Ettenreichgasse

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Straßentafel Ettenreichgasse
Mosaik Josef Ettenreich, Ettenreichgasse 22
Ehemaliger Stadtbauarchitekt W.F.Sommer(bis 2010), Ettenreichgasse 21−23
GRG 10, Ettenreichgasse 41−43
Feldhamsterstudie, Ettenreichgasse 41−43
Ehemaliges Familienasyl St. Josef (1935/36), Ettenreichgasse 42−44
Mutter mit Kindern (1951) von Edmund Moiret, Ettenreichgasse 42−44
Pädagogische Akademie, Ettenreichgasse 45

Die Ettenreichgasse befindet sich im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten. Sie wurde 1875 nach Josef Ettenreich benannt, einem Fleischermeister, der 1853 ein Messerattentat auf den österreichischen Kaiser Franz Josef vereiteln konnte.

Lage und Charakteristik[Bearbeiten]

Die Ettenreichgasse beginnt am Reumannplatz und führt in südlicher Richtung ansteigend bis zur Grenzackerstraße. Sie ist durchgehend mit Alleebäumen bestückt und besitzt einen Radweg. Für den Auto- und Busverkehr wird sie ab der Troststraße südlich als Einbahnstraße geführt. Hier verkehren die Autobuslinien 66A, 67A und 70A zum Reumannplatz. Zwischen Troststraße und Dieselgasse wird sie für Autofahrer als Sackgasse geführt und danach bis zur Grenzackerstraße wird die Ettenreichgasse großteils zum Fuß- und Radweg, da sich hier ein großes Schulzentrum befindet. Dieser Weg überquert mit dem Pernerstorfersteg die Grenzackerstraße und setzt sich auf der anderen Seite in der Otto-Willmann-Gasse fort. Die Bebauung zwischen Reumannplatz und Inzersdorfer Straße stammt weitgehend noch aus der Zeit um 1900, danach folgen weitere moderne Bauten. Auf Nummer 38 befindet sich eine Moschee.

Bauwerke[Bearbeiten]

Nummer 1 Paula-Hof[Bearbeiten]

Der Paula-Hof stammt aus dem Jahr 1914 und befindet sich an der Ecke zum Reumannplatz. Die Seite dorthin ist repräsentativ ausgestattet.

Nummer 9 - Steine der Erinnerung[Bearbeiten]

Auf Nummer 9 wohnte Familie Steiner, welche in Favoriten auch ein Textilgeschäft besaßen. Alle Mitglieder der Familie wurden unter der NS-Herrschaft in Wien deportiert. Am 8. Mai 2009 wurden Steine der Erinnerung für drei Ermordete in den Boden vor dem Haus eingelassen: Janka Löwenstein, Simon und Risa Steiner.

Nummer 21-23 Ehemaliger Stadtbaumeister W.F.Sommer[Bearbeiten]

Hier wurde im Mai 2010 die Werkhalle des ehemaligen Stadtbaumeisters W.F.Sommer abgerissen. An der Fassade waren die Zunftzeichen für Maurer und Zimmerleute und beim Haupttor zur Linken ein Maurer und zur Rechten ein Zimmermann bei ihrer Arbeit abgebildet. Es handelt sich um rotbraune Reliefdarstellungen welche mit "LS" signiert wurden. Von Herbst 2010 bis Frühjahr 2012 errichtet die ÖSW (Österreichisches Siedlungswerk Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft)auf diesem Areal ein Wohnhaus.

Nummer 22 Ettenreich-Mosaik[Bearbeiten]

Am modernen Haus Nummer 22 befindet sich ein zweiteiliges Mosaik, das an den Namensgeber der Gasse, Josef Ettenreich, erinnert. Die linke Seite zeigt ein Porträt des Genannten, die Inschrift dabei stellt ihn vor. Auf der rechten Seite ist die Votivkirche zu sehen, die zum Dank für das überstandene Attentat vom Kaiser gestiftet wurde, die Inschrift bezieht sich hier auf die Tat Ettenreichs.

