Etüden (Chopin)

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Korrekturfahne von op. 10.2 mit handschriftlichen Anmerkungen Chopins

Frédéric Chopin hinterließ 27 Etüden für Klavier, zwölf in op. 10, zwölf in op. 25 und drei postum veröffentlichte.

Bedeutung[Bearbeiten]

Als „Magna Charta des Klavierspiels“ (Karl Schumann) sind sie von zeitloser Schönheit und pianistischem Reiz. Große Klavierkomponisten wie Alkan, Skrjabin, Debussy und Rachmaninow haben sich an ihnen orientiert. Kongeniale Verwandlungen sind die Studien über die Etüden von F. Chopin (Godowsky). Die Chopin-Etüden sind

„... als Tonstücke in Etudenform allgemein als eine künstlerische Höchstleistung im Gebiet der mechanisch-technisch wertvollen, wie geistig-inhaltlich bedeutenden Klavierliteratur anerkannt ... und behalten [trotz Godowskys Studien] ihre ewige Bedeutung.“

Leopold Godowsky

Opus 10[Bearbeiten]

Die Etüden wurden zwischen 1829 und 1832 komponiert und sind Franz Liszt gewidmet.

op. 10.7
  • Nr. 1, C-Dur – Allegro: majestätisches Portal des ganzen Etüdenwerks, Grundtonoktaven links, Dezimen rechts; die glatte Bewältigung verlangt eine eher geschmeidige als weite Hand, weil das 4. zum 5. Sechzehntel in Terzen wechselt (MM Quarter note with upwards stem.svg = 176)
  • Nr. 2, a-Moll – Allegro: chromatische Sechzehntelgänge für den 3., 4. und 5. Finger der rechten Hand
  • Nr. 3, E-Dur – Lento ma non troppo: sangliches Thema mit reichen Mittelstimmen, zahlreiche, oft kitschige Bearbeitungen („In mir klingt ein Lied“); im beschleunigten und erheblich schwierigeren Mittelteil chromatische Tritoni und Sexten in beiden Händen
  • Nr. 4, cis-Moll – Presto, con fuoco: enge Mittelstimmen, grandiose Mittelsteigerung und Coda
  • Nr. 5, Ges-Dur – Vivace: rechte Hand auf schwarzen Tasten. Bearbeitungen von Rafael Joseffy und Marc-André Hamelin, sechs Versionen von Leopold Godowsky
  • Nr. 6, es-Moll – Andante: melancholisches Lied mit verschlungenen Mittelstimmen
  • Nr. 7, C-Dur – Vivace: bezauberndes „Scherzo“ mit Terz-Sextenwechsel rechts, ein Daumenbrecher. Ignaz Friedman spielt sie atemberaubend schnell.[1]
  • Nr. 8, F-Dur – Allegro, veloce: weite Übersetzungen des 4. und 5. Fingers und Untersetzungen des Daumens rechts
  • Nr. 9, f-Moll – Allegro molto agitato: weite Sechzehntel mit Orgelpunkt links, verhangene Melodie rechts, fahler pianissimo-Schluss
  • Nr. 10, As-Dur – Vivace assai: 12/8, dolce in zwei, drei und sechs Achteln, stark, schwach und synkopisch gebundene „Triolen“, phasenweise im 2er-Staccato, weite Bassbegleitung, rauschende Mittelwendung vom fortissimo zum dolcissimo – für Artur Rubinstein „das schwierigste Klavierstück überhaupt“
  • Nr. 11, Es-Dur – Allegretto: vertrackte weite Arpeggien in beiden Händen.
  • Nr. 12, c-Moll – Allegro con fuoco: als sogenannte „Revolutionsetüde“ neben der E-Dur-Etüde wohl die bekannteste; zwei Fanfarenmotive rechts, stürmische Sechzehntelläufe links.

