Werden

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Werden (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen von Werden
Wappen der Stadt Essen

Werden
Stadtteil von Essen

Lage von Werden im Stadtbezirk IX Werden/Kettwig/Bredeney
Basisdaten
Fläche 4,04 km²
Einwohner 9737 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 2410 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 23′ 11″ N, 6° 59′ 47″ O51.3863896.99638958Koordinaten: 51° 23′ 11″ N, 6° 59′ 47″ O
Höhe 58 m
Eingemeindung 1. Aug. 1929
Räumliche Zuordnung
Postleitzahl 45239
Stadtteilnummer 29
Bezirk Stadtbezirk IX Werden/Kettwig/Bredeney
Bild
Marktplatz und Rathaus in Werden

Marktplatz und Rathaus in Werden

Quelle: Statistik der Stadt Essen

Werden ist heute ein Stadtteil im Süden der Stadt Essen. Als ehemalige selbständige Abtei-Stadt besitzt Werden bis heute eine historische Altstadt und viele Baudenkmäler. Den Stadtteil prägen lockere Wohnbebauung mit Handel und Gewerbe sowie Gebiete zur Naherholung im Ruhrtal.

Geschichte[Bearbeiten]

Stift Werden[Bearbeiten]

Die Entstehung Werdens geht auf das Wirken des Hl. Liudger zurück, der am Ende des 8. Jahrhunderts (um 799) das Benediktinerkloster Werden gründete. Seitdem siedelten sich Menschen um das Kloster an. Im Jahre 1317 erhielt Werden die Stadtrechte, eigene Mauern und Tore.

Siehe auch: Alteburg (Essen)

In der Kellerei des Stiftes Werden ist im Heberegister Ende des 14. Jahrhunderts von der Flur under der Levendaell die Rede. Nach dieser Flurbezeichnung erhielt schließlich 1934 die alte Bahnhofstraße ihren Namen Im Löwental. Weitere Schreibweisen waren Leyendall, Lyevendaell oder Lewendaill. Ebenfalls ist hier ein Levenkotten und der Familienname Leve bzw. Leven bezeugt.[1]

Im Jahr 1498 brannte fast die gesamte Stadt Werden nieder.

Die Stadtherren waren die Äbte von Werden. Das Kloster hatte ursprünglich eine große Zahl an Besitzungen, zu denen die heutigen Essener Stadtteile Bredeney, Heisingen, Schuir, Kettwig, Fischlaken, Heidhausen, Kupferdreh und Byfang sowie Hetterscheid im heutigen Heiligenhaus, auch als Werdener Land bezeichnet, gehörten. Im Jahre 1803 jedoch war es mit der Herrschaft der Äbte vorbei, die Abtei wurde wie viele andere Klöster, dazu gehörte auch das Stift Essen, im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses säkularisiert.

Bürgermeisterei[Bearbeiten]

In den Jahren 1879 bis 1880 entstand das heute Alte Rathaus der damals selbständigen Stadt Werden. Es wurde nach Plänen des Kupferdreher Baumeisters Wilhelm Bovensiepen errichtet. Durch Umbau und Erweiterung der Essener Architekten Grosskopf und Kunz nahm das Rathaus in den Jahren 1912 und 1913 die heutige Form an. Nach der Eingemeindung von Werden zur Stadt Essen ist das Alte Rathaus bis heute die Verwaltungsstelle Essen-Werden. Gewohnt hat der Bürgermeister im sogenannten Bürgermeisterhaus in der Heckstraße 105, einer klassizistischen Villa, die 1833 von dem Industriellen F. Vogelsang erbaut und 2004 grundlegend renoviert wurde. Seit 1985 dient das Haus auch als Kulturstätte, beispielsweise für Lesungen und Kammerkonzerte.[2]

Werdener Bürgermeister:

  • 1808–1811: Benedict Ludger Hiegemann
  • 1811–1819: Alexander Heinrich Freiherr von dem Bottlenberg gen. von Schrip
  • 1819–1843: Theodor Märcker
  • 1851–1886: Alexander Freiherr von dem Bottlenberg gen. von Schrip
  • 1886–1896: Ludwig Soldan
  • 1896–1904: Johann Emil Trapp
  • 1904–1929: Joseph Breuer

Werden bekam Mitte des 19. Jahrhunderts Öllaternen, 1860 dann Gaslaternen, da eine Gasanstalt errichtet wurde. Ebenfalls in dieser Zeit erschien erstmals eine Zeitung, das Werden-Kettwiger Wochenblatt. 1887 wurde die Stadt kanalisiert, wie schon Kettwig zwei Jahre zuvor.

