Eugen Gomringer

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konkreter mensch in der Kunsthalle Villa Kobe (2003)
konkretes Buch
konkrete Unterschrift

Eugen Gomringer (* 20. Januar 1925 in Cachuela Esperanza, Bolivien, als Sohn eines Schweizers und einer Bolivianerin) gilt als Vater der Konkreten Poesie.

Leben[Bearbeiten]

Gomringer studierte von 1944 bis 1952 Nationalökonomie und Kunstgeschichte in Bern und Rom. Von 1954 bis 1957 arbeitete er als Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm. 1953 gründete er mit Dieter Roth und Marcel Wyss die Zeitschrift Spirale und gab von 1960 bis 1965 die Buchreihe konkrete poesie – poesia concreta heraus. Von 1961 bis 1967 war er Leiter des Schweizerischen Werkbundes. Von 1967 bis 1985 leitete er den Kulturbeirat der Rosenthal AG in Selb. Von 1977 bis 1990 lehrte er überdies als Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er war 1966 bis 1968 Mitglied des documenta-Rates zur 4. documenta im Jahr 1968 in Kassel. 1986 hatte er eine Gastprofessur für Poetik in Bamberg und wurde 1988 Intendant des Internationalen Forums für Gestaltung in Ulm.

Seit 1971 ist er Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 2000 gründete er das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP) an seinem langjährigen Wohnort, dem oberfränkischen Rehau. Seine Sammlung bildete den Grundstock des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt.

1997 wurde Gomringer mit dem Kulturpreis der Stadt Rehau ausgezeichnet. Am 21. Oktober 2007 erhielt er ferner den erst- und einmalig verliehenen Premio Punta Tragara per la Poesia Concreta. Die Preisverleihung fand auf dem Gipfel des Säntis statt. Im Jahre 2008 wurde er für seine Verdienste mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. Im Juni 2010 waren er und seine Tochter Nora für eine Poetik-Dozentur an die Universität Koblenz-Landau eingeladen. Am 22. Januar 2011 hat die Alice Salomon Hochschule Berlin den Alice Salomon Poetik Preis 2011 an Eugen Gomringer vergeben.[1] Sein Gedicht avenidas ziert die Fassade der Hochschule[2]

Konkrete Poesie[Bearbeiten]

1953 prägte Gomringer den Begriff Konkrete Poesie in Analogie zum Begriff der „Konkreten Kunst“. In seinen Gedichten, die mit der Materialiät der Schrift und des Schriftbildes spielen, folgt er der abstrakten – von ihm konstruktiv genannten – Malerei seiner Zeit. Gomringer führt in seinem zentralen Manifest vom vers zur konstellation die Auffassung des ästhetischen Objekts als funktionalen Gegenstand aus.

Karl Riha charakterisiert Eugen Gomringer mit den Worten: „Er ist der Vater der deutschen Nachkriegsmoderne- und dies gleichermaßen durch programmatische Verlautbarungen wie extraordinäre poetische Texte, die bis heute- und über das Heute hinaus- ihre Spannkraft behalten haben. Er ist – im technischen wie im imaginativen Sinne des Begriffs – ein Erfinder, der die Sprache der Literatur nachhaltig verändert hat.“

Gomringer schreibt in Deutsch, Schweizerdeutsch, Spanisch, Französisch und Englisch.

Werke[Bearbeiten]

  • Kommandier(t) die Poesie! : Biografische Berichte. Edition Signathur, Dozwil 2006, ISBN 3-908141-35-4
  • Poesie um den Weissenstädter See. Das Stundenbuch von Eugen Gomringer. Fotograf: Marcellus Kaiser. Kaiser, Rehau 2006. ISBN 978-3-939426-00-4 und ISBN 3-939426-00-8
  • Zusammen mit Anton Stankowski: Gucken - Ein Kinderbuch, Leonberg 1980
  • Das Werk von Edgar Knoop. Ein kinetisches Programm für Licht, Farbe und Bewegung in Lichtkinetische Collagen. Lichtkinetische Reliefs. Lichtkinetische Stelen. Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen und Heidelberger Kunstverein, München 1993.
  • vom vers zur konstellation . In: Augenblick, Jahrgang 1, Heft 2, 1955. In: „Aspekte der Avantgarde“ von Anja Ohmer (Hrsg.): Augenblick, Band 1, Weidler-Verlag Berlin 2005.
  • Vom Rand nach Innen, die Konstellationen 1951-1995, Gesamtwerk Band I. Edition Splitter, Wien 1995, ISBN 3-901190-19-8
  • Theorie der Konkreten Poesie, Texte und Manifeste 1954-1997, Gesamtwerk Band II. Edition Splitter, Wien 1997, ISBN 3-901190-34-1
  • Zur Sache der Konkreten, eine Auswahl von Texten und Reden über Künstler und Gestaltungsfragen 1958-2000, Gesamtwerk Band III. Edition Splitter, Wien 2000, ISBN 3-901190-30-9
  • Quadrate aller Länder, Gesamtwerk Band IV. Edition Splitter, Wien 2006, ISBN 3-901190-90-2
  • admirador, Sonette, Essays, Vorträge, biografische und autobiografische Texte, Prosa und Märchen aus sechzig Jahren. Matthes & Seitz Berlin, 2012, ISBN 978-3-88221-592-2

Literatur[Bearbeiten]

  • Jo Enzweiler (Hrsg.): Eugen Gomringer im Gespräch mit Monika Bugs. 1. Auflage. Galerie St. Johann, Saarbrücken 2003, ISBN 3-928596-78-0.
  • Oliver Herwig: Wortdesign : Eugen Gomringer und die bildende Kunst. Iudicium, München 2001, ISBN 3-89129-726-2
  • Anja Ohmer: Eugen Gomringer und die Konkrete Poesie. In: orte – Schweizer Literaturzeitschrift Nr.143, Dez. 2005/ Januar 2006.
  • Anja Ohmer: Gomringer hoch 2: Konkrete Poesie gibt Laut! In: Sag was zur Nacht - oder: die Gomringers sind hier. orte – Schweizer Literaturzeitschrift Nr.167, Mai/Juni 2011, S. 36-43.
  • Konkretismus: Materialien. Reader und wissenschaftliche Dokumentation. Katalog zur Ausstellung konkretismus. material/sprache und abstraktion seit 1955. BW-Bank, Stuttgart 2006. Ausgewählt, gesammelt und herausgegeben von Anja Ohmer und Reinhard Krüger. Stuttgart 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alice Salomon Poetik Preis 2011. Abgerufen am 25. Januar 2011.
  2. http://idw-online.de/pages/de/news448070