Opus 25[Bearbeiten]

Das zweite Etüdenwerk entstand zwischen 1833 und 1837 und ist der Gräfin Marie d´Agoult, der damaligen Lebensgefährtin Franz Liszts, gewidmet.

op. 25.11
op. 25.12
  • Nr. 1, As-Dur – Andante sostenuto: Gesang über klein gesetzten Akkordläufen beider Hände.
  • Nr. 2, f-Moll – Presto: im Allabreve 4er- gegen 2er-Triolen
  • Nr. 3, F-Dur – Allegro: Sexten und Oktaven in jedem Achtel beider Hände, eingeschobene Zweiunddreißigstel, Synkopen, orchestrale H-Dur-Modulation, bezaubernder Frohsinn.
  • Nr. 4, a-Moll – Agitato: Basssprünge links, Synkopen rechts. Verjazzt von Leszek Możdżer
  • Nr. 5, e-Moll – Vivace: sehr schwierige Vorschlagsstudie mit weiten arpeggierten Grundakkorden links; im E-Dur-Mittelteil erinnert die Melodie der linken Hand an Wagners Tannhäuser
  • Nr. 6, gis-Moll – Allegro, Allabreve: Terzen, beidhändige Modulation vom verminderten Septakkord zur Tonika
  • Nr. 7, cis-Moll – Lento: Rezitativ und virtuose Cellostimme links; die einzige von Godowsky nicht bearbeitete Chopin-Etüde
  • Nr. 8, Des-Dur – Vivace: Sexten in beiden Händen, zunächst dolce, schließlich in mitreißendem Fortissimo vom Bass in den Diskant
  • Nr. 9, Ges-Dur – Allegro assai: links Achtelhüpfer im Staccato; rechts die jeweils 4. Sechzehnteloktave nach der gebundenen 3. abzusetzen, macht den (schwierigen) Witz des Stücks aus.
  • Nr. 10, h-Moll – Allegro con fuoco: Oktaven mit Mittelstimme in beiden Händen, sanglicher Mittelteil in H-Dur
  • Nr. 11, a-Moll – Allegro con brio: nach viertaktigem Lento-Thema ein „Wintersturm“, weite Oktavsprünge der Melodiestimme links
  • Nr. 12, c-Moll – Allegro molto con fuoco: klangmächtiges Allabreve mit gebrochenen Akkorden in beiden Händen, beim 3./4. Sechzehntel Wechsel vom schwächsten und stärksten Finger, ohne Pause über die ganze Klaviatur.

Nachgelassene Etüden[Bearbeiten]

Composées pour la Méthode des Méthodes de Moscheles et Fétis, wurden die zweiseitigen Übungen 1841 von Maurice Schlesinger ohne Opuszahl veröffentlicht.

  • f-Moll – Andantino: Im Legato Triolen gegen Achtel
  • As-Dur – Allegretto: „Lied ohne Worte“, Triolen gegen Achtel
  • Des-Dur – Allegretto: Scherzo mit zwei Stimmen in der rechten Hand, die Mittelstimme staccato, die Oberstimme legato.

Paraphrasen[Bearbeiten]

  • Alistair Hinton: Étude en forme de Chopin, op. 26 (1992).
  • Leopold Godowsky: Studien über die Etüden von F. Chopin. New York 1899, Berlin 1903.
  • Friedrich Wührer: Achtzehn Studien zu Frederic Chopins Etuden in Motu Contrario. Heidelberg 1958.

Einspielungen[Bearbeiten]

Einspielung von op. 25.7

Um den Chopin-Etüden Glanz und Wärme zu geben, müssen nicht nur die immensen fingertechnischen Herausforderungen souverän bewältigt werden; auch Agogik, Dynamik und Pedalisierung verlangen große Pianisten. Vladimir Ashkenazy, Alfred Cortot, György Cziffra, Ignaz Friedman, Andrei Wladimirowitsch Gawrilow, Adam Harasiewicz, Nikita Magaloff, Murray Perahia, Maurizio Pollini und Ragna Schirmer haben bedeutende Einspielungen vorgelegt.[2] Die Aufnahme von Wilhelm Backhaus (1928) wurde 2010 neu aufgelegt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ignaz Friedman
  2. Markus Horsch (musiktheorie-online.de)