Ruhraufstand und Ruhrbesetzung[Bearbeiten]

Im Rahmen des Ruhraufstandes entwaffneten Arbeiter am 15. März 1920 Teile der Einwohnerwehr. Das am nächsten Tag von der Wehr zur Unterstützung gerufene Freikorps Schultz schoss vor dem Rathaus in eine friedliche Demonstration. Vier Demonstranten wurden getötet.[3]

Im Jahr 1923 besetzten französische Truppen Werden und der Krupp-Prozess gegen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde hier geführt.

Seit der Eingemeindung zu Essen[Bearbeiten]

Werden wurde mit mehreren anderen Orten rund um Essen am 1. August 1929 eingemeindet.

In den Jahren 1931 bis 1933 entstand in Werden ein Ruhrstauwehr und mit diesem auch der Baldeneysee, heute ein Naherholungsgebiet. Vor der Aufstauung des Baldeneysees, Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, diente die alte Schleuse Neukirchen der Ruhrschifffahrt.

In den 1960er Jahren wurde auch die historische Altstadt Werdens von der „Sanierung“ durch die Stadt Essen erfasst. Es wurden aber nur wenige historische Bauwerke zerstört, bevor sich die Einsicht durchsetzte, besser durch Renovierung zu sanieren und nicht durch Abriss.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Auf rotem Grund ein silbernes (weißes) mit vier roten Kugeln besetztes Pallium.

Auf einem Korrespondentensiegel des 17. Jahrhunderts ist das Wappen belegt. Auch vor der Figur des heiligen Ludgerus ist ein Wappen mit dem Pallium zu sehen[4]

Kirchen[Bearbeiten]

Die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus[Bearbeiten]

Basilika Sankt Ludgerus

Die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus wurde um 799 zusammen mit dem Kloster Werden erbaut. Nach einigen größeren Bränden konnte sie schließlich im Jahre 1275 wieder eingeweiht werden. Sie gilt als eine der schönsten Kirchen des Rheinlandes und als Paradebeispiel des rheinischen Übergangsstils. Sie besitzt einen barocken Hochaltar und Gemälde des Werdener Malers Theodor Mintrop. Der Bau diente nach der Säkularisation als Pfarrkirche. Am 6. Juli 1993 erhob Papst Johannes Paul II. die Kirche mit dem Apostolische Schreiben Merito quidem zur Basilica minor. In der Krypta liegen die Gebeine des Hl. Liudger, Begründer des Klosters Werden und des Bistums Münster, begraben. In der angeschlossenen Schatzkammer befindet sich mit dem Helmstedter Kreuz ein bedeutendes Kunstwerk des Übergangs von der ottonischen zur romanischen Plastik sowie mit dem Liudgerus-Schrein einer der wenigen barocken Reliquienschreine.

Die St.-Lucius-Kirche[Bearbeiten]

Die St.-Lucius-Kirche gilt als die älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen (Baubeginn ab 995). Nach der Säkularisation 1803 wurde die Kirche 150 Jahre als Stall genutzt, anschließend diente sie als Wohnraum für Flüchtlinge. Im Jahr 1965 wurde sie rekonstruiert und wieder geweiht.

Die Evangelische Kirche Essen-Werden[Bearbeiten]

Die Evangelische Kirche Essen-Werden wurde am 24. Juni 1900 geweiht. Sie besitzt wertvolle Jugendstil-Malereien, die vor einiger Zeit wieder freigelegt wurden. Gestiftet wurde sie unter anderem von der Familie Krupp sowie von der in Werden ansässigen Familie Huffmann.

Bildung[Bearbeiten]

Städtische Grundschulen[Bearbeiten]

Die Heckerschule ist nach dem in Werden geborenen Theologen und Begründer der praxisorientierten Realschule Johann Julius Hecker benannt.

Nach dem Hl. Liudger benannt bietet die Ludgerus-Grundschule in modernen Räumen die Ganztagsbetreuung für etwa 100 Schülerinnen und Schüler an.

Gymnasien[Bearbeiten]

Das Gymnasium Essen-Werden ist ein städtisches Gymnasium, dessen Ursprünge in der Lateinschule des Klosters Werden (um 800) liegen. Bekannt ist es für seine Musik- und Tanzabteilungen. Im Jahr 2006 feierte die Schule das hundertjährige Bestehen als städtisches Gymnasium in einer Festwoche.