Nummer 25−27 Ehemalige Turnhalle Sokol[Bearbeiten]

Hier befand sich ursprünglich eine Fabrikhalle, die in den Jahren 1933/34 von Josef Vytiska zu einer Turnhalle für den tschechischen Verein Sokol umgebaut wurde. Der langgestreckte Bau mit Flachdach hatte an der Eingangsfront ein Putzschnittfeld mit dem Bild eines Falken (Sokol heißt auf Deutsch Falke). Um das Jahr 2000 wurde dieser Bau abgerissen und durch einen modernen Wohnhausneubau ersetzt. Dahinter entstand die neue Sokol-Turnhalle an der Angeligasse.

Nummer 41−43 GRG 10[Bearbeiten]

Am Beginn des Schulzentrums in der Ettenreichgasse stand ein Gymnasium, das 1958−60 nach Plänen des Architekten Wilhelm Hubatsch errichtet wurde. Von 2009−11 findet auf dem Schulgelände eine Studie über die hier frei lebenden Feldhamster statt. Diese heute schon seltene Tierart fühlt sich gegenwärtig in menschlicher Umgebung wohl.

Nummer 42−44 Ehemaliges Familienasyl St. Josef[Bearbeiten]

Da durch die politische und wirtschaftliche Lage der kommunale Wohnhausbau in Wien in den 1930er Jahren stark zurückging, kam es zunehmend zur Errichtung von sogenannten Erwerbslosensiedlungen am freien Stadtrand, die in schlichter Form den zahlreichen arbeitslosen Wohnungssuchenden eine Unterkunft bieten sollten. Nach dem Vorbild des deutschen NS-Volkswohnungsbaus entstanden ab 1935 sieben Wohnhausanlagen, die die christlichsoziale Stadtverwaltung Familienasyle nannte. Diese insgesamt 830 Wohnungen wurden ausschließlich einkommensschwachen und kinderreichen Familien zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt. Meist wurde daraus aber eine Dauerwohnung.

Die genannte Wohnhausanlage wurde nach dem Heiligen Josef benannt. Der Architekt Franz Wiesmann erbaute sie 1935/36 in einfachen schmucklosen Formen und bemühte sich, trotz der geringen zur Verfügung stehenden Mittel, ein Mindestmaß an Humanität bei der Gestaltung des Wohnraums zu verwirklichen. Die Anlage besteht aus 95 Wohnungen in zwei Wohnhöfen, die Ecken an der Troststraße sind als einziges Gestaltungselement zurückversetzt. Zwischen 1991 und 1993 erfolgte eine Sanierung der Wohnhausanlage.

An der Seite zur Ettenreichgasse befindet sich an der Hauswand eine Großplastik von Josef Heu, die den Heiligen Josef darstellt. Diese Figur musste während der nationalsozialistischen Zeit Figuren mit dem Zeitgeschmack entsprechenden Heroen weichen. Nach dem Krieg wurde sie wieder am Haus angebracht. Damals entstand 1951 noch ein keramisches Relief von Edmund Moiret Mutter mit Kindern, das sich an der Seite zur Troststraße befindet.

Die ganze Wohnhausanlage steht unter Denkmalschutz.

Nummer 45 Pädagogische Akademie[Bearbeiten]

1968 wurden die Gebäude für die Pädagogische Akademie des Bundes nach Plänen von Karl Leber und Heinrich Matha errichtet. Ausgebildet werden hier Pflichtschullehrer und Kindergartenpädagogen. Den Ausbildungsstätten sind eine Übungsvolksschule und ein Übungskindergarten, jeweils mit eigenen Eingängen, angeschlossen.

Höhere Technische Bundeslehranstalt[Bearbeiten]

Auf der anderen Seite der Ettenreichgasse, bereits an der Grenzackerstraße, befindet sich die Höhere Technische Bundeslehranstalt (HTL). Hier befindet sich außerdem das größte Solarkraftwerk Wiens, das 1989 als Kraftwerk am Dach errichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Tschulk: Wiener Bezirkskulturführer Favoriten. Jugend & Volk, Wien 1985
  • Dehio-Handbuch Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Anton Schroll, Wien 1996

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ettenreichgasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.16868116.374579Koordinaten: 48° 10′ 7″ N, 16° 22′ 28″ O