Essig-Rose

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Essig-Rose
Wild Rosa gallica Romania.jpg

Essig-Rose (Rosa gallica)

Systematik
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Rosen (Rosa)
Untergattung: Rosa
Art: Essig-Rose
Wissenschaftlicher Name
Rosa gallica
L.

Die Essig-Rose (Rosa gallica),[1] auch Gallica-Rose genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rosen (Rosa) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist eine robuste Wildrose, die seit vielen Jahrhunderten kultiviert wird und von der viele unserer heutigen Garten-Rosen abstammen; sie wird zu den Alten Rosen gezählt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Essig-Rose wächst als sommergrüner,[1] gedrungener, aufrechter Strauch und erreicht Wuchshöhen von etwa 1 Meter. Es werden weithin kriechenden Ausläufer gebildet. Die Zweige sind grün oder stumpfgrün. Die Stacheln sind sehr ungleich, meist gekrümmt, aber auch gerade und oft mit zahlreichen mehr oder weniger geraden Stachelborsten und Stieldrüsen besetzt.

Die 2 bis 6 Zentimeter langen Laubblätter sind unpaarig gefiedert mit meist drei oder fünf, selten sieben Fiederblättchen. Der Blattstiel und -spindel sind durch Drüsen und Haken rau. Die ledrigen Fiederblättchen sind bei einer Breite von 2 bis 6 Zentimetern breit elliptisch oder eiförmig mit abgerundeter bis herzförmiger Basis und stumpfem oder plötzlich zugespitztem oberen Ende. Die Oberseite der Fiederblättchen ist dunkelgrün sowie rau und die Unterseits heller sowie oft leicht behaart Die Sommerblätter bleiben bis in den Winter am Strauch. Die Nebenblätter sind schmal.

Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die Blüten stehen meist einzeln auf dicken, drüsigen Blütenstielen. Tragblätter sind vorhanden. Die Blütenstiele, Blütenbecher und die Kelchblätter sind meist stieldrüsig. Die duftenden, zwittrigen Blüten sind bei einem Durchmesser von 4 bis 6 Zentimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die äußeren Kelchblätter sind stark gefiedert, nach der Blüte straff zurückgeschlagen und hinfällig. Die fünf Kronblätter sind ausgerandet, hellrot bis dunkelpurpurn, sie haben einen hellen Nagel. Die kurzen Griffel sind frei.

Die Hagebutten sind bei einer Länge von etwa 1,5 Zentimetern kugelig oder birnenförmig, wenig fleischig, vor der Reife drüsenborstig und färben sich bei Reife braunrot.

Ökologie[Bearbeiten]

Bei der Essig-Rose handelt es sich um einen Nanophanerophyten.[1] Die vegetative Vermehrung geschieht durch unterirdische Ausläufer.

Vorkommen[Bearbeiten]

In Mitteleuropa fehlt die Essig-Rose nördlich von Main und Mosel (mit Ausnahme der südlichen Eifel, der Rhön und der Haßberge). In den Mittelgebirgen mit kalkhaltigem Gestein ist sie selten, sie bildet dort aber oft lockere Bestände; in den Alpen fehlt sie.[2][3]

Die Gallica-Rose wächst wild in Laubwäldern und auf trockenen Wiesen in Mitteleuropa und Südeuropa. Sie wurde schon von den Römern als Heilpflanze, zur Herstellung von Parfüm und Rosenessig in Plantagen angebaut. Als Heilpflanze wurde sie nach Untergang des römischen Reiches in Klostergärten, später auch als Zierpflanze in privaten Gärten angepflanzt. Sie kann wurzelecht vermehrt werden und treibt Ausläufer, die im Garten schwer wieder zu entfernen sind.

Die wärmeliebende Essig-Rose braucht Frühjahrsnässe und Sommertrockenheit in Licht- bis Halbschattenlage. Sie gedeiht am besten auf nährstoffreichen aber kalkarme, schwere Lehm- oder Tonböden mit[2][3] Sie besiedelt Waldränder und Wegraine im Hügel- und im Bergland.[2][3]

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Rosa gallica erfolgte durch Carl von Linné.