Das Mariengymnasium war bis zum Schuljahr 2009/2010 ein reines Mädchengymnasium des Bistums Essen. Gegründet im Jahr 1858 von den Töchtern des heiligen Kreuzes, war es für die Töchter der oberen Schicht bestimmt. Heute steht es Mädchen aus allen Schichten offen, und seit dem Schuljahr 2010/2011 werden in getrennten Klassen auch Jungen aufgenommen. Das Gebäude an der Dudenstraße 14 wurde 1912 erbaut, der Neubau an der Brückstraße im Februar 2007 bezogen.

Folkwang-Hochschule[Bearbeiten]

Die Folkwang-Hochschule für Musik, Theater und Tanz hat ihren Hauptsitz in den früheren Abteigebäuden Werdens. Studierende und Lehrende aus aller Welt machen die Kunsthochschule zu einem inspirierenden Ort, an dem der Folkwang-Gedanke – die Einheit der Künste – seit 1927 lebendig ist. Außerdem ist ein Teil in der Weißen Mühle an der Schleuse Neukirchen untergebracht.

Verkehr[Bearbeiten]

Verkehrsknotenpunkt in Werden: Die Gustav-Heinemann-Brücke der B224 über die Ruhr

Die Bundesstraße 224 führt mitten durch das Zentrum des Stadtteils.

Am Bahnhof Essen-Werden, westlich der Ruhr, hält die Linie S 6.

Die Buslinien 169, 180 und 190 der EVAG verbinden Essen-Werden mit Essen-Bredeney, Essen-Kettwig, Essen-Burgaltendorf (über Essen-Kupferdreh), Velbert und Heiligenhaus. Der Schnellbus SB19 der Busverkehr Rheinland verbindet Werden (Haltestellen Werdener Markt und Am Schwarzen) direkt mit Essen Hbf und Velbert (Haltestelle Postamt). Im Nachtverkehr verbindet der NE8 Essen mit Velbert über Werden.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Cincinnius (* ca. 1485 in Lippstadt, † 9. März 1555 in Essen-Werden), Weltkleriker im Dienste der Abtei Werden, Humanist
  • Johann Julius Hecker (* 2. November 1707 in Werden; † 24. Juni 1768 in Berlin), Gründer der praxisorientierten Realschule
  • Robert Feulgen (* 2. September 1884 in Werden; † 24. Oktober 1955 in Gießen), Mediziner und Universitätsprofessor
  • Gerhard Fittkau (* 11. Mai 1912 in Tollnigk; † 6. März 2004 in Essen-Werden), Theologe, Pfarrer an der St.-Ludgerus-Kirche (Werden)
  • Paschalis Gratze (* 27. November 1819 in Werden; † 30. April 1896 in Dingelstädt), Orgelbauer und Kirchenbaumeister
  • Konrad Gruter, (Anfang des 15. Jahrhunderts), Ingenieur
  • Wilhelm Effmann (* 14. September 1847 in Werden; † 23. Mai 1917 in Bonn), Architekt und Bauhistoriker
  • Ludger Mintrop (* 18. Juli 1880 in Werden; † 1. Januar 1956 in Essen), Geophysiker

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl-Heinz Günther: Festschrift und Dokumentation 1200 Jahre Werden : 799–1999. Vorbereitungsausschuß 1200 Jahre Werden, 1999.
  •  Ludger Fischer: Denkmalpfade in Essen-Werden. Nobel, Essen, 2006, ISBN 3-922785-87-5. (vollständig überarbeitete Auflage des ursprünglichen Titels Bau- und Kunstdenkmale in Essen-Werden, Essen 1996)
  •  Detlef Hopp: Unter unseren Füßen – Ein archäologischer Streifzug durch Werden. Klartext, Essen, 2005, ISBN 978-3-89861-490-0.
  •  Johann A. Engels: Die Reise nach Werden: mit Kupfern. Bädeker & Kürzel in Comm., Duisburg, 1813.Digitalisat des Exemplars der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  •  Erik Zimmermann: Auf den Spuren des Ruhrbergbaus. Bergbau- und industriegeschichtliche Wanderwege im Werdener Land.. Nobel, Essen, 1997, ISBN 3-922785-37-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Essen-Werden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Westdeutsche Allgemeine Zeitung WAZ, Essener Straßen, vom 5. Juli 2008
  2. www.essen.de Bürgermeisterhaus Werden; zuletzt gesichtet am 31. Mai 2011
  3. Lucas, Erhard - Märzrevolution im Ruhrgebiet. März bis April 1920. März Verlag, Frankfurt a. M., 1970, S. 275
  4. Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile, Essen 2009, S. 108 ff.
  5. Essener Verkehrs-AG