Eucherius von Lyon

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Eucherius von Lyon (* vor 410; † um 450) war Bischof von Lyon und Heiliger.

Leben[Bearbeiten]

Eucherius stammte aus einer der angesehenstenen Patrizierfamilie Galliens. Um 410 siedelte er nach einer öffentlichen Laufbahn mit seiner Frau Galla und seinen Söhnen Salonius und Veranus, den späteren Bischöfen von Genf und Vence, auf die Klosterinsel Lerinum, danach unter Zurücklassung der Söhne bei ihren Lehrern Vinzenz von Lérins und Salvian von Marseille auf die Nachbarinsel Lero (heute Sainte-Marguerite) über, wo ein streng asketisches Kloster unter der Leitung von Honoratus von Arles bestand. Er stand u. a. in brieflichem Kontakt mit Paulinus von Nola. Um 434 wurde Eucherius Bischof von Lyon. 441 nahm er an der Synode von Orange teil.

Es sind mehrere Mönchsschriften (De laude eremi, De contemptu mundi; verloren sind seine Auszüge aus den ihm von ihrem Autor gewidmeten Conlationes sanctorum patrum des Johannes Cassianus und ein Werk über die wahre Philosophie) von Eucherius von Lyon bekannt, außerdem hat er zwei exegetische Nachschlagewerke verfasst, die im Mittelalter sehr beliebt waren und im klösterlichen Unterricht Verwendung fanden. Es handelt sich um die Formulae spiritalis intelligentiae, allegorische Ausdeutungen von bildlichen Redensarten in der Bibel, und die Instructiones, Erklärungen biblischer Einleitungsfragen, schwieriger Bibelstellen, hebräischer und griechischer Eigennamen und Fremdwörter.

Sein bekanntestes Werk ist die Passio Agaunensium martyrum über das Martyrium der Thebaischen Legion und St. Mauritius, welches er um die Jahre 430/40 niederschrieb.[1] Andere Bischöfe griffen diese ursprünglich auf das heutige Schweizer Wallis beschränkte Legende auf, und erweiterten sie um Bonn (St. Cassius und St. Florentius), Köln (St. Gereon) und Xanten (St. Viktor und St. Mallosus).

Eucherius wird als Heiliger verehrt. Sein Festtag ist der 16. November.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gereon Becht-Jördens: Biographie als Heilsgeschichte. Ein Paradigmenwechsel in der Gattungsentwicklung: Prolegomena zu einer formgeschichtlichen Interpretation von Einharts Vita Karoli. In: Andrea Jördens, Hans Armin Gärtner, Herwig Görgemanns, Adolf Martin Ritter (Hrsg.): Quaerite faciem eius semper. Studien zu den geistesgeschichtlichen Beziehungen zwischen Antike und Christentum (Dankesgabe für Albrecht Dihle zum 85. Geburtstag aus dem ,Heidelberger Kirchenväterkolloquium’). Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2008, S. 1–21, bes. S. 16–21. ISBN 978-3-8300-2749-2
  • Thomas Reiser: Darstellung, Wertung und Funktion von Einsamkeit. Bernhard von Tiron, die ersten Eremiten, Eucherius von Lyon. In: MlJb 44. 2009, S. 273-302.
  • Otto Wermelinger u. a. (Hrsg.): Mauritius u.d. Thebäische Legion (Paradosis 49). Fribourg 2005
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Eucherius von Lyon. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1547–1548.
  • Passio Acaunensium Martyrum. In: Bruno Krusch (Hrsg.): Scriptores rerum Merovingicarum 3: Passiones vitaeque sanctorum aevi Merovingici et antiquiorum aliquot (I). Hannover 1896, S. 20–41 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. E. F. Gelpke: Kirchengeschichte der Schweiz unter der Römer-, Burgunder- und Allemannenherrschaft. Verlag der J. Dalp'schen Buchhandlung, Bern 1856, S. 53.
Vorgänger Amt Nachfolger
Sicaire Bischof von Lyon
434–450
Patent