Eugène Freyssinet

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Marie Eugène Léon Freyssinet[1] (* 13. Juli 1879 in Objat, Département Corrèze; † 8. Juni 1962, Saint-Martin-Vésubie, Alpes-Maritimes) war französischer Ingenieur und Erfinder des Spannbetons.

Leben[Bearbeiten]

Freyssinet studierte an der École polytechnique und an der École Nationale des Ponts et Chaussées in Paris, wo er 1905 das Diplom erwarb. In den Jahren 1903 bis 1907 arbeitete er im örtlichen Ingenieur- und Straßenbaudienst in Moulins bei Vichy. Es folgte bis 1914 eine Tätigkeit als Partner bei François Mercier und anschließend bis 1929 eine als technischer Leiter bei der Unternehmung Limousin. Da Entreprises Limousin das von Freyssinet entwickelte Spannbettverfahren nicht unterstützte verließ er das Unternehmen und wurde im Alter von fünfzig Jahren Teilhaber bei dem Bauunternehmen Campenon-Bernard bis er 1943 die Société Technique Pour l'Utilisation de la Précontrainte (S.T.U.P.) gründete, die 1976 in Freyssinet-International umfirmierte.[2]

Schaffen[Bearbeiten]

Von 1907 bis 1911 plante und betreute Freyssinet den Bau des Pont du Veurdre, ein dreibogiges Betonbauwerk über den Fluss Allier. Für diese Brücke und zwei weitere Allierbrücken wurde vorab ein flacher Versuchsbogen mit 50 Meter Stützweite und 2 Meter Stich errichtet. Die Bogenwiderlager ließ er durch ein Betonzugband bestehend aus vorgespannten, einbetonierten Stahldrähten verbinden. Nach unvorhergesehenen Verformungen und Durchbiegungen beim Pont du Veurdre erforschte Freyssinet das nichtlineare Betonkriechen. Aus den Langzeitverformungen des Betons schloss er, dass für ein wirksames Vorspannen von Beton eine hohe Stahl- und Betonfestigkeit erforderlich ist. Als Erster beschrieb und begründete Freyssinet dies einwandfrei und meldete 1928 zusammen mit seinem Partner Jean Séailles die Patente zum Spannbeton mit Verbund im Spannbett an. Eine praktische Anwendung war unter anderem die Rettung einer Kaianlage im Hafen von Le Havre im Jahr 1934 durch seitlich an den Gründungskörper gespannte Fundamente. Seine erste Spannbetonbrücke war eine Dienststegbrücke in Algerien mit fünf Öffnungen von jeweils 20 Meter Stützweite.[2]

Mit der in den Jahren 1921 bis 1923 geplanten und erbauten Luftschiffhalle Orly entwickelte er das Eisenbetonfaltwerk als raumabschließendes Bauelement. Der Pont de Plougastel, eine Bogenbrücke mit drei Öffnungen von jeweils 186 Meter Stützweite, entstand von 1926 bis 1930 nach seinen Plänen.

Die erste weitgespannte Spannbetonbrücke von Freyssinet war die Marnebrücke bei Luzancy, die zwischen 1941 und 1945 errichtet wurde und bei der erstmals das 1940 patentierte nachträgliche Vorspannen mit Pressen und Spanngliedern zur Anwendung kam. Die sehr flache Zweigelenkrahmenbrücke hatte eine Stützweite von 55 Metern. Zu den weiteren bedeutenden Bauwerken, die Freyssinet nach 1945 entwarf, gehören unter anderem fünf weitere Spannbetonbrücken über die Marne aus den Jahren (1947–1949), die Brücke zwischen Caracas und La Guaira in Venezuela aus den Jahren 1952/1953 und die Autobahnbrücke Nr. 10 am Flughafen Orly in Frankreich aus dem Jahre 1958. Nicht verwirklicht wurde der Phare du Monde für die Weltausstellung 1937 in Paris.[3]

1937 verlieh das Royal Institute of British Architects Freyssinet die Ehrenmitgliedschaft. 1957 erhielt er die Goldmedaille der Institution of Structural Engineers. Er hatte zwischen 1925 und 1956 insgesamt 75 Patente angemeldet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eugène Freyssinet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Donald Langmead, Christine Garnaut: Encyclopedia of Architectural and Engineering Feats. ABC-Clio, Santa Barbara CA u. a. 2001, ISBN 1-57607-112-X, S. 8.
  2. a b Horst Metzler:Eine frühe Spannbeton-Straßenbrücke nach dem Verfahren Freyssinet. In: Betonbau in Forschung und Praxis. Festschrift zum 60. Geburtstag von György Ivanyi, Verlag Bau und Technik 1999, S.154
  3. Edward Relph: The modern urban landscape. From 1880 to the present. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 1987, ISBN 0-8018-3560-7 (Digitalisat, englisch).