Rosa gallica ist die einzige Art der Sektion Rosa in der Untergattung Rosa innerhalb Gattung Rosa. In molekulargenetischen Studien befindet sich Rosa gallica innerhalb der Klade der Sektion Caninae, verfügt jedoch über eine normale Meiose. Sie oder eine unbekannte/ausgestorbene nah verwandte Art könnte eine der Elternarten der allopolyploiden Caninae-Arten sein.[4]

Nutzung der Gallica-Rosen[Bearbeiten]

Neben ihrem Duft und ihrer Zierde für Gärten wird die Rosa gallica schon seit dem Altertum für die Herstellung von Rosenöl, Rosenwasser, Rosenessig und ihre Blütenblätter als Tee von Apothekern genutzt. Der Auszug der Blüten wirkt adstringierend und wird zur Heilung im Mund- und Rachenbereich, zum Gurgeln, sowie zur Behandlung schlecht heilender Wunden verwendet.

Sorten[Bearbeiten]

Die magentarote Sorte 'Officinalis' (Apotheker-Rose) war im 15. Jahrhundert als 'Red Rose of Lancaster' das Symbol des Hauses Lancaster. Ihr gegenüber stand die Rosa alba, die 'Weiße Rose' der Adelsfamilie des Hauses York.

Ein bekannter Sport (plötzlich auftretende Mutation), der aus der Sorte 'Officinalis' vor 1583 (Erwähnung bei Carolus Clusius als Rosa gallica variegata) entstanden ist, heißt 'Versicolor' oder auch 'Rosa Mundi' und hat hell karmesinrot-weiß gestreifte Blüten. Die 'Rosa Mundi' wurde 2009 in die Hall of Fame der Weltrosen gewählt.

Ein Zentrum des Anbaus von Rosa gallica war die Stadt Provins bei Paris, daher wird sie auch Provinsrose genannt. Während des Anfangs des 17. Jahrhunderts, als es nur etwa ein Dutzend verschiedener Sorten der Gallica-Rose gab, stieg die Zahl der Sorten durch Züchtungen in Holland und Frankreich bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf über 1000 an. Einige beliebte Sorten der Rosa gallica im Überblick:

  • 'Aimable Rouge', vor 1800, samtrot;
  • 'Camaieux', 1830, zartrosa mit weiß und karmin gestreift;
  • 'Cardinal de Richelieu', 1840, purpurviolett, sehr dunkel;
  • 'Charles de Mills', vor 1811, purpur-karmesinrot;
  • 'Conditorum', eingeführt von Dieck (D) 1889, magentarot, „Konditor-Rose“;
  • 'Duc de Guiche', vor 1810, karminrot bis rosa;
  • 'James Mason', Peter Beales, 1982, weinrot, gelbe Staubgefäße;
  • 'Officinalis', vor 1310, magentarot, „Apotheker-Rose“;
  • 'Perle von Weißenstein', Schwartzkopf (D) 1773, rot, älteste deutsche Rosenzüchtung;
  • 'Tuscany', vor 1581 (Erwähnung bei Lobel), gefüllte Samtrose, dunkelrot;
  • 'Versicolor', vor 1583, karmesinrot-weiß gestreift;
  • 'Violacea', vor 1581 (Erwähnung bei Lobel), einfache Samtrose, dunkelrot

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Schultheis: Rosen: die besten Arten und Sorten für den Garten. Ulmer Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-6601-1.
  • Heinrich Schultheis, Helga und Klaus Urban: Rosenlexikon. 2. Auflage. 2001, ISBN 3-932045-25-4. (CD-ROM)
  • Peter Beales: Klassische Rosen 2. Auflage. DuMont-Monte-Verlag, Köln 2002, ISBN 3-8320-8736-2.
  • Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. 4. Auflage. Ulmer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8001-8246-6.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Welcher Baum ist das? Kosmos Naturführer. 24. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1992, ISBN 3-440-06570-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Essig-Rose. In: FloraWeb.de.
  2. a b c Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  3. a b c Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Band 2: Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1994, ISBN 3-440-06192-2.
  4. Volker Wissemann, C. M. Ritz: The genus Rosa (Rosoideae, Rosaceae) revisited: molecular analysis of nrITS and atpB-rbcL intergenic spacer (IGS) versus conventional taxonomy. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 147, 2005, S. 275–290. doi:10.1111/j.1095-8339.2005.00368.x

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sorten der Rosa gallica – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien