kara (lieb), deca (anständig) aber deka (zehnter)).[2] Auch wendet von Wahl ein, die „polnische“ Betonung führe zu einem fremdartigen Klang, der Fehler provoziere (radío (Radio), regúlo (Regel), opéro (Oper)),[2] und die Einführung der slawischen Verbalaspekte stelle für Deutsche, Engländer, Japaner große Schwierigkeiten dar.[2]

Zur Verteidigung der Orthographie und der Betonungsregeln des Esperanto wird als Gegenargument häufig aufgeführt, dass es wichtiger sei, einheitliche Regeln zu haben, als sich nach den Gewohnheiten derer zu richten, die romanische Sprachen sprechen. Damit mache man die Sprache auch für Nicht-Europäer zugänglicher, als wenn man sich den Unregelmäßigkeiten (oder komplizierteren Regeln) der romanischen Sprachen unterordnete.

Zu den „slawischen Verbalaspekten“ ist zu sagen, dass diese z. B. im Russischen zwingend anzuwenden sind, da dort für verschiedene Aspekte derselben Tätigkeit oft verschiedene Verben verwendet werden. Diese zwingende Unterscheidung stellt Lernende manchmal vor Probleme. Bei Esperanto gibt es dagegen durch das Verbalpräfix „ek-“ für den Inchoativ und das Verbalsuffix „-ad-“ für den Durativ zwar die Möglichkeit, Verbalaspekte auszudrücken, aber das Verb bleibt dabei immer dasselbe und die Verwendung dieser Möglichkeit ist optional. Im Übrigen sind Verbalaspekte nichts „slawisches“, sondern auch im Deutschen in Verwendung (z. B. der Inchoativ „loslaufen“ statt „laufen“), und auch die Japaner unterscheiden z. B. zwischen „ame ga furidashita“ (es hat angefangen zu regnen) und „ame ga furu“ (es regnet).

[Bearbeiten] Verwechslungsmöglichkeiten und Ausspracheprobleme

Der russische Phonologe Nikolai Sergejewitsch Trubezkoi wies auf Phoneme (Laute) im Esperanto hin, die von Sprechern einiger Sprachen leicht verwechselt werden könnten: b und p, d und t, ĉ (tsch) und ĝ (dsch) usw. Zudem gibt es im Esperanto viele Laute, die insbesondere für bestimmte Volksgruppen Schwierigkeiten darstellen, da sie in ihrer Sprache nicht vorkommen wie zum Beispiel h für romanische Sprecher oder ch-Laut und r für Asiaten.

Dagegen wird argumentiert, ohne Laute, die in irgendeiner Sprache der Welt leicht verwechselbar seien, bliebe nicht viel Lautmaterial übrig. Insbesondere müsste dann international verbreitetes Wortgut stark umgeformt werden, womit der Vorteil der internationalen Bekanntheit entfiele.[3]

[Bearbeiten] Kennzeichnung der grammatischen Kategorien

Edgar von Wahl kritisiert am Esperanto auch die „kindische Maskerade“ durch „seine willkürlichen Etiketten für grammatikalische Kategorien, wie die Endung -o für die Hauptwörter,“ z. B. hundo (Hund), brusto (Brust), haŭto (Haut), Eŭropo (Europa), boao (Boa), knabo (Knabe).[2]

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Erwiderungen auf Kritik

  • Martin Minich: Why Esperanto Supports Language Diversity. (auf Englisch; Universala Esperanto-Asocio)
  • Helmut Welger: Plansprachliche Gütekriterien und ihre Konkretisierung und Gewichtung bei Zamenhof. In: Soziokulturelle Aspekte von Plansprachen. Beiträge gehalten auf der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für Interlinguistik e. V., 7.–9. November 1997 in Berlin. Red. Ulrich Becker. Berlin: GIL. 1998. ISSN 1432-3567 (wohl auch in: Grundlagenstudien aus Kybernetik und Geisteswissenschaft. Band 40, Heft 2, Juni 1999)

[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Aufl. Stuttgart, s. a. S. 24.
  2. a b c d Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Aufl. Stuttgart, s. a. S. 23.
  3. Lars-Gunnar Andersson: What makes a language hard? In: Simpozio pri interkultura komunikado. Göteborg 2003.
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